Banken verwenden EZB-Gelder für ihren eigenen Schuldendienst

Die europäischen Banken verwenden einen Großteil der EZB-Kredite für ihre eigene Finanzierung. Sie bekommen nämlich von der EZB viel attraktivere Zinsen als auf den Märkten. Damit gehen Pensionsfonds und Versicherungen attraktive Investment-Möglichkeiten verloren. Die Aktion der EZB entpuppt sich als weiterer Schritt der Abkoppelung der Finanz- von der Realwirtschaft.

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Dank der beiden EZB-Tender haben die europäischen Banken sich bis 2014 refinanzieren können. Das macht sie unabhängig vom teuren Schuldenmarkt. Setzt jedoch Pensionskassen und Versicherungen jedoch wirtschaftlich massiv unter Druck und führt zu starken Einbrüchen am Schuldenmarkt.

Die über 1 Billion Euro der beiden Finanzspritzen entsprechen Goldman Sachs zufolge ungefähr den vorrangigen Verbindlichkeiten der Banken, die 2012, 2012 und 2014 auslaufen. Die europäischen Banken sind also dank des EZB-Geldsegens faktisch bis 2014 vorfinanziert. Das ist ein Glück für die Banken: Denn viele von ihnen haben noch jede Menge von Schrottpapieren in ihren Bilanzen versteckt, weshalb sie – ähnlich wie die Schuldenstaaten – bei ihre Unternehmensanleihen einen Risikoaufschlag bei den Zinsen bezahlen müssen.

Das billige Geld der EZB war als Überbrückung für eine sich anbahnende Kreditklemme und als Beruhigung des Staatsanleihen-Marktes gedacht. Doch genau diese Finanzspritze von mittlerweile 1,106 Billionen Euro gefährdet nun eine der wichtigsten Geschäftsgrundlagen der Banken. 800 Finanzinstitute griffen vergangene Woche zu. Kredite für einen Zinssatz von lediglich einem Prozent – das ist unschlagbar. Vorrangige Verbindlichkeiten der Banken werden dagegen durchschnittlich mit 3,5 Prozent verzinst.

Neben dem niedrigen Zinssatz ist aber auch die Dauer von drei Jahren ein unwiderstehlicher Anreiz für die Banken, das Geld für den eigenen Schuldendienst zu verwenden. Viele Banken nutzen daher den Tender, um sich mittelfristig zu finanzieren.

Die Höhe des Tenders, die lange Laufzeit und der niedrige Zinssatz führen dazu, dass viele Banken die in den nächsten drei Jahren fälligen, am herkömmlichen Schuldenmarkt aufgenommenen Kredite einfach auslaufen lassen, statt sie mit neuen Krediten zu refinanzieren. „Einige (Bankanleihen, Anm. d. Red.) werden bei 10 bis 11 Prozent gehandelt. Warum sollen sie das tun, wenn sie bei einem Prozent von der EZB leihen können“, sagte Daniel Hemmant von der BNP Paribas der FT.

Das jedoch führt zu einem Aushungern des Schuldenmarktes: Immerhin entfallen 46 Prozent des europäischen Schuldenmarktes auf den Bankensektor. Für institutionelle Anleger wie Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften kann dies zu einem echten Problem werden. Sie müssen Milliardenvermögen anlegen und vermehren. Aus regulatorischen Gründen dürfen sie meist lediglich Unternehmensschulden halten. Daniel Hemmant zufolge gibt es bereits große Versicherer, die aktiv auf Banken zugehen, um sie dazu zu bringen, ihnen Bankanleihen auszustellen.

Matt Spick von der Deutschen Bank geht jedoch davon aus, dass die Bankemissionen aufgrund des Tenders nur um 25 bis 50 Prozent fallen werden, da die Banken die guten Beziehungen zu den Versicherern und Pensionskassen aufrecht erhalten will. Schließlich brauchen sie ja Geldgeber, wenn der EZB-Tender in drei Jahren ausgelaufen ist. Satis Pulle von der European Credit Management hingegen sagt, die Banken würden sich bereits jetzt schon vom Schuldenmarkt isolieren.

