Türkei: Konsumenten-Wut wegen Energiepreis-Explosion

Um fast 20 Prozent wurde der Erdgaspreis am vergangenen Wochenende in der Türkei angehoben. Beim Strom sieht es nicht viel besser aus. Auch hier sollen Privathaushalte knapp 10 Prozent mehr zahlen. Die Verbraucher fühlen sich von der Regierung belogen. Die Erhöhungen seien „ungerechtfertigt und skrupellos“, erklärt die Föderation der Verbraucherorganisationen.

In der Türkei wurden erneut die Energiepreise erhöht. Konsumentenschützer sprechen von Wucherpreisen. Das türkische Pipeline Unternehmen BOTAŞ erklärte, die Erdgaspreise werden sich für den Konsumenten um 18,7 Prozent erhöhen. Doch damit nicht genug, auch die Regulationsbehörde für den Energiemarkt (EPDK) verkündete eine Erhöhung von 9,3 Prozent der Strompreise für Privathaushalte. Für die Industrie erhöht sich der Preis pro kWh um 8,7 Prozent.

„Die Erhöhungen müssen sofort rückgängig gemacht werden. Wenn das nicht passiert werden wir die Sache vor Gericht bringen. Mit jedem Tag werden unsere Aktionen und Proteste größer werden“, erklärte die Föderation der Verbraucherorganisationen in der Türkei (TÖF) den Deutsch Türkischen Nachrichten. Die Preiserhöhung sind für sie „ungerechtfertigt und skrupellos“. „Wir wissen, dass die unzumutbaren Preiserhöhungen schon bald die Grundbedürfnisse des Verbrauchers bis hin zu Grundnahrungsmitteln beeinträchtigen werden“, so die Föderation.

Die Energiekosten sind alles andere als erschwinglich für die Bevölkerung. An allen Enden wird gespart, um die hohen Rechnungen bezahlen zu können. „Die Preiserhöhungen sind für die Konsumenten zu einer Folter geworden“, sagt die TÖF.

Die Regierung ist in Erklärungsnot und schiebt die Schuld von sich. „Der Anstieg ist auf die Rohölpreise, die schwache Lira, den Arabischen Frühling und den Iran-Israel-Konflikt zurückzuführen“, so Energieministers Taner Yıldız. Er versucht die Bevölkerung zu beruhigen, indem er betont, das sei nur das kleinere Übel. „Wenn wir mit Russland im vergangenen Jahr nicht eine Preissenkung für Erdgas vereinbart hätten, wären die Preiserhöhungen jetzt zweimal so hoch“, sagt Yıldız.

Die TÖF glaubt das nicht. „Die Erklärungen in der Öffentlichkeit spiegeln nicht die Wahrheit wieder, die Konsumenten werden belogen“, sagt diese. Dass sich die Konsumenten hier betrogen fühlen, läge daran, dass Preissenkungen von 10 Prozent, die es in der Vergangenheit gegeben hat, nicht auf den Rechnungen der Haushalte erschienen. Die derzeitige Erhöhung sei nach Angaben der Föderation vielmehr darauf zurückzuführen, dass BOTAŞ und der EPDK die Situation für den eigenen Vorteil ausnutzen.

Der EDPK erklärte, dass die Stromverbraucher mit ca. zwei Euro mehr im Monat rechnen müssen. Der Preis hat sich auf 13,7 Cent pro kWh erhöht. Eine vierköpfige Familie verbraucht in der Türkei 150 kWh im Monat. Während diese bisher im Durchschnitt 18,6 Euro zahlen musste, sind es durch die Erhöhung nun 20,5 Euro im Monat.Die Jahresrechnung steigt damit von 223 Euro auf 246 Euro.

Beim Gas steigt der Preis von einem m³ Erdgas von duchschnittlich 3 Cent auf 3,5 Cent . Der Jahresdurchschnittsverbrauch einer Familie liegt in der Türkei bei 1500 m³. Während diese bisher 534 Euro bezahlte, muss sie nun mit einer Rechnung von 620 Euro im Jahr rechnen.

Kommentare

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  1. Michele sagt:

    hi, hi das ZDF würde bei uns so argumentieren: „Die steigenden Rohstoffpreise aus nichteuropäischen Ländern sind der Grund der Teuerung“. Mit keinem Wort würde man darauf hinweisen, dass der Euro inflationiert wurde und weniger Kaufkraft besitzt.

