Öffentlicher Dienst: Kräftige Lohnerhöhung als Reaktion auf Inflation

Angestellte von Bund und Ländern bekommen 6,3 Prozent mehr Lohn. Der Abschluss dürfte Vorbildwirkung für andere Branchen haben. Der Verband der Kommunen fürchtet, dass das Zugeständnis an die Gewerkschaften die Verschuldung der Kommunen empfindlich steigen lassen wird.

Öffentlich Bedienstete bekommen in den kommenden beiden Jahren 6,3 Prozent mehr Lohn. Die Gehälter sollen in drei Etappen angehoben werden. Zu diesem Ergebnis kamen die langwierigen Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern Samstag Früh. Zwei Millionen Mitarbeiter des Bundes und der Länder können sich über die Lohnerhöhung freuen.

Mit der Erhöhung reagiert die Gewerkschaft Verdi erstmals deutlich auf die Inflation. Wie das Bundesamt für Statistik am Montag feststellte, waren im vierten Quartal 2011 die Reallöhne der im Öffentlichen Dienst mit einem Plus von 2,0 Prozent erstmals seit Ende 2009 sogar unter die offizielle Inflation gefallen, die mit 2,3 Prozent angegeben wird. Im Bereich Erziehung und Unterricht hatten die Staatsbediensteten sogar nur 0,6 Prozent mehr an Reallöhnen zu verzeichnen.

Während sich auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich mit dem Ergebnis zufrieden zeigte, meldete der Deutsche Städtetag Bedenken an. Die Lohnerhöhung lasse die Beschäftigten zwar am Wirtschaftsaufschwung teilhaben, stelle aber für die Kommunen eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung da. Der Verbands-Hauptgeschäftsführer Stephan Articus sagte, die Einigung gehe „an die Grenzen des Vertretbaren“. Angaben des Städtetags zufolge sind die Kommunen bereits mit 130 Milliarden Euro verschuldet.

Prompt warnte auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, dass der Abschluss im Öffentlichen Dienst nicht als Muster für andere Branchen genommen werden dürfe.

Tatsächlich zeigt der Abschluss für die Staatsbediensteten, dass es Deutschland mit der Haushaltskonsolidierung nicht ganz so ernst meint. Denn Im Grunde müßte auch Deutschland angesichts einer Verschuldung von über 80 Prozent deutlicher sparen. Zwei Jahre vor einer Wahl fällt dies freilich naturgemäß auch jenen schwer, die in Europa den Ruf der fiskalischen Musterschüler genießen.

Kommentare

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  1. Freistaat - Freie Stadt Danzig sagt:

    Um der Vergeßlichkeit wegen vorbeugend entgegenzuwirken sei an folgendes erinnert: Die ursprüngliche Forderung belief sich auf 6,5% Gehalts- oder Lohnerhöhung, jedoch mindestens Euro 200,00 im Jahresdurchschnitt.

    Toll, wie sich die Vertreter des öffentlichen Dienstes damit brüsten bei 6,3% lediglich 0,2% Verlustpunkte hinter dem Komma erlitten zu haben, das auch noch als „erträglich“ im Überfluß verkaufen.

    Tatsächlich ist es doch als Niederlage zu interpretieren, denn verteilt auf drei Erhöhungen und zweijähriger Laufzeit, ohne den Mindestbetrag iHv 200,00 Euro (Täuschung in Euro -TEuro-) entspricht dies unterm Strich weniger als die Hälfte und in der Summe auch noch ungerecht verteilt.

    Jene, die für ihre Interessen auf die Straße gegangen sind, werden deswegen – wie es nicht anders zu erwarten war – benachteiligt. Aufgrund der rethorischen Schulung der Gewerkschaftsbosse und ihrer Referenten, blieb dieses bisher verborgen. Daraus folgern wir, daß zwischen der Herde von Umfallern die Lohn- und Gehaltsschere sich nicht um Haaresbreite verringerte, sondern weiter auftat. Zu allem Verdruß, die tatsächliche Inflationsrate „nicht“ gemildert werden konnte. Sind es doch die unteren Einkommensbezieher, die für diesen scheinbar hohen Abschluß die Zeche zahlen müssen weil sie überproportional an den Kostensteigerungen für die Betankung ihrer Fahrzeuge als auch Lebensmittelkäufe aufbringen müssen.

    Wären nämlich jene Verhandlungsführer nicht nur zum Schein darauf eingegangen, dann hätte es sich der mathemathischen Logik bemühend, umgerechnet zu den Stichtagen Gehaltserhöhungen von rund 110,00, 40,00 und 30,00 Euro geben können. Also für jeden Beschäftigten gleichwertige Einkommensanhebungen.

    Da „Fleißig“ ärmer bleibt und wie immer dazu beiträgt, daß „Reich“ reicher wird und an seinem Besitzstand nichts verändern kann, wird die Klientel der reicheren Bevölkerungsgruppe angehörigen Gewerkschaftsbosse, weiterhin Arbeitnehmerpolitik zum Schein, anstatt im wahrhaften Sein zu gestalten.