Doch Daniel Hemmant von der BNP Paribas befürchtet, dass sich die Folgen des EZB-Tenders nicht nur auf dem Schuldenmarkt zeigen werden, sondern rechnet mit Dominoeffekten am Finanzmarkt. „Wann immer man solch große Aktionen (EZB-Tender, Anm. d. Redaktion) tätigt, bringt dies automatisch unvorhergesehene Konsequenzen mit sich.“

Einer der von Mario Draghi gewünschten Effekte zeigte sich bereits auf dem Markt der Staatsanleihen. So sank die Rendite für italienische und spanische Anleihen in den vergangenen Wochen rapide (zuletzt unter die 5-Prozent-Marke – hier). Dies senkte im Gegenzug auch die Erträge aus dem Staatsanleihen-Markt, so dass die Banken einerseits in riskantere, aber profitablere Bonds investieren (hier) oder sich mit Blick auf den griechischen Schuldenschnitt ganz aus dem Staatsanleihen-Markt zurückziehen.

Ein nicht ganz so erwünschter Aspekt ist die Praxis der Banken, mit dem EZB-Geld einfach die Löcher bei ihren maroden Tochterunternehmen in den südeuropäischen Staaten zu stopfen (mehr hier).

Marino Valensise von Baring Asset Management schätzt, dass Bankschulden von rund 200 Milliarden Euro in den nächsten 12 Monaten nicht durch die Emission von Schuldanleihen refinanziert werden. Er glaubt, dass diese auslaufen und das Geld beispielsweise in hochverzinste Blue-Chip Anleihen gehen wird. „200 Milliarden Euro ist viel und es gibt Segmente, in denen es dramatische Auswirkungen haben könnte“. Durch die Tender ist so viel Geld am Markt, dass die Banken noch nicht einmal genau wissen, in was sie investieren. So dass sie sogar die äußerst niedrige Rendite der EZB-Übernachteinlagen in Kauf nehmen, nur um ihr Geld erst einmal zu parken (hier).

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Kommentare

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  1. Jan Meves sagt:

    Und noch eine versteckte USA Subvention ? Goldman and Sachs ist bestimmt nicht ärmer geworden aber der normale EU Bürger hat auf einmal ca. 1/5 tel weniger ! Ich habe nachgerechnet und bin bei etlichen USA Abzocken auf einen Geldtranfer Wert Richtung USA im Wert von ca. 265 x des Taipei 101 gekommen ! Es brodelt in Deutschland – die Rentner an den Edeka Kassen werden immer wütender.

  2. Anonymus sagt:

    Das nennt man auch INSIDER – WISSEN !

    Nee INSIDER – KREDIT !!!

    Gibts den auch für bewährte Mitarbeiter ?

  3. Dagmar sagt:

    „Die Höhe des Tenders, die lange Laufzeit und der niedrige Zinssatz führen dazu, dass viele Banken die in den nächsten drei Jahren fälligen, am herkömmlichen Schuldenmarkt aufgenommenen Kredite einfach auslaufen lassen, statt sie mit neuen Krediten zu refinanzieren.“

    Okay, den Satz als solchen kann ich verstehen, aber in drei Jahren müssen die Banken neue Kredite aufnehmen, da die EZB das Geld ja wieder einsammeln muss. Und dann?

  4. rundertischdgf sagt:

    Wir haben bei einigen Bundestagsabgeordneten nachgefragt, woher die EZB das Geld habe, das sie in den Geldmarkt pumpt. Antwort des MdB Pronold und SPD Landesvorsitzenden. Die eine Billion Euro ist nur ein Buchwert.
    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/03/06/mdb-pronold-spd-erklart-das-handeln-der-ezb/

    • Munnie sagt:

      Da ist der MdB Pronold aber nicht so ganz informiert.

      1. Buchgeld ist auch Geld. Ansonsten wären Sparguthaben auf der Bank auch kein wirkliches Geld bzw. Guthaben. Zumindest ist es aber nix, was nicht auch irgendwann zurückgezahlt werden muss, oder wofür nicht jemand gerade stehen muss. Die weitaus größte Menge an Geld ist Buchgeld. Papiergeld ist nur ein relativ kleiner Teil.

