Sanktionen gegen Iran gefährden Bau der europäischen Gas-Pipeline Nabucco

Europas Gefolgschaft der US-Außenpolitik bei den Sanktionen gegen den Iran gefährdet die Energie-Planungssicherheit der EU: Die geplante Nabucco-Pipeline kann ohne iranisches Gas nicht gebaut werden. Die Abhängigkeit Europas von Russland würde dann weiter zementiert. So könnte Gerhard Schröder (Gazprom-Lobbyist) einen späten Sieg gegen seinen Erzfreund Joschka Fischer (Nabucco-Lobbyist) feiern.

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Seit 2002 arbeitet ein Konsortium bestehend aus der deutschen RWE, der österreichischen OMV, der ungarischen MOL, der bulgarischen Bulgargaz, der rumänischen Transgaz und der türkischen Botas an der Planung des Megaprojekts welches im Vollbetrieb 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr nach Europa transportieren soll mit vor allem einem Ziel: die europäische Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern.

Seit Jahren schon werden Pläne geschmiedet, wie Europas Abhängigkeit von russischem Gas endlich überwunden werden kann. Die von einigen Kommentatoren bereits für tot erklärte Nabucco-Pipeline ist zweifelsohne das Flaggschiff-Projekt für dieses Vorhaben. Vergangene Woche gab das Nabucco-Konsortium bekannt, nun endlich Grunderwerbsstudien in der Türkei in Auftrag geben zu wollen, um sobald wie möglich mit dem notwendigen Landerwerb zum Bau der mehr als 10 Milliarden Dollar teuren Pipeline beginnen zu können.

Die fast 4000 Kilometer lange Pipeline soll ab 2017 Erdgas vom Kaspischen Meer durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn bis zum Verteiler nach Wien und damit in das europäische Gasnetz bringen. Mindestens 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr müssen durch die Leitung gepumpt werden um die Wirtschaftlichkeit des Projektes zu garantieren. Doch immer noch mangelt es an verlässlichen Zulieferstaaten.

Eines dieser Länder ist der Iran. US-Amerikanische Sanktionen und die vorherrschende politische Stimmung aus Angst vor einer Atombomben-bedingten Uran-Anreicherung haben jedoch dazu geführt, dass Teheran von Anfang an von den Verhandlungen um die Volumina der Pipeline ausgeschlossen war.

Iran ist reich an natürlichen Erdgasvorkommen. Bereits 2010 erklärte der ehemalige deutsche Bundeskanzler Schröder, dass die Nabucco Pipeline ohne iranisches Gas nicht realisierbar sei. Pikant: Für das Nabucco-Projekt ist Schröders alter Buddy Joschka Fischer als Lobbyist unterwegs. So finden sich die Spitzen der rot-grünen Koalition am Tisch eines der größten Energie-Pokers als Kontrahenten wieder. Und im Moment scheint der geschäftstüchtige Ex-Kanzler die besseren Karten zu haben.

Schröders Rolle im Pipeline-Gambling besteht vor allen darin, Gazprom bei dem Bau der Nord Stream Pipeline zu beraten, welche seit November 2011 bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas über 1.224 Kilometer von Wyborg in Russland nach Lubmin bei Greifswald durch die Ostsee transportiert. Der Ex-Kanzler ist also bestens qualifiziert, wenn auch nicht ganz unbefangen, Aussagen über den Inhalt von Gaspipelines zu treffen. Gazprom plant nämlich ebenfalls die mit der Nabucco Pipeline direkt konkurrierende South Stream Pipeline. Sollte diese realisiert werden – wovon man im Moment ausgehen kann – wird sich die europäische Abhängigkeit von russischem Gas deutlich erhöhen. Als Reaktion auf die Erklärung des Konsortiums bestätigte letzte Woche der türkische Energieanalyst Serdar Iskender die Vorahnung Schröders: es sei logistisch nicht möglich, das von dem Konsortium angestrebte Volumen von 30 Milliarden Kubikmeter pro Jahr ohne den Input von iranischem Gas zu erreichen.

