„Innovations-Effekt der Familienunternehmen ist bemerkenswert“

Einer Untersuchung der Technischen Universität München zufolge machen Familienunternehmen ganze Regionen innovativer. Warum das so ist und weshalb dies von der Politik nicht durch eine eigene Förderpolitik honoriert wird, erklären die Autoren der Studie, Jörn Block und Frank Spiegel, den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Sie haben im Zuge einer Studie an der Technischen Universität München untersucht, wie sich Familienunternehmen auf die Innovationskraft einer Region auswirken. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Jörn Block: Unsere Untersuchungsobjekte waren die verschiedenen Kreise in Deutschland. Für diese haben wir die Familienunternehmen in forschungsintensiven Branchen sowie die Anzahl von Patenten, die in einer Region angemeldet wurden, erhoben. Letzteres kann natürlich als etwas streitbarer Indikator gesehen werden. Der Befund war sehr robust: Wenn eine Region stark von Familienunternehmen geprägt ist, liegt die Innovationskraft höher.

Frank Spiegel: Die Anzahl der Patente ist nur einer von vielen Faktoren für die Innovationsaktivität einer Region. Daher haben wir die Regionen auf verschiedene andere Faktoren überprüft, die die Innovationskraft beeinflussen und eine Alternative zu den Familienunternehmen darstellen könnten: ob in der Region zum Beispiel eine Universität ansässig ist, ob die Region eher städtischen oder ländlichen Charakter hat, ob in der Region eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht oder wie viele Unternehmen insgesamt ansässig sind. Wir haben auch die DAX-Unternehmen gezählt, die sich in den Regionen befinden.

Das sind alles Faktoren, die Innovationen auf regionaler Ebene beeinflussen können. Die wollten wir ausschließen. Kontrolliert auf diese Faktoren, sieht man immer noch einen positiven Effekt von Familienunternehmen auf die regionalen Innovationsaktivitäten.

 

Warum wirken sich ausgerechnet Familienunternehmen positiv auf die Innovationskraft einer Region aus? Haben sie nicht viel beschränktere Mittel als multinationale Konzerne?

Jörn Block: Familienunternehmen sind in ihrer Region tief verwurzelt. Sie identifizieren sich stark mit der Region und haben deshalb im Grunde auch ähnliche Interessen. Es entstehen Synergien zwischen den Unternehmen und Wissenstransfers von einem Unternehmen zum anderen. Wobei hier Wissenstransfer im positiven Sinne gemeint ist. Es geht nicht darum, dass Wissen abwandert.

Familienunternehmen gehen grundsätzlich eher konservativ, also risikoscheu an die Forschungsarbeit heran. Schließlich haften sie ja auch mit ihrem eigenen Vermögen und würden mit allzu riskanten Entwicklungsprojekten ihr Unternehmen aufs Spiel setzen. Insofern ist es umso bemerkenswerter, wenn man den positiven Effekt von Familienunternehmen auf die Innovationskraft von Regionen feststellen kann.

 

Und trotzdem haben sie den von Ihnen beschriebenen positiven Effekt? Wie sieht es denn mit dem Fachkräftemangel aus behindern sich die Unternehmen da nicht eher gegenseitig?

Jörn Block: Im Gegenteil, die Firmen profitieren davon. Denn je mehr Unternehmen in einer Region angesiedelt sind, umso mehr Fachkräfte ziehen nach. Dadurch können die Unternehmen auf mehr Facharbeiter zurückgreifen und sich gegenseitig austauschen. Dieses Phänomen beschreibt im Grunde den Vorteil eines Clusters. Durch die festere Verankerung von Familienunternehmen in der Region entstehen solche Cluster leichter.

Welche solcher Cluster sind denn besonders auffällig, wo funktionieren sie in Deutschland gut?

Jörn Block: Es finden sich in ganz Deutschland verteilt Cluster mit verschiedenen Schwerpunkten. In Norddeutschland gibt es beispielsweise das Windenergiecluster. In Sachsen – auch wenn da gerade eines der Unternehmen pleitegegangen ist – gibt es ein Solarcluster. In Süddeutschland ist die Fahrzeug- und Luftfahrtindustrie stark vertreten. Schaut man unabhängig von der Branche, wo viele Familienunternehmen ansässig sind, so sind die Bundesländer Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen die Spitzenreiter.

 

Welche Schlüsse sollte die Bundesregierung aus Ihrer Untersuchung im Hinblick auf die Innovationsförderung ziehen?

Jörn Block: Ad hoc können wir keine Politikempfehlung geben. Aber eine unserer Schlussfolgerungen ist, dass es für die Regierung attraktiv sein kann, verstärkt auf diese Familienunternehmen zu setzen. Wenn man sie fördert, bleibt die Förderung auch direkt in der Region. Es wäre deshalb eine gute Investition, die Innovationsförderung insbesondere mit Rücksicht auf Familienunternehmen zu gestalten.

