Großbritannien: Aufsichtsbehörde will Interbanken-Zinssatz überarbeiten

Weltweite Manipulationen am Interbankenmarkt haben zu zahlreichen Entlassungen und Verlusten geführt. Nun will die britische Aufsichtsbehörde die Festsetzung des Libor ändern.

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Weltweit waren Verträge im Gesamtwert von 350 Billionen Dollar weitreichenden Manipulationen ausgesetzt – auch die Deutsche Bank ist betroffen. Grund hierfür ist die Festlegung der Interbanken-Zinssätze (Libor). Nun wollen die britische Aufsichtsbehörde und weltweit agierende Banken die Festsetzung der Interbanken-Zinssätze einer weitreichenden Überarbeitung hinsichtlich ihrer Kalkulation und ihrer Regulierung unterziehen.

Der Libor (London Interbank Offered Rate) wird täglich unter der Aufsicht der British Bankers‘ Association (BBA) in 10 Währungen festgelegt. Zur Berechnung des Libor gibt ein Gremium aus den wichtigsten Banken der BBA und den Londoner Banken an, zu welchen Zinsen sie von anderen Banken Geld angeboten bekommen und zu welchen sie an andere Gelder verleihen.

Das Gremium selbst ist nicht demokratisch gewählt. Die Banker sollen bei der Festsetzung des Libors oftmals zugunsten der Banken entschieden haben. Im vergangenen Jahr beispielsweise wurden zahlreiche Gerichtsverfahren eingeleitet, bei denen den Banken aus dem Gremium vorgeworfen wurde, die Marktpreise zu verzerren. So verklagte etwa der Finanzdienstleister Charles Schwab elf Großbanken. Er bezichtigte Banken wie die Citigroup und JP Morgan Chase der Manipulation. Ihnen wurde vorgeworfen, ihre Kreditkosten absichtlich zu niedrig anzusetzen, um die eigenen Zinsaufwendungen für Finanzprodukte, die vom Libor abhängig sind, zu senken. Damit seien Anleger um ihre Erträge gebracht worden und die Banken hätten ungerechtfertigte Gewinne in Millionenhöhe gemacht.

Seit der Finanzkrise 2008 haben die Unstimmigkeiten bei der Festsetzung des Libor zugenommen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich machte damals auf Missstände aufmerksam. In Folge dessen stockte die British Banker’s Association das Gremium von 16 auf 20 Banken auf.

Am Montag trafen sich nun die (BBA), Vertreter des Finanzministeriums, der Bank of England, der Aufsichtsbehörde für Finanzdienstleistungen und etliche Banken, die bei der Festsetzung des Libor mithelfen, zu Gesprächen. Noch befinden sich die Gespräche im Anfangsstadium. Aber Quellen der FT berichten, dass die Neustrukturierung auch eine neue ordnungspolitische Kontrolle und härtere Anforderungen an die beteiligten Banken mit sich bringen könnte.

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  1. Chris sagt:

    Das ist eigentlich nicht besonders verwunderlich, da hier kein Marktmechanismus greift!