Frankreich: Euro-Krise stärkt unerwartet die Kommunisten

Die neue radikale Linke gewinnt unter der Führung Jean-Luc Mélenchons immer mehr Zustimmung und lehnt die Sparpolitik ab, zu der sich Nicolas Sarkozy und François Hollande bekannt haben. Für die Kommunisten ist die Präsidentenwahl jedoch nur ein erster Schritt. Sie dürften die politische Landschaft Frankreichs in den kommenden Jahren massiv verändern.

„Wir schreiben eine neue Seite in der Geschichte der Linken. Wir sind die Renaissance der Linken“, schrie Jean-Luc Mélenchon am Wochenende in Marseilles seinen zehntausend Unterstützern entgegen. „Widerstand! Widerstand“, antworteten sie. Jean-Luc Mélenchon führt die Linkspartei (Parti de Gauche) in den Wahlkampf – und das mit Erfolg. Vor zwei Monaten lagen seine Umfragewerte noch bei fünf Prozent. Nun sind es 17 Prozent. Damit könnte er bei der ersten Wahlrunde am Sonntag sogar auf den dritten Platz hinter Nicolas Sarkozy und François Hollande landen.

Jean-Luc Mélenchon verließ 2008 die sozialistische Partei, deren Kandidat François Hollande derzeit versucht, Nicolas Sarkozy vom Thron zu stoßen. Im Gegensatz zum französischen Präsidenten und François Hollande lehnt er jedoch die strikte Sparpolitik der EU und die Sparmaßnahmen im eigenen Land ab. Jean-Luc Mélenchon betitelte François Hollande jüngst sogar als „Hollandrueou“ und verglich ihn damit mit dem ehemaligen griechischen Premier George Papandreou, der vergangenes Jahr zurückgetreten war, weil er zunehmend unter Druck geriet, die strengeren Haushaltsplanungen der Euro-Partner umzusetzen.

„Wenn Mélenchon 12-13 Prozent der Stimmen bekommt, wäre das außergewöhnlich“, sagt Jean Chiche von der Sciences Po Universität der FT. „Dann wird den Kommunisten wieder Kraft zurückgegeben, den Kommunisten, die schon seit Jahren totgesagt sind.“ Mélenchon hat es geschafft, auch andere linke Parteien in Frankreichs auf seine Seite zu ziehen. Sein Erfolg kann auch die Kommunistische Parteie aus ihrem Tief ziehen. Bei den letzten Wahlen 2007 erzielte sie lediglich zwei Prozent der Stimmen. Die linke Parteien Frankreichs arbeiten immer stärker zusammen.

Besonders für François Hollande ist der Erfolg Jean-Luc Mélenchons unangenehm. In der zweiten Wahlrunde könnte er Unterstützung aus der linken Wählerschicht benötigen, um einen sicheren Sieg zu erlangen. Zwar betonte François Hollande, dass er keine Verhandlungen mit dem linken Lager aufnehmen werde. Aber er hat sich eine Hintertür offengelassen und könnte vielleicht Politiker aus den linken Parteien in eine mögliche Regierung aufnehmen.

Die Linkspartei mit Jean-Luc Mélenchon und die Kommunistische Partei setzen jedoch eher darauf, als starke Fraktion bei der Wahl der Nationalversammlung im Juni hervorzugehen. So können sie weiter ihre Hardliner-Position verfolgen, anstatt an einer Regierung teilzunehmen, die den starken Haushaltsvorgaben von François Hollande verpflichtet ist. Dies dürfte es für François Hollande sehr schwer machen, eine Balance zwischen den Anforderungen der Euro-Mitgliedsländer und der Finanzmärkte und dem Druck der politischen Linken im eigenen Land zu finden. Jean-Luc Mélenchon betonte erst kürzlich wieder, er sei „nicht gefährlich“: „Wir sind sehr gefährlich“.

Kommentare

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  1. Marie Müller sagt:

    Wer immer noch glaubt, daß mit Argumenten und Diskutieren etwas zu erreichen ist dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
    Warum denkt ihr hat man euch Kommunikationstechniken u.a. Argumentieren beigebracht und euch immer wieder eingetrichtert daß man damit zum Ziel kommt?
    Weil es ein Kontrollinstrument ist mit dem man Menschen in friedliche Bahnen lenken kann. Ist grundsätzlich auch eine gute Idee, aber nicht wenn sie missbraucht wird.

