Irland: Restaurants überleben nur mit Dumping-Preisen

Irlands Restaurants befinden sich in der Krise. Gekürzte Löhne veranlassen immer mehr Iren, Zuhause zu essen, statt auszugehen. Sie reagierten mit drastisch gesenkten Preisen, aber die Gäste nehmen nicht zu und die Umsätze gehen dadurch weiter zurück.

In ganz Irland haben die Gastronomen aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage und fehlender Kunden die Preise konsequent gesenkt, um wieder Iren zum Restaurant-Besuch zu bewegen und eine Pleite zu vermeiden. Irland als Mitglied der gemeinsamen Währung verfügt über kein eigenes Zahlungsmittel, das man abwerten könnte, um die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Die Folge ist eine branchenspezifische Deflation, die allerdings bisher nicht wirklich mehr Kunden bewirkt, wohl aber einen deutlichen Rückgang im Umsatz. Ein Bild, das sich auch bei Hoteliers, Einzelhändlern und den meisten anderen verbraucherabhängigen Unternehmen abzeichnet.

Die durchschnittlichen, wöchentlichen Löhne sind in Irland seit 2008 um 4,3 Prozent auf 689.54 Euro im dritten Quartal des Jahres 2011 gesunken. Das verfügbare Einkommen ist gering – das spüren die Restaurants. In den vergangenen zwei Jahren sind etwa 500 der 1.500 Restaurant in Irland geschlossen worden, so Adrian Cummins, Geschäftsführer des Restaurantverbandes in Irland. Etwa 80 Prozent der irischen Restaurants werden derzeit mit Verlust betrieben. Die Preise für ein Menü sind in den vergangenen drei Jahren um mehr als 20 Prozent gesunken. „Es ist ein Wettlauf nach unten”, sagt Adrian Cummins. „Der Preis wird ständig reduziert, um den Geldfluss und die Überlebensfähigkeit zu sichern, aber auf lange wirst du so keinen Profit machen.”

Martine McDonagh betreibt in Galway an der irischen Küste ein Restaurant. 2008 kostete ein Neun-Unzen-Steak (rund 255 Gramm) noch 35 Euro – nun zahlt man 28 Euro. Einen Mittagstisch gibt es nicht mehr. Die Iren verzichten mittlerweile oft darauf, zu einem Mittagstisch zu gehen, deswegen wird er hier auch nicht mehr angeboten. Martine McDonagh hat auch alle anderen Preise stark gesenkt, um Kunden wieder in sein Restaurant zu locken. „Wir haben alles zusammengestrichen. Ich weiß nicht, wie lange wir das weiterhin tun können.”

Das Problem für die Restaurant-Besitzer und die anderen verbraucherabhängigen Unternehmen sind jedoch nicht nur die fehlenden Kunden. Im Gegensatz zu den Preisen sind die Betriebskosten nicht zurückgegangen. Viele müssen Hypotheken abbezahlen, die sie vor der Krise 2008 aufgenommen haben und die Preise für importierte Lebensmittel sind ebenfalls gleich geblieben oder sogar gestiegen. Und das Verkaufen von Immobilien ist in Irland derzeit ebenfalls kaum zu normalen Preisen möglich.

Die einzige Erleichterung brachte bisher die Senkung der Mehrwertsteuer für die Hotel- und Tourismusbranche von 13,5 Prozent auf neun Prozent. „Das ist der einzige Grund, warum wir in diesem Jahr noch im Geschäft sind”, sagt Martine McDonagh. Aber die weiter sinkenden Umsätze werden durch die einmalige Senkung der Mehrwertsteuer auf Dauer nicht ausgeglichen.

Kommentare

Dieser Artikel hat 44 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. puk sagt:

    @Michele
    …nicht die Verbrauchssteuern bringen mehr einnahmen, sondern die direkten Steuern. Amerika hatte 1980 einen Höchststeuersatz von über 70%. Inden Jahren davor teilweise über 90%. Was wären da in Deutschland 55%. Sie würden den Staat nicht länger aushungern und die oberen 10% könnten immer noch 5kg Fleisch essen.

  2. sakrihittn sagt:

    Das nennt sich dann Deflation….der letze macht das Licht aus!

  3. Michele sagt:

    Mit drei Personen lässt man in einem deutschen, bürgerlichen Restaurant mal schnell 100 Euro liegen. Das kann man sich wieviel mal pro Monat leisten???

  4. Gautier Irgendwo sagt:

    Komisch, haben diese Gasthäuser denn tatsächlich gar keine Möglichkeit, um auch sich in Brüssel zu verschulden?

  5. Margrit Steer sagt:

    Die Gastronomie-Krise kommt aber bei uns auch ganz langsam.
    a. haben die Leute kein Geld mehr und b. ist naütlich auch das spinnige Rauchverbot Schuld.
    Unseer Politiker wollen sich ein Volk schaffen was keinerlei Vergnügen mehr braucht und habe darf und schön nach dem Motto lebt „ich rauche nicht-ich trinke nicht-und meine Kinder sind alle adoptiert“

    • Fred Kirchheimer sagt:

      Wer sind „die Leute“? Von wem sprechen Sie? Ich habe noch Geld. Und meine Beobachtung ist, daß die Gaststätten so voll sind, wie schon lange nicht mehr.

      Vielleicht gehen die Leute die Sie kennen ja auch deshalb nicht zum Essen, weil Sie ja bestens von den Staatssendern mit Kochsendungen versorgt werden?

      Sie sagen, daß die Gastro-Krise auch ganz langsam bei uns kommt. Ist verwunderlich, denn das Rauchverbot besteht ja doch schon ein paar Jahre. Warum sollte es sich mit so einer langen Verzögerung auswirken?

      Wie kommen Sie darauf daß die Poitik den Leuten den Spaß verderben will? Gerade wird über einen weiteren Anreiz diskutiert, der das Herumvögeln noch mehr fördern soll.

      • Michele sagt:

        Jedoch ist der Spaß maßlos besteuert. 😉

        Ähnlich wie das Autofahren und die Strafzettel für Geschwindigkeitsüberschreitungen an oft gefahrlosen und auf reine Abzocke angelegte Begrenzungen.

        Am besten man bleibt zu Hause und dreht Däumchen, das spart Ärger und Ausgaben.

      • Der einfältige Einsiedler sagt:

        …na ja, ich weiss ja nicht wo der Herr „von und zu“ Kirchheimer in unserer ach so schönen BRDGMBH. sein zuhause hat, aber bei uns im Hessenland, ist Party und Kochen zuhause schon selbstverständlich geworden… schmeckt
        echt gut, ist billig und ich rauche und trinke soviel, wie mir es gefällt…ich hab ein Haus, ein kunterbuntes Haus…;-)

      • Korsar sagt:

        Nach Ostern, war noch ein Tag, Kaufrauschtag, aber seitdem ist es auch bei uns zappenduster. Voll ist es noch bei McDonnalds, aber auch nur zu bestimmten Uhrzeiten.