Peinlich: EU-Granden gratulieren serbischem Wahlsieger vor Schließung der Wahllokale

Herman Van Rompuy und José Manuel Barroso haben dem serbischen Nationalisten und Milosevic-Gefolgsmann Tomislav Nikolic Stunden vor der Schließung der Wahllokale zum Wahlsieg gratuliert. Sie zogen die Glückwünsche wenig später zurück und sprachen von einem technischen Versehen.

Serbiens neuer Präsident ist ein alter Bekannter: Tomislav Nikolic diente bereits unter Slobodan Milosevic als stellvertretender Regierungschef und gewann am Sonntag überraschend die Wahlen in dem potentiellen neuen EU-Mitgliedsland Serbien. Nikolics Partei hatte bereits die Parlamentswahlen gewonnen und will mit den ehemaligen Kommunisten eine Koalitionsregierung bilden.

Für die EU war der Sieg eine herbe Niederlage, denn in Brüssel hatte man Boris Tadic favorisiert. Er gilt als westlich orientiert, und hatte, anders als Nikolic, den EU-Beitritt Serbiens als Thema seines Wahlkampfes forciert. Serbien befindet sich mit einer hohen Staatsverschuldung, wachsender Arbeitslosigkeit und nach wie vor ungelösten nationalen Spannungen in einem eher bedauernswerten Zustand.

Dennoch sorgten EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissions-Chef José Manuel Barroso für einen diplomatischen Eklat: Etwas übereifrig gratulierten die beiden EU-Granden dem ungeliebten Nikolic in blumigen Worten zum Wahlsieg – drei Stunden vor der Schließung der Wahllokale, sechs Stunden vor der Bekanntgabe des mit 50,1% denkbar knappen Endergebnisses. In Belgrad sorgte das Glückwunsch-Telegramm für erhebliche Verärgerung. Die beiden EU-Politiker könnten damit die Wahl beeinflusst haben. Kurz nach der Veröffentlichung zogen die beiden ihr Kommuniqué zurück und gratulierten am Montag dann noch einmal. Ein Sprecher der Kommission sprach von einem „technischen Fehler“.

Kommentare

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  1. antifrust sagt:

    Benutzen die in Serbien etwas auch schon diese elektronischen „Diebold Voting Machines“, wie die Amis?
    🙂

  2. Margrit Steer sagt:

    Von Rompuy ist Finne und die waren immer schon eher dem Sowjet-Reich zugetan also dem Kommunismus.
    Das liegt in der Geschichte Finnlands begründet.
    und Barossa ist ein ehemaliger Maoist
    Zeigen da einige in Brüssel mehr und mehr ihr wahres Gesicht?

  3. Margrit Steer sagt:

    Vielleicht war das gar nicht aus Versehen. Den die EU, also Brüssel, sind doch mittleerweile selbst diktatorisch und da will man doch auch für ganz Europa.

  4. Silberklar.de sagt:

    1) Hat einen etwas eigenartigen Beigeschmack, jdm. so frühzeitig zu so einem knappen 50,1 % Sieg zu gratulieren.

    2) Dann war’s das wohl bei Serbien mit dem Frieden und „der Annäherung“ an Europa.

    3) Serbien ist mit 18 Mrd. Dollar (14 Mrd. Euro) und 43,4 % Verschuldung gemessen
    am BIP überhaupt nicht so hoch verschuldet wie hier dargelegt. Im Gegenteil: Es
    wäre sogesehen sogar noch ein Vorbildland in Europa.

    Link zu den Zahlen:
    http://www.economist.com/content/global_debt_clock?fsrc=scn%2Ffb%2Fwl%2Far%2Fdebtclock

  5. Brainsworld sagt:

    Diese technischen Fehler häufen sich ….

  6. ALPHAONE sagt:

    Typisch für Rompuy und Barroso. Demokratie ist denen zuwieder. Rompuy hat den Kroaten zu Ihrem „demokratischen“ Referendum über den Beitritt zur EU im Januar dieses Jahres unmittelbar nach der Wahl gratuliert. Wahlbeteiligung ca. 46%, Stimmenanteil 66% dafür, 33% dagegen (das Gesetz über Referenden musste vorher allerdings noch geändert werden, da die Zustimmung nicht sicher war…).

    Das ist eben Demokratieverständnis à la Barroso und Rompuy…