      2. Die EZB hat das Geld ( 1 Bio Dollar) zuvor von der FED geliehen bekommen und ist dort damit in der Verbindlichkeit, muss also Zinsen für bezahlt werden und auch zurück gezahlt werden. Ich denke, die FED wird auch noch mehr auf den Markt werfen, wenn gewünscht.

      3. Die Banken mussten bisher dafür keine Sicherheiten hinterlegen (hier bin ich unsicher. Mussten sie Sicherheiten hinterlegen? Wenn ja, welche? Konnten sie damit schon haltende faule Anleihen gut bei der EZB loswerden?) Wenn sie allerdings von diesem Tendergeld Staatsanleihen kaufen, so wie in Italien, Spanien usw., können sie diese Staatsanleihen als Sicherheiten für weitere Kredite bei der EZB hinterlegen. Also eine nette Gelddruckmaschine für die Banken – das Perpetuum mobile.

      4. Die Banken haben was ganz anderes damit vor, als Kredite an die Wirtschaft damit zu vergeben. Die Kreditklemme besteht also weiterhin. S. DMN-Artikel. So werden eben nicht Unternehmen und Verbraucher mit ausreichend Geld versorgt, sondern die Banken.

      @rundertischdgf
      Kniet euch in die Thematik rein und haut diesem MdB die Fakten um die Ohren. Mal sehen, wie er darauf reagiert.

      • mandelkern sagt:

        ?
        Warum sollte sich die EZB von der FED 1 Billion gegen Zins leihen müssen?
        Sie kann als Zentralbank des Euro-Raums selbst Buchgeld schöpfen, ohne Ben Bernanke.

      • klimperkasten sagt:

        Zu Munnie, Punkt 1: Neuerdings heißt es auf meinen Kontoauszügen nicht mehr „Guthaben“, sondern „Gutschrift“. Ist das anderen auch aufgefallen?

  5. guguk sagt:

    In 3 Monaten bin ich weg. Gottseidank!

  6. dparvus sagt:

    Es wird immer deutlicher:

    Die freien Finanzmärkte zerstören unser Leben.
    (Übrigens, so nebenbei,nicht ganz ernst gemeint: Das sieht man an Sonntagen deutlich, da passiert nicht viel Ernstes, kein Börse, keine aktiven “Märkte”, keine akute Gefahr.)

    Doch, ernsthaft:
    Wie kann eine physisch reale Wirtschaft funktionieren, wenn man völlig ohne diese, völlig ohne physische Arbeit, ohne, “Brotbacken”, “Haus-bauen”, “Lebensmittel- anbauen” usw. usw., nur mit Einsatz von “Geld” (das in beliebiger Menge “gedruckt” werden kann) leichter und schneller und mehr “Geld” “verdienen” kann?

    Welcher potente Investor,welcheBank, welche Regierung, sollte noch daran interessiert sein, Arbeit und persönliche Leistung zu fördern, zu unterstützen, Verantwortung für das Gemeinwohl zu zeigen?

    Bald wird man für dieses “Geld”, dieses Papier, nichts mehr kaufen können, weil keiner mehr was konkretes, wertbeständiges herstellt.

    Zugegeben, sehr überspitzt, diese Darstellung. Und sie würde im Extrem erst dann zum Tragen kommen, wenn weltweit nur noch dem Papiergeld nachgejagt würde.

    Aber die Aussage bleibt dennoch gültig. In den Staaten, den Währungen, in denen diese Freiheit der Finanzmärkte so hochstilisiert wird, herrschen Arbeitslosigkeit, Armut und Resignation, folgen Gewalt und Zerstörung. Einige, sehr wenige Superreiche, Millionen Arme.

    Das beste, umfassendste Beispiel bieten die USA. Über die wahren Zustände hört und liest man hierzulande fast nichts, jedenfalls nicht in den Mainstream- Medien. Ron Paul wird da zum Beispiel totgeschwiegen, vollkommen. Der sagt z. B., wie es wirklich aussieht.

