OECD: Betreuungsgeld fördert Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau

Während sich Angela Merkel mit der CSU über eine tatsächliche Einführung des Betreuungsgeldes streitet, schaltet sich nun die OECD ein. Lieber sollten „hochwertige Betreuungseinrichtungen mit kindgerechten Förderungen“ in Anspruch genommen werden. Wo genau diese zu finden sind bleibt offen.

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Das wieder einmal in Kritik geratene Betreuungsgeld wird nun auch von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gescholten (erst kürzlich kritisierte die OECD die mangelnde Reformwilligkeit der deutschen Regierung – hier). Es führe zu einer Zementierung des Lohngefälles zwischen Mann und Frau. „Frauen in Deutschland arbeiten überdurchschnittlich oft in Teilzeitbeschäftigung und weisen eines der höchsten Lohngefälle gegenüber männlichen Beschäftigten auf“, erklärte Andreas Wörgötter von der OECD.

Nach den Berechnungen der OECD ist in keinem anderen europäischen Land das Lohngefälle zwischen Mann und Frau so groß wie in Deutschland. Frauen in Vollzeitbeschäftigung verdienten 21,6 Prozent weniger als ihre Kollegen. Der Durchschnitt unter der 34 OECD-Staaten liegt beispielsweise mit 16 Prozent deutlich darunter.

Eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit in Bonn veranschaulichte am Beispiel des 2006 in Thüringen eingeführten Betreuungsgeldes die Auswirkungen des Betreuungsgeldes. Es zeiget sich, dass die Erwerbsquote der Mütter von zweijährigen Kindern, die jenes Betreuungsgeld erhielten, um 20 Prozent gesunken ist. Besonders bei Alleinerziehenden, Haushalte mit niedrigem Einkommen und Frauen mit geringer Qualifikation war dies verstärkt zu beobachten.

„Das Kinderbetreuungsgeld verstärkt Anreize in diese Richtung und verringert die Möglichkeiten der Kinder, hochwertige Betreuungseinrichtungen mit kindgerechten Förderungen in Anspruch zu nehmen“, so Andreas Wörgötter. Doch wie genau diese hochwertigen Betreuungseinrichtungen zu finden seien und wie das Problem mit dem immer noch anhaltenden Mangel an freien Kindergartenplätzen zu beheben sei, wurde nicht erwähnt.

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Kommentare

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  1. DK_Jule sagt:

    haben wir hier irgendwo „hochwertige Betreuungseinrichtungen“ ? ich hab noch keine gesehen. Wenn das noch so ist wie zu meiner Zeit dann Nein Danke! Außerdem ist das Arbeitskräfteangebot vollkommen ausgereizt. Wo sollen die denn arbeiten? In Westdeutschland wuchern die 400 euro Jobs und es ist schwer was anderes zu finden. Die meisten Frauen arbeiten in gering bezahlten DL-Jobs die kein Mensch einen ganzen Tag machen möchte. Man könnte höchstens Teilzeitarbeit daraus machen, was sowieso sinnvoll wäre!

    Und man stelle sich mal vor: Vollzeit heißt inklusive Fahrzeiten oft 9 bis 10 Stunden! Ich geb doch nicht 9-10 Std. ein 1 bis 2jähriges Kleinstkind zu fremden Leuten in Betreuung – das würd ich nicht mal mit nem Köter machen. Und dann muss man abends noch den Haushalt schmeißen — ich kann mir schon vorstellen wie das abläuft — Abends genervt und froh endlich Ruhe zu haben – da beschäftigt man sich damit auch nicht mehr.

    und es ist gerade fair, wenn man auch ärmeren Familien ermöglicht, sich selbst um seine Kinder kümmern zu können. Billigjobberin gibt es schon genug. 70% der Niedriglöhner in DE sind Frauen! Denen hilft auch keine Kinderbetreuung – Niedriglohn bleibt Niedriglohn – da muss ein Mindestlohn her!

    http://ftp.iza.org/dp1576.pdf

    we bekommt die wenigsten Kinder: Frauen die Vollzeit arbeiten in der Privatwirtschaft, sobald Teilzeit möglich ist, ist die Kinderanzahl höher. Dazu passt, das in Ostdeutschland viele Mütter Vollzeit arbeiten, aber mittlerweile Einkindfamilien dominieren. Es ist davon auszugehen, dass es oftmals auch bei einem Kind bleiben wird.

    dann lieber Teilzeit für alle wie in den Niederlanden — dann klappt es auch mit Vollbeschäftigung.. Würden alle Vollzeit arbeiten hätten wir in DE wegen sinkendem Arbeitsvolumen 15 Mio. Arbeitslose.

    in den modernen Zeiten können nicht mehr alle Vollzeit arbeiten. Wer weiß, ob es in 10 Jahen noch viele Kassierer gibt – manche Läden im Ausland stellen schon um.