    Unsere Elite hat Angst und möchte verhindern, daß die Massen in Bewegung geraten.
    Also bringen wir den Schäfchen zivilisiertes Diskutieren und Argumentieren bei.

    Welchen Erfolg hatte unser zivilisiertes Diskutieren und Argumentieren denn in den letzten Jahrzehnten?
    Einführung des Euro, massenweise Verlust von Arbeitsplätzen, Globalisierung, Zunahme von Mobbing, sinkende Löhne und Gehälter, Zeitarbeit, befristete Angestelltenverhältnisse, steigende Lebenshaltungskosten verdoppelt durch den Euro, unbegrenzte Zuwanderung, Überflutung unseres Landes mit Drogen uvm.

    Über alle diese Dinge wurde und wird diskutiert, Verbesserungen werden versprochen und ab und zu serviert man uns eine Erfolgs(Lügen)geschichte zu einem der o.g. Themen in den Medien um uns Schäfchen zu zeigen: Seht her, eure Bemühungen haben Erfolg, wir leben schließlich in einer Demokratie.

    Keine Medienmanipulation kann einem Menschen dessen Gehirn noch arbeitet diesen Unsinn verkaufen. Die Realität ist allgegenwärtig und offensichtlich.

    Glaubt ihr auch das Ergebnis der Abstimmung zu Stuttgart 21?
    Glaubt ihr wirklich, daß Unternehmen die Millionen-Projekte realisieren wollen sich durch eine Abstimmung des Volkes ihr Geschäft kaputt machen lassen?
    Wozu diente wohl die Diskussion mit Schäuble, das Argumentieren sowie die Abstimmung?

    Diskutieren hat uns nichts gebracht. Unsere sog. Führungselite hat ihren Plan und der wird durchgesetzt. Die lachen sich hinter unserem Rücken schlapp.

    Es hat keinen interessiert, dass wir den Euro nicht wollten und wir können diskutieren bis zum jüngsten Tag, ohne Handeln ändert sich nichts.

  2. Gast sagt:

    Parteien werden nur von ihren Geldgebern gestärkt und beraten. Die Wähler werden dabei dann später ausgebeutet und verraten. Es gibt keine Partei welche völlig unabhängig von Wirtschaft und Finanzen regiert. Jede Politik hat auch immer ein Ziel. Jetzt denkt jeder es wäre das Wohl der Wähler und des Landes. Dem ist nicht so. Das Land und der Wähler sind nur Mittel zum Zweck um eine Entwicklung in eine gewünschte Richtung zu steuern mit dem erhofftem Ziel. Das Ziel wird durch die Geldgeber bestimmt und die Politk wird mit Steuergeld dafür entlohnt mit welchem dann der Boden des Kapitalismus weiter bereitet wird.

    Was die Wähler dabei daran glauben läßt dass sie eine politische Führung benötigen würden und eine Partei wählen müssen ist wohl mehr die eigne Hilflosigkeit im existierenden System. Aus diesem Grund existiert dieses System auch so und auf dieser Basis, was es damit schon fast unersetzlich macht. Bisher wurde jedoch in der Menschheitsgeschichte noch jedes System durch ein anderes System abgelöst – wobei hier allein die Politk entscheidet wie lange es bis zur nächsten Ablösung dauert. Es ist doch erstaunlich das gerade Politiker Posten und Vorstandsebenen besetzten, was nicht unbedingt öffentlich breit getreten wird.

    Namen wie Sarkozy, Merkel, Bush …. usw.sind nur jene austauschbaren Marionetten, welche die Last haben den Menschen jenes zu erzählen was sie hören möchten oder glauben könnten. Einmal gewählt scheint Politik für die Wähler autonom und ohne jede Chance auf Mitbestimmung für die Regierungsperiode. Wahlprogramme werden nicht umgesetzt und die Wähler eigentlich immer hinters Licht geführt. Komisch das bei der nächsten Wahl wieder alle zur Urne rennen in der Hoffnung auch nur eine Partei würde tatsächlich etwas anders machen als jene Partei davor oder jene Partei vor 10 Jahren. Leider bleibt dem Wähler in diesem System ja nur die Wahl um eine Art Mitbestimmung zu erlangen – was ja nicht so ist.

