Umweltministerium will Tempolimit auf Autobahnen

Um das Energiekonzept der Bundesregierung doch noch zu retten, soll auf den deutschen Autobahnen ein Tempolimit eingeführt werden - folgert das Umweltministerium aus einer von ihm beauftragten Studie. Dafür sollte die Solarenergie weiter gefördert werden.

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Walter Eichelburg im Interview zur Goldpreis-Drückung (Deutsche Wirtschafts Nachrichten)

Im Auftrag des Umweltressorts wurde eine Untersuchung zur Energiewende in Auftrag gegeben, die vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und vom Ingenieurbüro für neue Energien (IfnE) in Teltow durchgeführt wurde.

Das Energiekonzept der Bundesregierung sieht unter anderem vor, bis 2050 den Kohlendioxid(CO2)-Ausstoß um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. „Zwischen den sachgerechten Zielen der Bundesregierung zur Energieeffizienz und den tatsächlich sich einstellenden Wirkungen der aktuellen Instrumente klafft derzeit jedoch eine immer größer werdende Lücke“, bemängeln die Autoren der Studie „Langfristszenarien und Strategien für den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland – Leitstudie 2010“.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass ein politisch veranlasster Anstieg der Energiepreise die Möglichkeit biete, künftig Preissprünge auf den internationalen Energiemärkten abzufedern. Aber auch ein Tempolimit auf Autobahnen wird als sinnvolle Maßnahme empfohlen. Zudem müssten die CO2-Grenzwerte für Autos noch einmal um die Hälfte gekürzt und steuerliche Vergünstigungen für Dienstwagen abgeschafft werden. Damit alle Wohnungen und Häuser bis 2050 zu saniert werden, müssten strengere Vorgaben bei der Gebäudedämmung gemacht werden.

Das Wirtschaftsministerium allerdings kritisiert die Forderungen der Studie: „Verbraucher und Unternehmen sind auf bezahlbare Energiepreise angewiesen“. Dem Industriestandort Deutschland schade ein weiterer politisch veranlasster Anstieg der Energiepreise. Dies würde wiederum die Akzeptanz der Energiewende vermindern.

Im Gegensatz zum Wirtschaftsministerium begrüßt Umweltminister Norbert Röttgen die Ergebnisse der Studie. Sie bestätige „den Kurs der Bundesregierung, mit der Energiewende das größte Modernisierungs- und Infrastrukturprojekt der kommenden Jahrzehnte gestartet zu haben“, erläuterte er. „Die Energiewende ist machbar und zahlt sich aus.

Der Studie könnte Ökostrom einen Anteil von mindestens 40 Prozent ausmachen. Allerdings müssten erneuerbare Energien bis 2026 gefördert werden. Hier gehe man von einem Umfang von insgesamt 200 Milliarden Euro aus. Ab 2030 sei der Ökostrom dann günstiger als der Strom aus Kohle und Gas. Ab diesem Zeitpunkt könnten die Strompreise wieder gesenkt werden. Entsprechend äußerten die Autoren der Studie Kritik an der Förderungskürzung für Solarstrom: „Die deutlichen Wachstumstendenzen der erneuerbaren Energien seit Anfang des Jahrhunderts müssen unvermindert weitergeführt werden.“ Eine Kürzung würde die Ziele der Energiewende gefährden. Deshalb sei es „nicht zweckmäßig, den zukünftigen Photovoltaik-Ausbau zu stark zu drosseln.

Kommentare

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  1. Johannes sagt:

    Hallo,

    ich finde NICHT, dass eine Tempolimit-Diskussion am eigentlichen Thema vorbei geht. Es ist die einfachste Moeglichkeit, den Spritverbrauch und damit den CO² Ausstoss um 20 % ohne weitere Kostenbelastung der Buerger zu senken!
    Siehe auch
    http://www.myvideo.de/watch/8264678/Die_Downsizing_Challenge_mit_dem_Audi_A1
    oder http://www.jh-cad-architekt.de/Auto.html!!!

