Planungs-Chaos in Berlin: Flughafen Schönefeld kann nicht eröffnet werden

Die Eröffnung des geplanten Berliner Großflughafens ist abgesagt: Statt um Juni geht es frühestens im Herbst los. Der Grund: Wegen Brandschutzmeldern ist die Sicherheit nicht garantiert. Ein Flug-Chaos ist möglich. 15 Millionen Euro pro Monat laufen für den Steuerzahler auf.

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Riesenchaos in Berlin: Die für Anfang Juni geplante Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg „Willy Brandt“ (BER) in Schönefeld findet nicht statt. Alle Umzugsvorbereitungen werden mit sofortiger Wirkung gestoppt. Der Zeitplan lasse sich nicht halten, sagte Flughafenchef Rainer Schwarz bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Berlin-Schönefeld sichtlich betroffen. Der Betrieb könne nicht wie bis zuletzt geplant am 3. Juni aufgenommen werden.

Es ist eine peinliche Schlappe, auch für die Politiker Klaus Wowereit und Matthias Platzeck. Beide waren große Protagonisten des Flughafens und müssen nun mit geballter Faust in der Tasche zugeben: Wie bei fast allen Mega-Projekten wird auch der Flughafen Schönefeld nicht rechtzeitig fertig.

Grund für die Verschiebung: Der Flughafen hat keine Betriebsgenehmigungen wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen bekommen. Flughafen-Chefplaner Manfred Körtgen erklärte in einer eilig einberufenen Pressekonferenz, die Sicherheitsanlagen und deren Zusammenspiel untereinander hätten noch nicht den „nötigen Reifegrad“ und könnten deshalb vom TÜV nicht abgenommen werden. Die Anlagen zum Brandschutz seien zwar baulich installiert, aber die notwendigen Tests könnten bis zum ursprünglichen Eröffnungstermin nicht abgeschlossen werden, sagte Schwarz. Die „Schutzziele“ könnten bis 3. Juni nicht mehr erreicht werden.

Die Flughafenbetreiber erklären die Pleite so: „Der neue Flughafen Berlin Brandenburg wird später eröffnen als bislang geplant. Zu diesem Schluss kommt die Flughafengesellschaft angesichts der Erkenntnisse der vergangenen Tage. Bis zuletzt waren die Projektbeteiligten davon überzeugt, dass auch die für die Inbetriebnahme notwendigen sicherheitstechnischen Voraussetzungen bis zur Eröffnung des Flughafens am 03. Juni 2012 zu realisieren sein werden. Nach mehreren Krisensitzungen übers Wochenende kamen die Projektverantwortlichen zu der Erkenntnis, dass Fertigstellung und anschließende bauliche Abnahme der sicherheitstechnischen Anlagen bis zum geplanten Eröffnungstermin nicht mehr zu realisieren ist. Die Flughafengesellschaft musste daher angesichts möglicher Sicherheitsdefizite 27 Tage vor der geplanten Eröffnung umsteuern.“

In Berlin und Brandenburg herrschte nach der kurzfristigen Bekanntgabe der Verschiebung Aufregung und Empörung: Offenbar hatten die Betreiber noch bis zuletzt versucht, den Termin zu halten. Die Lufthansa warnte vor einem Chaos: Es müsse den neuen Standort geben. Wie sich das Desaster auf die Reisenden auswirkt, ist noch unklar: Vorerst werden Tegel und Schönefeld parallel weitergeführt. Die Airlinese versuchen gerade, in Tegel weitere Slots zu bekommen, um die zusätzlichen Flüge durchführen zu können.

Nun muss nachjustiert werden. Die zusätzlichen Kosten durch den Doppelbetrieb belaufen sich auf 15 Millionen Euro pro Monat. Das ist sehr viel Geld für die bankrotte Stadt Berlin, in der heute in vielen Bereichen der Schulbetrieb nur noch notdürftig aufrecht erhalten werden kann, weil es an allen Ecken und Enden an Mitteln fehlt. Dasselbe gilt für das Gesundheitswesen und die Kultur.

Kommentare

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  1. Harro Jäger sagt:

    Der Partymeister kümmert sich um alles, aber nicht um die Wirtschaft.

  2. beccon sagt:

    Solange für soetwas hier noch Geld da ist, geht es Berlin noch gut genug:

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/friedrichstrasse-kunstwerk-empoert-anwohner/6601452.html

  3. beccon sagt:

    Der, der alle seine Projekte stets pünktlich ohne Verzug abgeliefert hat, der darf den ersten Stein werfen…

  4. niekohle sagt:

    in berlin gibt´s ne menge Diletanten und Dileonkel

  5. wolfswurt sagt:

    Hochmut kommt halt vor dem Fall!

    Der Größenwahn scheint auf Berliner Sumpfland gut zu gedeihen.

    Erst bis zum Ural die Welt ordnen um dann nach der Niederlage Europa und den Rest der Welt die Demokratie zu lehren.

    Die nächste Niederlage klopft schon an die Tür . . .

  6. Rico Coracao sagt:

    Sie wussten es schon länger… Heute dann die „Überraschung“ 😉

    21.April 2012
    Flughafen Schönefeld: Probleme mit dem Brandschutz
    BER-Start nur mit Sondererlaubnis

    http://www.pnn.de/titelseite/641853/