    Die Tatsache daß, wenn kein Wähler zur Wahl geht, trotzdem eine Partei gewählt ist sollte verdeutlichen das es sich hier um ein System handelt welches nur dem Zweck und niemals dem Wähler dient. Undemokratisch, diktatorisch, kapitalistisch und fremdgesteuert.

    Welchen Sinn hat es also das auch nur eine Partei irgendwo vorn ist oder nicht? Der Glaube an ………. WAS?

  3. jay twelve sagt:

    Zunächst einmal muss geklärt werden, was versteht man heutzutage unter dem Begriff „Kommunismus“?
    Ist das ein Regenbogen über dem Teich gespannt, auf dem Chameleons Rock and Roll tanzen und im Teich die Krokodile auf die Dummen warten?

    Ich kenne nur einen der das genau definiert hatte, der „Baron“ Rothschild selbst, immerhin er ist der Erfinder. Ob sein Nachkommen es weiß, vermutlich doch, darüber können wir uns streiten.

    Allerdings, was wir alle definitiv wissen, Kommunismus, wie alle Ismen, hat die gleiche Eigenschafft wie das „Königswasser“. Das ist ein Gemisch aus Salzsäure und Salpetersäure, das als einzige Mixtur im Stande ist, Gold zum Schein zu vernichten.

    Unter „Gold“ meine ich nicht unbedingt Metall, viel mehr genau das, was man unter den Begriffen „Menschenwürde“ und „Bürgerfreiheit“ versteht.
    Das mit dem Metall Gold, dass die Mixtur zu verwässern vermag, das bei Umkehrprozess ganz woanders im Tresor erscheint, das ist eine Nebenerscheinung, womit sich das System mit Freude beschäftigt.
    Nur noch Vatikan kann sich mit dem Kommunismus messen und vergleichen.

    Zurück zu den Viva la France Kommunisten. Nennt mir eine einzige etablierte Partei, dass kein Rattenfänger Walkampf betreibt?

  4. Dankmar sagt:

    Die Rattenfänger kommen aus ihren Startlöcher und wittern Morgenluft.

  5. EU Diktatur sagt:

    Das heisst, die EU hat die Kommunisten LINKS überholt.

  6. Petra sagt:

    Edit:
    Also an diesem Artikel ist aber so einiges falsch@DMN

    Wie kommen sie darauf, dass die Kommunisten gestärkt wurden?
    Aus den Umfragen geht nur hervor, das Mélenchons zulegt
    In keiner Umfrage wird ersichtlich wer wieso aus welchem Spectrum Mélenchons wählen wird.
    Und das ist doch nicht unerwartet – unerwartet wäre, wenn entweder Sarkozy, oder Hollande mit ihrer Pro Europäischen Krisenpolitik gegen die Interessen der Allgemeinheit gestärkt würden.

    In Frankreich passierte wenn auch etwas später im Grunde das gleiche wie in Deutschland
    Aufgrund von Enttäuschungen der sich nach rechts entwickelten Parti socialiste (diese entspricht den Sozialdemokraten bei uns) gründete sich die Parti de Gauche.
    Diese Partei besteht, wie auch in Deutschland, aus ehemaligen Sozialdemokraten, Bürgerrechtlern und Umweltaktivisten, sowie Kommunisten, und entspricht in etwa der Linkspartei in Deutschland.
    Daher meine Frage:
    Angenommen die Linkspartei in Deutschland würde zulegen, würden sie dann auch schreiben, die Kommunisten werden gestärkt?

    Um eine Veränderung in Hollands Haltung zu erreichen, hat sich zur Präsidentschaftswahl 2012 die Parti de Gauche mit der Parti communiste français zusammengeschlossen.
    Denn so wie Sarkozy um Zustimmung bei den LePen Anhänger wirbt, wird Hollande um Zustimmung bei den Anhänger von Mélenchon werben müssen.
    Die LePen Rechten haben von dieser Politik natürlich fatalerweise profitiert, aber auch das kommt nicht unerwartet, sondern war abzusehen.
    http://www.sondages-en-france.fr/sondages/Elections/Pr%C3%A9sidentielles%202012