USA: Jeder zweite Schulabgänger findet keinen Job

Mehr als die Hälfte der Bachelor-Absolventen in den USA ist arbeitslos oder unterbeschäftigt. Viele von ihnen sehen die einzige Möglichkeit in einer Übergangslösung. Für die meisten bleibt das allerdings lange die einzige Einkommensquelle, denn die Chancen am Arbeitsmarkt sehen schlecht aus. Harvard-Ökonom Richard Freeman warnt deshalb vor der Schuldenblase, die durch die hohen Bildungskredite entstehen kann.

Im vergangenen Jahr waren in den USA rund 1,5 Millionen und damit 53,6 Prozent der Bachelor-Absolventen unter 25 Jahren arbeitslos oder unterbeschäftigt. So schlecht war die Beschäftigungsquote seit 11 Jahren nicht mehr. Viele sehen den einzigen Ausweg in einer Übergangslösung und nehmen Jobs an, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Ungefähr die Hälfte der Absolventen geht einen solchen Weg. Im Jahr 2000 lag der Anteil noch bei einem Tief von 41 Prozent, doch nachdem die Dotcom-Blase geplatzt war, schrumpften die Stellen im IT-Bereich enorm.

Im vergangenen Jahr waren 100.000 Bachelor-Absolventen als Kellner, Barkeeper oder als andere Hilfskräfte in der Gastronomie beschäftigt. Das sind mehr als jene 90.000, die als Ingenieure, Chemiker oder Mathematiker beschäftigt waren. In anderen Branchen zeigt sich das gleiche Bild, wie die Huffington Post berichtet. Auch im Informatikbereich waren mehr Absolventen als einfache Büroangestellte beschäftigt als in ihrem richtigen Beruf.

Der 23-Jährige Michael Bledsoe ist einer von ihnen. 2010 hat er einen Abschluss in Kreativem Schreiben gemacht. Zu Beginn seiner Jobsuche verschickte er zwei bis drei Bewerbungen am Tag. Nach drei Monaten erfolgloser Jobsuche nahm er schließlich einen Job als Barista an. Mittlerweile ist er seit zwei Jahren hier beschäftigt und schreibt nur noch eine Bewerbung innerhalb von zwei Wochen. Arbeitgeber hätten immer wieder seinen Mangel an Erfahrung und sein wenig praktisch ausgerichtetes Hauptfach kritisiert.

In seinem jetzigen Job verdient er nur knapp über dem Mindestlohn. Seine Eltern helfen ihm dabei, seinen Bildungskredit abzuzahlen. Er überlegt sogar, noch einmal die Schulbank zu drücken. Mit einer Weiterbildung hätte er vielleicht mehr Möglichkeiten.

„Mit einem Collegeabschluss kann man im Durchschnitt mehr Geld verdienen, aber das gilt nicht für jeden“, erklärt Harvard-Ökonom Richard Freeman. Er spricht die Gefahr einer Schuldenblase an, denn die Höhe der Bildungskredite beträgt in den USA insgesamt mehr als eine Billion Dollar. „Wenn man sich nicht sicher ist, was man werden möchte, wäre es gut sich zunächst einen Job zu suchen, um zu erforschen, was man vom College erwartet“, so Freeman.

Nur drei der 30 Berufe mit der größten Zahl an offenen Stellen bis zum Jahr 2020 werden Prognosen zufolge einen Bachelor-Abschluss benötigen, darunter Lehrer- und Dozentenstellen sowie Steuerberater. Die meisten offenen Stellen wird es allerdings im Einzelhandel, bei Fast-Food-Ketten oder auch als LKW-Fahrer geben. Diejenigen, die ein Lehramt, Informatik, oder etwas im Gesundheitsbereich studiert haben, werden es noch am leichtesten haben. Absolventen der Zoologie, Anthropologie, Philosophie, Kunstgeschichte oder allgemein der Geisteswissenschaften haben es am Arbeitsmarkt im Vergleich am schwersten.

Kommentare

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  1. niekohle sagt:

    da bildet sich eine Menge sozialer Sprengstoff, dem Obama schon mit 800 Knästen vorgebaut hat.

  2. Hellmuth Wewercka sagt:

    Hätten die „Geisteswissenschaftler“ was nützlicheres studiert, wäre es ihnen nichts passiert. Wer braucht schon so viel Laberei ?

  3. Maria Lenz sagt:

    in solchen Zeiten ist ein Handwerk der beste Beruf,denn das Handwerk hat goldenen Boden!

  4. Geisteswissenschaften auch in D Garant für Arbeitslosigkeit sagt:

    Auch in Deutschland muss vor dem Studium der Geisteswissenschaften dringend gewarnt werden!

