Griechenland: Schuldenschnitt steht auf wackligen Beinen

Die Unsicherheit an den Märkten über einen erfolgreichen Schuldenschnitt ist deutlich zu spüren. Auch der Chef der KfW-Bank macht sich Sorgen und fürchtet eine ungeordnete Insolvenz. Der griechische Finanzminister bleibt indes optimistisch und übt weiter Druck aus. Rund die Häfte der Investoren scheint sich bereit erklärt zu haben, am Haircut teilzunehmen.

Aktuell
Griechenland: ISDA bereitet sich auf „Credit Event“ vor

Bis Donnerstagabend haben die privaten Gläubiger noch Zeit, auf das Angebot der griechischen Regierung zum freiwilligen Schuldenschnitt zu antworten. Während die griechische Regierung, allen voran Evangelos Venizelos, sich optimistisch zeigt, mehren sich am Markt die Zweifel. Der Dax sank am Dienstag um mehr als drei Prozent. Am Mittwoch äußerte sich auch der der KfW-Chef Ulrich Schröder besorgt.

Die KfW-Bank selbst werde sich zwar am Schuldenschnitt beteiligen, aber es gebe Anzeichen, dass die erforderlich Quote von 60 Prozent nicht erreicht werden könnte. Man sei zwei überwiegend zuversichtlich, aber die Marktstimmen klängen zunehmend skeptisch. Ein nicht erfolgreicher Schuldenschnitt würde eine Insolvenz Griechenlands auslösen und die wäre bisher durch keine Rechtsform abgesichert, so dass es zu einer ungeordneten Insolvenz käme.

Damit es zu einem Schuldenschnitt überhaupt kommen kann, müssen mindestens 50 Prozent der privaten Gläubiger überhaupt auf das Angebot der griechischen Regierung antworten. Würden diese Teilnehmerzahl nicht erreicht, wäre der Schuldenschnitt bereits hier gescheitert. Von diesen 50 Prozent müssen Zwei Drittel dem PSI zustimmen, damit die Regierung überhaupt die anderen Gläubiger über die „collective action clauses“ zu einem Forderungsverzicht zwingen kann. Griechenland selbst will eine freiwillige Beteiligung von mindestens 75 Prozent. Sollte das nicht erreicht werden, dürfte es kein OK zum zweiten Rettungspaket geben und eine Pleite Griechenlands wäre die Folge.

Am Montag hatten bereits zwölf große Versicherungen und Banken wie etwa die Deutsche Bank und die Commerzbank eine Beteiligung zugesichert (hier). Am Mittwoch teilten auch die sechs größten Banken mit, dem Haircut zuzustimmen. Die britische Royal Bank of Scotland und die HSBC bestätigte ihre Teilnahme ebenfalls. Dem Internationalen Bankenverband zufolge liegt der Wert griechischer Anleihen, zu deren Tausch sich verschiedene, private Gläubigern entschlossen haben, bei 81 Milliarden Euro. Das entspricht, so der Bankenverband, 39,3 Prozent der griechischen Schulden. Neuesten Meldungen zufolge soll sich bisher rund die Hälfte der privaten Gläubiger für eine Beteiligung ausgesprochen haben.

Anders sieht es bei den Hedge-Fonds, Kleinanlegern und griechischen Pensionsfonds aus (hier). Acht Pensionsfonds bestätigten eine Teilnahme am PSI, vier weigern sich jedoch. Schwierig wird es auch hinsichtlich der griechischen Bonds, die nicht dem griechischen Recht unterliegen. Diese sind wahrscheinlich vom Schuldenschnitt nicht betroffen. Indes riet der Deutsche Anlegerverein Anlegern, die kurzfristige Anleihen besitzen, sich nicht am Schuldenschnitt zu beteiligen (hier). Mit Blick auf diejenigen, die nicht am PSI teilnehmen werden, sagte Evangelos Venizelos am Mittwoch nur: „Wenn der PSI nicht erfolgreich sein wird, was wird dann wohl der Wert ihrer Anleihen sein? Null“ (der Chef der Athener Schuldenagentur äußerte sogar Drohungen – hier).

Mehr zum Thema
Griechenland: Geheimer Deal mit Goldman Sachs löste Euro-Krise aus
Portugal: Bailout wird immer wahrscheinlicher
Bundesbank-Gewinn bricht ein: 1,5 Milliarden weniger für Schäuble

Kommentare

Dieser Artikel hat 92 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Sakrihittn sagt:

    Weiss eigentlich jemand ob und wieviel von unseren Lebensversicherungen ecc. in Griechenland investiert ist? Wenn ja müsste man auch diese Gläubiger einmal fragen ob sie dem Schuldenschnitt beitragen wollen 😛

  2. isolde sagt:

    …wackligen Beinen….

    für wen bitte?

  3. Julia sagt:

    Liebe Redaktion

    Hier ist wieder der Troll Julia unterwegs. Nach mehrmaligen Anfragen von mir hier etwas zu unternehmen, sollten doch nun auch Sie endlich beim moderieren es bemerken

    • redakteur sagt:

      Liebe Julia!

      Wir haben Sie schon einmal darauf hingewiesen, bitte Ihren Namen noch zu ergänzen. Julia ist weit verbreiteter Name. Es muss nicht zwangsläufig sein, dass „Julia II“ in böser Absicht handelt. Sollte Ihr stärker personalisierter Name wieder nachgeahmt werden, werden wir eingreifen.

      Mit der Bitte um Verständnis.
      Beste Grüße
      Die Redaktion

    • Munnie sagt:

      @ Julia

      nenn dich doch einfach „Julia, die Echte“ oder so ähnlich.
      Wenn das dann immer noch nachgeäfft wird, wird die Fälschung offensichtlich.
      Bitte nicht einfach weggehen. 🙁

  4. Vanessa_ sagt:

    Huch: Hat das die „richtige“ Julia geschrieben? Woher dann der Sinneswandel? Weiter unten liest sich das noch ganz anders.

  5. neuer sagt:

    Über deinen positiven Kommentar freue ich mich sehr! Sowas liest man leider selten hier – danke dafür!

  6. J. C., geb. Püschl sagt:

    „Laut“ gedacht:

    Beim Lesen der Kommentare hier fällt mir immer wieder auf, wie erstaunlich genau die Schreiber über den bösen Plan informiert sind, wie exact sie ihn vor- bzw. nachbeten können, und wie alternativlos ihre mentalen Ausrichtungen sich gemeinhin offenbaren!

    Wenn ich nicht so fest davon überzeugt wäre, dass noch „unbeugsame Gallier“ in Deutschland leben, könnte ich zur Überzeugung gelangen, dass hier mit niemandem mehr ein Staat zu machen ist, keiner wirklich etwas verändern will, und alle im Stillen sytemtreu sind und es auch bleiben wollen.

    Bin mal gespannt, was der Test mit dem „Omnibus“ als Ergebnis bringen wird!
    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/03/39183/#comment-69699

    (Nach derzeit 22 Stunden noch keine Antwort, kein Kommentar, keine Resonanz; was sich daraus wohl schliessen lässt?)

    • Munnie sagt:

      Hallo Püschl,
      ich hab mich beim Omnibus eingetragen und mach natürlich gerne mit (hatte den Aufruf bisher noch nicht entdeckt).
      Vielleicht öfter wiederholen, weil vermutlich die meisten ihn nicht gesehen haben. Allerdings finde ich es wichtig, dass du ihn dann auch bei DMN initiierst. Sonst wird das hier nichts…..