Italien: Konsumenten-Vertrauen so tief wie seit 15 Jahre nicht

Die italienischen Konsumenten sind pessimistisch wie lange nicht. Das könnte auch den deutschen Exporten zu schaffen machen. Erste Indikatoren zeigen auch in Deutschland wenig Glaube an den Aufschwung.

Der angekündigte Sparkurs von Premierminister Mario Monti verdirbt den Italienern die Lust aufs Shoppen. Die schlechte Konsumlaute treibt die viertgrößte Volkswirtschaft in Europa in eine tiefe Rezession. Der Index für das Verbraucher-Vertrauen sank in Italien im April deutlich stärker als erwartet. Lag er im März noch bei 96,3 Zählern, sank er im April auf 89 Zähler. Das ist der tiefste Stand seit mehr als 15 Jahren. „Die Kosnumenten beginnen stärker auf die negativen Auswirkungen der Sparmaßnahmen zu achten“, erklärt Annalisa Piazza von der Newedge Group der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Mario Monti ist derzeit dabei, ein 20 Milliarden Euro Sparpaket auf den Weg zu bringen, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Doch die Maßnahmen, die auch niedrigere Renten zur Folge haben werden, haben bereits jetzt für einen rapiden Anstieg der Benzinpreise geführt und die Wirtschaft in die vierte Rezession seit 2001 geworfen. Italiens Wirtschaft wird 2012 um rund 1,2 Prozent schrumpfen und die Arbeitslosigkeit ist mit 9,3 Prozent auf einem 11-Jahres-Hoch. „Es wird weiteren Stellenabbau geben und eine Zunahme der Menschen, die auf der Suche nach einer Vollbeschäftigung sind“, kündigt die Arbeitgeber-Gewerkschaft Confindustria an. Auch ein weiterer Rückgang des realen Einkommens wird weiter von statten gehen.

Doch in Deutschland wird die Lage derzeit auch nicht besonders positiv eingeschätzt. Der Einkaufsmanager-Index in der Industrie erlitt im April seinen stärksten Rückgang seit drei Jahren. Einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) zufolge rechnen zudem lediglich 40 Prozent der befragten Unternehmen mit einer steigenden Produktion. Die aktuelle Konjunkturprognose des IW Köln geht von einem Wachstum von 1,25 Prozent in diesem Jahr aus, 2013 könnten es 2 Prozent sein.

Die Umfrage steht in starkem Kontrast zum Ifo-Geschäftsklimaindex. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer kletterte im April den sechsten Monat in Folge, wozu zuletzt vor allem die Industrie beisteuerte. “Die deutsche Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig”, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn zu der Umfrage unter 7000 Firmenchefs. Dies ist erstaunlich , denn gerade Sinn predigt seit Monaten unermüdlich den bevorstehenden Crash wegen der Target 2-Salden (etwa hier).

Kommentare

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  1. sakrihittn sagt:

    War vorhersehbar…..Steuern für den kleinen Mann rauf, Konsum runter. Bis zum Schluss verliert der Staat mehr Geld am Konsumrückgang als durch die erhöhten Steuereinnahmen. Die Steuerhinterziehung bekommt er sowieso nicht in Griff. Das nennt man einen Schuss nach hinten!

  2. Stefan Wehmeier sagt:

    „Erste Indikatoren zeigen auch in Deutschland wenig Glaube an den Aufschwung.“

    Was dabei herauskommt, wenn die Gestaltung der Zukunft der hohen Politik überlassen wird, erleben wir seit dem Beginn der so genannten Finanzkrise im Herbst 2008. Die hohe Politik und vorgebliche Wirtschaftsexperten, von denen sie beraten wird, versuchen ständig, „die Zukunft vorherzusagen“: Man will einen „selbsttragenden Aufschwung“ herbeiführen, eine „Energiewende“ finanzieren, sich auf den „demographischen Wandel“ einstellen und nebenbei Massenarmut, Umweltzerstörung, Terrorismus und Krieg bekämpfen. Solange eine Mehrheit von Wählern diesen Unsinn glaubt, geht uns die Zukunft immer mehr verloren, denn:

    „Im Grunde ist Politik nichts anderes als der Kampf zwischen den Zinsbeziehern, den Nutznießern des Geld- und Bodenmonopols, einerseits und den Werktätigen, die den Zins bezahlen müssen, andererseits.“

    Das schrieb der Freiwirtschaftler Otto Valentin in einem Artikel mit dem bezeichnenden Titel „Warum alle bisherige Politik versagen musste“ im Jahr 1949. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Tatsächlich gibt es für die Menschheit gar keine Zukunft mehr, wenn es nicht endlich gelingt, die Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz (Kapitalismus) abzustellen und damit auch die hohe Politik überflüssig zu machen, die ohnehin nichts dagegen auszurichten vermag, solange unsere seit jeher fehlerhafte Geld- und Bodenordnung so ist, wie sie noch ist.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/was-passiert-wenn-nichts-passiert.html

  3. FDominicus sagt:

    Könnte die Redaktion bitte mal Ihre Wortwahl überdenke? Was wird denn gespart? Geht es nicht nur darum die Neuverschuldung zu verringern. Wo hat den Italien auch nur ein Quentchen Überschuss im Haushalt? Seit wann heißt sparen weniger Kredit aufzunehmen als gestern?
    Es gibt nicht ein Land in der Euro Zone was „spart“ alle nehmen jedes Jahr mehr oder weniger neue Kredite auf. Und „garantieren“ mit diesem Schulden die „Krater“ andere Länder. Also bitte erzählen Sie mir nichts von einem „Spar“kurs.

    Und außerdem wäre sparen für die Pleitestaaten mal etwas Gutes aber dann muß ich mich solche Neusprechungetüme wie „kaputtsparen“ an den Kopf werfen lassen.

    • schlaumeister sagt:

      Wenn man jahrzehntelang wesentlich mehr Geld ausgibt und umverteilt,
      als man einnimmt, muß einmal das Schuldenfaß überlaufen. Jetzt kann
      man nur noch Geld drucken und die Situation des Zusammenbruchs
      um den Preis der Hyperinflation hinauszögern. Das Ergebnis wird das
      Gleiche sein: Rückfall der Wirtschaft und des Wohlstandes in den An-
      fang der fünfziger Jahre, verbunden mit Umstürzen, Chaos und Re-
      volten. Der Anfang dieser Entwicklung ist jetzt erreicht. Das Problem:
      Die Menschen sind den hohen Lebensstandard gewöhnt. 2 Autos, Kühl-
      schrank, Wäschetrockner, Waschmaschine, Flachbildfernseher,
      I-Pod, Smartphone, Handys, Modefirlefanz, 2 Urlaubsreisen p.a. Com-
      puter (schon der fünfte) Wohnfläche 60 qm/Person, Zentralheizung
      etc, etc… Essengehen, Kino, Theater, Konzert, so könnte man noch
      endlos fortfahren, Fertigessen, Klubbeiträge, Schmuckkäufe, So-
      larium und Wellness incl. weiterer teurer Hobbies plus Hypothek auf
      Immo. Jetzt reichts mit der Aufzählung. Jetzt ist bald aus die Maus.