Westerwelle verprellt EU-Kollegen

Zu einem Treffen in Berlin hat Außenminister Guido Westerwelle nur eine exklusive Zahl von EU-Kollegen eingeladen, um über die Zukunft Europas zu sprechen. Damit droht er, die anderen, nicht eingeladenen EU-Kollegen zu verärgern.

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Im Gästehaus des Auswärtigen Amtes, der Villa Borsig, will Außenminister Guido Westerwelle am Dienstag zu einer „strategischen Debatte über die Zukunft des Europäischen Projekts“ mit ausgewählten EU-Kollegen zusammentreffen. Doch schon im Vorfeld erntet er Kritik. Nur ein kleiner Teil der 27 EU-Länder ist eingeladen worden. Guido Westerwelle trifft sich nun mit EU-Kollegen aus Italien, Polen, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal, Österreich und Spanien. Die Chefdiplomaten aus Frankreich und Dänemark wurden eingeladen, werden aber nicht teilnehmen.

„Wir haben ein Regierungstreffen an diesem Abend“, entschuldigte sich der dänische Außenminister Villy Sovndal. Er sei gern bereit EU-Themen zu diskutieren. „Aber unsere Minister müssen abwägen, welche Treffen wichtig sind und welche nicht.“ Frankreichs Außenminister Alain Juppé befindet sich im Wahlkampf. Die anderen Vertreter aus den 17 nicht eingeladenen EU-Ländern werden in Guido Westerwelles Entscheidung einen weiteren Vormarsch Deutschlands sehen, sich auf EU-Ebene in eine Art Vormachtstellung zu drängen (bei der Vergabe wichtiger EU-Spitzenpositionen kann dies Wirkung zeigen – hier). Aus Irland hieß es, die Debatte des deutschen Außenministers sei zu dieser Zeit nicht hilfreich, berichtet die Irish Times. Zumal sich das Land gerade auf ein Referendum über den Fiskalpakt vorbereite (hier) – der bekanntlich auf Initiative Deutschlands ins Leben gerufen wurde.

Bei dem informellen Treffen solle es um Themen wie den globalen Einfluss Europas, die Stärkung der Handlungsfähigkeit der EU und mehr Demokratie gehen. Zuletzt forderte Guido Westerwelle die Direktwahl des EU-Präsidenten und eine gemeinsame EU-Verfassung. Doch es soll bei dem Treffen nicht um ein „deutsches Rezept“ gehen. „Wir wollen bescheiden anfangen“, hieß es in Berlin. Die Debatte soll auf „persönlicher Basis“ geschehen – ohne Tagesordnung und groß angelegten Pressetermin. Bis zum Sommer soll sich die „Zukunftsgruppe“ noch ein bis zwei weitere Male treffen. Ein gemeinsames Papier zur Zukunft Europas soll theoretisch irgendwann aufgesetzt werden.

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Kommentare

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  1. Julia la prémiere sagt:

    Herr Westerwelle!

    Auch wenn Sie noch so oft eine gemeinsame Verfassung fordern….Wir haben schon mit „NON“ gewaehlt. Ein „NON“ sollte doch verstanden sein, oder nicht?

  2. Korsar sagt:

    So, nun haben wir das Thema Spanien. „Ich wollte es wäre Nacht und die Preussen kämen“.

  3. Frager sagt:

    „Wir haben ein Regierungstreffen an diesem Abend“, entschuldigte sich der dänische Außenminister Villy Sovndal. Er sei gern bereit EU-Themen zu diskutieren. „Aber unsere Minister müssen abwägen, welche Treffen wichtig sind und welche nicht.“

    Der Einzige, der denkt, Westerwelle wäre eine wichtige Persönlichkeit, ist wahrscheinlich Guido selbst. Dabei merkt er gar nicht, dass er Deutschland völlig zum Gespött macht mit seinen Aktionen und geistigen Ergüssen.
    Ich glaube aber, die halbe Welt hat ihn schon durchschaut und eingeordnet. Ansonsten müßte man sich möglicherweise noch fremdschämen.

  4. Druidenstein sagt:

    Der Herr gibt sich die große Ehre zum Wackelpuddingentsorgungstreffen.

  5. Margrit Steer sagt:

    Tja, nicht nur mit Kunstgeld kann man die EU zerstören, sondern auch durch völlig dummes Verhalten
    Noh nier hatten wir so eine Niete als Außenminister

  6. Knut Hut sagt:

    Mal sehen wie viele zur Beerdigung des EU Projekts kommen!

  7. Hans sagt:

    Ww Partner ist Event- und Kontaktmanager. Da mussten sicher wieder Aufträge verteilt werden. Die anderen Gäste waren sicher für die bezahlenden Gäste nicht Interessant genug.
    Ww denkt nur noch ans Geld verdienen.

  8. Zraxl sagt:

    Wenn der Herr Westerwelle mit Portugal, Belgien und Österreich die Gestaltung der Weltpolitik besprechen will, dann soll er das doch tun.

    • Fred Kirchheimer sagt:

      Zraxl, mit der Meinung daß Weterwelle machen kann was er will, lehnen Sie sich verdammt weit aus dem Fenster und machen sich sehr unbeliebt. Denn damit ist die Redaktion gar nicht einverstanden. Meine Kommentar mit einer entsprechende Anfrage wurde abgewiesen.
      Offensichtlich pflegt man in der Redaktion die Gepflogeheit, daß man zu Meetings alle nur irgendwie erreichbaren Personen einlädt, so auch den Hausmeister und den Pizzaboten. Die Frage, ob man damit erfolgreich ist, wurde auch nicht beantwortet.

  9. Albert Albern sagt:

    Zum Glück finden sich die Abgrenzungs-Tendenzen nicht nur beim Volk, sondern auch bei der Elite…