Spaniens Wirtschaftsminister: Wir verpflichten uns dem Defizitziel

Spanien erreichte eine Lockerung des Defizitziels, doch die schlechte, wirtschaftliche Lage des Landes steht auch diesem Ziel im Weg. Dennoch macht Spaniens Wirtschaftsminister gute Miene zum bösen Spiel – jeglichen Vergleich mit Griechenland hält er für „völligen Unsinn“. Die Investoren sehen das anders. Sie investieren trotz EZB-Tender nicht in langfristige Anleihen. Die Zinssätze durchbrechen wieder die 5-Prozent-Marke.

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Spanien und Portugal stehen im Blickpunkt der Märkte – nach Griechenland scheinen beide Länder am ehesten gefährdet. Doch gerade in Spanien versucht man immer wieder Stärke zu zeigen. Ganz gleich, ob es Ministerpräsident Mariano Rajoy ist, der deutlich macht, dass Defizit Spaniens sei eine Sache des Landes selbst und nicht der EU (hier), oder ob der spanische Wirtschaftsminister Spaniens Regierung in Asien als gewissenhaft darstellt. „Wir sind gänzlich unseren Zielen verpflichtet“, sagte Luis de Guindos am Freitag Reportern in Singapur mit Blick auf das Defizitziel für dieses Jahr (das allerdings erst jüngst gelockert wurde – hier). Dieses liegt nun etwas höher bei 5,3 Prozent und im nächsten Jahr weiterhin bei 3 Prozent (Ungarn konnte nicht so viel Entgegenkommen von der EU erwarten – hier).

Luis de Guindos betonte zudem, dass jegliche Vergleiche mit zwischen Spanien und Griechenland “völliger Unsinn” seien, da die neue Regierung in Spanien innerhalb seiner ersten drei Monate die Ausgaben gesenkt und wichtige Arbeitsmarktreformen durchgeführt hätte. „Das sind wichtige Reformen, die die Märkte positiv bewerten müssen“, ergänzte er (zuvor war Luis de Guindos Top-Manager bei Lehmann – hier).

Die Märkte werten diese Reformen aber nicht als Fortschritte beziehungsweise glauben nicht, dass Spanien damit die Krise überwunden hat und tatsächlich sein Defizitziel erreichen kann. Das Land befindet sich in einer Rezession, die Arbeitslosigkeit liegt bei über 20 Prozent und selbst die Kommunen sind hoch verschuldet (hier). Und während EZB-Chef Mario Draghi davon sprach, dass das Schlimmste der Krise überwunden sei (Schäuble sieht das ja theoretisch genauso – hier), beunruhigte das miserable Ergebnis des Einkaufsmanager-Index die Investoren (mehr hier). Die durchschnittliche Rendite für zehnjährige spanische Anleihen stieg daraufhin um 14 Basispunkte zwischenzeitlich auf 5,53 Prozent.

Trotz der zwei EZB-Tender, mit der die EZB die europäischen Banken mit frischem Geld überschwemmt hat, bleibt die Skepsis der Anleger gegenüber Spanien groß. Lediglich kurzfristige Anleihen Spaniens sind für die Investoren interessant. Aber diese haben auch nur eine Laufzeit von meist unter einem Jahr und sind in den Augen des Marktes deshalb nicht so risikoreich. Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren sind hingegen eher ein Gradmesser für das Vertrauen der Märkte in die Zukunft des Landes. Und genau hier herrscht hinsichtlich Spanien große Unsicherheit.

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Kommentare

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  1. Knatterton sagt:

    Seht euch die Gesichter hier von Merkel und Schäuble an und vergleicht sie mit denen von Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos und dem ehemalige Finanzminister Griechenlands, Evangelos Venizelos.

    Na?

    Man kann klar erkennen, wer der Sieger um die Eurorettungen sind!

    Es sieht nämlich genau so aus, als ob Schäuble und Merkel nun gemerkt hätten, WER die Schulden Spaniens und Griechenland jetzt an der Backe hat!

  2. Wutbürger sagt:

    Fall der Link erlaubt wird, hier wird schön vorgerechnet, was von den ganzen Politikersprechblasen zu halten ist, ökonomische Gesetze sprechen eine ganz andere Sprache:

    http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/7324/die-wahre-bombe-liegt-in-spanien/

  3. Grauber sagt:

    Ein Ex-Leman kann die Lage nicht anders beurteilen.

    Sein Technokraten-Goldman-Kollege Draghi hat soeben das Ende der Krise „in Aussicht“ gestellt.

    Wirtschaftsdaten findet man im PC oder auf dem Papier, nicht in der Glaskugel.