EZB: „Einvernehmliche Trennung“ mit Griechenland möglich

Seit sich die Regierungsbildung in Griechenland immer mehr auf eine Neuwahl bewegt, wird immer häufiger über einen Austritt Griechenlands aus dem Euro spekuliert. Und selbst die Chefs der nationalen Zentralbanken diskutieren nun über die Folgen und die Herangehensweise in einem solchen Fall.

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Griechenland: Verhandlungen gescheitert, Neuwahlen im Juni fix

Vor gut einem Jahr hätte sich vermutlich keiner der Chefs der europäischen Notenbanken bzw. keiner der Ratsmitglieder der EZB zu einem Gedanken über das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone hinreißen lassen. Doch die Situation hat sich geändert. Die griechischen Bürger haben die linksradikale Syriza Partei mit ihrem Parteichef Alexis Tsipras zur zweitstärksten Partei gemacht. Eine Partei, die keine Koalition mit den etablierten Parteien eingehen will und das Sparpaket aufkündigen möchte. Nun, da weder die drei stärksten Parteien in der Lage waren, eine Regierung zu bilden, und auch die Gespräche zwischen dem griechischen Präsidenten und den griechischen Parteien bisher erfolglos verlaufen, scheint sich Griechenland immer weiter von dem Euro zu entfernen.

Und genau diese Distanz spiegelt sich mittlerweile auch bei den Chefs der europäischen Zentralbanken wieder. Plötzlich ist ein Austritt Griechenlands kein Todesurteil mehr für die gemeinsame Währungsunion – und man kann und muss angesichts der politischen Lage in Griechenland nun offen darüber diskutieren. „Ich denke, eine einvernehmliche Trennung – wenn das überhaupt notwendig wäre – wäre das möglich, aber ich würde es immer noch bereuen“, sagte der Gouverneur der belgischen Zentralbank, Luc Coene, der FT. Ähnlich charmant drückte es auch Patrick Honohan von der irischen Zentralbank aus. „Es können Dinge vorkommen, die in den Verträgen nicht bedacht wurden“, erklärte er auf einer Konferenz in Estland, technisch könne ein Austritt Griechenlands bewältigt werden. Es sei nicht unbedingt „tödlich, aber es ist nicht attraktiv“.

Im Dezember vergangenen Jahres warte EZB-Chef Mario Draghi noch vor den „unabsehbaren Folgen“ für die Währungsunion und auch zurzeit lässt sich Mario Draghi zu keiner Diskussion über einen solchen Austritt hinreißen. Doch die Zentralbanker um ihn herum zeigen, dass sich die Meinung innerhalb der EZB doch zunehmend von der Mario Draghis abhebt. Bundesbankpräsident, Jens Weidmann, sagte am Wochenende, „die Folgen für Griechenland wären gravierender als für den Rest der Eurozone“. Zentralbanker in ganz Europa haben damit begonnen, die Möglichkeit eines Euro-Austritts Griechenlands und den Umgang mit den Konsequenzen daraus zu diskutieren, bestätigte Per Jansson von der Schwedischen Riksbank der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Doch auch auf rein politischer Ebene wird dies immer häufiger in Betracht gezogen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte vergangene Woche: „Wir haben in den letzten zwei Jahren viel gelernt und Schutzmechanismen eingebaut.“ Die Ansteckungsgefahren für andere Länder der Euro-Zone seien geringer geworden. EU-Währungskommissar Olli Rehn teilt diese Ansicht. In Tallinn erklärte er, dass die Region jetzt besser vorbereitet sei, als noch vor zwei Jahren. „Europa würde auch leiden, aber Griechenland würde mehr leiden“. Nichts desto trotz versucht man, Griechenland entgegenzukommen, denn interessanter Weise halten Analysten das Szenario eines Austritts noch immer für relativ gefährlich für die Eurozone. Die Ratingagentur Fitch erwägt sogar, in einem solchen Fall alle verbleibenden Länder der Eurozone herabzustufen und auch Goldman Sachs warnt vor einem Austritt Griechenlands.

