3,6 Milliarden Verlust: Bankia-Manager kassieren 20 Millionen Abfindung

Die spanische Bankia steuert auf einen großen Skandal zu: Millionenschwere Abfindungen für die verantwortlichen Manager und auf der anderen Seit schwere Verluste für die Kleinanleger. Diese wurde offenbar noch bis zum Schluss umworben, damit sie Aktien kaufen. Die Regierung, der die Bankia nahesteht, will die Vorfälle noch unter den Teppich kehren.

Die Bankia lässt der spanischen Regierung keine Verschnaufpause. Ungerechtfertigt hohe Abfindungen und die immensen Verluste der Sparer und der eigenen Mitarbeiter, die kurz vor Ankündigung des Milliarden-Kapitalbedarfs ihr Geld in Bankia-Aktien investiert haben, lassen die Forderungen nach einer öffentlichen Untersuchungen über den Zusammenbruch der Bank immer lauter werden.

Nun kommt heraus, dass diejenigen, die an entscheidender Stelle für den Niedergang der Bank (und möglicherweise Spaniens) verantwortlich sind, nicht nur nicht zur Verantwortung gezogen, sondern mit üppigen Abfindungen belohnt werden: Zwei Direktoren der Bank haben beim ihrem durch das Desaster bedingten Ausscheiden Abfindungen in Höhe von 20 Millionen Euro erhalten. Außerdem erhielt der für den Crash verantwortliche Vorstand für das Jahr 2011 als Entlohnung über 22 Millionen Euro, während die Bank und die Muttergesellschaft nach der Rettung einen kombinierten Verlust von 6,3 Milliarden Euro verzeichneten. Der Vorstand hatte bis zuletzt versucht, sich mit kosmetischen Übungen über die Zeit zu retten. Kurz vor dem Zusammenbruch der Bank hatte der Vorstand sogar von einem Nettogewinn gesprochen.

Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos bezeichnet dies selbst als „inakzeptabel“ und verlangte ebenfalls eine Untersuchung durch die Bank von Spanien, allerdings ohne komplette Veröffentlichung. Die Bank von Spanien ist jedoch selbst angegriffen: Der Gouverneur der Zentralbank, Miguel Angel Fernandez Ordonez, kündigte am Dienstag an, von seinem Amt früher als erwartet zurückzutreten, nachdem wiederholt Kritik an seiner Aufsicht über die Banken geäußert wurde. Sein Statement zum Abgang könnte der Auftakt zu einer Schlammschlacht werden: Fernandez Ordonez sagte, er würde ja gerne Licht in das Dunkel des Bankia-Desasters bringen, im Moment sei jedoch kein guter Zeitpunkt. Denn die Regierung habe verordnet, dass der Skandal “hinter verschlossenen Türen” aufgearbeitet werden solle.

Es wird immer deutlicher, dass es sich beim Fall Bankia nicht um ein durch die Märkte bedingtes Problem handelt, sondern um eine sehr klassische Mischung aus Betrug, Manipulation, Nepotismus und Selbstbedienung.

Mitten im Zentrum des Geschehens steht die regierende Popular Party. Sie hat offenbar massiv in die Bankia hineinregiert und den Geschäftsverlauf beeinflusst. Der scheidende Gouverneur deutet an, auspacken zu wollen – vermutlich wartet er jedoch noch mit seinen Enthüllungen, bis die Abfindung auf seinem Konto eingegangen ist.

Der Druck auf den Gouverneur und auch die Regierung kommt beispielsweise von einem Verband, der Banken- und Sparkassenkunden vertritt. Dieser hat bereits Proteste von 500.000 Kleinaktionären der Bankia in den kommenden Wochen in ganz Spanien angekündigt. Zwei Gewerkschaften, die Bankia-Mitarbeiter vertreten, haben zudem eine Anfrage bei Spaniens Generalstaatsanwalt eingereicht, um die ehemalige Führung des Kreditgebers zu untersuchen und eine formelle Untersuchung der Ereignisse, die zur Verstaatlichung führten, zu erreichen.

Rund 60 Prozent der Bankia-Anteile gingen bei ihrem Börsengang im vergangenen Sommer an einzelne Sparer verkauft, die seitdem 72 Prozent ihrer Investitionen verloren haben. Der Verkauf der Anleihen wurde von der damaligen Regierung, der Bank von Spanien und der nationalen Börsenaufsicht gebilligt. Die Investmentbanker, die in den Börsengang involviert waren, sagten, sie hätten geglaubt, die Kleinanleger seien angemessen vor den Risiken beim Kauf der Aktien gewarnt worden. Bankia selbst warb zuvor damit, dass die Kunden sich durch den Kauf von Aktien zu Bankern machen konnten, zu Bankern des „Führers der neuen Banken“.

