Mehr Steuern: Schäuble profitiert von deutscher Zahlungsmoral

Während andere Völker in Europa gegen Steuern kämpfen, zahlen die Deutschen so fleißig wie noch nie. Das Ergebnis: Zusätzliche Milliarden für Wolfgang Schäuble.

Dank hoher Beschäftigung nimmt der deutsche Staat in den Jahren 2012 bis 2016 doch deutlich mehr Steuern ein, als ursprünglich prognostiziert. In diesem Zeitraum werden voraussichtlich 29,4 Milliarden Euro zusätzliche Gelder in die Kasse fließen, sagte der Arbeitskreis Steuerschätzung am Donnerstag. 12,3 Milliarden Euro davon werden in den Bund gehen und die restlichen 9,5 Milliarden fließen in die Länder.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble profitiert dabei sowohl vom aktuellen Boom in manchen Segmenten wie den Immobilien als aber auch von der guten Steuermoral der Deutschen: Anders als andere europäische Völker gehört für die Deutschen Steuerzahlen zum guten Ton. Sie fühlen sich dem Gemeinwesen verpflichtet – auch wenn es schlecht und ineffizient wirtschaftet.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Allein in diesem Jahr nimmt die Bundesrepublik entsprechend 4,6 Milliarden Euro mehr Steuern ein, als bisher geschätzt. Für 2013 werden fünf Milliarden Euro zusätzliche Einkünfte erwartet und für 2016 beispielsweise sogar 7,2 Milliarden Euro. Finanzminister Wolfgang Schäuble verwies darauf, dass dies die Richtigkeit des finanzpolitischen Kurses der Regierung zeige: eine Mischung aus Konsolidierung und Wachstumsimpulsen (der IWF hingegen vermisst die wachstumsfördernden Maßnahmen in Deutschland – mehr bei den DMN). „Die erfreuliche Entwicklung der öffentlichen Einnahmen unterstützt die schnelle Rückführung der strukturellen Neuverschuldung des Bundes“, fuhr Wolfgang Schäuble fort. Neue strukturelle Mehrausgaben seien jedoch nicht möglich.

Die neue Steuerschätzung zeigt noch einmal, wie ungenügend Wolfgang Schäubles Haushaltsaufstellung und der Sparwillen der Regierung war (hier). Gerade angesichts dieser neuesten Daten erscheint seine Absicht, 2016 nur mehr Neukredite in Höhe von einer Milliarden Euro aufzunehmen, nicht besonders ambitioniert. Der Bundesfinanzminister hofft aber mit den zusätzlich erwarteten Mehreinnahmen, dass die umstrittene Steuererleichterung am die am Freitag vom Bundestag abgesegnet wird. Diese steht wegen des Widerstands von SPD und Grünen auf der Kippe.

Kommentare

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  1. hassenichgesehn sagt:

    Wemm jetzt auch noch die „Großen“ hier Steuern zahlen würden … wir wären das „Land wo Milch und Honig fliessen“…

    Statt dessen fliessen die Milliarden, Billionen und Billiarden …. und zwar in die Länder, in die wir ohnehin schon jahrzehntelang unser erarbeitetes Geld getragen haben. Wir brauchen unser Geld gar nicht mehr als „Urlaub“ getarnt zu begleiten, es findet den Weg mittlerweile auch alleine 🙂

    Wissen Sie übrigens, warum das deutsche Finanzamt sein Konto nicht bei der Hellas-Bank hat ? Weil unsere Politiker sich vor der Überweisung noch Ihre Diäten abbuchen müssen 😉

  2. tertiusgaudens sagt:

    Ein Blick in die Kausalkette fördert ein Verstehen des Wahnsinnes. Deren Vollstrecker befinden sich in der Tat in einem Malstrom, der alles zu zerstören droht:

    Das Einlassen auf eine Finanzmaschine ohne feste Deckung (Gold) führte zur Willkür – es wurde möglich, Geld zu schaffen aus dem Nichts.

    Nun gilt es, das Despenst der Inflation und Deflation möglichst zu steuern über Entwertung, Zinsen und Geldmengen je nach Bedarf.

    Die wirkenden Aggregate (Banken und Geldinstitute) haben zu diesem Zwecke eine intelligente Absicherung geschaffen – bei Bedrohung springt der Staat ein, bei Zahlungsforderungen reicht der Staat fällige Beträge and den Bürger weiter.

    So hat eine Bank mehr Wert als der Bürger, weil die Bank das System am Laufen hällt, der Bürger jedoch eine Bedrohung darstellt, falls er das System durchschaut.

    Das Laufen des Systems darf unter allen Umständen jedoch nie unterbrochen werden, weil das Beben verursachen würde, die ganze Wirschaftsverbände durcheinander wirbeln würde.

    Also müssen die Mitspieler rennen, auch wenn ihnen schon längst die Puste ausgegangen ist – ein Mensch ist eben nicht so viel wert wie ein Systemaggregat.

    In diesem Malstom beginnen nun einige zu rufen, weil sie merken, wie gefrässig und kalt es geworden ist, jedoch haben sie per se keine Chance, eben weil es nicht um den Menschen geht, sondern um den Erhalt des Systems, bei dem eine Elite das Steuer in der Hand hält.

    Wir können es drehen und wenden ad infinitum – die Sache wird sich erst ändern, wenn entweder millionen Menschen Selbstmord begehen, weil sie am Ende sind oder millionen Menschen aufwachen, das System durchschauen und sich sagen, ich mache das nicht mehr mit.

    So lange jedoch werden die Deutschen Mittelstandsnachrichten noch genügend Stoff finden, die Unzulänglichkeiten des Systems zu offenbaren. Und in der Hinsicht ist ein Herr Schäuble mit ein paar Steuermilliarden eher ein bedauernswertes Subjekt…