Geheimer Zeitplan: Griechenland muss Drachme-Einführung in 46 Stunden schaffen

Nun liegt der Zeitplan vor: Griechenland hat genau ein Wochenende Zeit, um die Drachme einzuführen. In 46 Stunden muss alles generalstabsmäßig vor sich gehen. Denn es muss gelingen, die Operation in der Zeit über die Bühne zu bringen, in der alle Börsen der Welt im Wochenende sind.

n den vergangenen Wochen, aber spätestens seit den gescheiterten Koalitionsgesprächen in Griechenland rückt ein möglicher Austritt des Landes angesichts des ungewissen Ausgangs der Neuwahlen Mitte Juni immer näher. Eine Umfrage der Citigroup zeigte, dass 75 Prozent der Befragten Ökonomen von einem Verlassen der Eurozone innerhalb der nächsten 18 Monate ausgeht. Entsprechend werden schon seit geraumer Zeit nicht nur auf EU-Ebene Vorkehrungen für den Fall der Fälle getroffen. Doch viel Zeit würde der neuen griechischen Regierung nicht bleiben. Ein Zeitplan, der die verschiedenen Schritte und deren Ablauf beinhaltet, zeigt, es blieben nur 46 Stunden für die Einführung der Drachme. Solche Pläne existieren: EU-Handelskommissar Karel de Gucht bekräftigte dies in einem Interview mit De Standard und auch die EZB diskutiert bereits darüber.

Konkret ist ein sehr straffer Ablauf geplant: Sobald die griechische Regierung die Entscheidung für die Rückkehr zur Drachme getroffen hat, würden die ersten Schritte direkt nach Börsenschluss in New York um 17 Uhr EST stattfinden. Zu dieser Zeit ist es in Frankfurt und Brüssel bereits 23 Uhr. Griechenland beruft zunächst eine Sitzung mit den Finanzministern und Staats- und Regierungschefs der Eurozone ein und beantragt den Austritt. Die Finanzministern legen dann den Regierungschefs einen entsprechenden Austrittsplan am Sonntag zur Genehmigung vor.

Zeitgleich gibt der Gesetzgeber in Athen bekannt, dass eine neue Währung eingeführt wird, die neu bewertet werden muss. Banken werden nun angewiesen, alle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten einschließlich der Bankkonten, Lohn und Schuldtitel auf den neuen Wechselkurs umzustellen. Hier bietet sich an, die neue Drachme in Parität zum Euro einzuführen. Das verhindert einerseits, dass der Einzelhandel aufrundet und fördert die Akzeptanz der Währung bei der griechischen Wirtschaft.

Nun wird bereits ein neuer Satz von Banknoten und Münzen in Auftrag gegeben. Die britische Firma, De LA Rue plc, die für mehr als 150 Länder Geld druckt, hat bereits erste Vorkehrungen für eine solche Drachme-Einführung getroffen. Bis zur Lieferung der neuen Banknoten und Münzen, darf der Euro noch für kleine Einkäufe genutzt werden, etwa für Lebensmittel und Medikamente. Die Regierung setzt das Militär ein, um die öffentliche Sicherheit herzustellen und Geldtransporte zu überwachen. Als Übergangslösung werden Euro-Scheine der Griechen mit einem Drachmen-Stempel versehen.

Der Anteil des elektronischen Zahlungsverkehrs nimmt rapide zu, da die Griechen auch auf diesem Weg versuchen, ihre Euro in Sicherheit zu bringen. In den vergangenen neun Monaten sind die griechischen Bankeinlagen um 23 Milliarden Euro gesunken. Zuletzt am 14. Mai um fast 700 Millionen Euro an nur einem Tag. Grenzkontrollen werden vorübergehend eingerichtet, um den Abtransport von Bargeld zu unterbinden.

Angesichts der hohen Verschuldung des Landes ist Griechenland nach dem Euroaustritt und nach dem Ende der Hilfstranchen gezwungen, den Staatsbankrott anzumelden. Da das Land von den Kapitalmärkten ausgeschlossen ist, wendet sich die Regierung noch am selben Wochenende an den IWF. Wie bei den Rettungspaketen wird es auch hier Verhandlungen über mögliche Budgetkürzungen geben. Der IWF und die EZB werden Kredite bereitstellen, um das Funktionieren der gesellschaftlichen Funktionen sicherzustellen.

Nach dem Wochenende, wenn in Neuseeland am Montag der Handel wieder eröffnet wird, wird das neuseeländische Wellington im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit stehen: Dies ist dier erste Börse, die nach der Rückkehr der Drachme in den Handel geht. Spätestens dann wird man wissen, ob die Angst vor der globalen Ansteckung begründet oder doch nur ein Marketing-Trick aus Brüssel war.

