Konsum rückläufig: Niederlande rutschen in die Rezession

Der niederländische Konsum ist in den vergangenen Jahren stark gesunken und bremst das Wirtschaftswachstum. Das Land befindet sich in einer Rezession. Besonders die sinkenden Immobilienpreise, die steigenden Hypothekenlasten und geringere Einkommen verschärfen die Entwicklung.

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In Zeiten, in denen die europäische Wirtschaft in einer Rezession steckt und EZB-Chef Mario Draghi eingestehen muss, dass die Inflation auch 2012 über 2 Prozent liegen wird (und das Wirtschaftswachstum stark gefährdet – hier), ist der Konsum im Inland sehr wichtig. Gerade in den Niederlanden jedoch ist dieser kontinuierlich schwächer geworden.

In den neunziger Jahren konnten die Niederlande das höchste Konsumwachstum fast aller Länder des Euroraums vorweisen. Seit der Jahrtausendwende jedoch wird dieses kontinuierlich schwächer, schreibt die Niederländische Bank. Besonders die aktuelle Euro-Krise schlägt hier zu Buche – 2011 lag es unter einem Prozent. Und ist somit noch schwächer als während der schweren Wirtschaftskrise in den frühen achtziger Jahren. Dies ist einerseits auf die geringen Einkommenszuwächse und den schwächelnden Immobilienmarkt zurückzuführen.

Der Konsum in den Niederlanden ist 2011 sogar drei Prozent niedriger gewesen als der Konsum in der Eurozone. Doch das ist kein Phänomen der heutigen Zeit, urteilt die Niederländische Bank. Seit Anfang des Jahrhunderts ist der Konsum stetig zurückgegangen und während des vergangenen Jahrzehnts war das durchschnittliche Wachstum des Konsums in keinem Land der Eurozone so schwach wie in den Niederlanden. Das ist durchaus bemerkenswert. Gehörten die Niederlande in den neunziger Jahren doch zu den Ländern mit dem höchsten Wachstum der Konsumausgaben.

Das Problem ist unter anderem das langsamer wachsende Einkommen – saisonal bereinigt sank es zwischen 2002 und 2011 sogar durchschnittlich um 0,7 Prozent. Von 1992 bis 2001 dagegen stieg es durchschnittlich um 3,2 Prozent. Zudem sind die Rentenbeiträge in den ersten Jahren nach 2000 deutlich gestiegen und haben so zusätzlich das verfügbare Einkommen reduziert.

Eine weitere Ursache ist der niederländische Immobilienmarkt. Im Gegensatz beispielsweise zu den Deutschen, kaufen Niederländer gerne ein Eigenheim – entweder in Form einer Wohnung oder eines Hauses. Gründen sie eine Familie, wird das alte Eigentum verkauft, um es in ein größeres Eigenheim zu investieren. Zwischen 1995 und 2001 verdoppelten sich die Immobilienpreise in den Niederlanden – im Euroraum legten sie um rund 25 Prozent zu. Niederländer, die in der Hochphase dieses Booms eine Hypothek aufgenommen haben, mussten entsprechend deutlich tiefer in die Tasche greifen. Zudem lockerten die Banken die Kreditbedingungen, so dass es einfacher war, eine Hypothek aufzunehmen.

Um das Jahr 2000, als in vielen anderen Euro-Ländern jedoch die Hauspreise noch einmal kräftig anzogen, nahmen diese in den Niederlanden allerdings kontinuierlich ab. Mittlerweile sind die Preise verglichen mit dem Höhepunkt Ende der Neunziger Anfang 2000 um 10 Prozent zurückgegangen – weniger als in Ländern wie Irland und Spanien, aber deutlich mehr als der Durchschnitt der Eurozone. Bei vielen Niederländern ist der Wert des Hauses niedriger als die Hypothek, die sie einst aufgenommen haben. Die hohen Hypothekenschulden dämpfen entsprechend auch den niederländischen Konsum.

Die neuen Sparmaßnahmen der niederländischen Regierung werden sich nun ebenfalls auf den Konsum der Bürger auswirken. 16 Milliarden Euro müssen eingespart werden (hier), um das verfehlte Haushaltsdefizit (hier) wieder zu erreichen.

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Kommentare

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  1. Jan Venzke sagt:

    HOLLAND SUCKT !!!