Schäuble: Griechenland soll sich ein Vorbild an Estland und Slowenien nehmen

Deutschland würde alles tun, um in der Eurozone zu bleiben – sagt Finanzminister Schäuble. Das muss auch von den Griechen erwartet werden. Schließlich hätten andere Länder noch viel mehr Opfer für Reformen bringen müssen.

Aktuell
Bundesbank: Nur 643 Millionen Euro Gewinn

„Niemand kann ausschließen, dass Griechenland ein zusätzliches Paket benötigt“, sagte der Bundefinanzminister Wolfgang Schäuble in einem Interview mit der italienischen Zeitung „La Repubblica“. Immerhin rede man von einem Zeitraum von acht Jahren, in dem Griechenland der Analyse der Troika zufolge bis 2020 eine Verschuldung von 120,5 Prozent des BIP erreichen sollte. Die Ergebnisse der Troika bieten ein „realistisches Szenario, kein optimistisches“, so Wolfgang Schäuble. Aber „ich bin überzeugt, dass wir die bestmöglichen Entschlüsse vor dem Hintergrund vieler Unklarheit getroffen haben“. Es war allerdings nicht einfach und er könne keine 100-prozentige Garantie auf Erfolg geben.

Auf die Frage, ob die geforderten Sparmaßnahmen für Griechenland nicht zu hart sind und ob die Deutschen an Griechenlands Stelle solche Forderungen akzeptieren würden, bejahte er. „Wenn wir eine ähnliche Krise hätten, würden wir alles tun, um uns in der Eurozone zu halten“. Letztlich seien die Mindestlöhne der Griechen nur auf das Niveau der Spanier reduziert worden. Zudem hätten beispielsweise Estland, Slowenien und die Slowakei fast doppelt so viele Reformen nach 1989 umsetzen müssen. „Wir wollen helfen, aber niemand zwingt Griechenland, Hilfe anzunehmen.“

Von einer Vormachtstellung Deutschlands wollte Wolfgang Schäuble in dem Interview mit der „la Repubblica“ ebenfalls nichts wissen. „Ich versichere Ihnen, Deutschland hat weder die Absicht noch die Möglichkeit, Europa zu beherrschen“, so Schäuble, „niemand musste der Währungsunion beitreten.“ François Mitterrand sei es gewesen, der eine stabile europäische Währung wollte. „Leider haben wir Deutsche dann die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes verletzt“.

Mehr zum Thema
EU will Eurobonds für Infrastruktur-Projekte
Umfrage (2): Wie stimmen die Bundestags-Abgeordneten über den ESM ab?
EZB fordert strengere Haushalts-Disziplin

Kommentare

Dieser Artikel hat 59 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. homo_sapiens sagt:

    „ … niemand musste der Währungsunion beitreten.“

    Auch die BRD nicht? Das hat man doch ganz anders in Erinnerung: die deutsche Einheit wurde unzweifelhaft mit der Preisgabe der DM verknüpft. Eine knallharte Erpressung durch unseren französichen „Freund“ Mitterand, der die Dominanz der DM über seinen Franc schon lange nicht mehr ertragen konnte.
    Siehe Spiegel-Titelgeschichte „Geheimakte Deutschland“ September 2010.

    Auch wenn Schäuble diesen Zusammenhang leugnet, ich glaube dem Spiegel mehr als ihm.

    Schäuble glaube ich inzwischen gar nichts mehr. Weder seine Darstellung der 100.000 DM Spende, die Brigitte Baumeister ja bestreitet, noch seine aktuelle Schwadroniererei von einem ausgeglichenen Haushalt 2016.

    Er wird sich wie weiland Eichel und Steinbrück von der Wirklichkeit eines besseren belehren lassen müssen.

  2. H. Müller-Greven sagt:

    Es ist unglaublich, was die sog. Volksvertreter uns zumuten ! Aber bald haben sie sowieso alles zerrüttet — und können getrost zuhause bleiben. Denn Schäuble, Merkel und Brüssel machen ein deutsches Parlament überflüssig…

  3. klassenhass sagt:

    Neuester Stützesatz Griechenland: 360 Euro, plus pro Familienangehörigen 10%, heisst alleinerziehend, zwei Kinder 432 Euro, maximal ein Jahr, DANKE.

  4. Gast sagt:

    Gute Idee sich an anderen Ländern ein Beispiel zu nehmen. Da fällt mir doch sofort das Rentenalter, die Löhne, die Preise, die Steuern und Abgaben und noch viele andere Sachen ein in welchen Deutschland nicht als Beispiel dient. Auf diesem Auge ist Schäuble allerdings blind wenn es um Vergleiche geht. Wir können auch die Finanzminister anderer Länder mal mit Schäuble vergleichen – wie wär’s! Schmeißen die so viele Milliarden Steuergelder zum Fenster raus? Nehmen die die Krankenkassenbeiträge zur Haushaltssanierung? Besteuern die ihre eigene Armee? Verfehlen die ihr Haushaltsdefizit auch so hoch wie Deutschland im Jahr 2011?