    Wielange lassen wir Draghi, Bernenke und Co. noch von unserer Leistung leben?

    Leistungsverweigerung ist eine Form des Widerstandes. Es gibt noch vieles mehr.

    Denken Sie mal darüber nach, Frau Merkel.

    • F.S. sagt:

      Leistungsverweigerung, schön wäre es. Nur gibt es zuviel ängstliche und systemkonforme Mitbürger die einfach nicht wissen was los ist. Um unsere Mitbürger aufzuwecken sollten wir uns bessere Möglichkeiten überlegen, hätte da schon ein paar konstruktive Ideen zu diesem Thema

  7. King Balance sagt:

    Politische Dummheit kann man lernen, man braucht nur deutsche Schulen zu besuchen. Die Zukunft Deutschlands wird wahrscheinlich für den Rest des Jahrhunderts von Außenstehenden entschieden werden. Das einzige Volk, das dies nicht weiß, sind die Deutschen. Der Londoner Spectator am 16.11.1959

    The Spectator war eine täglich erscheinende Londoner Zeitung 1711–12, gegründet von Joseph Addison und Richard Steele, die sich auf der Charterhouse School kennengelernt hatten. Eustace Budgell, ein Cousin von Addison, trug auch dazu bei. Die Erstausgabe erschien am 1. März 1711.

    Die hatten Weitsicht, genau „SO“ ist es gekommen!!!

    Ihr lernt das, was Ihr wissen dürft, und nicht das, was Ihr nicht wissen solltet. Ganz einfach! http://kingbalance.blogspot.com/2012/02/ihr-lernt-das-was-ihr-wissen-durft-und.html

  8. Gautier Irgendwo sagt:

    Warum eigentlich braucht es für solch fadenscheinige Lösungen,
    noch einen so pompösen, Finanz Expertenstab?

    • F.S. sagt:

      Ganz einfach, wenn diese „Experten“ nicht ihren Job hätten würden die Mülltonnen leeren, denn sonst sind die für nix zu gebrauchen.

  9. WiKa sagt:

    Mal ehrlich, wer hätte denn eine andere Verwendung erwartet. Die Banken haben schon vielfach bewiesen, dass sie sich selbst „die Nächsten“ sind. Auch nur im geringsten an eine soziale Verantwortung dieses Industriezweigen zu appellieren gleicht dem Versuch aus aus Löwen und Tigern Vegetarier machen zu wollen. Ich denke, ernstzunehmende Ökonomen wissen durchaus um den weiteren Werdegang, oder besser Niedergang. Neben der günstigen Eigenfinanzierung, es klang schon im Artikel an, werden vermeintlich sichere und hochprofitable Investitionsmöglichkeiten gesucht. Die Börsen dürfte es ein Weilchen befeuern, nur der abzusehende Katzenjammer wird am Ende dann um ein vielfaches lauter.

    Dieses Dilemma bekommen wir auch nicht tatsächlich entschärft, solange nicht das kaputte Geldsystem selbst angegangen wird. Ein Schritt zu dem die Politiker keine Courage haben oder ihnen (dem Fraktionsstimmvieh) tatsächlich der Durchblick fehlt. Man muss letzteres unterstellen, denn sonst wären sie schlicht kriminell. Was sie nach besseren Einsichten auch sind … nur sind sie leider gleichzeitig auch noch immun gegen alles.

    Also geben wir dem vor Schmerz geneigten Leser eine „Denk-Spott-Aufgabe“ mit auf den Weg. Wie kann man das kaputte Geld-System so umbauen, dass es nach wie vor ein kaputtes ist, aber wieder der Mehrheit der Menschen dienen könnte? Wie es an sich für ein kollektives System der Fall sein sollte. Hier ein sarkastischer, aber deshalb trotzdem bedenkenswerter Ansatz: Wir machen alle Hartz IV Bezieher zu Bankern, nebst Berechnungen und Erläuterungen an dieser Stelle …

    „BfA will Banken-Gründungswelle in Deutschland“ … Link