Frank Spiegel: Meistens wird bei Förderinstrumenten nach der Größe entschieden, ob ein Unternehmen für ein bestimmtes Förderprogramm qualifiziert ist oder nicht. Die Unterscheidung Familienunternehmen/Nicht-Familienunternehmen ist nicht immer eine eindeutige Sache. Aber dennoch sollte man erwägen, dass eine spezifische Innovationsförderung für Familienunternehmen einen neuen Aspekt in die Innovationspolitik bringen könnte. Es gibt eine Schnittmenge aus Mittelstand und Familienunternehmen, aber das sind auch keine 100 %.

Kommentare

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  1. Reinhard Cordes, Unternehmer sagt:

    Sehr interessante und unkonventionelle Korrelationen, die hier aufgezeigt werden.
    Kann man kurzfristig Zugriff auf Daten dieser Studie haben?
    Ich bereite gerade einen Vortrag vor zum Thema Innovationsfähigkeit von Familienunternehmen. Da sind diese Erkenntnisse und Schlussfolgerungen natürlich
    Spannend im Detail zu wissen.

  2. Grausamer Lästerer sagt:

    Eigentlich nichts Neues, sondern ganz gewöhnliche Entstehungsgeschichte. Wie die Uhrmacher im Schwarzwald und in der Schweiz. Und die Anziehungskraft der Zulieferer der in der Automobilindustrie? Daß man dafür Steuergelder verbraten muß, zeigt wie weltfremd unsere Politiker sind.

    Wann gibt es endlich eine Studie die besagt, daß Brot und Brötchen aus Mehl als Hauptbestandteil gemacht werden? Und daß man sonst auch mit Zutaten wie vor tausend Jahren Brot backen kann, ohne Chemie und fremden Zutaten? Aber das will ja keiner mehr, oder soll keiner mehr wollen: Denn das Naturprodukt ist nicht so einfach in der Fabrik herzustellen, wie das mit den fremden Zutaten?

  3. mandelkern sagt:

    70% der 1000 grössten deutschen Weltmarktführer sind in Familienbesitz, wer hätte das gedacht.
    Deren Eigentümer denken fast immer in Generationen – auch das ein Garant für Nachhaltigkeit und Verantwortung.
    Die meisten von ihnen haben ihrer Sitz in ländlichen Gebieten.

    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,718850,00.html

    Dort entstehen neue Arbeitsplätze, während die Konzerne tendenziell Beschäftigung abbauen oder die Zahlen stagnieren, dort werden die meisten Patente neu angemeldet.
    90% gehören dem produzierenden Gewerbe an, nicht dem Dienstleistungssektor wie z.B. in Grossbritannien, dem das schlecht bekommen ist.
    Sie sind traditionell das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, und sie sind es auch, die für die Prosperität des Landes und seine Krisenfestigkeit sorgen.
    Unsere Politiker heften sich den guten Zustand der deutschen Wirtschaft gerne selbst an die Brust, obwohl sie dafür am wenigsten tun.
    Von der Lobby-Politik und den Subventionen profitieren hauptsächlich die Konzerne.
    Es aber sind die Familienunternehmer und ihre Beschäftigten, denen es gelingt, sich trotz widriger staatlicher Bedingungen an der Spitze des Marktes zu positionieren und technische Entwicklungen voranzutreiben.

    Würde unser Land geführt wie ein Familienunternehmen – statt wie ein fusionssüchtiger multinationaler Konzernkrake, mit CEOs ohne persönliche Haftung – dann könnten wir beruhigter in die Zukunft blicken.

  4. cocooning sagt:

    Die meisten Studienabsolventen gehen doch ohnehin in die Industie (Daimler, Siemens, Bosch, Audi usw,) Ein paar gehen aber auch in den Mittelstand.

    • Druidenstein sagt:

      Unsere Hochschulen bereiten doch auch niemanden auf ein Leben in einem mittelständischen Betrieb vor! Alleine die Definition ist strittig!

    • Brainsworld sagt:

      Ich schätze, so wie ich ein paar Familienunternehmen kennengelernt habe, gibt es dort nur selten gute Aufstiegschancen, weil die hohen Stellen meistens Familienmitglieder inne haben 😉
      Daher kann ich Leute die Karriere machen wollen, schon verstehen weshalb diese Unternehmen nicht so attraktiv für sie sind.
      Als normaler Mitarbeiter kann ich die Betriebe aber sehr empfehlen, denn das übliche durchsetzen mit Ellenbogen fällt weg, was ich als wiederrum sehr angenehm für das Betriebsklima empfinde.