  2. Michele sagt:

    „Denn Im Grunde müßte auch Deutschland angesichts einer Verschuldung von über 80 Prozent deutlicher sparen.“

    Mir scheint, man spart schon lange nicht mehr an den RICHTIGEN STELLEN. Unnützer Kram und Prestigeobjekte gehören als erstes abgeschafft. Aber wenn die man das Wort Sparen in den Mund nimmt, denken gewisse Herren lediglich an Einsparungen bei der schaffenden Bevölkerung.

  3. bate sagt:

    @ Readktion:

    das ist doch nicht euer Ernst, dass ihr weitehin von satter Lohn“erhöhung“ schreiben wollt, oder ???

  4. Voltaire sagt:

    http://www.verdi.de/themen/geld-tarif/tarifrunde-oed-2012/++co++8c2000a8-7b01-11e1-6941-0019b9e321cd

    „Tarifeinigung im öffentlichen Dienst: 6,3 Prozent mehr Lohn.

    Die rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen bekommen mehr Lohn. ver.di und die Arbeitgeber einigten sich, dass die Löhne und Gehälter zum 1. März 2012 um 3,5 Prozent, ab 1. Januar 2013 um 1,4 Prozent und ab 1. August 2013 um weitere 1,4 Prozent steigen. „Die Kolleginnen und Kollegen haben nach zehn Monaten 4,9 Prozent mehr Gehalt und nach 18 Monaten eine dauerhafte tabellenwirksame Lohnsteigerung von 6,3 Prozent“, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske in Potsdam.“

    Rechnen wir das doch mal an einem konkreten Beispiel auf Basis der Lohnerhöhung in 2012 durch.

    Familienvater Jahrgang 1970, 2 Kinder, gesetzlich krankenversichert mit einem KV-Beitragssatz von 14,6 % +0,9 % , lebt in Nordrhein-Westfalen, zahlt keine Kirchensteuer und hat derzeitig ein Monatsbruttoeinkommen von 3000 EUR. Ab 01.03. erhält er 3,5 % mehr Lohn, macht 105 EUR / Mon. entsprechend 3105 EUR.

    Das monatliche Nettogehalt mit vorgenannten Annahmen beträgt aktuell EUR 2.136,25, ab dem 01.03.2012 EUR 2.196,01 also 59,76 EUR mehr im Monat.

    Bezogen auf das Nettogehalt steigt sein Einkommen um 2,8 Prozent und entspricht damit in etwa der aktuellen vom statistischen Bundesamt getürkten Inflationsrate.

    Bezogen auf die weiteren Lohnsteigerungen ab dem 01. Jan. 2013 ff hat er einen Kaufkraftverlust unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Inflationsrate hinzunehmen.

    6,3 Prozent mehr Lohn ohne differenzierte Betrachtung macht keinen Sinn. Der von ver.di so toll angepriesene Tarifabschluss ist eine LACHNUMMER!

    • Michele sagt:

      Wahrscheinlich braucht es für die zu entlohnenden Bürger im Gegenzug zur Steuerprogression zugunsten des Staates auch einen Automatismus zum Ausgleich der Geldinflation in Höhe der Geldinflationsrate als Basis der Berechnungen. Ansonsten bleiben die erzielten Verhandlungsergebnisse nicht nur eine Augenwischerei, sondern wie so oft sogar Einkommensverlust.

    • Michele sagt:

      Und das für ALLE, nicht nur für EINE Beschäftigungsgruppe.

  5. Voltaire sagt:

    http://www.verdi.de/themen/geld-tarif/tarifrunde-oed-2012/++co++8c2000a8-7b01-11e1-6941-0019b9e321cd

    „Tarifeinigung im öffentlichen Dienst: 6,3 Prozent mehr Lohn.

    Die rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen bekommen mehr Lohn. ver.di und die Arbeitgeber einigten sich, dass die Löhne und Gehälter zum 1. März 2012 um 3,5 Prozent, ab 1. Januar 2013 um 1,4 Prozent und ab 1. August 2013 um weitere 1,4 Prozent steigen. „Die Kolleginnen und Kollegen haben nach zehn Monaten 4,9 Prozent mehr Gehalt und nach 18 Monaten eine dauerhafte tabellenwirksame Lohnsteigerung von 6,3 Prozent“, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske in Potsdam.“

    Rechnen wir das doch mal an einem konkreten Beispiel auf Basis der Lohnerhöhung in 2012 durch.

    Familienvater Jahrgang 1070, 2 Kinder, gesetzlich Krankenversichert mit einem KV-Beitragssatz von 14,6 % +0,9 % , lebt in Nordrhein-Westfalen, zahlt keine Kirchensteuer und hat derzeitig ein Monatsbruttoeinkommen von 3000 EUR. Ab 01.03. erhält er 3,5 % mehr Lohn, macht 105 EUR / Mon. entsprechend 3105 EUR.

    Das monatliche Nettogehalt mit vorgenannten Annahmen beträgt aktuell EUR 2.136,25, ab dem 01.03.2012 EUR 2.196,01 also 59,76 EUR mehr im Monat.