Kommentare

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  1. Charlotte sagt:

    ich bin froh, dass es nicht möglich war, eine “Technokratenregierung” durchzusetzen, denn sonst hätten wir heute zuschauen müssen, wie Griechenland von der Wiege der Demokratie zum Grab derselben geworden ist.
    Wenn der Anführer der jetzt zweitstärksten Partei an die Macht kommt, dann wird er für alle sichtbar den Witz, der in diesem EU Gebilde steckt deutlich machen.
    Er wird sagen: Natürlich bleiben wir im Euro und in der EU, denn die kann uns nicht rausschmeißen. Und natürlich ist das “Sparpaket” jetzt hinfällig. Wie bitte? Ihr wollt uns kein Geld mehr geben? Na dann sind die ganzen Schulden eben auch hinfällig, denn wir können sie nicht bedienen. Unsere Banken gehn bankrott? Na, halb so wild, da ist sowieso kein Geld von uns Griechen mehr gelagert.
    Und Merkel und Schäuble werden zahlen.

  2. Gast sagt:

    Die Währungsunion und Europa wurde gegründet auf der Basis von ……???????

    Sehr auffällig an solchen Aussagen ist immer dieser alles überragende finanzielle Hintergrund, die Kosten und die Banken an forderster Front vor der Politik. Der europäische Gedanke war von Anfang an eine Glückspielbude in welcher es nur um finanzielle Gewinner oder Verlierer geht. Es fällt kein Wort über Europa welches frei von finanziellen Interessen ist. Wachstum, Sparen, Schulden, Euro hin oder her. Dies ist inzwischen schon so auffällig geworden daß sich die Frage nach der Basis einer europäischen Union schon von selbst beantwortet. Geld, Macht, Gewinne, Kontrolle sind die gemeinsamen Interessen an einem Europa in einer Währungsunion. Andere Töne klingen hier nicht mehr, da vor der Eröffnung der europäischen Spielbude Europa schon alles zu bieten hatte was Menschen glücklich macht. Der IWF mit seinen großkapitalistischen Geldgebern ebenso wie Zentralbanken und nicht zu vergessen die Politikermarionetten kennen nur noch eines ……. GELD in jeder möglichen Form. Ob als Schuld, als Kredit, als Finanzhilfe, als Rettungsvehikel, als Wachstum, als Sparkurs, als bla..bla Pakt, als Beruhigungsmittel für Märkte, als Steuereinnahmen ,,,,,,,, usw..

    Diese Bande ist überhaupt nicht interessiert an Menschen, an Wohlstand, Glück, Freude, Zufriedenheit, Gesundheit und allem was dem Leben mehr Sinn gibt als wertloses bedrucktes Papier mit einer imaginären Nummer darauf. Wenn man diese Bande in die Enge treibt, dann zeigen sich die wahren Interessen und dies geht jetzt schon seit Monaten so. Wer würde auch nur einen Pfifferling auf die Aussagen dieser Bande geben welche sich an Zinsen und Steuer schon so satt gelebt haben, das ein Endes dieses Paradieses mit jedem noch so abendteuerlichen Märchen vermieden werden muß.

    Europa daß ist aus heutiger Sicht ……… Schulden, Geld, Sparkurs, Rettungsmechanismen, politisches Chaos, BIP, Rezession, Wachstum …… Geld, Geld, Geld. Sonst ist da NICHTS!
    Dabei hätte Europa soviel mehr zu bieten als eine Bande von lausigen Kapitalisten welche mit Hilfe der Politik das Wohlstand schaffende Zinsgeldsystem erhalten wollen bis aus der geschaffenen Armut nichts mehr umverteilt werden kann. Es soll ja Menschen geben die glücklich darüber sind zu leben und es gibt Menschen welche nur mit Geld glücklich sind. Das Leben an sich hat keinen Wert wenn es nicht dem finanziellen Interesse dienen kann.
    Diese geistige Armut muß man erst einmal erreichen als normaler Mensch. Wenn außer Geld und damit verbundene materielle Werte nur noch Leere herrscht, dann ist die menschliche Entwicklung rückläufig.

    Diese Bande hat nichts und wirklich garnichts zu bieten was dem Leben einen Sinn geben könnte, außer dem Sinn der weiter steigenden Abhängigkeit jedes Menschen vom Geld und seiner täglichen Arbeit zur Tilgung der Zinsen und Maximierung der Profite, welche ja der Gewinn dieser Bande ist.