    Ich habe leider selbst den Fehler gemacht und dieses Studium gewählt. Trotz Top-Abschluss such ich seit sechs Jahren mit kurzen Unterbrechungen durch Gelegenheits- und befristete Jobs eine echte Anstellung. Ist nicht zu bekommen.

    Über 900 Bewerbungen habe ich bis heute geschrieben. In der Regel bekomme ich keine Reaktion. Wenn doch wird mir mittlerweile im nachfolgenden Gespräch die Nachricht überreicht, dass ich nun zu alt und zu lange weg vom Studium bin.

    BAföG muss trotzdem jeden Monat zurück gezahlt werden.

    Verschuldet und von Zeit zu Zeit Hilfsarbeiter mit Niedrigstlohn. Das ist meine Bilanz des Geisteswissenschaftenstudiums.

    Mir hat dieses Studium alle Türen verschlossen.

  5. Maulwurfen sagt:

    Die Bildung in diesem Land ist doch auch nicht besser. Die Hochschulen arbeiten doch auch ganz eng mit der Großindustrie zusammen. Viele Studiengänge sind doch nichts weiter als Volksverdummung und transportieren längst überholte Erkenntnisse. Möglicherweise hat der ein oder andere noch die Möglichkeit einen Job zu finden, wer jedoch wirklich etwas lernen möchte, der sollte sich autodidaktisch fortbilden.

  6. MIKEMT sagt:

    Green Card für Amerikaner in Deutschland.
    Wäre doch der Artikel ein paar Tage früher erschienen.
    Man hätte sich doh den ganzen Aufwand in Berlin ersparen können.

  7. Fred Kirchheimer sagt:

    Vielleicht ist die hohe unemployment rate ja ein Beispiel dafür, daß die Zugangsvoraussetzungen für amerik. Unis zu niedrig sind.
    Tja, es gehört auch dazu, schon vor dem Studium eine Kalkulation durchzuführen, was das Studium in Gesamtheit kosten wird. Und dann sollte man sich auch ausmalen, mit welcher Chance man dann auch einen bezahlten Job findet.

    Es reicht eben nicht mehr, sich darauf zu verlassen, daß der Abschluß an einer bestimmten Uni automatisch einen Top Job bringen wird. Andererseits soltl eman ja annehmen, daß ein erfolgreicher Uni-Abschluß auch dazu befähigt, überhaupt einen bezahlten Job zu finden.

    Und diese realistische Einschätzung der Lage wäre eigentlich auch in Berlin notwendig, denn dort posaunt die Propaganda-Abteilung immer noch das Hohe Lied der Bildung. Dabei gibt es auch hier genügend Studenten die keine Job nach dem Studium finden, zusätzlich zu den eh schon arbeitslosen Akademikern.

    • DK_Jule sagt:

      nein – die hohe Arbeitslosenrate ist das, was es im Grunde bereits seit den 1970er Jahren ist: Jeremy Rifkin hat Recht: das ist die Krise der Arbeit

      mit jeder Wirtschaftskrise, Rezession, Finanzkrise… gibt es wieder weniger Arbeitsplätze, ein geringeres Arbeitsvolumen etc.

      eigentlich kann man nur noch die Mehrheit in den Arbeitsmarkt integrieren, wenn die Arbeitszeit für alle abgesenkt wird! Das gilt hüben wie drüben!

      es wird nie wieder Vollbeschäftigung geben, dafür sorgt schon der technische Fortschritt, die Rationalisierung etc.

      in DE wurden in den vergangenen 10 Jahren Industriejobs abgebaut trotz „Exportmeisterschaft“ — der meiste Arbeitsplatzaufbau war bei Minijobs und ähnlichem… Arbeitsvolumen sank, Beschäftigung stieg im DL-Bereich an — aber eben v.a. in Minijobs. In den USA verlief es ähnlich: Walmartjobs wachsen, andere fielen weg.

      als nächstes könnten die Kassiererinnen in vielen Läden dran sein — automatische SB-Kassen statt Kassierer — mal sehen.

  8. Der_Emigrant sagt:

    Gestern war bei uns im Oregonian (Portland, Oregon, USA) eine tolle Karrikatur zu sehen. Ein Schloss mit der Aufschrift „College“ hat die Falltuer herunter gelassen an dessen Ende ein Student am Abgrund steht, keine Strasse bindet an, mint einer grossen Reisetasche in der rechten Hand. Die Reisetasche hat die Aufschrift „Credit“ und vom Schlosseingang her, ruft der Director, „Good Luck!“.

    Genauso ist es. Sie finden fast nie einen Job nach der Ausbildung, leben bei den Eltern, muessen aber den „Credit“ zurueckzahlen. Und nirgendwo ist es besser. Momentan in D. vielleicht, wo man in Arbeitsueberlassung dann mies verdient.

    Ganz schlimm erwischt es hier Diejenigen, wo die Familie dann fuer ein fehlgeschlagenes Studium auch noch buergen muss.