Griechenland: Offene Drohungen gegen Schuldenschnitt-Verweigerer

Die Griechen versuchen, so viele Gläubiger als möglich zum Schuldenschnitt zu bewegen. Per Montag haben erst 20% der Gläubiger zugestimmt. Der Chef der Athener Schuldenagentur versucht es nach dem Erlkönig-Motto: Er droht jenen, die besonders „smart“ sein wollen. Auch Finanzminister Venizelos erhebt die Stimme – womit man sicher sein kann, dass die Griechen nichts in der Hand haben.

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Nach Schätzungen von Bloomberg haben erst etwa 20% der privaten Gläubiger dem Schuldenschnitt in Griechenland zugestimmt – viel zu wenig, damit der Deal gelingt. Daher erwarten Experten, dass die Zwangsumschuldung am 9. März in Kraft gesetzt werden kann (Collective Action Clause, CAC). Wenn es dazu kommt, sehen die meisten Beobachter den Tatbestand der Pleite erfüllt (hier). Auch die Bankenbehörde ISDA wird sich dann nicht länger der Anerkennung eines „Credit Event“ (Feststellung der Zahlungsunfähigkeit) verweigern können.

Daher machen die Griechen jetzt noch mal richtig Druck – verbal, wie immer – und daher auch nicht besonders überzeugend. Die Griechen müssen überraschender Weise auch erst ihre eigenen Pensionsfonds und Banken von den Segnungen eines 70%-Verlusts überzeugen (hier). Finanzminister Evangelos Venizelos sagte, dass es jetzt sehr wichtig sei, dem Schuldenschnitt zuzustimmen, denn besser werde es nicht für die Gläubiger. Das klingt zwar sehr nach Pfeifen im Walde – und ist auch nicht ganz richtig: Denn noch weiß niemand, wie Klagen gegen den Schuldenschnitt enden. Die Hedge Fonds sind darin erfahren (hier), und die zerstrittenen Griechen liefern schon unfreiwillig jede Menge an Belegen, die die Position der Hedge Fonds stärken (hier).

In der New York Times ist der Chef der griechischen Schuldenagentur, Petros Christodoulou, noch einen Schritt weiter gegangen. Er sagte: „Es gibt kein Geld für die, die nicht mitmachen. Wir sind auf Klagen vorbereitet, aber das Risiko tragen jene, die jetzt besonders schlau (smart) sein wollen.“

Christodoulou, der vor seiner griechischen Offizial-Karriere für (surprise!) Goldman Sachs und JP Morgan gearbeitet hatte, könnte sich bei seiner unverhohlenen Drohung allerdings gewaltig verrechnen: Denn selbst wenn die Hedge Fonds jetzt nicht zustimmen, würde ihnen bei einer rechtlichen Auseinandersetzung mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens das zugesprochen werden, was die erzwungenen Freiwilligen jetzt erhalten. Dies gebietet schon der Gleichheitsgrundsatz – freilich kein Rechtsprinzip, das zum verinnerlichten Wertkanon eines Goldmans gehört.

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Kommentare

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  1. Werner sagt:

    Köstlich, die Drohungen der Habenichtse! Juncker – Da hat das finanzpolitische raubtier in London kurz geknurrt und schon kroch der Held zu Kreuze und war handzahm!
    Die politik hat es längst verabsäumt, den Hyänen der Finanzwelt den Knüppel zu schmecken zu geben, damit sie sich an regeln und gesetze halten. Statt dessen hat man immer nachgegeben. weil man glaubte, sich durch freundliche Reden gut wetter verschaffen zu können.
    Der irrtum kommt am Freitag!
    Dann geht der Tanz gleich richtig los!

  2. Tommy Rasmussen sagt:

    7.3.
    Zwangsverschuldung
    Am Donnerstag um 24 Uhr läuft die Frist für die Annahme des
    Schuldenschnitts für GR ab.
    Griechenland droht den Gläubigern, der Dax stürzt ab, der Euro
    stürzt ab und das Horoskop morgen Nacht hat die Konstellation
    „Zwangsverschuldung“ bzw. „Zwangsinsolvenz“.
    http://www.astro-seiten.de/tagfuertag.html

  3. wooddragon sagt:

    Wer gut englisch spricht, kann auf der Seite The Slog sehr interessante Informationen finden. Viele Artikel zum Thema geplante Griechenland Pleite für die Woche vom 20.03.2012.

  4. Haikubehindert sagt:

    Die Märkte rechnen mit der Auszahlung der Credit default Swap Papiere:
    http://www.cnbc.com/id/38451750/

    Selbst heute stiegen die CDS Zockerpapiere wieder um 4%, was nicht nur das Risiko widerspiegelt, sondern auch das Interesse an der Versicherung. Niemand weiss in Normalzeiten genau welcher Einfluss auf den CDS -Preis höher ist, die Absicherung von Staatsanleihen und das Risiko, oder die Nachfrage.
    Da dereit praktisch niemand Griechische Staatsanleihen kauft steht für mich fest, der Anstieg beruht auf der Nachfrage durch Zocker welche die Versicherung „nackt“ kaufen, also ohne entsprechend Staatsanleihen zu halten.