Aber auch die ehemaligen Angestellten der Bankia sind von dem Handelsverlust der Bankia-Anleihe getroffen. In der Woche, bevor die Bankia und ihre Muttergesellschaft einen BFA einen Kapitalbedarf von 19 Milliarden angekündigt hatten, hatte die Gewerkschaft ACCAM ihre Mitglieder noch aufgefordert, Aktien der Bank als Zeichen der Einheit zu kaufen. Die Gewerkschaft rief sogar die Facebook-Seite „Ich kaufe Bankia, und du?“ ins Leben. „Es ist ziemlich traurig, diese Leute haben nicht wirklich verstanden, was da bei der Bank passiert“, sagte ein Investmentbanker aus Madrid der FT. Zu dem Zeitpunkt, als die Gewerkschaft für die Anleihen warb, um, wie sie sage, den Wert der Aktien zu stützen, hatte sich der Kurs bereits von seinem Tiefstand erholt, die Anleihen waren also wieder etwas teurer geworden – danach folgte die 19-Milliarden-Ankündigung.

Kommentare

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  1. Neuling sagt:

    Wäre jetzt ein günstiger Zeitpunkt um in die Aktie zu investieren auf lange Sicht gesehen?

  2. Atreides sagt:

    Das scheint jetzt immer schlimmer zu werden mit den Pensionsansprüchen und Abfindungen. Heute wurde bekannt, daß der Chef der Galicischen Sparkasse, die auch an die Wand gefahren wurde, über 16 Mio. Euro bekommen soll. In einem Restaurant mußte er sich davon machen, weil die Leute ihn hinausekelten. Wie kann es ein, daß die Direktoren der pleitegewirtschafteten Sparkassen überhaupt eine Abfindung bekommen?

  3. Selbstdenker sagt:

    Die Polizei schützt die Bankster. Wer schützt das Volk vor den Bankstern und den Politikern?

    http://www.videogold.de/immer-mehr-fordern-polizeischutz-fur-burger-und-nicht-fur-banken-3sat/

  4. winfried trautsich sagt:

    Hallöle allerseits!

    Tja, was die Spanier können, konnten unsere
    Firmen und Politiker schon lange.

    Abfindungen in zigfacher Millionenhöhe bei HRE,
    IKB, Norddt. Landesbank, u. a..

    Ich dachte immer in der freien Wirtschaft müssen
    Verluste auch entsprechend von den Managern ge-
    tragen werden.

    Doch das sind ebensolche Selbstbedienungsläden,
    wie die öffentlichen Einrichtungen geworden. Die
    Parteien hieven ihre ehemaligen Anhänger auf gut
    dotierte Jobs mit Jahresgehälter zwischen 150-500.000
    Euro, die der Steuerzahler oder die Kunden zu
    tragen haben.

    Genau das gleiche Bild in Griechenland, die Tausende
    ihrer Anhänger so in Post und Pöstchen bringen.

    Wer ist korrupter?

    Vor nicht all zu langer Zeit gab es noch dafür die
    Prügelstrafe. Heute darf man wegen Datenschutz, trotz
    erwiesener Schuld deswegen keinen mehr brandmarken,
    wie erwiesene Sexualstraftäter, usw.!

    LG

  5. Cecylia sagt:

    „Die Geschichte ist der beste Lehrer mit den unaufmerksamsten Schülern.“
    Mohandas Karamchand Gandhi

  6. maria sagt:

    typisch PIGS „das unter den Teppich kehren “
    wer weiss welche Polit-Familienclans da mit drinhängen.

    Hoch mit dem Teppich oder auf mit dem Gullideckel kann ich da nur sagen,
    in Spanien,Portugal, Italien ….
    damit lässt sich ein großer Teil der „Krise“ erklären
    bin gespannt wie Brüssel und Berlin dazu stehen werden.

  7. Sophokles sagt:

    Ich kann keinen brauchbaren Kommentar dazu abgeben, denn ich bin regelrecht angeekelt von diesen Praktiken und der Vetternwirtschaft!

  8. Werner sagt:

    die Abfindungen sind offenbar von den Eigentümern des Unternehmens, also den Aktionären beschlossen worden, sonst wäre sie ja nicht bezahlt worden?
    Es ist überall das Gleiche: Bankster kassieren die Boni, der Rest die Schulden.