Belgien: Verschuldung über 100 Prozent

Gemessen am BIP liegt die Gesamtverschuldung Belgiens offiziell bei fast 100 Prozent. Doch Daten wie Staatsgarantien werden nicht in die Schuldenquote eingerechnet. Nimmt man diese hinzu, fällt die Verschuldung des Landes deutlich höher aus.

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Belgien hat nach Italien und Griechenland den dritthöchsten Schuldenstand. Und auch in diesem Jahr müssen weitere Kürzungen vorgenommen werden, um die Ansteckungsgefahr zu verhindern. Im aktuellen Haushalt sollen noch einmal 1,82 Milliarden Euro eingespart werden. Doch bei genauerer Betrachtung liegt die Gesamtverschuldung Belgien deutlich höher als die angegeben 100 Prozent.

Zu den rund 352 Milliarden Euro Schulden kommen noch einige Summen hinzu, die gemeinhin nicht in die Verschuldungsrate eingerechnet werden, aber ein doch eindeutigeres Bild von der finanziellen Lage Belgiens zeichnen. So rechnet beispielsweise Eurostat die staatlich garantierten Schulden nicht zur Schuldungquote hinzu. Im Falle Belgiens sind das ca. 85,44 Milliarden Euro. Zusätzlich dazu kommen Staatsgarantien für Banken wie Dexia und Fortis in Höhe von fast 137 Milliarden Euro und Bankdarlehen von rund 8,31 Milliarden Euro.

Damit kommen zu der angegebenen Verschuldung Belgien von rund 352 Milliarden Euro noch einmal über 230 Milliarden Euro hinzu. Zumal die bisher garantierten Schuldverschreibungen im Falle Dexia und Fortis noch nicht einmal dem entsprechen müssen, was letztendlich zur Erholung der Banken notwendig ist. Die Lage in Belgien ist genauer betrachtet doch schlechter als erwartet, zumal sich das Land derzeit in einer Rezession befindet.

Bereits zur Finanzkrise 2008 hatte das Finanzinstitut Dexia massive Schwierigkeiten. Ende 2011 wurde die Bank verstaatlicht und unter Belgien, Frankreich und Luxemburg aufgeteilt und zusätzlich mit Staatsgarantien ausgestattet. Besonders ihr hohes Griechenland-Engagement sollte der Bank zum Verhängnis werden.

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Kommentare

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  1. Fred Kirchheimer sagt:

    Nu ja, ein Verschuldung entsteht ja nur dann, wenn die Ausgaben über den Einnahmen liegen. Und hinter offensichtlich enthemmten Ausgaben steht eben eine falsche mentale Ausrichtung. Der Begriff „spätrömische Dekadenz“ umschreibt das ganz passend.

    Und daran habe ich letzte Woche gedacht, als dieses unsägliche Busunglück in der Schweiz stattfand. Nu ja, die Schweiz ist ein teueres Land und zudem mit 600 km Entfernung auch nicht unbedingt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Belgien. Der mit solchen Fahrten angestrebte Zusammenhalt in einer Gemeinschaft hätte man sicher wesentlich billiger auch im eigenen Land üben können. So eine Fernreise sendet die falschen Signale, denn sie weckt natürlich die Begehrlichkeit für zukünftige, teuere Unternehmungen. Warum muß man Kinder auf dieses Luxuslevel bringen, wenn sie noch nicht einmal gelernt haben, daß das Geld dafür erst einmal verdient werden muß.
    Wie gesagt, Verschuldung ist das Ergebnis einer falschen mentalen Ausrichtung. Abert woher sollen die Kinder es lernen, wenn es die Eltern schon nicht können.

  2. Dr.NorbertLeineweber sagt:

    Die Verschuldung ohne Ende kann nur kontraproduktiv sein!
    Ohne Staatsgarantien ergibt sich folgendes Bild, wenn man das Modell der black-box heranzieht.
    Die Euroländer sind mit einer messbaren Staatsverschuldung und mit einer messbaren Arbeitslosigkeit in den Euro gegangen. Aus dieser black-box kommt nach 11 Jahren heraus: Die Staatsverschuldung hat genauso wie die Arbeitslosigkeit einen Rekord erreicht. Das ist aber auch nicht verwunderlich, da sich Staatsschulden negativ auf das Wachstum auswirken (crowding out).
    Außerdem sind die Strukturprobleme in der Eurozone so hoch wie nie. Die Länder driften immer weiter auseinander, im Fall Griechenland bis zum Bankrott.
    Was war nun in der black-box? Eine vollkommen verfehlte Wirtschafts-und Finanzpolitik, gesteuert von Trichet, Verheugen, Barroso und Juncker. Eine kontraproduktive Subventionspolitik und Staatsversagen in Reinkultur (Immobilienblasen in Irland/Spanien; fehlende Bankenregulierung usw.). Macht man die Blackbox auf, zieht man lauter kleine Würstchen im Naturdarm heraus, quasi als Gehirn der EU.

    Lohnt es sich nun für ein solches Konstrukt zu bürgen und Staatsgarantien in Form von Rettungsschirmen einzubringen? Der Inhalt der black-box ändert sich nicht, aber zu den ausuferneden Staatsschulden kommen Billionen an Garantien dazu, die nicht garantieren, dass sich die Strukturprobleme in der EU ändern. Es wird quasi nur an einer bestimmten Stelle weitersubventioniert; in dieser Stufe bei den gesamten Staatsfinazen: Ein absolut irrsinniges Krisenmanagement. Der Euro ist gescheitert, man muss nur genauer in die Schachtel schauen. Und mit Rettungssschirm sind letztlich alle bankrott. Die Zahlen in diesem Artikel sprechen für sich.

  3. Irrtum sagt:

    Ja Mensch, ich denk die Krise ist vorbei :o) Frau Lagarde war doch so optimistisch….

    Und auch Schäuble meinte, das Schlimmste wäre vorbei..

    Und nun Belgien? Naja, da kommt der ESM ja gerade richtig und dann wird ja ganz sicher alles gut – oder nicht?

  4. Werner sagt:

    Grob gesagt sind die ganzen Europäischen Staaten alle bankrott !

    mfg. Werner

    • Marie sagt:

      Wie hoch ist die Ganze EU verschuldet?

      1 – 2 Trillionen?

      Wieviel Einwohner hat die EU?

      500 Millionen?

      Wieviele sind davon arbeitslos?
      Wieviele davon erhalten Sozialgelder?
      Wieviele sind noch Steuerpflichtig beschäftigt?

      Kann dieses Ergebnis den ESM bedienen?

      ich glaube nicht.

  5. Honeckers_Rache sagt:

    Prima, wenn Grichenland dann komplett abgeschossen ist, wird Platz..

    PIGS –> PIBS

    hört sich flauschiger an..

  6. schlaumeister sagt:

    Wer schießt Gelder für den IWF, den ESM etc ein oder garantiert dafür? Da
    bleibt als großer Staat eigentlich nur das dumme Deutschland übrig. Der Rest
    der EU Länder ist schon auf ewige Knete von uns angewiesen.

  7. Syssifus sagt:

    Wobei Deutschlands Verschuldung auch „schöngerechnet ist !

  8. Elsbeth sagt:

    Aber den EU – Chef spielen und die Menschheit mit immer neuen IDEEN nerven. Kein Wunder wenn die Pleite sind, bei dem Bürokratenapparat. Sicher nicht mehr lange.