Troika: Griechenland erreicht Schuldenziel nur mit neuem Sparprogramm

Weil die griechischen Schulden im kommenden Jahr wieder auf 164 Prozent des BIP steigen werden, muss Griechenland die Ausgaben um weitere 5,5 Prozent kürzen. Die Troika sieht viele Risiken und erwartet weitere Finanzhilfen von der EU.

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Wenn sich Athen streng an die vereinbarte Sparpolitik halte, können die Schulden des Landes bis 2020 und 2030 „nachhaltig“ reduziert werden, heißt es in einem Bericht der Troika zur Schuldentragfähigkeit, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. Nach dem Schuldenschnitt vom Wochenende könnten die Verbindlichkeiten Griechenlands bis 2020 auf 116,5 Prozent und bis 2030 auf 88 Prozent des BIP fallen. Gleichzeitig warnt die Analyse jedoch, dass das den Griechen auferlegte Programm „unfallträchtig“ sei und 2013 und 2014 die Ausgaben um weitere 5,5 Prozent des BIP gekürzt werden müssten. Die Erkenntnisse entsprechen im Wesentlichen den Daten des Geheimberichts von vor wenigen Wochen (mehr dazu – hier).

Durch den Haircut würden sich die Schulden zunächst reduzieren, aber im Jahr 2013 wieder auf 164 Prozent des BIP ansteigen. Die schrumpfende Wirtschaft und die bisher nicht vollständigen finanzpolitischen Anpassungen seien der Grund. „Sobald die fiskalische Anpassung abgeschlossen, das Wachstum wieder hergestellt worden ist und Privatisierungserlöse steigen, wird die Schuldenquote stetig sinken“, schlussfolgert der Bericht. Gleichzeitig merkt die Analyse allerdings an, die Euro-Zone müsse bereit sein, Griechenland mit noch mehr Geld zu unterstützen, um später auch wieder einen offiziellen Zugang zum Staatsanleihenmarkt für Griechenland herstellen zu können.

Zudem sind noch immer weitere Gefahren für die Entwicklung der griechischen Schulden gegeben. Möglicher Weise sei die griechische Behörde nicht in der Lage, die geforderten Reformen umzusetzen. Die Lohnflexibilität hängt von den Unternehmen ab, die Marktliberalisierung wird noch immer von Interessensgruppen unterwandert, die bürokratischen Wege seien weiterhin zu lang und die Privatisierung läuft schleppend. Bei diesem Szenario würde die Schuldenquote der Troika zufolge 2014 mit 170 Prozent ihren Höhepunkt erreichen und 2020 auf 145,5 Prozent gefallen sein.

Die Schlüsse des Berichts stützen sich allerdings vor allem auch auf der Annahme, dass sich nach einem weiteren Jahr der Rezession die griechische Wirtschaft 2013 wieder stabilisiert. Nach einer leichten Erholungsphase (2014 bis 2017) könnte das Land dann seine potenzielle Wachstumsrate von 2,5 Prozent erreichen, heißt es in der Analyse. Diese Zahlen sind aber angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Lage in Griechenland sehr optimistisch. Die Arbeitslosigkeit liegt beispielsweise derzeit bei über 20 Prozent.

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Kommentare

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  1. Pouqueville sagt:

    Pouqeville- um 1800 als Geisel im damaligen osmanischen Griechenland gefangengehalten-, Arzt und später Diplomat in GR,schrieb schon damals: Die meisten Griechen sind Lügner und Betrüger.
    Es sind nicht nur unfähige Regierungen und Behörden, die das Land in die Pleite getrieben haben. Der Schuldenabbau würde funktionieren ,wenn jeder Grieche bereit wäre , bei einem Verkauf oder einer Dienstleistung eine Quittung auszustellen. Quittungen bekommt man nur in Supermärkten, Tankstellen und Hotels;sonst: Fehlanzeige. Alles wird SCHWARZ gehandelt . In den letzten 2 Jahren hatte ich in Gr mehrere Aufträge vergeben — z.B. neues Dach ,neue Fenster,Renovierung eines alten Hauses. Trotz vorheriger Zusage wollte kein Lieferant und kein Handwerker eine Rechnung ausstellen. Das ist der Normalfall in GR. Die meisten Handwerksbetriebe KÖNNEN auch keine Rechnung schreiben,weil sie nicht wissen,wie das geht; Steuerhinterziehung ist in GR die Regel. Das wird sich auch nicht ändern——–

  2. Korsar sagt:

    Die Griechen werden jetzt Pelzmäntel, Geld und Schmuck abgeben müssen. Für den „Endsieg“.

  3. J.J.Rousseau sagt:

    Warum kauft Griechenland denn für 15 Milliarden Rüstungsgüter? Um die Kassen des Nordens zu füllen? Die Menschen verarmen und die Industrie macht weiter wie bis Anhin. Es zeigt, das falsche Gesicht der EU und unseren Regierungen.

  4. EX - DDR Bürger sagt:

    @ spion und spion

    wieso Schublade:Problem?
    Ist erst einmal eine Grundidee
    Das Volk in der DDR hat geschaft was das Volk in der BRD nicht geschaft hat – die Regierung zu stürzen.Auch damals waren erst einmal Grundideen vorhanden die aber durch die Finanzfaschisten mit Hilfe von CDU zerstört wurden.
    Ich selber halte die Gesellschaftsform des Kapitalismus für die bessere Gesellschaftsform
    Kapitalismus in Reinkultur – hat versagt
    Sozialismus – hat versagt
    Sagen Sie mir eine Gesellschaftsform die funktionieren kann
    Meine Aussage ist :Wir sind das Volk, denn alle Macht geht vom Volk aus

  5. Licht4all sagt:

    Troika sollte man (frau) zum Unwort des Jahres ernennen.
    Kopf schüttel…………….

  6. flonic sagt:

    Wenn Politiker und Staatsdiener einen auf Wirtschaftswissenschaft und Unternehmer machen, dann kommt so etwas bei raus.

    Ganz klar, ist ja auch völlig logisch, dass man mit immer weniger Unternehmen bei nachlassenden Umsätzen den Ertrag ergo die Steuereinnahmen steigert. Man muss nur lange genug die Steuern erhöhen (Vorsicht bei 100% ist Schluss, nur so nebenbei) und lange genug Prüfen und Prüfen und … auch was weiß ich noch alles (naja, da gibts ja noch die Statistiken, aber halt da war doch was?!?).

    Man kann auch VEB einführen und Einheitsparteien wählen lassen und dann wird auch alles gut. Die Leute sind nur zu dumm das zu verstehen. Auch Wasser läuft anhand eines neuen Gesetzes den Berg hinauf.

    Bei den Galliern hätte man einfach gesagt, die Spinnen.

  7. Freiheit sagt:

    Ich meinte Luftschlößer