Staatsanleihen: Italien will Ersparnisse der Kleinanleger

Die privaten Haushalte in Italien gehören zu den am wenigsten verschuldeten. Um die Schulden des Landes besser refinanzieren zu können, will die italienische Regierung nun an die Ersparnisse der italienischen Bevölkerung kommen. Spezielle Anleihen sollen Kleinanleger anziehen.

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Am Dienstag gab das italienische Finanzministerium bekannt, auch den Kleinanlegern die Möglichkeit geben zu wollen, auf sie zugeschnittene Staatsanleihen erwerben zu können. Die Sparquote der Italiener ist traditionell sehr hoch und die privaten Haushalte zählen zu den am wenigsten verschuldeten in Europa. Um davon zu profitieren, hat das Finanzministerium die speziellen Bonds entwickelt.

Die neuen Anleihen haben eine Laufzeit von 4 Jahren, können direkt online ohne Bankenprovision erworben werden und werden an die italienische Inflationsrate gebunden. Die Coupons sollen alle sechs Monate ausgezahlt werden. Zudem soll es eine 0,4 Prozent-Prämie für diejenigen geben, die die Bonds über die vollen vier Jahre halten. „Die Zeit war reif“, erklärt Maria Cannata vom Finanzministerium, um ein Produkt direkt auf die Bedürfnisse der italienischen Familien zuzuschneiden, die um die Sicherheit ihrer Investitionen besorgt sind.

Die Idee, die Bevölkerung zu Haltern von Staatsschulden zu machen ist an sich nicht neu. Bereits im vergangenen Jahr gab es in Italien den „Buy a Bond Day“ und auch Belgien startete im Dezember 2011 ein solches Programm (hier). Aus Sicht des Finanzministeriums ist es verständlich, zu versuchen, auf diese Weise an die Ersparnisse der Italiener zu kommen. Wie viele Bonds allerdings tatsächlich verkauft werden können, darüber will Maria Cannate keine Einschätzung abgeben.

In den vergangenen Wochen profitierte die italienische Regierung auch von fallenden Renditen am herkömmlichen Markt. Grund hierfür war die massive Liquiditätsspritze der EZB (insgesamt wurden jetzt über eine Billion Euro auf den Markt geworfen – mehr hier). Dadurch sanken die Zinssätze für zehnjährige Anleihen teilweise sogar teilweise unter die 5-Prozent-Marke. Die italienischen Banken waren beim ersten Tender die größten Kreditnehmer, aber auch beim zweiten Tender zeichnete sich eine hohe Beteiligung der Banken bereits ab (Mehr als 130 Milliarden Euro – mehr hier).

Doch die Gefahr ist noch nicht vorüber. Das Land steckt in einer Rezession und der Kauf der Staatsanleihen war auf das frische Geld der EZB zurückzuführen und nicht vordergründig auf eine gewachsenes Vertrauen der Investoren. Zumal in den vergangenen Wochen hauptsächlich auf die Emission von kurzfristigen Anleihen gesetzt wurde. Diese verkaufen sich wegen ihres geringen Risikos besser. „Dies ist die Zeit, um mit dem Wind und nicht gegen den Wind zu gehen“, erläutert Vittorio Grilli, stellvertretender Finanzminister, die Vorgehensweise des Finanzministeriums. „Es ist nicht die Zeit, um sich auf irgendein Papier zu versteifen, das auf keinen willigen Markt stößt“.

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Kommentare

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  1. Werner sagt:

    Wow! Ponzi is back!
    Ist ja zu niedlich, was man sich da in Italien ausdenkt. Für die Italiener ist das vielleicht neu, die gehen dem noch auf den Leim.
    Bei uns ist man seit dem 1.WK (Kriegsanleihe) davon geheilt, in untergehende Staaten zu investieren…

  2. EULENSPIEGEL sagt:

    „Um davon zu profitieren, hat das Finanzministerium die speziellen Bonds entwickelt.“

    Ja, das glaube ich der Verbrecherbande aufs Wort! Allerdings zu IHREM Profit!!!!!

    EULENSPIEGEL