Eurogruppe: Merkel will Schäuble als neuen Chef

Der derzeitige Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker hat angekündigt, Mitte dieses Jahres sein Amt an einen Nachfolger zu übergeben. Medienberichten zufolge wirbt Bundeskanzlerin Angela Merkel nun bei den anderen Regierungschefs für Wolfgang Schäuble.

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Seit Anfang 2005 war der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker Chef der Eurogruppe. Mitte des Jahres will er aus dem Amt scheiden. Medienberichten zufolge, die sich auf Informationen aus Brüssel berufen, habe Angela Merkel ihren Finanzminister Wolfgang Schäuble als Nachfolger für Juncker vorgeschlagen und wirbt bereits bei den anderen Regierungschefs für ihn. Die Bundesregierung erklärte, sie äußere sich nicht zu Personalspekulationen. Bisher wird der Posten als Chef der Eurogruppe nicht hauptamtlich ausgeübt. Für Wolfgang Schäuble würden also zusätzliche Aufgaben hinzukommen und die Zeit für die Arbeit als Finanzminister dürfte knapper ausfallen.

Die Entscheidung wird möglicherweise erst nach den französischen Präsidentschaftswahlen im Mai fallen. Aber aus EU-Kreisen heißt es, Wolfgang Schäuble habe im Moment die besten Karten. Der italienische Premier Mario Monti und der finnische Ministerpräsident Jyrki Katainen haben bereits gesagt, dass sie nicht zur Verfügung stehen. Mit Wolfgang Schäuble als Eurogruppen-Chef könnte die Bundesregierung ihre Politik in der Eurozone stärken. Dies dürfte auch kritische Stimmen hervorrufen, die eine zu starke Position der Bundesrepublik in der Eurozone befürchten. Zuletzt versicherte Wolfgang Schäuble in einem Interview mit der „la Repubblica“, dass Deutschland „weder die Absicht noch die Möglichkeit“ hätte, „Europa zu beherrschen“ (mehr hier). Doch ausgerechnet aus Frankreich scheint Widerstand zu kommen. Sarkozy fürchte, die deutsche Position könnte zu stark werden, heißt es aus EU-Kreisen.

Insgesamt sind vier begehrte Spitzenpositionen zu vergeben. Neben der Position des Eurogruppen-Chefs sind auch der Chefposten der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, ab Juni ein Sitz im Direktorium der EZB und der Chefsessel des ESM zu besetzen. Klaus Regling, der derzeitige EFSF-Chef, ist an und für sich als neuer Direktor des ESM schon so gut wie bestätigt. Aber sollte Wolfgang Schäuble tatsächlich Eurogruppen-Chef werden, müsste Klaus Regling vermutlich auf den Posten verzichten.

Für die Position als ESM-Chef käme eventuell auch der Franzose Xavier Muscat in Frage, Generalsekretär des Elysee-Palasts und engster Berater Nicolas Sarkozys. Insofern könnte sich ein Kompromiss finden lassen.

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Kommentare

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  1. Fred Kirchheimer sagt:

    Tja, da mobilisiert die Merkel wohl die letzten Reserven. Früher wurde das Volkssturm genannt, oder das letzte Aufgebot.

    Es ist doch ein Armutszeugnis den Job von einem 58-Jährigen auf einen kranken 70-Jährigen übertragen zu wollen.

    Wie verzweifelt muß diese Merkel eigentlich sein? Wer so handelt, wird sicher schon ganz gewaltig von Untergangsphantasien geplagt. Allerdings ist das kein Wunder, denn die Gutste hat in Ihrer Bunkermentalität doch schon lange den Realitätssinn verloren.

    Wenn Eichinger noch leben würde, dann hätte er sicherlich schon lange die Filmrechte für dieses Affentheater gekauft. Vielleicht hätte er den Film dann „Der Untergang 2 – Politiker im Wahn“ genannt.

