Spekulanten wetten gegen Europa

Große Hedgefonds gehen davon aus, dass sich die Eurokrise in den kommenden Monaten weiter verschlimmern wird. Die Spekulanten setzen vor allem aus das Ungleichgewicht in der Eurozone, das auch die Maßnahmen der EZB nicht beseitigen werden konnte.

Hedgefonds erwarten eine weitere Verschärfung der Eurokrise. Sie rechnen damit, dass die zu erwartenden Krisenphänomene alles übertreffen werden, was Europa bisher im Zug der Eurokrise erlebt hat. Sie wetten daher auch verstärkt gegen die Staatsanleihen von Ländern, die bisher als stabil galten. Dazu gehören nicht nur französische und niederländische Papiere, sondern auch deutsche Anleihen.

Die Hedgefonds gehen zwar davon aus, dass das Grundproblem der Eurozone derzeit in Spanien liegt, die Staatsanleihen der vermeintlich stabilen Staaten seien aber stark überbewertet. Denn sollte Spanien zur Rettung seiner Banken Geld der Eurorettungsfonds in Anspruch nehmen müssen, würde dies auch die Sicherheit deutscher Anleihen beeinträchtigen.

Das ist aber derzeit nicht der Fall, wie die Herabstufung der spanischen Kreditwürdigkeit am Donnerstag zeigte: Die Zinsen deutscher Anleihen blieben danach unverändert niedrig. Dies sei keine nachhaltige Entwicklung, heißt es von Hedgefonds-Vertretern. Das Ungleichgewicht zwischen den peripheren Euroländern und den Kernländern macht nun Wetten gegen die Kernländer für Hedgefonds attraktiver: Sie bringen den Fonds aktuell mehr Gewinn als Wetten gegen ohnehin stark belastete Eurostaaten.

Auch die Liquiditätsspritzen durch die Europäische Zentralbank hätten keine Entspannung der Eurokrise gebracht: „Das starke Zahlungs-Ungleichgewicht in der Eurozone bleibt ungelöst und kann nicht mit Liquiditätsunterstützung alleine gelöst werden“, schreibt der Financial Times zufolge Brevan Howard, einer der weltweit größten Hedgefonds, in einem Brief an seine Anleger.

Kommentare

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  1. Joseph Meyer sagt:

    Hier werden Staaten regelrecht „angegriffen“ mit dem Ziel bzw. mit den Effekt, dass ihnen wirtschaftlich massiver Schaden zugeführt wird. Nach meinem Verständnis ist das eine strafbare Tat.
    Wie kann es sein, dass souveräne Staaten so etwas zulassen? Was ist los mit unseren Politikern und was ist los mit uns allen, dass wir das zulassen?
    Neben einem radikalen Verbot solcher „Finanzprodukte“ bei Androhung von drastischen Gefängnisstrafen bei Zuwiderhandlung, ist der effektivste Weg der Verteidigung für die Länder der Eurozone, dass sie für die eigene Binnenkonjunktur wieder die alte Währung – hoheitlich, d.h. zins- und tilgungsfrei! – als Zweitwährung im eigenen Land, parallel zum Euro, einsetzen. Wobei mit dieser Komplementärwährung keine Zinsen erwirtschaftet und auch keine Börsenaktionen getätigt werden könnten.
    Dadurch wäre die Verschuldung in allen Euro-Ländern auf der Stelle beendet. Außerdem muss es einen Schuldenschnitt geben, wobei die Zinszahlungen für „Fiat-Geld“ verweigert werden müssen.

  2. Ashtar sagt:

    Das System kollabiert zusends, Diskussion überflüssig. Allerdings nix Armageddon. Das hätten die Planer gern so. Wir haben weder Euro- noch Finanzkrise, sondern eine System“krise“, besser gesagt einen global change. Wer immer noch alles nur in rein wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, realisiert eindeutig die Fakten nicht. Insofern kann man ganz ruhig und gelassen sein.

    Was einige niemals, unter keinen Umständen wollten, tritt ein: Bewusstseinswandel auf ALLEN Ebenen. Nix mehr mit auf Arbeit rennen und Kohle ranschleppen, nix mehr mit Karrierestreben und alles auf die Materie ausrichten, nix mehr mit Kriegspielen, …

    Wer denkt, dass das Traummusik ist, sollte vielleicht jetzt langsam aufwachen?

  3. Jochen Uebel sagt:

    „Große Hedgefonds gehen davon aus, dass sich die Eurokrise in den kommenden Monaten weiter verschlimmern wird. Die Spekulanten setzen vor allem aus das Ungleichgewicht in der Eurozone, das auch die Maßnahmen der EZB nicht beseitigen werden konnte.“
    Was ist denn das für ein Deutsch? Es muss sicher heißen:
    „Die Spekulanten setzen vor allem AUF das Ungleichgewicht in der Eurozone, das auch die Maßnahmen der EZB nicht beseitigen KONNTE.

  4. uri125 sagt:

    Die Märkte reagieren genauso auf die Krise, die auch Draghi mit seiner Inflationspoltik nicht in den Griff bekommen wird. Die Kritik der Bürger gegen den ESM Vertrag wächst von Tag zu Tag, während dessen die Regierung zur Ablenkung den Fall von J.Timoschenko puscht. In fröhlicher Runde der Ablenker auch Befürworter Gauck.
    Die Reaktion von Schweden neue Kronen Scheine zu drucken, und die Forderungen der EZB Bänker einen Inflationsausgleich zu Ihren Ruhegehältern zu fordern sprechen ja Bände. Wenn Hollande gewinnt und das ist im Bereich des möglichen, wird der Wind für Merkel härter. Dieser Vertrag mit einem unangreifbaren Gouverneursrat und Direktorium die mit dem Steuergeld der Bevölkerung nach Gutsherrenart umgehen können, erinnert an die Wilhelminische Zeit. Wo nicht demokratisch gewählte adlige Vertreter das Volk ausnahmen. Dies kann und darf sich kein Demokrat gefallen lassen.

  5. Pete Pank sagt:

    Wie kommt man da nur raus?

    Das fragen sich bestimmt viele Blicker, die inzwischen aufgewacht sind. Die meisten werden die Lösung aber mit dem Verstand suchen. Denn die meisten von uns sind lange trainiert worden, dass unser wahres Ich der Verstand ist, und dass nur stimmt, was der Verstand produziert. Leider haben wir uns damit komplett mit dem Verstand identifiziert. Wir sind aber viel mehr.
    Das Ergebnis ist die jetzige Gesellschaft, ein Gefängnis des Verstandes. Man kann es drehen und wenden, heraus kommt man nicht mehr, der Knall ist systemimmanent. Selbst nachfolgende Lösungen mit umlaufgesichertem Geld und Bodenreform könnten an einer unumgänglichen Staatsquote scheitern:

    http://www.miprox.de/Wirtschaft_allgemein/Macht-der_Staat-Eigentum.htm

    Die wirkliche Lösung liegt direkt in uns: Raus aus dem Knast des Verstandes. Setzen wir ihn dort ein, wo er hingehört: als Diener des Bewusstseins, nicht als sein Herrscher (ich habe diesen Fehler jahrzehntelang gemacht, wie fast jeder). Als Werkzeug ist er wichtig in dieser Welt, als Herr jedoch lässt er uns in der Matrix leben!

    http://www.raumbewusstsein.net

    Und nein, ich bin nicht der Autor. Möge dies sprechen, zu wem es möchte.

    Liebe Grüße,
    Pete Pank