      • Michele sagt:

        Familienunternehmen: „Als normaler Mitarbeiter kann ich die Betriebe aber sehr empfehlen, denn das übliche durchsetzen mit Ellenbogen fällt weg, was ich als wiederrum sehr angenehm für das Betriebsklima empfinde.“

        Ich war in beiden Kategorien von Firmen beschäftigt und ich habe genau entgegengesetze Erfahrungen gemacht!

  5. Toni-Ketzer sagt:

    „Abenteuer enden zu oft schlecht für die Karriere“
    Es herrscht seit den 90er Jahren ein Überangebot an Leistungsbereitschaft. Die Kontainerlogistik erreicht den letzten Winkel dieser Welt mühelos. Sämtliche Produkte und Erzeugnisse welche gehandelt wurden sind logistisch erfaßt. Alles krönend entgeht dem Finanzamt keine Zecke. Und mitten drin kämpfen einige private kleine Mitbewerber welche flexible auf Angebot und Nachfrage reagieren. Diese lassen sich aus reiner Existenzangst kein Hering vom Teller nehmen. Diese Angst und Überlebenskampf wird hier als „Innovations-Effekt der Familienunternehmen ist bemerkenswert“ beschrieben.
    Kein Politiker wird sich wissentlich den Familienunternehmen widmen. Denn Abenteuer waren schon immer schlecht für die Karriere. Auch dann, wenn diese auch einmal ein gutes Ende fänden.

  6. Daniel sagt:

    Ich bin Kleinunternehmer mit einer kleinen „aber feinen“ Autowerkstatt (Kapitalgesllschaft=GmbH).
    Ich habe in den letzten 10 Jahren 5 Jungs ausgebildet. Förderung dafür gab es keine (und das ist gut so, ich lehne jede Fördermassnahme grundsätzlich ab). – das nur am Rande!

    Regelmässige Steuerprüfungen bin ich gewohnt, sie enden meist ohne nennenswerte Ergebnisse für den Fiskus (was vielleicht der Grund für die häufigen Prüfungen ist).
    Ausgepresst fühle ich mich dennoch. Ich sehe jeden Monat was ich an die Krankenkassen (inkl. RV) und an Lohnsteuer überweisen muss und das Ganze im Verhältnis zu den Löhnen die ich überweise hab ich öfters das Gefühlt das der erstgenannte Anteil der höhere ist. (Bitte nicht vergessen, neben dem was auf dem Lohnzettel ausgewiesen wird zahlt meine Firma in einigen Bereichen noch den Arbeitgeber-Anteil an der SV der dort nicht erscheint bzw. allein an die Berufsgenossenschaft). Dann kommt noch die Handwerkskammer mit wenigstens einem Grundbeitrag (460 Eur/Jahr) und weitere mit geringeren Beträgen (Grundsteuer für das Firmengrundstück z.B.)
    So, wenn ich denn am Ende des Jahres nach Zahlung all dieser Beträge inkl. meines eigenen Gehaltes (was öfter mal nach hinten geschoben wird) dummerweise Gewinn erwirtschafte darf ich davon sofort Kapitalertragssteuer und Gewerbesteuer abführen, was zusammen mal eben knapp 50% bedeutet. Ich würde diesen Gewinn ja lieber direkt reinvestieren (neue Geräte zB) aber die Steuer muss ich erstmal abführen und die Investition über wenigstens 5 Jahre gewinnmindern abschreiben. So bekomm ich theoretisch zwar die so „zuviel gezahlten“ Steuern wieder zurück aber meiner Firma wird die Liquidität entzogen um diese Investition überhaupt zu tätigen. Wenn ich die Maschine also dringend benötige muss ich diese mit nem zu verzinsenden Kredit finanzieren. Das Finanzamt zahlt mir keine Zinsen.
    Achso, und sollte ich auf die Idee kommen mir den Gewinn nach Steuer (also 50% des Jahresgewinns) aufs eigene, private Konto zu überweisen stehen Finanzamt und SV schon parat uns ziehen nochmal Geld ein (Lohnsteuer und SV) – es kommt also faktisch kaum noch was an.

    Das mal ne kurze Erläuterung zum Thema: „Ausgepresst wie ne Zitrone“

    Meiner Ansicht nach sollte zumindest die Unternehmensbesteuerung in dieser Form abgeschafft werden. Solang Gewinne im Unternehmen verbleiben und ggf reinvestiert werden, müssen sie steuerfrei bleiben. Werden die Gewinne an Gesellschafter ausgezahlt sollten Sie den normalen Einkommensteuern und SVs unterliegen.

    • Druidenstein sagt:

      In der ersten Phase wird man ausgepresst wie eine Zitrone. In der zweiten Phase wird man kriminalisiert! Und der Steuerberater steht mit offenem Mund daneben und fürchtet um seine Zulassung! Ein Steuersystem mit Ausnahmen, das ist absolut ungerecht und sollte sofort abgeschafft werden!