  2. Rhyskant sagt:

    @redaktion….ihr habt moderiert, ok…gleichwohl…wenn ihr, wie ich, die türkische Mentalität in den Großstädten kennen würdet, hättet ihr nicht moderiert….da kann es passieren, dass ein unpopulärer Abgeordneter sich schon mal im Bosporus wiederfindet…Oder schaut doch mal auf erfolglose Fussballtrainer….

  3. Rhyskant sagt:

    Die türkischen Bürger sollten Strafanzeigen gegen die Versorger stellen

  4. Druidenstein sagt:

    Hier handelt es sich um kein originäres türkisches Problem, sondern um ein globales Wohlstandssystem im Wohnbereich. Würden die Menschen noch in ihren Wohnungen den Energieverbrauch von 1950 benötigen, dann hätten wir diese Verspannungen nicht. Aber heute rennt jedes Mägdelein das ganze Jahr lang bauchnabelfrei im überheizten Haus mit drei Bädern herum. Wenn die BRDDR-Bürger in den nächsten Wochen ihre Heizkostenabrechnung erhalten, wird so manchem schwarz vor Augen.

    Wohl dem, der ein Haus mit alter Ofenheizung bewohnt. Hier kann man etwa 2000 Euro an Heizkosten einsparen! Langsam dämmert das auch den Doofmichels; denn die neuen zum Verkauf anstehenden Superhäuser, die will keiner mehr haben, selbst wenn es sich um Energiesparhäuser handelt! – Einige meiner Bekannten, die heizen einfach überhaupt nicht. Mit Kerzen sorgen sie dafür, daß die Wasserleitung nicht zufriert und freuen sich, daß der BRDDR die Mineralölsteuer entgeht. Gut, mit Kindern ist ein solches Leben schwierig. Aber für Erwachsene läßt sich so leben!

    • Michele sagt:

      „Wenn die BRDDR-Bürger in den nächsten Wochen ihre Heizkostenabrechnung erhalten, wird so manchem schwarz vor Augen.“

      Nicht nur das, die Händler werden die Transportkosenanteil, bei überregionalen Internetbestellungen besonders, in die Kostenberechnugen miteinbeziehen müssen. Auch der Produktionsprozess verteuert sich nominal. Die Abnehmer müssen auch mit sonstigen höheren Preisen rechnen. Energiepreiserhöhungen verursachen ein Kette von anderen Preiserhöhungen.

      Ein sicher nicht unerheblichen Grund ist die Inflationspolitk (Geldmengenvermehrung), die in der Westlichen Welt gefahren wird.

    • Michele sagt:

      Bei manchen sind die Rohrleitungen diesen Winter geplatzt, besonders in Fehrienwohnungen/Häusern. Man könnte die Fenster verkaufen und Strom und Wasser abstellen.. Die Grundsteuer ist dann immer noch hoch genug.

      Oder man verkauft zum momentanen Spottpreis…Leider hat man dann keine Rücklagen mehr für das Alter…und das Pflegeheim kostet (wie schon ein paarmal erwähnt ca. 3000.- Euro pro Kopf und Nase).

      Alles wird schwieriger…und der Staat hat die „Begräbniskosten“ zu übernehmen…

    • Michele sagt:

      Manchmal muss man etwas übertreiben, um die Tendenz aufzuzeigen!

      • Druidenstein sagt:

        Von wegen übertrieben: Mein Bekannter wohnt nach seinem beruflichen Abstieg vom Millionär zum Hartzvierer zu Miete. Weil der Vermieter in Balingen keinen Öllieferanten fand, der ihn belieferte, sitzt mein Bekannter seit Wochen mit seiner Familie in ungeheizter Wohnung! Auch wenn er für den Zeitraum, in dem die Heizung nicht funktioniert keine Miete zahlt, so ist es dennoch arschkalt!

        • Elisabeth Wehmeier-Püthe sagt:

          Und wo sind die Millionen geblieben? Hat man in guten Zeiten zu sehr geprotzt und verschwendet?

          Also uns würde eine einzige Million locker länger zum Leben reichen, als es wahrscheinlich dauert. Es kommt immer auf die Ansprüche an, die man hat. Bescheidenheit und Mäßigung – darauf kommt es an.

  5. westfale_08 sagt:

    Bitte an die Redaktion:

    Damit man sich ein realistisches Bild von den Verhältnissen in der Türkei machen kann, wäre es sinnvoll, die absoluten Energiepreise in türkischer Lira bzw. umgerechnet in Euro/Eurocent anzugeben.

