Erneuerbare Energien: Die Blase droht zu platzen

Viele Banken haben mit Krediten für Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien gewaltige Positionen aufgebaut. Die kleine Bremer Landesbank hat im Jahr 2011 mehr als eine Milliarde in das Segment gepumpt. Nun treten die ersten Schwierigkeiten auf – und die staatliche KfW muss mit Bürgschaften einspringen.

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Etwa 600.000 deutschen Haushalten ist in den vergangenen Monaten wegen ihrer offenen Rechnungen bei Energie-Versorgern der Strom gesperrt worden. Die steigenden Belastungen der Kleinverbraucher waren im Winter bereits vom Sozialverband VdK wie auch dem Verband kommunaler Unternehmen kritisiert worden.

Nun zeigt der Verband NAEB (Nationale Anti-EEG-Bewegung) mit einer Untersuchung am Beispiel der Bremer Landesbank, wie die staatliche Förderung von Ökostrom durch das EEG-Energie-Einspeisungs-Gesetz sich als ein Geschäftsmodell für Banken als kurzfristig hochprofitabel erweist. Zugleich ist eine Blasenbildung zu erkennen. Es gibt sogar schon erste Anzeichen des Platzens.

Mit der Einführung der Einführung des EEG (Gesetz zur Einspeisung erneuerbarer Energien) wurde die Förderung dieser Stromerzeugung mit dem Ziel aufgesetzt, im Jahre 2020 rund 35 Prozent des Stromverbrauchs durch Ökostrom aus Wind-, Sonnen-, Biogas- und Wasserenergie wie auch Geothermie abzudecken. Für die Banken bringt das neue Gesetz ein neues Geschäftsmodell: Sie vergeben praktisch ohne Limit Baukredite für Ökostrom-Anlagen.

Die Landesbanken haben dieses Geschäft dankbar aufgegriffen – nachdem ihnen die Spekulationen auf US-Subprime-Kredite abhandengekommen waren. So ist auch die Bremer Landesbank im großen Stil eingestiegen. Sie hat 29 ihrer Branchenprofis in Oldenburg für das Thema Erneuerbare Energien abgestellt. Diese haben im Jahr 2011 über eine Milliarde Euro an Krediten für den Bau von Ökostrom-Anlagen erteilt. Damit kann das Bremer Geldinstitut auf sein erfolgreichstes Jahr in diesem Geschäftsbereich zurückblicken. Sein Marktanteil beträgt so immerhin 15 Prozent am bundesweiten Finanzieren von Ökostrom-Anlagen. Es ist einer der größten Finanzierungspartner für den Energiesektor in Deutschland geworden.

Doch diese Ausrichtung birgt erhebliche Gefahren: Mit dem Auslaufen von etlichen Förderungselementen im Bereich der Erneuerbaren Energien sind zahlreiche Unternehmen in eine finanzielle Schieflage geraten. So drohen in der Branche Pleiten – die auch dadurch beschleunigt werden, dass das Stromnetz noch bei weitem nicht in der Lage ist, alle erneuerbaren Energien in das Netz einzuspeisen. So könnte der Fall eintreten, dass für viele der hochgelobten neuen Energieversorger die staatlichen Förderungen die Haupteinnahmequelle bleiben. Es droht eine Blase, bei deren Platzen Banken wie die Bremer Landesbank auch spürbar unter Druck geraten würden.

So sind bereits erste Finanzierungsprobleme für Windparks auf hoher See (Off-Shore) entstanden. Hier gibt es kaum privates Bau- und Kreditinteresse, da die Kosten für Aufbau und Betrieb innerhalb der rauen See zwangsläufig nicht abschätzbar sind. Daher musste die staatliche KfW-Bank einspringen und Bürgschaften in Höhe von fünf Milliarden Euro bereitstellen um die Offshore-Pläne der Politik als Bestandteil des 35%-Ziels abzusichern.

Was bleibt, ist das technische Risiko für die Betreiber: Zum Anschluss von See ans deutsche Verbundnetz sind spezielle, teure Starkstrom-Leitungen durchs Meer erforderlich. Für diese aber haben die Netzbetreiber, wie sie erklären, kein zusätzliches Geld mehr zur Verfügung. So verzögert sich der Ausbau von Windparks auf dem Meer erneut. Die staatliche Bundesnetzagentur will daher höhere Netzentgelte genehmigen, indem man die festgelegte Rendite für Netzinvestitionen drastisch (auf 11,5% brutto) erhöht.

Es gibt aber noch weitere unangenehme Nebenwirkungen: Das von der Bank für Ökostrom-Maßnahme ausgeliehene Geld verkleinert ihre Geldmenge für andere dringend nötige Kredite. Genau diese brauchen nämlich Firmen und Betriebe, die entweder ausbauen, neues Personal einstellen oder umschulden wollen. Und: Zeitgleich steigen in diesen kleinen und mittelständischen Unternehmen die Stromkosten genauso wie für die übrigen privaten Haushalte. Damit wird mit den Erneuerbaren Energien erneut nicht der deutsche Mittelstand finanziert, sondern ein neuer Spieltisch im Finanz-Kasino eröffnet. Der entscheidende Trost für alle Kritiker: Im globalen Finanz-Kasino gibt es am Ende immer einen Bailout für die Bank.

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Kommentare

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  1. klaus maier sagt:

    windräder im wald,riesenbetonklotz im boden, menge bäume gefällt für zufahrtstrasse uns windrad -aufstellung. ————-vermutlich geht es auch anders:man kann heute aus holz auch riesen windräder aufbauen(staat stahlmast)so braucht man durch breiten standfuß keinen schweren betonklotz im boden. die holzteile könnte man auch durch last- helikopter absetzen-so keine zufahrttrasse gebraucht. bei großen hohen windrad können sogar baüme daruner wachsen—andere möglichkeit:waldeisenbahn?,wo dafür kaum bäume gefällt werden müssen.? (können aber keine riesengroßen,sperrigen teile transportiert werden, sondern können bei holz auf baustelle zusammengesetzt werden ?

  2. biersauer sagt:

    Werden die benötigten Pumpspeicher-Kraftwerke nicht gebaut, sind die gesamten WIndkraftanlagten an die 50% unnötig und drehen ins Leere, da dieser aperiodisch erzeugte Strom zu dieser Zeit nicht benötigt wird.
    Nördlich der Donau um den Weinsberger Wald auf SH. 900m befindet sich ein Potential von etwa 4,7Terawattstunden, das ist mehr als gesamt Deutschland an solchen Speicherwerken besitzt, Von der Donau als Untersee könnten diese Oberseen mittels Überschussstrom gefüllt, sodann über Langzeitbedarf daraus teurer Spitzenstron erzeugt werden.
    Also zuerst die Voraussetzungen für den Ausbau der Windkraft und die PV-Energie schaffen, damit sich das rechnen kann!