    Eine bessere Idee gibt es nicht, mal ganz von der Sicherheitsanhebung durch Massenkarambolagen-Minimierung abgesehen…

    • wf sagt:

      Ich bin auf jeden Fall für ein Tempolimit. Am besten für ein adaptives, das heißt eins, dass das Tempo entsprechend der jeweiligen Verkehrssituation regelt.
      Ich bin aber der Meinung, das Thema Tempolimit (so sinnvoll es ist) wird von der Politik gerne als Nebelkerze verwendet, um von den eigentlichen Problem abzulenken. Denn ganz so einfach ist es nicht. Ein paar Beispiele:
      1.,) Die umweltpolitisch groteske Förderung von Diesel PKWs. Führt zu sehr hohen Feinstaubkonzetration gerade im Bereich 5000 Tote pro Jahre und 100 tausende Verletzte (teilweise schwer) mit allen Schicksalen, die da dran hängen. Geschuldet dem System Auto!
      3.) Und das größte wirtschaftliche Problem. Deutschland ist absolut abhängig von dem System Auto so wie es sich heute darstellt. Im Prinzip hat sich an dem System seid 100 Jahren nicht viel verändert. Man setzt sich rein und fährt auf 4 Rädern von A nach B. (Mal abgesehen davon dass das heute mehr Leute machen als früher und mehr Technik zum Einsatz kommt). Sprich das Model ist total veraltet!!!
      Was ist wenn der Rest der Welt was Besseres entwickelt und deutsche Autos nicht mehr braucht??
      Durch die seid Jahrzehnten gewachsene Strukturen kann Deutschland gar nicht anderes als Auto zu fahren. Da schließt sich der Kreis. D.h. Tempolimit – der erste Schritt ins „Verderben“?
      4.) Platz, Lärm, Abgas – Probleme in allen deutsche Großstädten. Hohe Kosten für die Besitzer.

      Die Liste der ließe sich beliebig fortsetzen. Sicher gibt es auch das subjektive Gefühl der Freiheit, wenn mein Automobil vor der Haustür steht und ich zu jeden Tag und Nachtzeit darüber verfügen kann. Aber ist das nicht zu teuer erkauft und mit zu vielen Nachteilen behaftet?

  2. wf sagt:

    Die Diskussion um das Tempolimit geht doch schon lange am eigentlichen Thema vorbei. Letztlich ist das Automobil wie der Name doch schon sagt dazu erfunden worden, um mobil zu sein. Wenn man sich die täglichen Staus auf den Autobahnen (und nicht nur da) anschaut ist doch leicht zu erkennen, dass das Konzept nicht oder nicht mehr funktioniert.
    Das Thema Auto ist gerade in Deutschland viel zu emotional besetzt. Wie anders kann man sich erkläre, das hier Millionen von Menschen 5-6 stellige Eurobeträge ausgeben um sich z.B. in der Innenstadt mit durchschnittlich 10 – 15 km/h fort zu bewegen. Auf Autobahnen schaut es teilweise ähnlich aus. Von den Folgekosten für Benzin, Versicherung, Wertverlust und den Folgeschäden wie Umweltverschmutzung, tausende Tote und Verletzte jährlich mal ganz zu schweigen.
    Groteskerweise sind viele Staus auf Autobahnen gerade durch die hohen Geschwindigkeitsunterschiede verursacht. D.h. „freie Fahrt für freie Bürger“ wird damit durch fehlendes Tempolimit vereitelt!!!
    Jeder Tote auf der Autobahn verursacht durch nicht angepasst Geschwindigkeit ist einer zu viel und geht auch auf die Kosten der Autolobby und der verantwortlichen Politiker.
    Das Konzept „Automobil“ ist auf breiter Line gescheitert (nicht nur beim Tempolimit). Das Dumme ist, das die Autolobby uns quasi zwingt weiter zu machen (und weiter zurasen), koste es was es wolle. Dazu bringt dieses marode System auch noch dem entscheidenden Steueranteil für den Fiskus. Daher ist dort auch niemand an wirklich besseren Lösungen interessiert und sämtliche Nachteile wie oben genannte werden in Kauf genommen da man fleißig mit verdient. Sei es am Benzinpreis, den Steuern, die die Autohersteller, Straßenbauer, Kfz-Werkstätten, Zulieferer, Versicherung und und und entrichten.
    In einigen Jahren aber, wenn anderen Teile der Welt begriffen haben, dass es bessere Mobilitätskonzept als das Auto in der heutigen Form gibt wird Deutschland die Abhängigkeit vom Auto teuer zu stehen kommen, auch wenn die Autohersteller sich zurzeit noch dumm und dusselig verdienen.
    Bis dahin werden sich noch tausende Bürger für vermeintlich freie Fahrt das Geld aus den Taschen ziehen lassen und sich einbilden, mit 200 km/h und mehr durch Land zu rasen hat was mit Lebensqualität oder Freiheit zu tun.