    Wenn man in Europa unterwegs sein möchte, dann ist es schön wenn man nicht als Schuldenmacher, Sparmichel, Deutscher, Grieche, Spanier oder Italiener gesehen wird sondern vorurteilsfrei als Mensch unter allen Menschen. Diese Bande aus Politk und Kapital schafft es jedoch die ganze Welt aufzuteilen in Arm oder Reich, Wachstum oder Rezession, Kommunist, Liberaler, Linker, Rechter, Demokrat oder was auch immer für eine Handpuppe.
    Wenn man versucht die Welt mit solchen Augen zu sehen muß man feststellen wie öde und leer sie doch ist oder absichtlich gemacht wurde.

    Es wird Zeit nicht nur den EURO aufzulösen sondern das System an sich völlig neu zu erfinden und dann mit Inhalten zu füllen welche dem Leben etwas geben anstatt dem Leben alles zu nehmen. Es wird Zeit zu erkenne daß das Leben nicht daraus besteht ständig auf der Jagd nach dem Geld zu sein, nach dem Schnäpchen, dem tollen Outfit, dem größten Auto oder dem dicksten Konto und der mit allem verbundenen modernen Sklaverei. Echte Sklaverei würde noch in echten Werten wie Essen, Kleidung und Unterkunft bezahlt werden aber moderne Sklaverei nur mit wertlosem Papier, dessen Wert soviel Wert ist wie es die Gier gerade zuläßt.

    Europa ist toll, großartig, vielschichtig, multikulturell, interessant und sehenswert aber unter der Führung einer Bande mit völlig belanglosen Interessen nicht mehr als ein buntes Stück Papier im Soll oder im Haben.

    • Charlotte sagt:

      das haben Sie schön gesagt.
      Nur in einem Punkt bin ich nicht ihrer Meinung: “Das System muss neu erfunden werden”.
      Das System Europa stand nach Jahrhunderten Kämpfen ziemlich gut da. So gut kann man etwas gar nicht erfinden.
      Vielleicht kann man es auch nicht auf so eine primitive Weise so einfach zerstören.
      Ich habe oft Unrecht, in meinen Prognosen, warten wir es ab.

      • Charlotte sagt:

        Ich meine, warum Europa gut da stand, so dass man sich gut fühlte: Es bestand eine gegenseitige Akzeptanz. Niemand hat sich abfällig über die Lebensweise der Griechen geäußert. Um die Vorteile beneidete man sie, die Nachteile waren ihr Problem und ansonsten fand man sie eigentlich ziemlich sympathisch.
        Es ist das Problem, des afrikanischen Kontinentes, weshalb er bis heute keine Bedeutung gewinnen kann. Es besteht in seinem Inneren diese gegenseitige Akzeptanz nicht und er zermürbt sich selbst.
        Das möchte man auch für Europa.
        Und man beginnt klugerweise mit der Familie. Eine Familie kann ein starkes und mächtiges Gebilde sein. Sie ist es aufgrund starker emotionaler Verflechtung. Man erkennt, ob man jemanden liebt daran, dass man erwägt, jemandem völlig Unbekannten, der dem, den man liebt schaden möchte, die Autoreifen zu zerstechen.
        Solche Emotionen werden ausgeschaltet, indem man dem Kind, das instinktiv weiß, dass es seine Eltern braucht, diese entzieht. Indem man die Jungen auffordert, flexibel zu sein und das Land zu verlassen und im Gegenzug in Spanien einen Werbefeldzug organisiert, damit die Jungen von dort kommen. Und zuletzt um die Alten kann oder will man sich nicht kümmern. Man kann nicht, weil die gemiete zwei Zimmerwohnung der ewig Alleinerziehenden mit Lebensgefährtin nicht ausreicht oder man will nicht, weil die Alten sich auch nicht um einen selbst gekümmert haben, sie mussten ja immer arbeiten.
        Die Zerstörung der Familie kann good old Europe zum Verhängnis werden, meine ich.

    • Pemas sagt:

      Sehr emotional beschrieben! Und ganz meine Meinung! Alle Paradigmen in einen Sack und zusammen was neues erschaffe.

