Märkte nervös: Kann der geheimnisvolle Trader von London einen Crash verursachen?

JP Morgans Verluste in Milliardenhöhe könnten sich durch die großen Positionen des geheimnisvollen JP Morgan Traders, den Wal von London“ noch vervielfachen. Die Investoren sind nervös – weltweit gingen die Aktienkurse in den Keller.

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JP Morgen-Chef Jamie Dimon schockte mit seiner Ankündigung eines Verlustes in Höhe von zwei Milliarden Dollar die Anleger weltweit. Der MSCI World Equity Index gab um 2 Prozent nach. In Deutschland sank der Dax am Freitagmorgen zwischenzeitlich um 0,8 Prozent, die Bankenwerte gaben noch stärker nach: Die Aktien der Commerzbank fielen um 1 Prozent, die der Deutschen Bank verloren 1,9 Prozent. Der europäische Bankenindex verlor 1,5 Prozent.

In Asien zeigten sich ähnliche Auswirkungen. Der MSCI Asia Apex 50, der die Aktienkurse der 50 größten Unternehmen Asiens außer Japan beinhaltet, fiel um 1,38 Prozent (rund 11 Punkte) auf 807 Basispunkte. Der Nikkei-Index fiel um 0,6 Prozent und der Topix-Index sogar um 0,9 Prozent.

Doch die Märkte sind nicht nur beunruhigt aufgrund der 2 Milliarden Dollar – besonders der als „Wal von London“ bekannte Trader von JP Morgan, Bruno Iksil beunruhigt die Anleger. In den vergangenen Wochen geriet Bruno Iksil zunehmend ins Visier der Regulierungsbehörden, weil er Unmengen an Geld zur Verfügung hatte, um Wetten damit abzuschließen. Bruno Iksil soll so viele großvolumige Wetten bei Kreditderivaten aufgebaut haben, dass er damit teilweise den Markt lenken, Indizes verzerren und theoretisch auch einen Crash auslösen könnte.

Viele dieser Kreditderivate hat Bruno Iksil dem Finanzblog zerohedge zufolge durch Hedges abgesichert. Damit werden Grundgeschäfte im Derivatebereich mit Hilfe einer zweiten, dem Wert des Grundgeschäfts entgegenlaufenden Transaktion abgesichert. Durch dieses Entgegenlaufen erzielt man eine preisausgeleichende Wirkung (etwas ähnliches schlug JP Morgan einst auch der Stadt Pforzheim vor – mehr hier). Als sich der Kreditmarkt erholte, mussten etliche Schutzpositionen verkauft werden, um die Hedges aufrecht zu erhalten.

Zerohedge zufolge hat Bruno Iksil deutlich mehr Geld zum hedgen (absichern) in den Markt gepumpt, als es notwendig gewesen wäre, wenn man die Differenz zwischen Marktwert und Nennwert vergleicht. Da er seine Positionen immer weiter führte und nicht verkaufte, verteuerte sich beispielsweise der Kredit-Indix IG9 im Vergleich zu seinem eigentlichen Marktwert. Der Kredit Index IG9 liegt nun rund 20 Basispunkte über seinem eigentlichen Referenzwert S&P 500. Allein dies macht bereits zerohedge zufolge einen Verlust von mindestens drei Milliarden Dollar – bewertet zum Marktwert – aus.

Aber das ist noch längst nicht alles. Jeder Versuch, diese große Position los zu werden, würde zu einer großen, klaffende Lücke im Markt führen und diese in einer illiquiden Angebot-Nachfrage-Differenz zwingen. Darüber hinaus kennt nun die Finanzwelt die Positionen von JP Morgen. JP Morgan muss nun versuchen, mit allen Mitteln diese über-abgesicherten und zu lang aufrechtgehaltenen Positionen wiederum abzusichern. So werden diese Kreditinstrumente, die die Bank nun einsetzen muss, wie der Kredit-Index IG18 etc., sich bei den Tradern anderer Banken an großer Beliebtheit erfreuen, weil sie ganz klar auf einen absehbaren Trend in diesem Index setzen können. Dies könnte allerdings zu einer anderen Blase führen, deren Auswirkung nicht minder gefährlich sein könnte als die der amerikanischen Immobilienblase.