    Und Schäuble? Der hat sich wohl zum Ziel gesetzt, an der Arbeitsfront zu sterben. Mit der ihn aufbauenden Aussicht, auf ein gewaltiges Presseecho, wenn man ihn im Sarg aus dem Büro trägt. Der hat noch nicht kapiert, daß es in Deutschland keine Medaillen für Selbstaufopferung gibt. Eigentlich wird das als Zeichen von Blödheit gesehen: Zu blöd, seinem Leben einen anderen Sinn zu geben, als Schuften. Tja, manchner lernt es nie.

  2. xray sagt:

    Herr Schäuble ist schon in seiner jetzigen Position untragbar! Dieser Typ belügt den Untersuchungsausschuss des Bundestages und „vergisst“ mal eben hunderttausende die er sich selbst in die Tasche gesteckt hat… Aber er genießt ja das vertrauen der Firmenchefin. Was hier läuft spottet jeder Beschreibung.

  3. R.P. sagt:

    Der deutsche Finanzminister als Eurogruppen-Chef stünde in Brüssel für die verlässliche verfassungswidrige Mittelentwendung von deutschen Steuergeldern zwecks dauerhafte Subvention fremder Schuldenpolitik, auf die sich andere Staaten längst verlassen.

    Wir erleben hier die konsequente Umsetzung der Transferunion, in der fehlgeschlagener Bank-Investments sozialisiert und das systematische Übertreten von Defizitgrenzen levantinischer Staatsapparate belohnt werden. Ergo reichlich Grund für Investoren, sich Hoffnungen auf Rückerstattung ihrer Investments und hochspekulativen Hochzins-Anleihen in den Pleitestaaten zu machen.

    Doch wenn schon der jüngere Eurogruppenchef Jean-Claude-Juncker sich durch die Doppelrolle derart überfordert sah, dass er sich einer Wiederwahl nicht stellen will – wie soll erst der 70-jährige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble – nicht gerade vor Gesundheit strotzend – seine Doppelrolle ausfüllen? Der Hochjubel dürfte weniger mit der Person Schäubles, als mit der Verschmelzung europäischer Rettungs- und Haftungstöpfe mit der bundesdeutschen Steuerkasse stehen.

  4. Fred Feuerstein sagt:

    Nachdem mir Frau Merkel genauso wie Herr Schäuble nicht nur auf die Nerven gehen, sondern für ein friedliches Europa absolut unbrauchbar sind, denn wir wollen keine Sklaven werden und in Armut leben.

    Mein Vorschlag anstatt dem baldigen Pensionisten J.C.Junker als EU-Chef – Viktor Orbán aus Ungarn ! Er weis wo den EU-Bürgern der Schuh drückt !

  5. wir sind das volk sagt:

    Tja Leute hier haben wir ein schönes Beispiel, wie so etwas läuft.

    Merkel verzockt unser Volksvermögen, nutzt dann die erkaufte Macht (2. Teil des Deals) und drückt die von ihr gewünschte Position für den Schäuble in der EU durch.
    Hat sich Schäuble dann in der gewünschten EU-Position etabliert, nutzt er seine Position, um die Merkel nach 2013, ins entsprechende Amt zu hieven.
    Daher kann es Mutti dann völlig egal sein wer 2013 die Wahl gewinnt, denn dann spielt die Musik in Brüssel und nicht mehr in Deutschland.

    Tja und wir zahlen, äh Verzeihung, „spielen“ dann alle, für die nächsten 100 Jahre, mit.

  6. WiKa sagt:

    Nehmen wir die auch diese Meldung abermals als eine aus dem Tollhaus. Noch eine kleine Satire zum Wochenende gefällig … die passt zu den Reiseplänen von Schäuble. Lassen wir einmal die Bachstubensuppe rotieren und schon mutiert die Bundeskanzlerin zum „Bankzinsenluder“ und gemeinsam mit Schräuble kann sie dann in Brüssel die Daumen etwas kräftiger drücken, hier nett beschrieben:

    Bankzinsenluder Merkel eröffnet Eurotic-Shop … Link, also mehr als eine kross gebratenen Ente zum Wochenende möchte ich dieser Meldung gar nicht zubilligen. Also dann, ein fettes Wochenende noch … *g*