    Schäuble sollte besser im Hintergrund bleiben und nichts von sich geben. Deutschland mit Slowenien, Estland oder Griechenland zu vergleichen ist schon arm um sich als Finanzminister in besseres Licht zu stellen. Hier gibt es nichts zu vergleichen was auch nur vergleichbar wäre – weder wirtschaftlich noch politisch.

    Tja, wenn niemand dem Euro beitreten muß, dann frag ich mich wieso niemand den Euro aus wirtschaftlichen Gründen verlassen darf. Beitreten und über Jahre billige Kredite bis zur Pleite zu bekommen ist einfach.

    Wieso redet der Mann eigentlich immer soviel Unsinn und dies auch noch in der Öffentlichkeit.

  5. Korsar sagt:

    Schäuble: „Wenn wir eine ähnliche Krise hätten, würden wir alles tun, um uns in der Eurozone zu halten“.

    Er, würde das versuchen. Nicht Deutschland. Er ist derjenige, der uns immer weiter erst in die „Krise“ hineintreibt! Um dann alles zu tun, um uns in der EUROzone zu halten. Das war wohl schon immer sein Traum.

    • sonnenblatt sagt:

      Er vertritt ja auch nicht Deutschland, sondern die BRD GmbH, dafür wird er ja auch bezahlt unser …

  6. J.J.Rousseau sagt:

    Es geht nur um die Rettung des Lügengeldsystems, der EU, und den Organisationen der Bankster- und Industrieterr… Griechenland ist nach der Pleite vor der Pleite. Nur, dass mit der Steuergeldrettung die privaten Banken durch die Steuerzahler finanziert werden. Die nächste Phase ist: Griechenland aus der EU zu werfen. Die wirtschaftliche Abwärtsspirale ist in ganz Europa nicht mehr aufzuhalten – auch der Fall des Lügengeldsystems.

  7. Sein Führungsstil ist die Erpressung sagt:

    „Wir wollen helfen, aber niemand zwingt Griechenland, Hilfe anzunehmen.“

    Schäuble lügt denn er hat schon Griechenland gemahnt:

    Schäuble: „Griechen müssen Hilfe annehmen“
    Der Tonfall wird härter

    http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/437543_Der-Tonfall-wird-haerter.html

  8. Markus sagt:

    Herr Schäuble lässt in diesem Interview völlig außen vor, dass Deutschland im Gegensatz zu Griechenland ein Geschäftsmodell mit starken Kapitalsammelbecken besitzt.
    Griechenland jedoch hat nach wie vor kein Geschäftsmodell und sie werden mit dem Euro auch keins zustande bringen, da die Währung einfach nicht zu diesem Land passt. Griechenland wäre wohl gut beraten seinen Schuldendienst einfach einzustellen (siehe Argentinien) und sich wieder selbst um sich zu kümmern. Angefangen mit der eigenen Währung!
    Dazu müssen aber wohl erstmal die Technokraten von Goldman Sachs weg von der Spitze.

  9. EX - DDR Bürger sagt:

    Wacht auf, Verdammte dieser Erde,
    die stets man noch zum Hungern zwingt!
    Das Recht wie Glut im Kraterherde
    nun mit Macht zum Durchbruch dringt.
    Reinen Tisch macht mit dem Bedränger!
    Heer der Sklaven, wache auf!
    Ein Nichts zu sein,
    tragt es nicht länger Alles zu werden,
    strömt zuhauf!

    |: Völker, hört die Signale!
    Auf zum letzten Gefecht!
    Die Internationale
    erkämpft das Menschenrecht. 😐

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,
    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
    Uns aus dem Elend zu erlösen
    können wir nur selber tun!
    Leeres Wort: des Armen Rechte,
    Leeres Wort: des Reichen Pflicht!
    Unmündig nennt man uns und Knechte,
    duldet die Schmach nun länger nicht!

    |: Völker, hört die Signale!
    Auf zum letzten Gefecht!
    Die Internationale
    erkämpft das Menschenrecht. 😐

    In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute,
    wir sind die stärkste der Partei’n
    Die Müßiggänger schiebt beiseite!
    Diese Welt muss unser sein;
    Unser Blut sei nicht mehr der Raben,
    Nicht der mächt’gen Geier Fraß!
    Erst wenn wir sie vertrieben haben
    dann scheint die Sonn‘ ohn‘ Unterlass!

    |: Völker, hört die Signale!
    Auf zum letzten Gefecht!
    Die Internationale
    erkämpft das Menschenrecht.

    Aktueller denn je