Nach JP Morgan-Debakel: Angst vor Banken-Crash in Amerika

Die Wall Street ist geschockt: Ausgerechnet JP Morgan meldet einen Milliardenverlust - und das im laufenden Quartal. Die Angst vor einem systemischen Crash geht um.

Jamie Dimon, der Chef von JP Morgan, wirkte beim Analysten-Call am Donnerstagabend nervös und angespannt. Kein Wunder: Die Nachricht, die er zu verkünden hatte, schlug an der Wall Street ein wie eine Bombe. In der Investment-Abteilung (CIO) der Bank wurde im laufenden Quartal ein Verlust von 2 Milliarden Dollar mit synthetischen Papieren (Wetten) erzielt. Dem steht ein Gewinn von einer Milliarde in anderen Bereichen gegenüber, nach Steuer bleibt ein Verlust von 800 Millionen Dollar. Dimon war im Vergleich zu seinem selbstbewußten Auftritten in Davos nicht wiederzuerkennen (zum Vergleich die Idylle aus dem Schweizer Winter – hier).

Die eilends einberufene Telefonkonferenz gab den meisten Analysten Anlaß zu sehr grundsätzlichen Überlegungen. Die meisten Fragen wollte und konnte Dimon, wie üblich, nicht im Detail beantworten. Aber der Vorgang als solcher ist beunruhigend.

Zum einen, weil das zweite Quartal noch läuft. Dimon räumte auch ein, dass der Verlust wegen der volatilen Märkte noch wesentlich höher ausfallen könnte. Der Finanzblog Zerohedge hat ausgerechnet, dass es unter bestimmten Umständen zu einem Verlust von 20 Milliarden Dollar kommen könnte.

Dimon betonte auffallend oft, dass der Verlust durch Fehler im Mangament und bei den Traders verursacht worden sei, durch schlechtes Urteil und mangelnde Kontrolle. So etwas wolle er in seiner Firma nicht sehen. Auffallend auch, dass Dimon ganz bewußt versuchte, den Verdacht im Keim zu ersticken, es könne sich hier um ein fundamentales Problem der Zockerindustrie US-Banken handeln. Dimon: „Nur weil wir dumm waren, heißt das nicht, dass alle anderen auch dumm sind.“

Erst auf Nachfrage räumte Dimon ein, dass der Verlust auch mit dem insgesamt kritischen Umfeld zu tun haben könnte. Beobachter fragen nun: Liegen da bei JP Morgan – und wenn dort, dann auch vermutlich bei anderen Institutionen – noch viel mehr Leichen im Keller? JP Morgan hatte die US-Subprime-Krise auffallend gut überstanden. Platz noch nach der Immobilienblase eine neue Blase mit anderen, synthetischen Kreditprodukten?

Die nächste Frage, die sich stellt: Kommt jetzt der ganze große Schlamm ans Tageslicht? JP Morgan war in den vergangenen Wochen ins Visier von Regulatoren und der Konkurrenz geraten, weil ein einzelner Trader in London (Bruno Iksil, genannt der „Wal von London“) so viele kritische Einzelpositionen hält, dass er damit einen Crash auslösen könnte. Dimon soll seine Turbo-Trader im CIO ermuntert haben, noch aggressiver zu spekulieren. Heute sagt Dimon, er habe gewollt, dass sie es „besser“ machen.

Für die Finanzindustrie kommt die Hiobsbotschaft von JP Morgan zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Ab Juli soll die sogenannte „Volcker-Rule“ gelten, eine regulatorische Maßnahme, die zu wilde Spekulationen begrenzt. Im Moment betreiben die Banken gerade heftiges Lobbying in Washington, um Ausnahmeregelungen durchzusetzen. Die 2 Milliarden-Bombe von JP Morgan ist Wasser auf die Mühlen derer, die eine wirksame Regulierung fordern.

Aber auch Barack Obama wird die Nachricht nicht gerne hören. Denn JP Morgan ist eine sogenannte „systemrelevante“ Bank. Die bedeutet: Wenn ewtas schiefgeht, muss der US-Steuerzahler die Bank retten. Eine handfeste Bankenkrise ist jedoch das letzte, was Obama in der heißen Phase des Wahlkampfs brauchen kann.

Kommentare

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  1. Grauber sagt:

    Wer finanziert den Wahlkampf Obamas ?

    Es ist eigentlich egal, wer aus dem Kreis der Präsidentschaftskandidaten gewählt wird – regieren werden die Banker als Strohmänner jener, die seit 1912 die Wirtschaft und die Finanzen kontrollieren.

    JP Morgan, Goldman-Sachs, Warburg, Lehman Bros – das sind lediglich die frontmen der band.

  2. caesar4441 sagt:

    Das „Geschäft“ von J.P.Morgan sind „Finanzwetten“.Diese gehorchen den gleichen Regeln wie Wetten: Zu jedem Verlierer gibt es einen Gewinner.Es wird dabei weder Geld vernichtet noch erzeugt.Es hat nur ein Anderer.
    Volkswirtschaftlich sind diese „systemrelevanten „Banken““ völlig überflüssig,genauso wie andere Wettbüros auch.

  3. Bismark sagt:

    Today, The Doc’s sources have informed him that the total losses already sustained by JP Morgan are in fact in the range of $100 Billion, and that JPM is toast within two months.

    http://www.silverdoctors.com/happy-mothers-day-open-thread/

    falls da wirklich was dran sein sollte, dann geht`s aber richtig rund!
    Die Lehman Brothers Pleite ist wäre gegen eine JP Morgan Pleite ein Kaffeekränzchen gewesen!

    gruss

    • Grauber sagt:

      Lieber Fürst,

      man wird die Verluste durch Umschichtung der “ Erträge aus Arbeit “ kompensieren müssen – ist der Wirtschaftskrieg nicht von Erfolg gekrönt, gibts Hyperinflation oder/und Krieg.

      Hätte man Trillion gesagt, wäre es dramatisch aber so sind es nur 100 MRD Dollar – die druckt „Helicopter Ben“ für seine Freunde noch vor dem Frühstück.