Hektik bei Privatisierung: Griechenland verliert 31 Milliarden Euro

Weil Griechenland durch die Auflagen internationaler Geldgeber zu überstürzten Privatisierungen gezwungen ist, wird es zu einem Ausverkauf griechischer Staatsunternehmen kommen. Der Erlös der Verkäufe wird deutlich niedriger liegen, als ursprünglich geplant.

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Der Zeitdruck unter dem Griechenland seine Anteile an Betrieben privatisieren muss, verursacht erhebliche Verluste. Weil Griechenland die Privatisierung nicht auf mehrere Abschnitte aufteilen kann, wird es für seine Unternehmensanteile wesentlich weniger Geld bekommen, als andere Staaten, die Privatisierungen durchführen müssen, um ihren Staatshaushalt auszugleichen.

Durch den schnellen Ausverkauf seiner Staatsunternehmen wird Griechenland auf lange Sicht also einen Verlust erleiden: „Wenn man sie in Stücken verkauft, ist der erste Teil in gewisser Weise unterbewertet. Aber wenn sich die Leistung des Unternehmens verbessert, kann man die übrigen Teile zu einem weitaus höheren Preis verkaufen“, sagte Bill Megginson von der Universität Oklahoma der Nachrichtenagentur Reuters.

Spanien und Italien können im Gegensatz zu Griechenland ihre Privatisierungen besser durchführen, weil sich dort die Krise etwas beruhig zu haben scheint. Durch den Verkauf staatlicher Anteile verliert Griechenland außerdem erhebliche Einnahmequellen ein für alle Mal.

Das wirtschaftliche Klima in Griechenland ist derzeit äußerst ungünstig für eine Privatisierung. Doch während in Spanien aus dem selben Grund Privatisierungen bereits aufgeschoben wurden, muss Griechenland um jeden Preis verkaufen, um die internationalen Auflagen zu erfüllen und dadurch an Geld vom Internationalen Währungsfonds und von der EU zu kommen.

Das Ziel der Privatisierungen in Griechenland wurde bereits mehrmals gesenkt. Ursprünglich wollte man 50 Milliarden Euro einnehmen. Nun sind es gerade noch 19 Milliarden Euro, die in den kommenden drei Jahren durch den Anteilsverkauf eingenommen werden sollen: „Einen fairen Preis für den Steuerzahler zu erreichen, bleibt auf der Strecke“, sagte David Parker Professor für Privatisierung an der Managementschule von Cranfield der griechischen Zeitung Kathimerini.

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Kommentare

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  1. Marion sagt:

    Was heißt denn überstürzt?
    Die Griechen hatten über 40 Jahre Zeit, die maroden staatlichn Betriebe zu privatisieren.

  2. Michael sagt:

    Sieht eher so aus, als ob Griechenland sich einiger Verlustquellen entledigt hat. Sonst hätte es nicht da gestanden, wo es steht. Bei der Gelegenheit dürften sich die Griechen die Feindschaft fast aller Bankiers und Börsianer zugezogen haben. Logischerweise müßte man jede Investition von vorn herein in fiktive Neudrachmen umrechnen.

  3. PeterT sagt:

    Immer das gleiche Gejammere über den bösen Ausverkauf.
    Dabei ist schon seit längerem klar, daß die 50 Mrd. reine Phantasie-Zahlen der vorigen Regierung waren – das hat ein griechischer Ex-Minister ja mittlerweile zugegeben.
    Was hier völlig übersehen wird, ist, daß es dabei nicht einfach darum geht, ob jetzt 19 oder 25 Mrd. Privatisierungs-Erlöse erzielt werden.
    Es geht darum, private und insbesondere ausländische Investitionen anzukurbeln.
    Die werden nicht nur die Firmen kaufen, sondern in diese auch investieren, sie werden sie professionalisieren, und wettbewerbsfähiger machen alles dringend nötig.
    Die Teil-Privatisierung von Post, Telekom, OMV oder VOEST in Ö waren ein voller Erfolg, die Unternehmen stehen besser da als je zuvor.
    Die Verschleppung der AUA Privatisierung hat ins Desaster geführt.

  4. Korsar sagt:

    Ich kann das Wort Griechenland nicht mehr hören. Nun kommt, endlich die Mär einer neuen Opferrolle. Das Staatseigentum wird vielfach unterbewertet verkauft. Damit, mit der endlosen Geschichte, können die Kaffeehausbetreiber, noch in hundert Jahren, von Tisch zu Tisch tingeln, und das Märchen erzählen, wie das wertvolle Griechenland, für einige wenige Rupien verschachert wurde. Ein griechischer Musiker, wird eine neue Melodie auflegen, diesmal nicht als Filmmelodie für „Z“, sondern als Musik für den neuen Film, „Verrat“. Hätte man nicht auf beinahe alle staatlichen Strukturen verzichtet und die Länder mit den selbigen, seit EU- Beitritt ausgenommen, dann ginge es allen Europäern erheblich besser.

  5. stromerhannes sagt:

    Ganz ohne Hektik haben wir seit den „Privatisierungen“ ab 1990 weitaus mehr verloren.

    Unsere gesamte Infrastruktur, das Post- und fernmeldewesen, die Bahn, den Strom, das Wasser und Gas bis hin zu Strassen (BAB), Tunneln,Wohnungsbaugesellschaften, Brücken, Wäldern und auch schon Verwaltung und Schulen sind in fremden Händen, die uns Bürger ausplündern, weil nach „kaufmännischen Gesichtspunkten“ geführt.

    Deren Abzocke lähmt den Konsum, lässt kein Sparen mehr zu, das Wirtschaftswachstum siechen und führt das Land in den Abgrund.

    Die Griechen wären gut beraten, alle bisherigen Privatisierungen zu canzeln, die neuen Herrren aus dem Land zu verweisen oder noch besser, wie weiland Putin, Abzocker jahrelang ins Gefängnis zu sperren.(Chadirowski o.ä.).

    Das Lügengebilde um den € und die EU wird ohnehin bald zusammenbrechen. Da werden auch die Käufe der FED von EU-Staatsanleihen nichts mehr nutzen.

    Es ist aus!

    Erkennen mildert den Aufprall.

  6. Irrtum sagt:

    Genau so war es damals bei uns im Osten auch.
    Ich war noch zu jung, um das alles sofort zu kapieren und wir waren ja froh, endlich „frei“ zu sein. Hatten andere Sorgen, als uns damit auseinander zu setzen.
    Irgendwann war bei uns plötzlich alles schlecht, marode, untauglich – so klingt es noch in meinen Ohren.
    Und dann wurde verscherbelt noch und nöcher für die symbolische 1 Mark…..

    Ich glaube aber/bin mir sehr sicher, dass kein Normalo für 1 Euro auch nur das Schwarze unter dem Nagel bekommen hätte.
    Das war alles schon vorher in Sack und Tüten – vielleicht sogar schon vor dem Mauerfall – wundern würde es mich nicht….