    Danke!

    • redakteur sagt:

      Reichen wir nach! Die Redaktion

    • Rhyskant sagt:

      1 € = 2,36 TL…Liter Sprit…über 5 TL= ca 2,10 €…das Lohnniveau der türkischen Bürger in den Großstädten liegt um 25% unter unserem….haben Sie jetzt eine Vorstellung?

  6. cocooning sagt:

    11. Juli 2008 = Brent: 147,50 USD / 02. April 2012 = Brent: 123,42 USD
    11. Juli 2008 = WTI: 147,27 USD / 02. April 2012 = WTI: 105,25 USD
    07/2008 = Benzinpreis Super E5: 1,503 EUR
    04/2012 = Benzinpreis Super E5: 1,709 EUR

    Na, fällt etwas auf?

    Die Euro-Krise (Portugal, Spanien, Italien, usw.) wird bewusst weginflationiert.
    Wir bezahlen heute schon in DE an der Tankstelle für die Griechenpleite, usw.

    Dank EZB bezahlen wir mit immer schwächerem Geld. Den Türken mit ihrer LIRA ergeht es nicht besser.

  7. bayer sagt:

    Lasst uns mal einen Schritt zurückgehen, damit wir das Ganze besser sehen:

    Passiert genau das nicht überall in Europa?
    Die Völker werden abgezockt nach Plan und in gigantischem Ausmaß.
    Die Sozialleistungen werden zurückgefahren.
    Die Reichen werden geschont.

    Versteckt ist dieser im wahrsten Sinne teuflische Plan z.B. im Aktiensystem:
    Keiner weiß, wem was gehört.
    Oder in der Geldschöpfung.
    Alles bestens verschleiert.

    Und da ihnen die Massenmedien auch gehören, wird darüber auch nicht berichtet.
    All die Scheindebatten im TV dienen der Verwirrung.

    • Werner sagt:

      „…Die Sozialleistungen werden zurückgefahren. Die Reichen werden geschont…“

      Was hat das Eine mit dem Anderen zu Tun ?
      Ist es plötzlich ok zugunsten der „Sozialhilfe-Empfänger“ bei den Reichen auf Klau zu gehen ? Will mann nicht mehr „Mein“ und „Dein“ auseinander zu halten ? Verkommene Gesellschaft !

      mfg. Werner

      • Raus aus Deutschland sagt:

        Wer sind die „Reichen“???

        Auch mit 30.000Euro im Monat gehört man m.E. nicht zu den Reichen.

        Reich ist der, der ist nicht notwendig hat zu arbeiten.

        Alle anderen Sind Arbeits-Sklaven, wenn auch teilweise auf hohem Niveau.

        Derjenige welcher monatlich 30 aber auch 100.000Euro Euro verdient wird genau so geschoren werden wie der Sozialhilfeempfänger, denn Geld alleine zählt nicht. Die Macht gehört dazu!

      • Michele sagt:

        „Der Segen Gottes macht reich ohne Mühe“

        Manchmal glaube ich dran, manchmal gar nicht…

    • Dagmar sagt:

      bayer, lass uns lieber drei Schritte zurück gehen. Mindestens bis in die Zeit der EWG, lass uns diesen überwuchernden Moloch in Brüssel auf ein Minimum reduzieren, lass uns den deutschen Bundestag um mindestens 50% schrumpfen. Ohne echte Opposition brauchen wir keine 620 Hansel, die uns zertreten.

      Und all die Europa- und Bundespolitiker kriegen in Zukunft keine Diäten und Pensionen, sondern eine Wohnung im Plattenbau und Hartz4. Die verbliebenen Politiker würden ihre Arbeit vermutlich besser machen und auf das Volks hören.

      Erst heute: Die Kanzlerin sieht keinen Handlungsbedarf für höhere Pendlerpauschale. Das ist menschenverachtend denengegenüber, die von Minilöhnen noch hohe Fahrtkosten bezahlen müssen. Wobei, die richtigen Geriungverdiener sind nicht einmal steuerpflichtig, hätten also eh sämtliche Fahrtkosten alleine zu bestreiten.

