Mitten in der Krise: Griechenland braucht neuen Finanzminister

Evangelos Venizelos kündigt seinen Rücktritt an. Er will sich voll und ganz auf seinen neuen Job als Parteichef der PASOK konzentrieren. Damit verliert Papademos jenen Mann, der in den kommenden Monaten eigentlich die Sparvorgaben der EU hätte umsetzen müssen. Damit dürften sich die Reformen weiter verzögern.

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Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos hat im griechischen TV seinen Rücktritt als Finanzminister angekündigt. Er wolle sich voll auf seine neue Rolle als Vorsitzender der PASOK konzentrieren. Venizelos ist der einzige Kandidat für den Parteivorsitz. Er hatte das Amt bereits vor Monaten angestrebt, war damals aber noch vom Amtsinhaber Georgios Papandreou ausgebremst worden. Als PASOK-Chef wird Venizelos in der Tat alle Hände voll zu tun haben. Am Mittwoch erklärten zwei ehemalige PASOK-Minister die Gründung einer neuen Partei mit dem Namen „Sozialer Vertrag“. Die Spaltung der Linken wird die Zersplitterung der Parteienlandschaft erhöhen.

Ein besonderes Problem ist der Rücktritt jedoch für Premier Lucas Papademos und die EU: Denn Venizelos war die Schlüsselfigur bei allen Verhandlungen. Wie kein anderer hielt er die Fäden zusammen, verfügt als einziger über alle wichtigen Informationen – und natürlich auch über bestimmte Loyalitäten im Ministerium.

Für jeden neuen Finanzminister ist der Job eine Herkulesaufgabe: In einen extrem engen Zeitplan gedrängt, muss der Finanzminister die Vorgaben der EU zu weiteren Sparkursen umsetzen. Allein die Einarbeitung dürfte einige Wochen dauern.

Es ist daher anzunehmen, dass sich weitere Reformen in Griechenland verzögern. Dies könnte sich schon bald auf die Zahlen auswirken und die meisten der ohnehin als zu optimistisch geltenden EU-Prognosen über den Haufen werfen.

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Kommentare

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  1. Einweckglas sagt:

    Hahahahaha…da kann man nur noch lachen….denn Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Und ohne Humor ist das ganze Theater gar nicht mehr zu ertragen.
    Bravo Angela, hast du gut gemacht…du und deine Politkerkaste egal welcher Coleur: Dumm wie immer, denn ich denke, dass mind. 70% deiner Bürger das Vertrauen in Griechenlands Reformwillen schon im Vorfeld misstrauten….

    Ich geh nur noch ungültig wählen…Hat doch alles keine Substanz mehr! Entwickle mich langsam vom Pro-Europäer zum Antieuropäer!!!

    • Syssifus sagt:

      Ungültig wählen,ist keine Alternative.Die Gegner derer,die ich nicht will,sind doch eine gute Wahl.

  2. wir sind das volk sagt:

    Als es darum ging, Deutschland die Kohle aus der Tasche zu ziehen, wurde Venizelos angeheuert. Jetzt wo es um die Umsetzung der Vereinbarungen geht, zieht man sich heuchlerisch zurück und überlässt dies wem? Ich denke einem ganz Ahnungslosen, der nur eine Sündenbock-Funktion auszuüben hat und als Grund dafür herhalten muss, dass die Umsetzung der Vereinbarungen „nur so schleppend“ voran kommen.
    Herr Schäuble, Frau Merkel wie lange brauchen Sie eigentlich noch, um zu erkennen , was hier für ein Spiel gespielt wird? Für wie viele Milliarden wollen sie sich noch von diesen Heuchlern über den Tisch ziehen lassen?
    Ich kann mich nur immer wiederholen, wir brauchen dringendst eine BASISDEMOKRATIE mit VOLKSABSTIMMUNG.

    • Albert Albern sagt:

      Jede solche Wiederholung wirkt wie eine glänzende Idee… Noch trauen viele Menschen weder sich selbst noch ihren Mitbürgern. Auch wenn das Vertrauen ich die Politik längst verloren ging.

      Was lernen wir daraus???