Joschka Fischer muss sich also auf weitgehend unbekanntem Terrain bewähren. Denn die Partnersuche für Nabucco gestaltet sich schwierig. Auch Aserbaidschan, ein weiterer gasreicher Staat, steht als Gaszulieferer von Nabucco zur Debatte. Von dem Autokraten Aliyev als erweiterter Familienbetrieb geführt, ist das Land enorm reich an Erdgas. Doch erst im Januar 2012 willigte Aliyev ein, das Volumen der bestehenden Gaslieferverträge mit dem russischen Gas-Giganten Gazprom um die Hälfte zu erhöhen. Wieviel Gas nach den dann drei Milliarden Kubikmeter für andere Pipelines übrig bleiben, ist daher unklar.

Auf der anderen Seite des Kaspischen Meeres ist die repressive Diktatur Präsidialrepublik Turkmenistan. Nach eigenen Angaben mit den drittgrößten Erdgasreserven der Erde begütert, hat auch Turkmenistan trotz intensiver Bemühungen der EU Kommission noch keinen Liefervertrag mit den Europäern unterzeichnet.

Zudem bestehen Ungewissheiten über den völkerrechtlichen Status des Kaspischen Meeres. Zum Teil ist es auch diese Ungewissheit, die Russland zu nutzen weiß um die vorherrschende Hegemonie in ihrem „Hinterhof“ auszubauen und die anderen Anrainerstaaten politisch unter Druck zu setzen.

Auch im Irak gibt es reichliche Erdgasvorkommen. Aufgrund der jedoch nach wie vor instabilen politischen Situation südwestlich des Kaspischen Meeres lässt sich aber auch auf diese Quelle nicht langfristig bauen.

Die europäische Energiesicherheitspolitik darf also entscheiden zwischen der Cholera und der Pest. Aufgrund der teilweise scheinbar bedingungslosen außenpolitischen Konvergenz zwischen US-amerikanischen und deutschen Interessen, insbesondere bei der Energiepolitik, scheint diese Wahl bereits ganz klar getroffen worden zu sein. Die finale Entscheidung, ob Nabucco jemals wiederbelebt werden kann, liegt also letztendlich sicher mindestens einen Atlantik entfernt vom Berlaymont Gebäude in Brüssel: Sie dürfte in Washington getroffen werden, wenn es den Europäern nicht gelingt, ihre eigenen energiepolitischen Interessen durchzusetzen.

Nabucco-Fan Fischer befindet sich in diesem Konflikt in einem besonderen Dilemma: Konnte er als Steinewerfer der 68er-Generation noch nichts Gutes an den Amerikanern finden, wurde er während seiner Tätigkeit als Außenminister zum glühenden Transatlantiker. Ob ausgerechnet der gewandelte Fischer nun gegen die Amerikaner antreten wird, bezweifeln Beobachter in Brüssel daher.

Es ist gut möglich, dass Fischer, der in Umfragen immer vor Schröder lag, auf dem harten Parkett der wirtschaftspolitischen Interessen beim Energie-Poker den Kürzeren gegen den Ex-Kanzler aus Hannover zieht. Denn Schröder kann sich seit Sonntag auch freuen, dass sein anderer Buddy, der russische Premier Wladimir Putin, einen glanzvollen Sieg errungen hat (hier). Es ist zu erwarten, dass Putin das Prestige-Projekt South Stream mit Hilfe Schröders entschieden vorantreiben wird. Fischers Engagement für Nabucco könnte dagegen zum Kampf gegen Windmühlen werden. Weil es hier aber nicht um Erneuerbare Energien geht, ist auch seine einschlägige Expertise als Grüner nur von geringem Nutzen.

