Mario Draghi: 460 Deutsche Banken griffen zum Tender

EZB-Chef Mario Draghi hält die zwei Tender für einen „unbestreitbaren Erfolg“. Besonders die hohe Zahl der Banken, die die Kredite genutzt haben, sei zufriedenstellend. Einen dritten Tender hat er nicht ausgeschlossen. Zunächst sei es jedoch an den Regierungen, etwas zu unternehmen.

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EZB-Kredite: Deutsche Bank hat Milliarden abgerufen

Um den Erfolg der 3-Jahres-Tender zu veranschaulichen, sprach EZB-Chef Mario Draghi von den vielen kleineren Banken, die beim zweiten LTRO Geld abgerufen hätten. 460 von den 800 beteiligten Banken seien deutsche Banken gewesen, sagte Draghi auf einer Pressekonferenz am Donnerstag, Wer genau diese deutschen Banken sind bzw. aus welcher Region sie stammen, wollte er nicht sagen. „Ich würde ihnen gern die Plätze, die Städte oder die Dörfer vorlesen, wo sich diese Banken befinden, aber oftmals würden sie die einzige Bank in der Stadt sein, so dass man sie identifizieren könnte“, erklärte er.

In dieser Mitteilung Draghis sehen Beobachter bereits die Retourkutsche für den Bundesbanker Jens Weidmann, der die Politik des italienischen EZB-Präsidenten immer wieder scharf kritisiert (mehr hier).

Für Mario Draghi bedeuten dies jedoch, dass das Geld jetzt viel näher an den kleinen und mittelständischen Unternehmen ist als vorher. Auch, wenn er nicht sagen könnte, dass das Geld dort tatsächlich ankommen wird. Allerdings, fügte er hinzu, hätten die vielen deutschen Banken durchschnittlich weniger geliehen als Banken anderer Länder (Italiens Banken holten 130 Milliarden – hier).

Hinsichtlich eines dritten Tenders machte Mario Draghi erwartungsgemäß keine genauen Angaben – er schloss es allerdings auch nicht aus. Die beiden Tender seien ein „unbestreitbarere Erfolg“. Die Märkte seien wieder offen und auch der Interbankenmarkt – wenn auch nur bei kurzfristigen Anleihen. Insgesamt seien viele Fortschritte gemacht worden und eine gewisse Stabilisierung sei eingetreten. Aber nicht nur der LTRO, sondern auch die Reformbemühungen einiger Regierungen und der Fiskalpakt hätten dazu beigetragen. Nun sei es aber an den Regierungen und den Banken, die Reformen fortzusetzen.

Auf eine zweite Nachfrage zum LTRO sagte der EZB-Chef: „Wir müssen genau sehen, wie sich die wirtschaftliche und finanzielle Landschaft nach diesen zwei Operationen verändert hat und es gibt viele Komplexitäten die gründlich analysiert werden müssen“. Die EZB mache keine Zusagen, „wir wollen genau sehen, was die Effekte sind.“

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Kommentare

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  1. Grauber sagt:

    Den Bedarf an Krediten darf man nicht positiv bewerten, Herr Draghi – ja sicher, als Banker denken Sie natürlich so.

    Dort wo die Wirtschaft dringend Kredite benötigt, ist kaum Eigenkapital vorhanden.

    Wie gut, dass Sie selbst freimütig über das Kapital folgender Generationen an Steuerzahlern verfügen können.

    Nur zu dumm, dass gerade die Jugend-Arbeitslosigkeit überall so hoch ist.

    Aber was weiss ich denn schon –

    • Michele sagt:

      Jugend-Arbeitslosigkeit! – Die Statistik sagt es zumindest. Hoffentlich nehmen die Jungs und Girls keinen bleibenden Schaden.

  2. Max sagt:

    Hier waren schon Kommentatoren als Hellseher am Werke.

    Die Quote liegt wirklich bei 90 Prozent

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