EZB zweifelt an Wirkung ihrer Maßnahmen

Der Zweifel an der positiven Wirkung der Liquiditätsspritzen macht sich auch im Rat der EZB breit. Mitglieder des Rates fordern einen rechtzeitigen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik. Vorerst soll es keine weiteren Billigkredite für Banken geben.

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Die Europäische Zentralbank scheint vom Erfolg ihrer Geldpolitik nicht mehr überzeugt zu sein. Neben Jens Weidmann zweifeln nun auch andere Vertreter der EZB an der Wirkung der Liquiditätsspritzen für Europas Banken: „Wir müssen über die nächsten paar Monate beobachten, wie diese Liquidität wirkt. Niemand sollte erwarten, dass wir einen dritten Tender ausgeben, nur weil wir das bereits zwei Mal gemacht haben“, sagte das Ratsmitglied Jörg Asmussen in einem Interview mit der finnischen Zeitung Helsingin Sanomat.

Nach den günstigen Krediten durch die EZB Ende vergangenen Jahres und Anfang dieses Monats werde es vorerst keinen dritten Tender geben.

Die Inflationsgefahr durch die Politik der EZB bleibt weiter bestehen. Die Preise stiegen im Februar um 2,7 Prozent. Amussen erwartet über das gesamte Jahr 2012 hinweg eine Inflationsrate von über zwei Prozent. Er machte klar, die Zeit der Notfallmaßnahmen durch die EZB sei zwar noch nicht vorüber, die EZB müsse sich aber langsam Gedanken darüber machen, wie sie einen Ausstieg aus der Liquiditätspolitik organisieren möchte. Auch Asmussens französischer Amtskollege, Benoît Coeuré, forderte einen rechtzeitigen Ausstieg aus der äußerst expansiven Geldpolitik.

Beobachter werfen der EZB-Führung vor, das Geld, das sie den Banken günstig leiht, käme nicht in der Realwirtschaft an (mehr hier) und würde die Probleme der Weltwirtschaft nicht lösen – im Gegenteil, sie könnte bereits zu stark vom billigen Geld abhängen (mehr hier).

Dass nun die Inflation, die durch die EZB-Maßnahmen verstärkt wird, scheinbar ernster genommen wird, interpretieren Beobachter als Zugeständnis an Deutschland, das in den vergangenen Monaten auf verlorenem Posten für Geldwertstabilität statt Infaltionspolitik gekämpft hatte. Manche glauben sogar, es weise auf die Angst hin, Deutschland könnte die Eurozone verlassen wollen.

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Kommentare

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  1. Ewerk sagt:

    Ich denke das jetzt auch der eingefleischten Merkel Gefolgschaft aufgeht, dass da irgendwie ein gewaltiger Irrtum vorliegt. Und die Instrumente der FED im Euroraum nicht funktionieren. Wir können bald zum „Halali“ blasen. Bin mal gespannt, wie das jetzt abgeht.

  2. Dagmar sagt:

    „Manche glauben sogar, es weise auf die Angst hin, Deutschland könnte die Eurozone verlassen wollen“

    Das wäre ein wirklich guter Tag für Deutschland, alein, bei Merkel und Schäuble glaube ich nicht daran.

  3. dparvus sagt:

    Deutschland sollte tatsächlich den Euro und die EU verlassen. Das ist längst überfällig.

    Unseren „Euro- Rettern“ und „Europa- Einheitsbrei- Anrührern“ glaubt bald sowieso niemand mehr, vor allem vertraut ihnen niemand mehr.

    Vor Monaten begann das Dilemma public zu werden, mit harmlosen Sprüchen, dann kamen in immer kürzeren, inzwischen stündlichen Abständen, immer bedrohlichere Nachrichten.

    Inzwischen weiß auch niemand mehr, wie das noch gut ausgehen könnte.

    Also bleibt doch nur noch das Ende mit Schrecken; besser als ein Schrecken ohne Ende.

  4. G.N. sagt:

    „Manche glauben sogar, es weise auf die Angst hin, Deutschland könnte die Eurozone verlassen wollen.“
    Aber nicht mit Merkel und Schäuble an der Spitze.

    Die haben bisher immer zu allem „JA“ gesagt. Merkel hat bisher sämtlichen Forderungen der EU-„Partner“ nachgegeben. Das wird sich mit Sicherheit nicht ändern!
    Demnächst wird über den ESM abgestimmt. Alle kennen das Ergebnis. Ich sehe keinen Politiker, der hier den Mut hat, für das deutsche Volk und gegen diesen schwachsinnigen ESM zu stimmen. Auch dem BVG traue ich ein „NEIN“ in der Sache absolut nicht zu.
    Wir sind fertig. Wir sind seit 1945 fix und ferig. Wir haben keinen Mut, keine Souveränität, kein Ehrgefühl und keine innere Größe mehr.
    Schrecklich!

    • Julia la prémiere sagt:

      @G.N.

      Nicht so aufgeben.
      Auch bei uns laufen nur Unwissende rum. Wenn das Wasser ueberkocht, kocht es in ganz Europa ueber und dann reagieren alle Voelker .
      Dann wird auch die Bastille wieder aufgebaut und wer da reinkommt von den Europaeern haben wir Europaweit schwarz auf weiss.

      Entweder geht die Laehmung vorueber (dann aber) oder man ist tot.

      Nur es stimmt schon, man schaut auf Deutschland wie es reagiert.Fuer die Voelker in Europa zurzeit nicht gut, es ist der falsche Weg (Sarkozy) haengt da mit drin. Fuer die Eliten natuerlich die einzig beste Richtung.

      Waere die Merkel etwas anders, wuerde das Ruder total umdrehen. koennte sie sich ueber Nacht bei allen Voelkern beliebt machen. Merkel hat sich aber entschieden.