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Kommentare

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  1. marcus regenberg, Krefeld sagt:

    „Kommt es zum Krieg gegen Iran?“ – Interview mit Christoph R. Hörstel

    2011 erlebte die Welt mit dem Arabischen Frühling die Rebellion des Volkes. Oder doch nicht? Nahost-Experte Christoph R. Hörstel ist sich sicher, dass in allen Ländern, in welchen das Volk gegen das vorherrschende Regime auf die Straße geht, die USA ihre Finger mit im Spiel hatten. Deutlich wird dies zum Beispiel an den NATO-Luftwaffen-Übungen zum bevorstehenden Krieg in Libyen, welche bereits 14 Tage vor den ersten Aufständen in Libyen stattfanden.
    Auch im aktuellen Konflikt mit Syrien, ist es alles andere als ein Zufall, dass ausgerechnet jetzt die Aufständigen gegen Damaskus ziehen….

    http://nuoviso.tv/vortraege/politik/531-kommt-es-zum-krieg-gegen-iran

    https://www.youtube.com/watch?v=0ynwuA9i9w0&feature=player_embedded#!

  2. bauer sagt:

    Fischer & Schröder

    Polizistenverprügler, Steinewerfer, Bücherdieb und Pornosynchronisator „Joschka“, der Liebling des linken Boulevards, konnte Deutschland in seinem kriminellen (Vor)leben nicht annähernd so viel Schaden zufügen, wie als Außenminister, Vizekanzler (oh Gott!)
    und 5 fach- verheirateter Transatlantiker.

    Schröder ist zwar auch schon vier mal geschieden, hat uns aber zumindest aus der Völkermordorgie Irakkriege rausgehalten …

  3. meinung sagt:

    sowas blödes aber auch,hätte die Regierung das vor der vergabe der Sanktionen gewußt……na dann hätte ….?

    Das ist alles nur Zufall…..diese ganze Ereignisse aber auch ……!!

    Jetzt wollte die BRD Firma den Iran es mal so richtig zeigen……so ein Mist aber auch…das kann man ja nicht wissen….egal,dann müssen halt die Preise für Gas und Oel und Strom doch noch etwas steigen…was solls….dann wandern die Firmen halt aus der BRD wegen zu hohen Energiekosten aus….macht nix…

    So ein Zufall aber auch ……diese ganzen Ereignisse…

  4. doci sagt:

    Die Achse des Bösen ist schuld – sagen sie

    Die Achse des Bösen ist Bagdad / Teheran und weiter – sagen sie

    Was wäre aber, wenn die Achse des Bösen Washington/Brüssel/Jerusalem wäre?

  5. Freiheit sagt:

    Wie wäre es eigentlich mit griechischem Erdgas? Zwei Fliegen mit einer Klappe!

  6. Vanessa_ sagt:

    „Die finale Entscheidung, ob Nabucco jemals wiederbelebt werden kann, liegt also letztendlich sicher mindestens einen Atlantik entfernt vom Berlaymont Gebäude in Brüssel: Sie dürfte in Washington getroffen werden, wenn es den Europäern nicht gelingt, ihre eigenen energiepolitischen Interessen durchzusetzen.“

    Tja, wenn Fischer sich mit seinem Projekt durchsetzen will, wird man zwangsläufig diese Gebiete besetzen müssen, um freien Zugriff auf die Ressourcen zu bekommen. In der momentanen politischen Lage wird es sicherlich nicht so einfach zu Zusagen der Iraner kommen, auch mehr als verständlich! Da gibt es wohl nicht viele Fragen, auf welchem Wege der „Diktator“ des Landes beseitigt und gegen eine Marionette der Transatlantiker ausgetauscht wird. Der Grundstein wird wohl schon bald gelegt? http://www.handelsblatt.com/politik/international/israels-ex-botschafter-entscheidung-ueber-angriff-auf-iran-steht-bevor/6285504.html

  7. EUdSSR sagt:
  8. saito sagt:

    Ist schon bemerkenswert, wie es immer wieder als Schuß ins eigene Knie endet, wenn
    Europa den Forderungen der USA folgt.
    Das sollte man doch endlich überdenken und ändern können,oder? Soll Europa ruiniert werden, damit die USA/Israel davon einen Vorteil haben?

    mit freundlichen grüßen