Kommentare

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  1. Grauber sagt:

    Ein sehr informativer Artikel – es fehlt jedoch die Unterstellung einer gewissen Absicht.

    Sorry, ich glaube nicht mehr an den freien Markt.

  2. Joseph Meyer sagt:

    An alle Interessierte!
    Bitte unterstützt die Idee, dass in allen Mitgliedstaaten der Eurozone eine nationale, zinsfreie, komplementäre Zweitwährung, parallel zum Euro, eingeführt wird!

    Dann können die Euro-Spekulanten an der Börse unter sich bleiben und sich gegenseitig “auffressen”!

    • Grauber sagt:

      Der Euro kann die Stelle des ehemaligen ECU einnehmen und als Basis für Wechselkurse dienen.

      Landeswährungen ist damit der Weg geebnet –

      Diese Ansicht teilen auch viele namhafte Ökonomen.

    • rumpel sagt:

      @Josef Meyer

      Kann man irgendwo erfahren, wie das funktioniert und vor allen Dingen, wie kann man das unterstützen? Wäre für Informationen dankbar.

  3. Biggi Berchtold sagt:

    Ein großartiger Prozess, den wir Menschen aufgrund der Ereignisse im Außen durchlaufen können. Den Prozess der Selbsterkenntnis und der Heilung auf Seelenebene. Das wird aus meiner Sicht, bei den oft wirklich sehr professionell geschriebenen Kommentaren, zu wenig beachtet. Klar, geht es um eine grundlegende Täuschung die hier stattfindet und um das Geld als Lebensgrundlage für jeden Einzelnen, aber es geht auch um mehr, um viel mehr. Es geht um einen fundamentalen Bewusstseinswandel, weltweit und in jeden Lebensbereich hinein reichend.
    Jeder ist aufgerufen, diesen Prozess bei sich loszustarten, auch hier die Wahrheit ans Licht zu bringen, dass wir nicht nur die Summe unserer Teilchen sind, sondern mit Bewusstsein bzw. Seele ausgestattet als “Evolutionshelfer” aktiv mit dabei sein sollen, damit die negativ Kräfte ihre Macht verlieren. Wir sind aufgerufen, die universellen Gesetzmäßigkeiten kennenzulernen und unser Leben bewusst danach auszurichten, je mehr Menschen sich darum kümmern, um so schneller geht´s mit dem Wandel! Von Herz zu Herz Biggi Berchtold (www.gedankenschatz.de)

    • Alex F. sagt:

      Der Prozess der Selbsterkenntnis und Transformation ist unaufhaltsam …. Gott sei Dank! Mutter Erde lässt sich auf Dauer nicht überlisten.

  4. Jochen sagt:

    Was muss eigentlich noch passieren, dass die Banken endlich mal was auf die Finger bekommen ????

    Es sieht so aus, als wenn die Staaten keine Macht mehr über die Banken bekommen. Diese Banken scheinen ja fast nur noch mit Zockern besetzt zu sein.

    Na, ja JP Morgan hat auf jedenfall schon mal 15 Milliarden USD Marktwert verbrannt.