  5. Basisdemokrat sagt:

    „Nach Schätzungen von Bloomberg haben erst etwa 20% der privaten Gläubiger dem Schuldenschnitt in Griechenland zugestimmt – viel zu wenig, damit der Deal gelingt. “

    Soweit ich informiert bin, prüfen die Finanzminister der Euroländer den Deal.
    Ist das ganze nachvollziehbar ? Angenommen, es stimmen nur 50% der privaten Gläubiger dem Schuldenschnitt in Griechenland zu, aber es wird behauptet und gemauschelt es wären 100%. Lässt sich das prüfen? Ich denke bisher wurde soviel getürkt, dass auch hier vieles nicht mit rechten Dingen zugeht.

    Wer weiß mehr ?

    • Haikubehindert sagt:

      Jede Nation hat nur eine bestimmte Anzahl zugelassener Primärhändler, die Staatsanleihen verkaufen dürfen. In Deutschland sind das nur 38. in Europa treten immer wieder die gleichen Primärhändler in Erscheinung, zum Beispiel die Deutsche Bank. Das Engagement von Banken ausserhalb Europas ist von Nation zu Nation aber ziemlich verschieden. Ich habe keine Ahnung welche das in Griechenland sind, in Österreich treten hier Credit Suisse, BNP Paribas, Goldman Sachs, Merrill Lynch, Royal Bank of Scotland und andere in Erscheinung. Aus Asien ist nur Nomura International dabei.
      Diese Primärhändler kennen die privaten Käufer der Staatsanleihen, nicht aber die Finanzminister der Euroländer. Sie müssten die Namen offen legen, was Banken normalerweise nicht tun. Die Credit Suisse sagt mit Sicherheit den Europa Miistern nicht wem sie Staatsanleihen weiter verkauft, ebensowenig Goldman Sachs oder gar Nomura. Es werden Hedge Fonts sein die eine grosse Menge davon halten, dann Pensionskassen und Versicherungen. Banken können, wenn sie einverstanden sind mit dem Schuldenschnitt nur für jene Anleihen sprechen die sie selbst in ihrem eigenen Depot führen (unter ihrem Namen).

      • Munnie sagt:

        Wenn ich @Basisdemokrat richtig verstanden habe, fragt er, ob es möglich ist, dass Brüssel einfach behaupten kann, es hätten sich ausreichend Anleihenhalter beteiligt und ob man die Zahl überprüfen kann.

        Würde mich auch interessieren. Wäre es möglich, dass hier geschummelt werden kann?

      • Basisdemokrat sagt:

        @Munnie „Wenn ich @Basisdemokrat richtig verstanden habe, fragt er, ob es möglich ist, dass Brüssel einfach behaupten kann, es hätten sich ausreichend Anleihenhalter beteiligt und ob man die Zahl überprüfen kann.“

        Genau so hab ich das gemeint.
        Danke für die Info @Ille1975

        Ich gehe mal davon aus,es wird keine Liste geben in der z.B steht.

        -Credit Suisse hat zugestimmmt
        -Deutsche Bank hat zugestimmt
        -BNP hat abgelehnt

        Somit nicht für mich nicht wirklich transparent.

    • Ille1975 sagt:

      Man kann von den Hedgefonds ja halten was man will. Ich glaube nicht, daß die sich von unseren Finanzministern über den Tisch ziehen lassen. So blöd und naiv werden die sicherlich nicht sein.

      • Selbstdenker sagt:

        Der Sachse sagt: „Hätt`sch Fongs, braucht`sch ni mehr zu arbeidn!“

      • Werner sagt:

        Die DÜRFEN nicht! Sie verwalten fremdes Geld, das Hedging ist in dem Fall von Bonds durch die CDS gegeben! (Wenn sie solche nicht sogar nackt halten, aber das ist eine andere Story).
        Ein derartiger Fonds hat nicht das Recht, auf das Geld seiner Anleger zu verzichten! Vor allem ohne Not, denn ein Kaufmann realisiert einen Verlust erst, wenn er eingetreten ist!
        Wenn sie CDS halten, werden sie den Teufel tun, denn das könnte wiederum ihnen ruimnöse Klagen ihrer vermögensgeber bringen!
        Und wenn man weiß, daß der herr Grünspan gesagt hat: „der Euro wird kommen, aber er wird keinen bestand haben“, dann weiß man, daß die US-Finanzoligarchie ganz sicher nichts tun wird, um den euro zu retten. die wollen – und das ist ihr recht – ihre Rendite sehen.