  2. eine dichterin sagt:

    ich weiß, als künstlerin verändert man nicht die welt, doch kann ich meinen unmut ob der politik in versen ausdruck verleihen.

    aufgewacht!

    werte schwester und werter bruder im land
    liegt es nicht offen auf der hand

    die regierung schafft die verfassung ab
    nicht mal dies bringt uns auf trab

    es wird mit europa ein fiskalpakt geschnürt
    der uns zu mehr schulden führt

    sparmaßnahmen werden uns ausferlegt
    davon man sicher nicht besser lebt

    der arbeitende mensch nur noch „maschine“ ist
    er soll funktionieren für jeden mist

    doch rechte zum schutz werden abgeschafft
    habt ihr das jetzt auch gerafft

    eine neue weltordnung soll es richten
    davon profitieren nur die oberschichten

    der kleine mann, die arme sau
    und auch seine kleine frau

    sollen mit ihren steuergelden alles bezahlen
    wartet ab, es sind bald wahlen

  3. klimperkasten sagt:

    Ein befreundetes Ehepaar muss sich in regelmäßigen Abständen dafür rechtfertigen, dass es sein Kind (2 Jahre) noch nicht in die Krippe geben möchte. Trotz Berufstätigkeit beider Eltern hat das Kind dank bester, liebevoller Aufsicht zweier Großeltern die Möglichkeit, innerhalb der Familie betreut zu werden, und alle sind glücklich damit.
    Kinderbetreuungsgeld ist gut für Eltern, die unter größter Anstrengung mit zwei miesbezahlten Jobs über die Runden kommen müssen. Aber die wahre Absicht der Förderung ist, die Kinder früh aus den Familien herauszuholen um sie „im staatlichen Sinne“ zu erziehen. In den Grundschulen geht das „Förderprogramm“ dann weiter – siehe das Projekt „sexuelle Vielfalt“ in Berlin:

    http://www.abgeordneten-check.de/artikel/880-interview-hedwig-von-beverfoerde.html

  4. Iomio sagt:

    Man stelle sich einmal vor, was passieren würde, wenn viele Frauen beschließen ihre Kinder selbst zu betreuen und zu erziehen. Der Arbeitsmarkt käme wohl ganz schön unter Stress, weil so viele Mitarbeiterinnen in den unteren Lohngruppen bzw. bei den Minijobs fehlen würden – da müssten ja tatsächlich Lohnanreize geschaffen werden, um diese Arbeitsplätze zu besetzen. Damit würde sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im Arbeitsmarkt ziemlich verändern – zugunsten der Arbeitnehmer, welch ein Graus! Es wäre unter Umständen sogar wieder möglich, dass ein ein Elternteil die Familie alleine ernähren könnte. Ja, wo kämen wir denn da hin? Alle Steuerungsmechanismen wären plötzlich unbrauchbar und Familien könnten einen Teil ihrer Selbstbetimmung wieder zurück gewinnen. Was für eine wunderbare Vorstellung!

    • Margrit Steer sagt:

      Sie sagen es.
      Aber Familien die selbst bestimmen, wie sie leben wollen, sind in unserer neuen EU-Diktatur nicht erwünscht.
      Kinder kriegen, ab in die Krippe und KITA, damit sie schön staatskonform erzogen werden, das wollen die EU-Diktatoren. Also wie in der DDR
      Frau werden zu Gebärmaschinen, so sagte schon Bischof MIxa und wurde dafür heftig niedergemacht.
      Aber er hat doch Recht

  5. Selbstdenker sagt:

    Dieser kleine Super-Star sollte Betreuungsgeld bekommen, damit er später mal ein neuer Elvis werden kann. (Ein kleiner Freudenstrahl im grauen Alltag)

    http://www.candy-college.com/video-der-woche/video-2-jahriger-tanzer-wird-zum-youtube-star/

    • Dasein sagt:

      Super der Kleine! Legt jetzt schon ne flotte Sohle aufs Parkett. Ach da wirds einem gleich wieder warm ums Herz!

  6. annadomini sagt:

    Es ist ekelhaft, das Schmierentheater. Als 1994 mein großer Sohn geboren wurde (damals war er natürlich noch klein 🙂 ) gab es das 3-jährige Erziehungsgeld in Höhe von 300DM/Monat – das Geld war damals natürlich mehr wert als heute. Ich entschied mich ganz bewusst, ihn daheim die ersten drei Jahre zu hegen und zu pflegen. Meinen ersten Beruf studierte ich in der Pädagogik, Kindergrippen und -gärten hatte ich zur Genüge von innen gesehen, es ist UNMÖGLICH, Kindern im Alter unter 2 Jahren voll gerecht zu werden, wenn man 6 davon zu betreuen hat. Sie werden verwahrt, bespasst, gefüttert, bespielt, man geht spazieren etc., die enge Bindung zur Mutter jedoch, die immens wichtig ist für ein Vertrauen in die Welt, die kann man nicht ersetzen. Das Kuscheln beim Einschlafen, das Achten auf kleinste Zipperlein… Wenn ein Baby in der Krippe weint, dann kann man es nicht stundenlang im Arm wiegen, die Zeit fehlt, also gewöhnt es sich irgendwann daran, dass keiner kommt und gibt auf…
    Entwicklungspsychologen haben kürzlich im Deutschlandfunk debattiert, warum immer mehr Gewalt bei Kindern und Jugendlichen herrscht, unter anderem sprach ein Professor über erhöhten Kortisolgehalt im Blut bei fremdbetreuten Kleinkindern und dass es wissenschaftlich belegt sei, dass diese Betreuung Stress auslöst, ergo ungesund ist. Aber die Studien sind nicht neu.
    Als fühlte eine Mutter nicht, dass es für beide – Mutter und Kind – nicht gut ist, so eine frühe Trennung zu lancieren. Was passiert dann? Die Kinder werden verwahrt, Nachmittags abgeholt, Stress nach der Arbeit, Einkaufen, Bett… WO soll ein Zusammenhalt, eine tiefe Bindung reifen und gesunden? So gehen Familien den Bach runter. Wozu setze ich ein Kind in die Welt, wenn ich es dann nicht sehen, aufziehen, lieben kann?
    Schande, was für ein mieses Land der Volksverblödung. Wieder auf dem Rücken der Kinder, als hätten sie mit der Rückzahlung der derzeit explodierenden Belastungen nicht genug zu tun…

    • EURO sagt:

      @annadomini

      Jede politische Richtung, der es auf die Unterjochung der Menschen ankommt, muss darauf bedacht sein, bereits die Kleinen unter staatliche Kontrolle zu bringen und sie den -individuellen und nur schwer kontrollierbaren- Enflüssen der Eltern zu entziehen. Deshalb ist das Ziel solcher Freiheitsfeinde, Horte etc ab einem möglichst frühen Lebensalter verpflichtend zu machen.
      Ein freiheitlicher Staat ließe die Eltern frei entscheiden und schaftte die Voraussetzungen dafür, dass die individuellen Wünsche der Eltern frei von staatlichen Beschränkungen verwirklicht werden können.

      Betreuungsgeld wäre in einem Staat mit einem vernünftigen Steuersystem und einer erträglichen Last an Gebühren und Beiträgen überhaupt nicht nötig.

  7. eli sagt:

    Schafft endlich die OECD ab, die ist für die Fisch.

  8. bauagent sagt:

    Zitat aus dem Artikel:

    „Es zeiget sich, dass die Erwerbsquote der Mütter von zweijährigen Kindern, die jenes Betreuungsgeld erhielten, um 20 Prozent gesunken ist“.

    Huch, da könnte ja möglicherweise soziales Verhalten anerzogen werden, dass auch mit größter Mühe durch die Gleichmacher in Brüssel nicht mehr herauszubekommen ist.

    Kaum anzunehmen, dass die Zerstörung der Familien zugunsten der zur Verfügung Stellung gleichgeschlechtlicher Arbeitskräfte für die Industrieoligarchie noch aufzuhalten ist.

    Aber immerhin hat dann jeder sein iphone, um etwas lieb haben zu können.

  9. heide preiss sagt:

    EIN KIND LERNT UND ENTWCKELT SICH DURCH BINDUNG. PUNKT AUS.

    kürzlich sah ich ein foto von 10, 12 säuglingen in ihren stramplern sauber und adrett hüsch zu einem kreis drapiert. natürlich, ja. es ging um kinderkrippen.

    mich befiel das grauen. dieses bild kann ich nicht vergessen. diese armen, hilflosen würmer, die in diesem alter allein eine mutter voll beschäftigen und diese zuwendung brauchen, weil sie als existentiell erlebt wird. ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viel betreuungspersonal für diese winzlinge zur verfügung steht? welche nicht nur psychischen folgen mangelnde bindung hat? gerade heute las ich zwei artikel über adhs.

    den staatlichen zuschuß eine „HERDPRÄMIE“ zu nennen, ist eine HINTERWÄLDNERISCHE IGNORANZ UND FRECHHEIT!

    in afrika sagt man, es brauche ein ganzes dorf, ein kind großzuziehen. daran läßt sich ablesen, wie zeitintensiv die begleitung eines kindes ist.

    • heide preiss sagt:

      ach ja:

      hochwertige betreuungseinrichtungen mit unterbezahlten und überforderten

      betreuerinnen (da ihnen zu viel aufgebürdet wird)???

      wie war das noch mal mit dem lohngefälle???

      ein mann wird diese arbeit kaum machen!