    http://www.bwinvestment.de/wirtschaf1.html

  5. Rolf D. Lenkewitz sagt:

    Den Politikern und Medien ist es erfolgreich gelungen die Zusammenhänge der Weltfinanzkrise zu verschleiern. Keine Spur von Aufklärung und Transparenz. Es geht nicht um eine neue Währung bei irgendeiner Nation, es geht um eine Abschreibung der Verluste, der virtuellen Investment-Werte. Da niemand die wahre Höhe nennt, die um ein Vielfaches der gesamten Werthaltigkeit des Planeten liegt, also durch nichts besichert werden kann und auch nicht über langfriste Aussetzungsprogramme wie z.B. Bad Banks und andere Maßnahmen geregelt werden kann, geht es in Wirklichkeit um ein globales Ende des Finanzsytems, also die Gefahr eines weltweiten Crashs. Was dann passiert kann niemand voraussagen und wir haben auch bisher keine Alternativen zu Hand. Die Nutzung bewährter Instrumente, wie Währungsreformen und neue Währung sind extrem unsichere Mittel, denn das historische Ausmass der Jahrtausendkrise mit all den Besonderheiten eines hochgezüchteten weltweiten Spielcasinos stellt eine erfolgreiche Nutzung der Instrumente in Frage. Da wir eine globale Krise haben kann sich kein Land der Welt über eine Währunsreform oder ähnliches vom Ablauf her abkoppeln.

    • alter lateiner sagt:

      Dies ist eine völlig richtige Einschätzung der (Welt)Lage!

      Danke für Ihren Kommentar!

      Die Einrichtung von Bad Banks, die Forderungen nach Fiskalpakten, ESMs und anderem Unfug dient nur einem Ziel: die Geheimhaltung der offensichtlichen Lage, in der wir uns (der Planet Erde) befinden.

      der alte Lateiner

      PS: Dass sich die Börsen schont seit geraumer Zeit von der Realwirtschaft abgekoppelt haben — und darauf aufbauend ein nettes, einträgliches Eigenleben führen –, dürfte ja hinlänglich bekannt sein.

  6. KeinESM, keine EUdSSR, sondern DM und Freiheit wieder! sagt:

    Viele Politiker haben es immer noch nicht begriffen: der Zug fährt gegen die Wand, Deutschland wird von den anderen heruntergezogen und wird selbst ertrinken, wenn es auf der Euroschiene so weitermacht. Deutschland muss sich also erst einmal freischwimmen, und das heisst, eine eigene Deutsche Wahrung.

    Das Gegenargument der Aufwertung muss man auch ein wenig differenzierter betrachten:

    1. Deutschland hatte auch zu DM Zeiten Handelsüberschüsse, nicht -defizite.

    2. Eine DM Aufwertung hatten wir ständig seit der DM Einführung und hat Deutschlands wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufstieg nach dem Krieg doch nicht aufgehalten, sondern ganz in Gegenteil das Deutsche und in der ganzen Welt bewunderte Wirtschaftswunder erst hervorgebracht!

    3. 40% der Exportprodukte kommen selbst aus Importprodukten und werden also billiger durch eine Aufwertung der DM.

    4. Führt eine Aufwertung der DM zu mehr Kaufkraft der Deutschen Bevolkerung, das heisst, der deutsche Arbeitnehmer kriegt wieder etwas für sein Geld statt, wie unter dem Euro, ständig zu verlieren! Das ist die sogenannte Sozialdividende. Deshalb ist ja auch der Lebensstandart in starken Wahrungsländern wie der Schweiz und in der Bundesrepublik zu DM Zeiten so hoch gewesen!

    5. Eine stärkere DM führt zu mehr Innenkaufkraft und damit mehr Importen, was anderen Ländern zugute kommt und deren Wirtschaftleistung fördert und hilft, von Transferleistungen unabhängig zu werden.

    6. Die Abwertung, zB der griechischen Drachme, der italienischen Lira und des franzosischen Francs, führen zu deren Wettbewerbsstärkung und damit der Möglichkeit, nicht auf Pump anderer, sondern eigenständig zu wachsen.

    7. Summa summarum werden Europa und die Welt nicht stärker, wenn die letzten noch funktionierenden Wirtschaften auch noch kurzsichtig kaputtgemacht werden.

    Deswegen brauchen wir in Deutschland und in Europa unsere eigenen Länderwährungen, um dadurch wirtschaftlich wieder in Fahrt zu kommen und unsere politische Freiheit zu retten.