      • Michele sagt:

        Es ist ein Jammer, dass nicht alle eine „ordentlich“ bezahlte Beschäftigung finden…

      • Klotho sagt:

        Ich kenne die Arbeit der Abgeordneten, und die haben sehr wenig Zeit, die sind immer eingespannt in unzähligen Terminen.
        Die abeiten auch, wer hier alles kontrolliert sind die Lobbyisten, die werden sehr hoch bezahlt um Einfluß auf Politiker zu nehmen. Große Konzerne und Verbände können solche Lobbyisten sehr hoch bezahlen, die sind es welche die Politik stark beeinflussen. Der sogenannte Normalbürger hat im allgemeinen keine Ahnung was wirklich abgeht und versucht auch nicht direkt Einfluß zu nehmen auf politische Vorgänge. Lieber sitzen die meisten im gemütliche Sofa und schauen fern. Daher gibt es nur Nörgel- und Meckerecken aber keiner wird aktiv. So geht das aber nicht, da ändert sich wirklich nichts dabei.
        Ich habe das Privileg einige Abgeordnete persönlich zu kennen, daher kenne ich auch deren Arbeit. Kennt eigentlich noch jemand die Abgeordneten auf den Wahllisten? Da es sich auch um Menschen handelt können die auch kontaktiert werden.

    • Vanessa_ sagt:

      Stellen Sie sich das hochgelobte Aktiensystem vor, wenn es keine Arbeitnehmer gäbe. Dann könnten die Investoren sich ihr Geld immer hin- und herschieben und noch so tolle Geschäftsideen haben: Ohne Arbeitnehmer würden sie schnellstens merken, dass Geld nicht arbeiten kann!

      Vielleicht sollte das immer mehr Leuten mal bewußt werden. Dann stellt man auch ganz schnell fest, dass nicht die Wirtschafts- und Finanzelite, sondern die Arbeitnehmer die wahren Leistungsträger unserer Gesellschaft sind. Würden auf einen Schlag alle Arbeitnehmer der börsennotierten Unternehmen ihre Arbeit kündigen, dann würden die Investoren in kürzester Zeit merken, wer wirklich ihr Kapital erarbeitet/erwirtschaftet.

  8. fra sagt:

    Es sieht nicht gut aus für die Türken. Sie sollen ihr Gold abgeben, höhere Energiepreise bezahlen und gleichzeitig sind viele private Haushalte überschuldet. Der Immobiliensektor weist eine Blase auf und der wichtige PKW-Markt hat stark rückläufige Absatzzahlen. Steht hier eine Regierung mit dem Rücken an der Wand und sucht verzweifelt nach Geld?

    • Michele sagt:

      Vielleicht kommen die Türken deshalb so gerne in das Einwanderungsland Deutschland. Ein paar Deutsche bleiben dabei allerdings auf der Strecke…

    • Festina lente sagt:

      Für uns sieht es auch mitnichten gut aus. Das kann nur heißen, daß wir hier noch mehr vornehmer Herrschaften aus Anatolien bekommen werden, als schon jetzt der Fall ist.

    • Klotho sagt:

      Dann gehe ch davon aus das der türkisch Staat Geld braucht und die muß der sich holen, ich denke das die Türken sich mit Erdogan einen weiteren sehr korrupten Politiker erwählt haben.
      Die regierende islamistische AKP-Partei ist bis über beide Ohren korrupt und demokratiefeindlich.

  9. isolde sagt:

    irgendwie müssen die Bürger ja ausgenommen werden. da hilft nur: anders wählen, rechts oder links oder rechts-links-radikal

    • Charly Finger sagt:

      Sorry, wen soll man wählen? Jede Partei unterliegt in Regierungsverantwortung der selbsternannten Welt Elite. Die vor der Weltwährungsumstellung nur Geld schäffeln wollen.
      Die USA kauft nach wie vor – sicher durch Verträge geregelt – Oil für 7 CENT ein. Alles andere sind Lügen, Bankerinteressen, Spekulanten, Gauner, Menschenhasser, Geldgier und das Schlimmste das Machtgehabe einiger steinreicher Spinner, die noch nicht wissen: Das letzte Hemd hat keine Taschen!

    • bate sagt:

      Tja, und wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten.
      Da jeder Bundeskanzler nach der Pfeife der USA tanzt, und die BRD (nicht Deutschland!) immer noch besetzt (Art 79, 120, 133, 139 GG) ist, ist der Gang zur Wahlurne eine Farce.

      Ausserdem hat der Bewohner der BRD (Art. 25 GG), der seine Stimme ABGIBT und in der WahlURNE begräbt, keine mehr…

      > http://www.zeit.de/2009/21/D-Souveraenitaet

  10. annadomini sagt:

    Oh, das ist ja wie bei uns daheim, nur dass wir eben schweigen und zahlen…