Bundesbank: Nur 643 Millionen Euro Gewinn

Die EU-Krise und die damit gestiegene Risikovorsorge der Deutschen Bundesbank führten zu einem deutlichen Gewinnrückgang. Im vergangenen Jahr waren es fast 1,6 Milliarden Euro mehr. Das Loch des Finanzministeriums wird größer.

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Die Bilanz, die Bundesbank-Chef Jens Weidmann bei der heutigen Bilanzpressekonferenz zog, war erwartet worden. Der geringe Gewinn von 643 Millionen Euro ist der niedrigste Wert seit sieben Jahren. Das sind 70 Prozent weniger als 2010. Damals war ein Plus von 2,2 Milliarden Euro erreicht worden. „Der Grund für den Rückgang des Gewinnes findet sich vor allem in der Erhöhung der Risikovorsorge“, so Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Hier seien dir Rückstellungen um 4,1 Milliarden Euro auf 7,7 Milliarden Euro angehoben worden.

Das Risiko der Bundesbank hätte durch die Euro-Krise bei den geldpolitischen Geschäften an den Finanzmärkten „deutlich zugenommen“, so Jens Weidmann. Sowohl der Ankauf von Staatsanleihen durch die Bundesbank als auch die von Geschäftsbanken als Sicherheit für Kredite hinterlegten Staatsanleihen kämen hier zum Tragen.

Für Finanzminister Wolfgang Schäuble bedeutet das ein Finanzierungsloch von mehr als 1,8 Milliarden Euro – das er an anderer Stelle ausgleichen muss. Kein leichtes Unterfangen. Am Montag teilte das Institut der deutschen Wirtschaft mit, dass die Bundesregierung die Sparziele für ihren Bundeshaushalt 2011 deutlich verfehlt hat. So kamen nur rund 4,7 Milliarden Euro der 11,2 Milliarden Euro, die 2010 in einem Sparpaket angegeben waren, zusammen. Für 2012 liegt die Regierung ebenfalls hinter ihren Zielen.

Wie bei der Deutschen Bundesbank sei jedoch auch die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland noch immer den Risiken der Schulden-Krise ausgesetzt. Jens Weidmann schätzt die aktuelle Lage der deutschen Wirtschaft allerdings sehr positiv ein. „Die deutsche Wirtschaft ist in einem bemerkenswert guten Zustand“, erklärte Jens Weidmann auf der Bilanzpressekonferenz.

Erst am Montag kritisierte Bundesbank-Chef Weidmann erneut die derzeitige Geldpolitik der EZB. Es sei nicht Aufgabe der Geldpolitik, marode Banken am Leben zu erhalten. „Entscheidungen über die Umverteilung größerer Solvenzrisiken von Banken und Staaten zwischen den Steuerzahlern der Mitgliedsländer dürfen nur gewählte Regierungen und Parlamente treffen.“ Geldpolitische Nothilfen wie der 3-Jahres-Tender der EZB dürften daher eigentlich nur begrenzt und befristet eingesetzt werden. Das ist nicht die erste Kritik der Bundesbank an der Politik der EZB. Seit Wochen gibt es Unstimmigkeiten. Aber eine Retourkutsche von EZB-Chef Draghi kam vergangene Woche, als dieser unerwartet darauf hinwies, dass besonders die deutschen Banken beim 2. Tender zugegriffen hätten (hier).

Die Kritik an dem Target 2 Saldo Deutschlands ist für Jens Weidmann jedoch nicht sachgerecht. „Für mich stellen die Target2- Forderungen der Bundesbank kein eigenständiges Risiko dar, weil ich ein Auseinanderbrechen der Währungsunion schlichtweg für absurd halte“, äußerte er sich ebenfalls am Montag. Deutschlands ist derzeit mit fast 550 Milliarden Euro der größte Gläubiger in Europa (mehr zum Target 2 – hier).

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Kommentare

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  1. Perspektive sagt:

    wenn durch das Spiel mit dem Geld der Sparer auf der Strecke bleibt, wird es zur großen Schlacht kommen!
    Wutbürger gg. Staatsgläubiger.
    Wir haben alle viel zu verlieren…