Neues Problem für Südeuropa: Preise für Olivenöl brechen ein

Für Griechenland, Spanien und Italien kommt die nächste Hiobsbotschaft: Die Preise für Olivenöl sind eingebrochen. Damit wird die Situation für jene einkommensschwachen Gruppen besonders ernst, die in diesen Staaten in der Landwirtschaft arbeiten. Die EU versucht, die Preise mit Subventionen zu stützen.

Die Preise für Olivenöl sind dramatisch eingebrochen. Für eine Tonne erhielten die Erzeuger einem Bericht des IWF zufolge im April 2.900 Dollar pro Tonne. 2005 waren es noch 6.000 Dollar gewesen. Vor allem die Inlandsnachfrage in den von der Krise besonders betroffenen Ländern Griechenland, Spanien und Italien ist eingebrochen. In Griechenland liegt die Nachfrage auf dem Stand von 1995. Der Markt sei in einer „ernsten Krise“, sagte eine Sprecher Agrarunion Copa-Cogeca der FT in Brüssel.

Die Entwicklung hat die Situation auf dem Arbeitsmarkt in den betreffenden Ländern signifikant verschärfen. Olivenöl ist das wichtigste Produkt für einige der ärmsten Regionen in Europa. Dort ist die Arbeitslosigkeit wegen der Krise ohnehin schon besonders groß: In Andalusien etwa ist die Arbeitslosenquote im ersten Quartal 2012 bereits um 33 Prozent gestiegen.

Die EU versucht gegenzusteuern und hat begonnen, die Bauern dafür zu bezahlen, dass sie das Olivenöl lagern. Dies könnte zu Spannungen innerhalb der EU führen. Denn die Agrarsubventionen sind ein stets umstrittener Bereich. Sie könne jedoch nicht beliebig ausgeweitet werden. Aktuell erhält Frankreich den Löwenanteil des Geldes aus Brüssel.

Für Italien, Spanien und Griechenland stellt sich damit das Problem, die geforderten Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung bremsen zu müssen. Einbrüche beim Olivenöl betreffen die besonders einkommensschwachen Angestellten in der Landwirtschaft. Können sie nicht mehr von ihrer Arbeit leben, müssen höhere Transferzahlungen geleistet werden – obwohl die Defizite der südeuropäischen Staaten dies nicht mehr zulassen.

Bittere Ironie am Rande: Einer der Gründe des Preisverfalls sind die niedrigen Handelspreise in Europa. Während man im spanischen Supermarkt Eroski zwischen einem und drei Euro für Olivenöl bezahlt, gibt es auf einigen asiatischen Märkten Preise von 8 Euro.

Kommentare

Dieser Artikel hat 81 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Harald Kemmeling sagt:

    Seit Mitte September steigen die Preise kontinuierlich für alle Qualitäten an, es werden Preissteigerungen von 40% und mehr erwartet. Grund ist die schwache Ernte im Mittelmeerraum wegen des sehr trockenen Sommers.

  2. Jorgos sagt:

    Ich produziere selbst olivenoel und stelle dies schon seit Jahren fest.

    Hier auf Kreta, das groesste Anbaugebiet Griechenlands von Olivenoel leidet sehr unter den stetig sinkenden Preisen.
    Pro Kilo Olivenoel wird aktuell von der Muehlen knappe 2.– Euro bezahlt, wobei der Eigenkostenanteil um die 3.50 Euro liegt. Dazu bekommen die Muehlen fuer das Vermalen der Oliven 10% des Ertrages als Bezahlung.

    Man muss nicht studiert haben das bei einem Verlust von 1.50 pro Kilo Oel es in die Unsummen geht wenn man so wie viele Bauern hier an die 6 Tonnen Oel pro Jahr produzieren.

    Der Konsument ist auch nicht bereit fuer qualitativ gutes Oel auch tiefer in die Tasche zu greifen. So werden bereits gute Oele ab 8,– das Kilo verkauft.
    Wenn man also die folgende rechnugn aufstellt:
    Ertrag pro Kilo 2.– im Supermarkt erfolgt der Verkauf fuer 8,– bleiben 6,– Euro fuer Transport, Vermarktungskosten und saemtlichen Nebengebuehren wie Steuern usw.
    Wobei der Loewenanteil an den Zwischenhaendler und Import-/Exportargenturen geht und die sich eine goldene Nase verdient.

  3. KiKa sagt:

    In dem Chaos sieht man jetzt deutlicher als je zuvor, was die EU tatsächlich ist – genau wie bei den Russen, den Chinesen und den Amerikanern – Landstriche, die von ein paar wenigen (unbekannten) Gutsherrn dekadent, moralisch verkommen und immer gieriger werdend, ausgepreßt werden.
    Unsere hilflosen und chaotisch herumirrenden Politiker sind nur die Verwalter, die versuchen, die arbeitende Masse bei Fuß zu halten.
    Und weil uns die Gutsherrn ein paar Jahrzehnte die Brösel, die vom Tisch gefallen sind, gnädigerweise gelassen haben, glaubt ein großer Teil der arbeitenden Masse, dass sie freie, selbstentscheidende Bürger sind und es „Gutsherrn“ nur mehr in den Geschichtsbüchern gibt.
    Aber auch wenn sie auf ihren „Irrtum“ hingewiesen werden, sie wollen es nicht wahr haben, dass sie eben nur als Hofgesinde angesehen werden – da lieber auf die Brösel vom Tisch warten und so tun, als würde alles nur eine vorübergehende Krise sein.

  4. Martin Bauer sagt:

    Wir zahlen hier in Quebec Kanada zwischen 5,50Euro bis 10 Euro
    pro Liter fuer Extra Vergin Olivenoel je nach Qualitaet.
    Ich wuerde mich auch ueber frischen Aie-olive im Kuehlregal sehr freuen.
    Also frische Knoblauchmayonaese aus Olivenoel.Als gesunder Butterersatz.