Portugal: Streiks legen Nahverkehr lahm

Um ihre Ablehnung gegenüber den harten Sparmaßnahmen und Arbeitsmarktreformen zu bekunden, streiken viele Portugiesen. Häfen sind teilweise geschlossen, Züge und andere öffentliche Verkehrsmittel sind zum Stillstand gekommen und manche Schulen geschlossen. (Mit Video)

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„Besetzt die Straßen, blockiert alles“, ist der Slogan mit dem die portugiesischen Arbeitnehmer derzeit in Lissabon und anderen Städten protestieren. Die größte Gewerkschaft Portugals (CGTP) versucht seit Mittwochabend mit einem Generalstreik das Land zum Stillstand zu bringen. Die Organisatoren des Streiks berichten, dass im ganzen Land der Schienenverkehr lahmgelegt wurde, Lissabons U-Bahn ist seit Mitternacht geschlossen, viele Krankenhäuser versorgen nur Notfälle. Zudem sind etliche Häfen und Schulen geschlossen und die meisten öffentlichen Verkehrsmittel sowie Fähren fahren nicht (ähnliches droht auch Italiens Premier – hier).

Die Streikenden kämpfen gegen die Sparmaßnahmen und Arbeitsmarktreformen, die die Regierung im Zuge des 78 Milliarden Euro großen Rettungspaketes durchsetzen will (selbst Portugals Kommunen sind stark verschuldet – hier). Es würde die Rechte der Arbeitnehmer beschneiden, die Arbeitslosigkeit erhöhen und an dem Lebensstandard der Menschen rütteln (auch die erhöhte Sterbequote soll mit dem Sparkurs im Zusammenhang stehen – hier). Es sei der größte Rückschritt für die Arbeiter, seit Portugal 1974 die Militärherrschaft hinter sich gelassen hat.

Doch nicht alle portugiesischen Arbeitnehmer beteiligen sich an dem Generalstreik. Die zweitgrößte Gewerkschaft (UGT) beispielsweise hat den Reformen bereits zugestimmt und Gegner der Sparmaßnahmen dazu aufgefordert, Zurückhaltung zu zeigen und warnte davor, dass Portugal in einem ähnlichen Chaos enden könnte wie Griechenland. Zudem zögern viele Arbeitnehmer selbst, an den Protesten teilzunehmen. Vielen sind die dadurch entstehenden Verspätungen etc. sogar lästig. „Sie streiken und schädigen uns damit“, sagte die Putzfrau Ana Maria Verissimo der Nachrichtenagentur Reuters. „Das wird gar nichts lösen. Sie müssen einen anderen Weg finden. Wenn ich streike, wird mein Lohn-Scheck am Ende des Monats niedriger ausfallen“.

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Kommentare

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  1. Korsar sagt:

    Wenn ich mir ansehe, das zu alldem noch die TARGET2 „Forderungen“ der Bundesbank kommen, dann ist das so, als würde man ein altes Dampfschiff von Bremerhaven nach New York fahren, die Kessel aber mit EURO befeuert, anstatt der guten Steinkohle. Danach gibt es dann kein zurück mehr, weil das Geld, das man verheizt hat fehlt, um Kohle für die Rückfahrt zu kaufen.

  2. Korsar sagt:

    Ja, natürlich, auf eine solch konstruktive Weise, hilft man dem Land ungemein. Ist das wirklich schon alles? Auch hier fehlt ein runder Tisch, der Alle zusammenbringt. Ein portugiesisches Brainstorming. Das gibt es aber noch nicht einmal im Lande der Philosophen, Griechenland, dort sind Demonstranten, nicht ansatzweise die Geschichte und Geschichtchen wert, die von dort kommen. Wer nicht kommuniziert, hat schon verloren.

  3. Rumpelstilz sagt:

    Wieviele Arbeitsplätze wurden durch den Streik neu geschaffen?

  4. Petra sagt:

    Und das wird erst der Anfang sein, und nicht nur in Portugal.

    Was ist so unerträglich finde ist, dass diese ganzen treuen Propagandamedien ungestraft die Auswirkungen in den Ländern unserer Bevölkerung verschweigen.
    In Griechenland ist die Lage für die Bevölkerung schon sehr schlimm.

    Wie gut die ihre Arbeit für die absolutistische Finanz- und Politikmafia machen, kann man hier immer wieder bei Kommentaren nachlesen.

    Mich erinnert das alles an die vorrevolutionäre Zeit in Frankreich – wenige Perverse leben auf Kosten des hungernden Volkes. Und obwohl alle wissen woran es liegt, wird versucht dieses perverse System bis zum großen Knall aufrecht zu erhalten.

    Das wird auch kein „Schießbefehl“ im Lissaboner Vertrag verhindern.

  5. Charly Finger sagt:

    Es gibt nur ein vernünftiges Streikziel – RAUS AUS DER EU!

    Aber alle Bürger der EU Staaten sind dabei gefragt und müssen einig sein.

    Sind die Bürokraten weg … hören die Politiker auf ihr Volk! NIX BRÜSSEL!

    Für was brauchen wir unbedingt den schEuro?
    Ging es uns ohne dem schEuro früher schlechter?
    War die DM nicht flexibel?
    War es alleine die DM oder die Waren Made in Germany die Deutschlands Handel blühen lies?

    Der schEuro hatte in keiner Hinsicht unser Leben verbessert! Alleine schon der Verlust nach dem Umtausch bzw. dem Trick 1DM = 1 Euro (die Eiskugel….usw.)

    Und jetzt kommt bald mal die Abwertung des schEuro —- so wie es unsere Großeltern mitmachten. Das Szenario spielt sich genau wie vor rund 100 Jahren ab.

    Die Elite hat nichts NEUES er- und gefunden! Nur das Volk könnte schlauer sein!