Banken horten Cash: Übernachteinlagen wieder mit Rekord

Der zweite EZB-Tender hat die europäischen Banken mit so viel Geld ausgestattet, dass diese auf die Schnelle gar nicht wissen, wohin damit. Vor allem aber horten die Banken das Geld offenbar für ihre eigene Refinanzierung - ein deutlicher Beweis, wie viel Nervosität nach wie vor herrscht.

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Am Wochenende stiegen die Übernachteinlagen der EZB weiter in die Höhe. 821 Milliarden Euro parkten die europäischen Banken bei der EZB. Bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag hinterlegten sie 777 Milliarden Euro. Mit dem zweiten Tender im Umfang von 529 Milliarden Euro (hier) hat die EZB innerhalb von rund drei Monaten den Bankensektor mit über einer Billion Euro ausgestattet (Investoren warnen bereits vor einem noch viel höheren Crash-Risiko – mehr hier).

Die hohen Einlagen haben zwei Gründe. Einerseits trauen die europäischen Banken untereinander nicht mehr, so dass der Interbankenmarkt fast zum Erliegen gekommen ist. Andererseits – und hier spielt auch das Misstrauen eine gewisse Rolle – ist nun so viel Geld auf dem Markt, dass die Finanzinstitute gar nicht so schnell ihre Gelder umschichten können. „Selbst wenn es eine super hohe Geschwindigkeit bei den Banken vorherrschen würde, würde es zwei Monate dauern, bevor das viele Geld im System“ beispielsweise als erhöhte Mindestreserve sichtbar werde, erklärt Jürgen Michels von der Citi.

Allerdings kommen auch immer neue Gründe ans Licht: Offenbar verwenden die Banken das Geld in großem Stil, um Finanzlöcher bei ihren Auslandsniederlassungen in Südeuropa zu stopfen (mehr hier). Außerdem betrachten zahlreiche Banken das Geld als Geschenk des Himmels für ihre eigene Finanzierung, die sie so natürlich viel billiger bekommen (1% Zins) als bei Investoren (mehr dazu hier).

Die durch die Tender unglaublich hohe Liquidität im System spiegelt sich auch beim EURIBOR, dem Zinssatz für Termingelder in Euro im Interbankengeschäft, wieder. Dieser erreichte mit 0,934 Prozent den niedrigsten Stand seit 16 Monaten. Und da die Banken den Tender nutzen, um unter anderem in Staatsanleihen zu investieren, sinken die Zinssätze (diese lagen bei zehnjährigen, italienischen wieder bei unter 5 Prozent – hier). Die EZB gab auch in der vergangenen Woche an, keine Staatsanleihen gekauft zu haben – die dritte Woche in Folge.

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Kommentare

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  1. Maria del Mar sagt:

    In den USA sagt man zu Billion Trillion

  2. Freiheit sagt:

    @ Nagelix
    Die Trillion war eine spontane Vision!

  3. louis-portugal sagt:

    Wer weiss wo dass geld der EZB herkommt???

    • HatFiatauchohneAuto sagt:

      Daher wo jeder, kriminelle von träumt… Sie druckt es selbst 😀

      Also wird es „unbegrenzt“ so weiter gehen und so enden wie es schon angefangen hat. Bei der Bank von Stockholm 1661, dort wurde leider zuviel Geld gedruckt und es endete im Fiasko. Irgendwann wird das auch bei der EZB der Fall sein…. Dann machts BOOM :)))

      Ein hoch aufs Fiatgeld mit Selters, weil für Schampus fehlt uns das Geld.

  4. Casi sagt:

    Nicht Trillion, sondern Billion in Deutschland. Oder 1.000 Milliarden. Oder eine Million mal eine Million. Oder 10 hoch 12 – die Exponentialschreibweise wird sich in den nächsten Jahren ohnehin durchsetzen, da sich kein Mensch mehr von den vielen Nullen beeindrucken lässt – und die Zählerei, ob man nur einen 10- oder einen 100 Millionenschein in der Hand hält relativ aufwändig ist.

    • Smart sagt:

      Hehe 😉 Stimmt genau! So war es nämlich auch damals 1920/1930, als das Problem damals schon auftrat. Ein Brötchen kostete damals gut und gerne 10000 Mark. Reichsmark, wohlgemerkt.

  5. Nagelix sagt:

    ….den Bankensektor mit über einer Trillion Euro ausgestattet….

    Fehlerteufel….Aus dem Kontext heraus müsste es Billion und nicht Trillion heissen.