    Bezogen auf das Nettogehalt steigt sein Einkommen um 2,8 Prozent und entspricht damit in etwa der aktuellen vom statistischen Bundesamt getürkten Inflationsrate.

    Bezogen auf die weiteren Lohnsteigerungen ab dem 01. Jan. 2013 ff hat er einen Kaufkraftverlust unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Inflationsrate hinzunehmen.

    6,3 Prozent mehr Lohn ohne differenzierte Betrachtung macht keinen Sinn. Der von ver.di so toll angepriesene Tarifabschluss ist eine LACHNUMMER!

  6. Ausgewanderter sagt:

    Der Deutsche Staatsdienerwohlfahrtsstaat war fuer mich der Hauptgrund mit meiner Familie vor acht Jahren auszuwandern.
    Man nimmt es den fleissigen ums den Systemparasiten hinterherzuwerfen,von den ganzen zugewanderten Schmarotzern ganz zu schweigen.Welcher fleissige will sich noch fuer so ein Umverteilungssystem abschuften?
    Der Deutsche Staat war in seiner Geschichte meiner Meinung nach noch nie zu Gerechtigkeit und Ehrlichkeit gegenueber seinen Sklaven (schreibe bewusst nicht Buerger)faehig,das wird sich auch nie aendern und es wird immer ein ideologisch gesteuertes Monstrum bleiben,egal welche Irren grade an der Macht sind.Mein Sohn wird das nie durchmachen muessen und statt dessen in Freiheit aufwachsen!

    Und Tschuess Irrenanstalt

    Gruesse vom anderen Ende der Welt,wir sehen uns niemals wieder!

  7. Isolde sagt:

    6,3% für 2 Jahre macht 3,1 % in diesem und 3,1 % im nächsten Jahr. Zum 1.1.2013 ist beschlossen: erhöhung der Pflegeversicherung von 1,95 auf 2,05 – 2,3 %, macht bezogen auf einen Durchschnittslohn von 2016 € (12 €/h * 168 h/Mon) zwischen 2 und 6,7 €, das sind 0,1 – 0,3 % Mehrbelastung. So bleiben also allein schon bei rund 2,3% Inflation/Jahr und der Erhöhung der Pflegeversicherung nur magere 0,7% – 0,5% netto mehr über, ganze 10 – 14 € im Monat, also 50 – 70 ct. am Tag oder 6 – 8 ct / Arbeitsstunde.

    WOW, das nenne ich eine gigantische Augenwischerei für und im Namen der Gewerkschaft Ver.di. Als Arbeitnehmer braucht´s solche Arbeitnehmervertreter nicht.

    • Gast137 sagt:

      Genau so ist es.Der Abschluss war mickrig und uns werden 6.3 % vorgelogen.

      Das ist eine Frechheit! Und die meisten glauben wirklich,dass Verdi 6.3 % abgeschlossen hat.

      Traurig, dass viele das falsch verstehen!

      Danke Isolde, dass du das genauer beschrieben hast!

      • bate sagt:

        SpOn ist noch geiler, die Faseln von 6,41 % inkl. Zinseszins…
        Wie bei der Inflation allerdings noch gespart werden soll, kann nur der gleichgeschaltete Spiegel erklären.

  8. Deutscher sagt:

    Wenn Inflation erzeugt werden soll (und dies ist ja offensichtlich gewünscht, um die Verschuldung zu reduzieren), dann muss es Lohnerhöhungen geben.
    Sonst wird das nix mit dem Weginflationieren der Schulden.
    Einen Tod müssen Weidmann und die Kommunen sterben. Entweder Lohnerhöhungen und Inflation oder keine Lohnerhöhungen und Deflation. Ist doch nicht so schwer zu verstehen.

    • Michele sagt:

      hi hi, und mit Inflation weniger Rücklagen der Bevölkerung und haupsächlich noch Konsum…

    • Michele sagt:

      „Das oberste Ziel der Euroländer, das auf dem großen Gipfel beschlossen worden ist, heißt Reduzierung der Guthaben. Es sind Ihre Guthaben, das Geld Ihrer Lebensversicherungen, das Geld auf Ihren Sparbüchern und Ihre Altersversorgung. Ach, das haben Sie gar nicht mitbekommen? Dabei wird das ganz offen verkündet und die Politiker lassen sich dafür feiern.“

      Ironie out

  9. Michele sagt:

    Die „kalte Steuerprogression“, die auch als „schleichende Steuererhöhung“ ist scheins immer noch nicht vom Tisch, obwohl es Schäuble meines Wissens versprochen hat.. Der Fiskus holt sich also ohne einen Finger zu rühren (ohne Debatten) Lohnzuwächse wieder zurück.

    Solange da nichts geändert wird, sind Lohnerhöhungen (inflationsbereinigt) auch zudem wegen der Kalten Progression noch genauer unter die Lupe zu nehmen.

    Ein Staat der an allen Enden überproportional mitkassiert (auch in anderen Sektoren wie Energie und Benzin) betrachte ich sehr kritisch. Überall einfach debattenlos mitzukassieren und dann auch wieder rel. debattenlos nach Brüssel abzuführen halte ich schon für ziemlich obszön.

    Ein w