      Auch i der Ratlosigkeit können wir es uns gemütlich machen…

  3. J.J.Rousseau sagt:

    Venizelos: Schon wieder einer, der seine Haut und wahrscheinlich einige „lächerliche“ Milliarden *Privatvermögen“ vor dem Knall und Staat retten will. Geld wahrscheinlich in der Bananenrepublik Schweiz.

    • Bananenrepublikaner sagt:

      Alles klar – „Griechenlandrettung“ fällt sowieso ins Wasser – 30 Milliarden sind für Europäische Bankenrettungen auch ausbezahlt – Griechenland erklärt bald offiziell den Staatbankrott – und alle sind zufrieden – Die Banken sind zufrieden – die EU ist zufrieden – nur die deutschen Steuerzahler, die werden NICHT zufrieden sein. Ob Herr Schäuble dann auch noch zufrieden ist?

    • Anna sagt:

      @ J.J.Rousseau!

      Wiso bezeichnen Sie die Schweiz als Bananenrepublik?

      Immerhin kann da das Volk mitbestimmen was das Parlament beschliesst und nicht wie in Deutschland. Sie sollten schon nachdenken bevor Sie so
      etwas schreiben.

  4. Observer sagt:

    Wo ist denn das Problem, da wird sich doch ein weiterer Goldman Mitarbeiter finden!

  5. Albert Albern sagt:

    Mitten in der Krise: Wahlkampf!
    Mitten in der Krise: Ostern!
    Mitten in der Krise: Hochzeit!

    Die Krise wird langsam zum Alltag…

  6. papperlapap sagt:

    Es ist alles programmiert und wird so kommen, wie es z.T auch Herr Sinn beschrieben hat: Die PIIGS werden ihre Schulden nicht zahlen können. Um weiteres Kapital für einen kurzfristigen Zeitgewinn zu erhalten oder den Schuldendienst aufzubringen werden sie ihre Besitztümer verschleudern. Aber das wird sie nicht entschulden und die EZB wird nicht viel damit gewinnen. Da die EZB auf ihre Forderungen sitzen bleiben wird, muss sie entweder subventioniert oder geschlossen werden. Letzteres ist am wahrscheinlichsten, den Schaden hat nämlich nur ein Gläubiger, der größere Forderungen gegen die EZB hat und das ist die Bundesbank der BRD. Diese ist dann auch pleite – oder wird mit dem Eigentum Deutscher in Billionenhöhe subventioniert.

  7. Euro Gafangenschaft sagt:

    „Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat Griechenland ermahnt, deutsche Hilfsangebote zur Lösung seiner Wirtschaftsprobleme auch wirklich anzunehmen.“

    http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/437543_Der-Tonfall-wird-haerter.html

    Venizelos hat faktisch Schäubles Aufgabe erledigt und haut ab.
    Die Einsparungen werden die GR Wirtschaft erwürgen und das wird nicht nur Griechenland vernichten auch die deutschen Steuerzahlern werden Milliarden Euro auf Dauer zahlen müssen.
    Denn Merkel hat auch betont, dass niemand wird die Eurozone verlassen.

    Cicero: „Wer dem einen schadet, um sich gegen andere freigiebig zu erweisen, macht sich desselben Unrechts schuldig, wie wenn er fremdes Eigentum für sich verwendet.“
    Wie wahr….

  8. EURO sagt:

    Könnte doch sein, dass Venizelos deshalb zurück tritt, weil er den Crash bald kommen sieht und dann schlicht nicht mehr in einer politisch verantwortlichen Position sein will?

    Hoffen nicht vielleicht auch Merkel und ihr talentiertes Kabinett, der ESM könnte den Zusammenbruch über 2013 hinaus verzögern?

    • Waldschrat sagt:

      Genau so wird es sein. Venizelos weiß, dass die Stunde geschlagen hat und begibt sich in Deckung. Der Zusammenbruch der Eurozone rückt immer näher. Nur die Realitätsverweigerer Merkel und Schäuble werden dies wohl nicht begreifen oder wollen es auch ganz bewusst nicht. In nächster Zeit werden immer mehr Verantwortliche die Segel streichen.