      • Zenzi Kohlmorgen sagt:

        Marie Antoinette wurde enthaupted…ihre idee…“let them eat cake!“wahr wohl doch nicht so goed.Was für eine idee Angela Merkel dan wohl hat…bin gespant.Vieleicht abhauen nach Chile wie Margot Honecker.
        Bin auch gespannt ob dieser kommentar unzensiert gesagt werden darf von DMN

    • Zenzi Kohlmorgen sagt:

      Der Bundestagabgeordnete Manfred Kolbe ist so ein Politiker.Selbst unter druk bleibt er bei seinem standpunkt der ESM ist eine vervassungswidrige zumutung für deutschland und er kan das nicht verantworten.
      Bravo Herr kolbe!

  5. Meinungsfreiheit sagt:

    „Manche glauben sogar, es weise auf die Angst hin, Deutschland könnte die Eurozone verlassen wollen.“

    Das wäre es doch, raus aus der Euro-Zone. Deutschland könnte ruckzug auf die DM umstellen. Zusammen mit dem Schweizer Franken gäbe es dann zwei starke Währungen in Europa – und die Kosteneinsparung bei den Rohstoffe würden den Rückgang beim Export um vielfaches gut machen. Das Geld in die Forschung investieren und Zukunfttechnologien vorantreiben.

    Ein Wunsch bliebe noch: ein „NO RETURN“ Fahrschein für die Grünen nach Sibirien buchen.

  6. Reiner Vogels sagt:

    Billiges Geld von der Notenbank kann nicht die Wirtschaft ankurbeln und Arbeitsplätze schaffen. Kein Unternehmen investiert in neue Arbeitsplätze nur deshalb, weil die Zinsen niedrig sind. Es investiert nur, wenn es sich langfristig zahlungskräftige Kunden erhofft. Wenn die Aussichten in dieser Hinsicht schlecht sind, helfen alle niedrigen Zinsen nicht.

    Niedrige Zinsen können nur dem Staat nutzen, sich preiswert zu verschulden und durch öffentliche Beschäftigungsprogramme Arbeitsplätze zu schaffen. Solche Arbeitsplätze sind aber fast immer unwirtschaftlich und sichern keine nachhaltige Beschäftigung. Derartige Politik hat am Ende nur den Erfolg, dass die Staatsschulden höher sind als vorher.

    • Observer sagt:

      Genau!
      Nur wenn die deutschen Assets komplett an die Hochfinanzkraken verpfändet sind, wird die Sache ein Ende nehmen, so lange werden die Schulden hoch getrieben!

  7. WiKa sagt:

    Muss man das wirklich diskutieren? Fakt ist, in der Realwirtschaft kommt das Geld nicht an, nur mal vereinzelt. Das Geld geht gleich wieder beim Zocken drauf und auch die entstehenden Zinslasten werden nur wieder in den öffentlichen Haushalten abgeladen. Die zunehmende Geldmenge heißt doch auch zunehmende Schulden und Guthaben aus denen eben Zinsen generiert werden für die die Realwirtschaft zu arbeiten hat. Jeder kann sich die Statistiken ansehen, 60 Jahre Staatsverschuldung mit nur einer Richtung, immer nach oben. Das klassische Aussaugmodell eines kaputten und asozialen Geldsystems, welches jetzt durch die Menschen via Rettungspakete auch noch gerettet werden soll statt es endlich zu kastrieren.

    Ich weiß dass ich mich wiederhole, aber zum besseren Verständnis dieses perfiden Systems sollte wenigstens jeder Steuerzahler wissen wen er da rettet, wenn er selbst schon gar nicht gefragt wird ob er es auch will. Was da fiktiv daherkommt entspricht nur leider all zu sehr den Realitäten:

    Schuldenkrise eskaliert, jetzt auch noch Guthabenkrise … Link

  8. Observer sagt:

    Angst dass Deutschland die Eurozone verlassen könnte! Was für eine lächerliche Spekulation bei diesen Politdarstellern!

    Nichts, aber auch gar nichts wird sich ändern. Das Spiel ist noch nicht mal in der Halbzeit aber das Ende steht bereits fest!
    Diejenigen, die in solchen „Foren“ praktisch täglich auf eine sensationelle Meldung über einen Crsah warten, werden sich wohl noch viiieeele Monate, wenn nicht Jahre, gedulden müssen.

    Noch nichts an Assets der Bevölkerung ist von den „Machern“ dieses Spiels aufgesogen. Erst wenn das letzte Hemd versteigert und im Besitz der Finanzkraken ist, wird die Zielflagge geschwungen werden!

  9. Raus aus Deutschland sagt:

    Europa ist auf dem absteigenden Ast.
    Für wen Asmussen arbeitet ist doch bekannt.

    Wichtig ist Asien, da spielt in der Zukunft die Musik!

    http://www.goldmoney.com/de/gold-research/alasdair-macleod/asiens-goldene-zukunft.html

    Merkt hier keiner das London out und Hong Kong in ist???

  10. Zeitzeuge sagt:

    Braut sich da was zusammen? Hankel schreibt in der WiWo, Mainstream veröffentlicht „unangenehme“ Wahrheiten und verbreitet Zweifel an öffiziellen Verlautbarungen… Haben inzwischen die Lenker der Konzerne die Nase voll und signalsieren, daß sie sich und ihre Unternehmen und auch den privaten Wohlstand nicht von Frau Merkel mit verheizen lassen wollen? So manches Lebenswerk und zahlreiche Weltmarktführerstellungen und gigantische Weltmarkanteile stehen auf dem Spiel, wenn Restdeutschland in den Konkurs geht, der EURO zur Unwährung wird.