Zentralbank: Portugal kann nicht wie geplant an die Kapitalmärkte zurück

Trotz der Durchsetzung der Sparmaßnahmen in Portugal und dem gesunkenen Defizit wird Portugal im nächsten Jahr womöglich nicht an den Anleihenmarkt zurückkehren können. Die „Risiken sind erheblich“, so die portugiesische Zentralbank – nicht nur auf portugiesischer Ebene, sondern auch mit Blick auf den gesamten Euroraum.

Portugal passe seine Wirtschaft schnell entsprechend einer sparsameren Politik unter dem Rettungspaket an, so die portugiesische Zentralbank. Aber der Erfolg des Programms sei keine Garantie für das Land, im nächsten Jahr wieder an die Finanzmärkte zurückkehren zu können. Das Land muss im September 2013 Kredite in Höhe von 10 Milliarden Euro refinanzieren. „Die Risiken rund um (die Rückkehr zu den Märkten, Anm. d. Red.) sind erheblich und nicht nur mit der Stabilisierung der Wirtschaft Portugals verbunden, sondern auch mit der Entwicklung außerhalb der Landesgrenzen.“ Zuvor hatte auch schon die portugiesische Regierung mehrmals darauf hingewiesen, dass es aufgrund von Problemen in anderen Ländern der Eurozone schwierig für das Land werden könnte.

In der jährlichen Überprüfung der Wirtschaft des Landes, teilte die portugiesische Zentralbank mit, dass die Regierung im vergangenen Jahr den Haushalt deutlich konsolidiert habe, sowohl auf Seiten der Einnahmen als auch bei den Ausgaben. So geht die Zentralbank davon aus, dass Portugal 2013 das Defizitziel von 3 Prozent erreichen werde. Das sei immerhin die Mindestvoraussetzung für eine Rückkehr zum Markt. Doch tatsächlich könnten Ereignisse in der Eurozone dies verhindern. So fürchtete der portugiesische Premier Pedro Passos Coelho bereits vergangene Woche, dass ein Scheitern bei der Regierungsbildung in Griechenland, das Augenmerk der Investoren wieder vermehrt auf Portugal richten könnte, schließlich gilt es noch immer als gefährdetes Land. Da Griechenland nun tatsächlich Neuwahlen durchführen wird, deren Ausgang mit einem zusätzlichen Erstarken der Syriza-Partei die Angst vor einem wirklichen Austritt des Landes aus dem Euro schürt, könnte dies bald auch am Anleihenmarkt deutlich zu spüren sein.

Darüber hinaus ist auch die Situation in Spanien für Portugals Wirtschaft entscheidend. Die Schwierigkeiten der spanischen Banken und die Rezession, in der sich das Land befindet, wirken sich auch auf Portugal aus. Immerhin ist Spanien noch immer Portugals wichtigster Handelspartner.

Am Montag äußerte sich zudem die Ratingagentur Fitch Bedenken über eine Marktrückkehr Portugals. „Es ist wahrscheinlich, dass Portugal ein weiteres Finanzierungsprogramm zugesagt bekommen wird“, wenn ein Zugang zum Markt misslingen würde. „Vorausgesetzt, das Programm bleibe auf Kurs“, so die Ratingagentur in einem Bericht.

Kommentare

Dieser Artikel hat 11 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    Was ist denn jemals in der EU so gelaufen wie es geplant war?
    Was ist an Vereinbarungen eingehalten worden?
    Welche Ziele sind erreicht worden seit 2001?

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. Schleswig sagt:

    Man spricht von 10 Mrd.€ die 2013 refinanziert werden müssen. Was für eine angenehme, bescheidene Summen im Gegensatz zu Griechenland und Italien. Die 3 % wollen sie auch noch im nächsten Jahr erreichen. Griechenland sollte jetzt und sofort bei den Portugiesen Protest einlegen. Was erlauben sich die Portugiesen die Griechen so im Regen stehen zu lassen.

  3. Nathan sagt:

    Ich komme gerade aus Portugal. Das Leben dort ist teurer als hier, die Bevölkerung macht das alles so mit, weil es sehr leidfähig ist und, obrigkeitstreu, weiß, das es nichts an der Politik ändern kann. Siehe das Wahlergebnis nach SPD jetzt CDU-Vergleichbares, d.h.: nichts Neues, keine Änderung! Trägheit! Das Personal ungelernt, inkompetent, ahnungslos und unfreundlich. Unnahbar, weil es sich wohl seiner Schwächen bewußt ist!
    Hauptsache, sie haben ihren Fußball (Grauenvoll: In fast ALLEN Restaurants abends Fußballübertragungen, stundenlang!). Das System weiß, wie es seine Leute im Griff hat, sprich Volksverdummung.
    Auf dem besten Weg dahin sind wir ja auch schon in Deutschland durch Herausbildung der kleinsten Gemeinsamkeits-Nenner: Fußball, Musik und Afrorhythmen, F…., Superstar-Träume. So versteht sich alle Welt, für diese Unkenntnis brauchts keine Kenntnis und Bildung.
    Auf dieses Niveau will unsere Regierung unser dann schön lenkbar und ausnützbares Volk herunterdirigieren. Und nur als Angepaßter kann man weiterkommen!
    Beim Fußball und seinem Riesenkapital dahinter vergessen die Portugiesen wie alle Südländer ALLES !
    Zufriedene Sklaven also?! Ja!!!