  3. wazman sagt:

    warum sollten die GR aus dem € ausscheiden?
    Es hätte für sie noch mehr Nachteile als so, weil:
    1. sie mit einer eigenen neuen Währung, die vermutlich sehr schwach sein wird, ihre Schulden tilgen müßte
    2. €-Land kein Geld mehr rüberschieben würde um den € zu stabilisieren
    3. GR schon rund 100 Mrd € erlassen wurde und vermutlich noch mehr erlassen werden
    4. 440 Mrd. Schulden eine gute Verhandlungsmasse sind um nicht abzusaufen, weil dann ganz €-Land absäuft
    5. noch Fragen?

    sollte es zum streit kommen und GR wird rausgeschmissen, wäre das ein Vertragsbruch, der Austritt oder Rausschmiß ist nicht vorgesehen in den Verträgen. Dann wäre die EU – nicht nur der € tatsächlich Vergangenheit, 60 Jahre Bemühungen für die Katz.

  4. werner sagt:

    “…auch Goldman Sachs warnt vor einem Austritt Griechenlands:”
    Na dann muss ein Austritt genau das Richtige sein! Was Goldman Sucks weh tut, kann für Europa nur gut sein. Also lasst die Goldmänner kreischen, lasst sie auf ihren Verlusten sitzen und schmeißt die Greichen aus dem Euro!

  5. Margrit Steer sagt:

    Für den Antidemokraten Juncker kommt ein Austritt Greichenlands aus dem Euro nicht infrage. So kann man es auch im Handelsblatt lesen.
    Brüssel bestimmt und ein Staat kann doch nicht einfach selbständig was entscheiden, da geht ja gar nicht

    • dingo sagt:

      “Antidemokrat Junker” hab ich da wieder was verpasst ?

      Als Chef der Eurogruppe gibt er bloss Das wieder, was gestern Abend von den Finanzministern beschlossen wurde.

      Hast du schon ein Diktator gesehen welcher seinen Posten freiwillig zur Verfügung stellt.
      Der Andrang der Nachfolge hält sich sehr in Grenzen.

      Ich möchte zurzeit kein (gewählter) Politiker sein.

      • Hans Meiser sagt:

        Zitat Jean Claude Juncker:

        Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter.

        – Jean Claude Juncker, Der SPIEGEL 52/1999, S. 136 -

        • Sonnenbrille sagt:

          Ja, Herr Meiser, dieses Zitat ist uns allen hier bekannt.

          Das ist wie eine Offenbarung seiner volksverräterischen Geisteshaltung.
          Zu gegebener Zeit wird er sich vor einem Gericht zu verantworten haben!

          Wenn er Glück hat, gibt er vorher seinen Geist auf.

  6. Korsar sagt:

    Nachdem nun Griechenland in der “EURO-Gruppe” bleiben soll, kann es sich ja nun Zeit lassen. Zeit um bei seinem TARGET2- Spiel, weiter auf Gewinn zu setzen. Auf einen immer sicheren und, in diesem Jahrhundert, wohl nicht rückzahlbaren Gewinn.

    Bitte lesen Sie folgenden LINK:

    ww.mmnews.de/index.php/wirtschaft/10028-target-2-strafanzeige-gegen-bundesbank

    Strafanzeige gegen Bundesbank

  7. Hans Meiser sagt:

    Die Banken sind aus dem Schneider, jetzt gehören die griechischen Staatschulden dem dummen deutschen, österreichischen und holländischen Steuerzahler. Klasse gemacht Goldman Sachs und Freunde!

  8. Jürgen Kunz sagt:

    Viel zu spät, nachdem schon Milliarden verbraten worden sind und dem letzten Kapitalanleger weltweit die Bedeutungslosigkeit des Euro gezeigt wurde, werden die Verantwortlichen endlich wach.
    Denn nur mit wettbewerbsfähigen Preisen (und seien es Urlaubsreisen) kann Griechenland wieder auf die Beine kommen. Und das bedeutet: Einführung der nationalen Währung und deren Abwertung um 30 %.

    • Michele sagt:

      So wie es herauskommen könnte, bezahlen wir den Urlaub dann zweimal: einmal über Steuern und zum anderen für die Urlaubs-Bewirtung.