Kommentare

Dieser Artikel hat 38 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Hans-Peter Malter sagt:

    Was wohl viele offensichtliche auch „Experten“ nicht wissen: Die Griechen brauchen die Drachme gar nicht wiedereinzuführen, weil der Euro keine Währungsunion, sondern ein Verbund einzelner Währungen ist, die lediglich durch einen Festen Wechselkurs untereinander verbunden sind. Das heißt auch, daß nach wie vor die nationalen Notenbanken ihr Geld drucken, ihre Scheine durch einen nationalen Buchstaben kennzeichnen und dann Euro draufschreiben. Die Griechen drucken z.B. nach wie vor Drachmen, schreiben aber nicht Drachme drauf, sondern Euro mit einem Y vor jeder Nummer. Um die Drachme einzuführen genügt es also den Wechselkurs zu lösen. Jeder Bürger sollte dann zusehen, daß er alle Euro-Scheine mit einem Y schnellstmöglich loswird! Denn wie die eingesammelt u dann bewertet werden, ist nicht geklärt. Das sollten man den Bürgern mal sagen!

  2. luis lern sagt:

    Statt den Euro in Griechenland abzuschaffen – denn warum sollte man das, er wird doch als Zahlungsmittel akzeptiert – sollte man die Drachme als Parallelwährung einführen. Alle Gehälter von Staatsbediensteten und Beamten werden dann in Drachmen ausbezahlt. Steuern sind in Drachmen zu bezahlen. Jedes Unternehmen und jedes Geschäft kann selbst entscheiden, ob es in Drachmen oder in Euro fakturiert. Dann kann Griechenland das ganze Land verbeamten und mit selbst gedruckten Drachmen bezahlen. Aber Scherz beiseite: Der Wechselkurs Euro zu Drachme oder Dollar zu Drachme wird sich auf irgend einem Niveau einpendeln. Und dieses Niveau wird davon abhängen, wie viel Devisen Griechenland durch Exporte oder Tourismuseinnahmen beschaffen kann.

  3. Hugin sagt:

    EURO-CRASH
    Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder ein neuer EURO oder eine andere Währung. Bei beiden Szenarien Umtausch 1:xx oder es wird nur ein Sockelbetrag z.B. € 1.000.- umgetauscht. In jedem Fall eine gigantische Enteinung der Bevölkerung !

  4. Jochen sagt:

    Sobald der ESM Durchgewunken ist, wird niemand mehr austreten. Dann fließt der Honig aus Brüssel mit der Gießkanne.
    Deutschland wird dann ohne große Debatten im Lande zahlen müssen, bis zum eigenen Bankrott.
    Verstehe einer die SPD, die das schnellstens in Kraft setzen will. Das war sicher eine Bedingung, damit die wieder an den Freßnapf kommen.
    Da kommt nichts Gutes auf uns zu.

  5. Charly Firpo sagt:

    „Grenzkontrollen werden vorübergehend eingerichtet, um den Abtransport von Bargeld zu unterbinden“

    Ich denke das kann man sich getrost sparen. Die Finanzmafia hat ihr Geld schon länst in der Schweiz und in London. Die paar Kröten der verarmten Bevölkerung machen das Kraut auch nicht mehr fett.

    Jetzt sollte man lieber die ausländischen Konten der 2000 reichsten Griechen einfrieren und sie enteignen, um die Schulden des Landes, welche immer noch in Euro gehandelt werden abzutragen.

    • Andi sagt:

      Wuerden Sie es gut finden, wenn Ihr Geld eingefroren wird, um die deutschen Schulden zu bezahlen?

  6. krisenman sagt:

    Es gibt Gerüchte, dass die Notenbanken sich auf die Drachme konkret vorbereiten:
    „Laut Insinderinformationen bereitet sich die große Gelddruckerei „ DeLaRue„ stellt sich auf die Rückkehr der Drachme ein“
    http://www.krisentalk.de/krise/euro-austritt-griechenlands-rueckt-naeher/138001#commentsJump

  7. Prognostiker sagt:

    Diese detaillierte Darstellung ist so verdächtig präzise, daß ich hier eher ein Ablenkungsmanöver vermute.

    Was passiert denn, wenn stattdessen D aus dem EURO-Verbund austreten würde?

    • Rico Coracao sagt:

      wir dürfen nicht austreten.. wir müssten vorher die Amerikaner fragen

      • zapperlot sagt:

        Nein nicht die Amerikaner, die Franzosen! Es war die Bedingung Frankreichs, dass Deutschland sich an einer gemeinsamen Währung beteiligt.
        Sonst hätten sie der deutschen Einheit damals nicht zugestimmt.

        Die USA wollte, dass ein geeintes Deutschland in der NATO bleibt und Russland bekam damals 16 Milliarden DM

  8. Bankhaus Wucher sagt:

    Auch Deutsche haben „Lust auf neues Geld“. Am 9. Juni in Leipzig. Wir sehen uns. http://neuesgeld.net/

  9. Nostra Damus sagt:

    Um Europa zu retten, muss Deutschalnd austreten.
    EIne andere Möglichkeit gibt es nicht.