  4. louis-portugal sagt:

    Wenn ich sehe wieviel Unternehmen hier kaput gehen kan ich nicht glauben dass die soi schnell wieder geld am Markt hohlen können.

  5. Stefan Wehmeier sagt:

    So genannte Sparmaßnahmen sind ökonomisch betrachtet nichts anderes als Überrationalisierung. Damit soll bei schrumpfender Wirtschaft der Zinsertrag der Geld- und Sachkapitaleigner auf Kosten einer Verminderung der Lohneinkommen erhalten werden. Eine solche „angebotsorientierte Politik“ kann kurzfristig das „Vertrauen der Anleger“ erhalten, führt dafür aber umso schneller in den Staatsbankrott.

    Das andere Extrem, eine „nachfrageorientierte Politik“ (Keynesianismus), zielt ebenfalls darauf ab, den Zinsertrag der Kapitalisten zu erhalten, indem der Staat die durch Zins und Zinseszins exponentiell wachsenden Geldvermögen als Kredite aufnimmt und in verlustreiche Unternehmungen investiert. Die Lohneinkommen und die quantitative Wirtschaftsleistung bleiben kurzfristig erhalten, dafür steigen die Staatsverschuldung und damit auch die Zinsbelastung für den Staat umso schneller.

    Die Vermutung, dass eine „politische Lösung“ dann irgendwo dazwischen liegen müsste, ist falsch. Es gibt gar keine politische Lösung, sondern nur genau eine technische Lösung: Mit einer freiwirtschaftlichen Geld- und Bodenreform wird der Zinsfuß im Gleichschritt mit den Sättigungen der Gütermärkte bis auf Null geregelt, ohne dass es zum Geldstreik (Investitionsstreik) kommen kann.

    In der Natürlichen Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) wird nur der parasitäre Zinsanteil der Liquiditätsverzichtsprämie (Urzins) durch eine staatliche Liquiditätsgebühr auf alles Zentralbankgeld (Bargeld plus Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken) kompensiert, während die „Belohnung für Konsumverzicht“ (Knappheitsprämie) und die Risikoprämie erhalten bleiben, sodass auch ohne quantitatives Wirtschaftswachstum stets eine perfekte Allokation zwischen Kreditangebot und Kreditnachfrage besteht. Die Rentabilitätshürde des Urzinses verschwindet, die Sachkapitalien vermehren sich, und kapitalismusbedingte Massenarbeitslosigkeit gehört der Vergangenheit an.

    Einziger „Nachteil“: Die gesamte politische Seifenoper wird überflüssig!

  6. Werner sagt:

    „…Portugal kann nicht wie geplant an die Kapitalmärkte zurück …“

    Und das sollen „Neuigkeiten“ sein ?
    Das war doch schon seit Jahren klar !

    Und : Portugal wird auch 2020 nicht an die Kapital-Märkte können !
    Das Gelüge kann man sich schenken .

    mfg. Werner

  7. Fred Feuerstein sagt:

    Mir tun wirklich nur die portugisischen Bürger leid, dass sie von diesen EU-Räubern so ausgepresst werden.

    Andererseits bin ich sehr froh darüber, denn nur wenn die Probleme noch gigantisch größer werden, besteht Hoffung auf einen Zusammenbruch des € und der ganzen EU.

  8. KHD sagt:

    Die grösste Sorge scheint zu sein, dass EURO Länder billiges Geld für Schulden am Kapitalmarkt aufnehmen können. Das kann man für alle Südstaaten der EURO Union für die Zukunft praktisch ausschliessen, auch für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass die Staatshaushalte ausgeglichen sind. Die institutionellen Investoren im EURO Land haben sich bereits in dieser Assetklasse umorientiert. Der EURO selbst gilt im Nicht EURO Land als Abschusswährung, von da würde ich auch kein Geld erwarten. Um überhaupt weltweit Investoren in den EURO Raum zu bekommen, sind andere Massnahmen erforderlich als durch poltische Rosstäuschung herbeigeführte, angeblich ausgeglichene Staatshaushalte, deren Nachhaltigkeit in den meisten Fällen sowieso fraglich ist.

  9. hanga sagt:

    Finanzierungspakete sind ILLEGAL ! Verstoß gegen das Grundgesetz. Deutsche Steuergelder fließen ins Ausland.

    TARGET2 ist ebenfalls ein Überziehungskonto in Höhe von 600 Milliarden fürs Ausland !

    Unsere Politiker vertreten nicht mehr die Interessen deutscher Bürger.

    In so einem Fall MUSS abgestimmt werden durch Volksabstimmung !

    Der Widerstandsparagraph Artikel 20 Absatz 4 ist WIRKSAM !

    .

    • dparvus sagt:

      Diese Hinhalterei geht nur noch, noch mehr „Rettung“- Geld 0 noch mehr Schulden.

      Fiat- Geld eben, im Endstadium.

    • gast137 sagt:

      Wer soll denn Abstimmen?

      Wir haben hier in Deutschland eine Wahlbeteiligung von 60%!
      Selbst die FDP wird noch gewählt und verkündet seit Tagen die Trendwende.

      Und wenn man tatsächlich Abstimmen lassen würde, würde die Gehirnwäsche der Mainstreammedien auf Hochtouren laufen, damit das richtige Ergebnis rauskommt.