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Merkel zu Eurobonds, ESM als Bankenretter: „Keine Denkverbote!“

Angela Merkel will gar nichts mehr ausschließen: Zu Eurobonds, ESM-Geld für Banken und europäischer Bankenunion sagte sie am Donnerstag in Stralsund, dass es keine Denkverbote geben dürfe. Die Südeuropäer, die vor lauter Denken kaum noch zum Sparen kommen, werden die Signale gerne aufnehmen. Ob die Deutschen dem Denken auch Taten folgen lassen werden, ist indes ein andere Frage.

Angela Merkel sendet erste zarte Signale in Richtung der Südeuropäer. Ohne die umstrittenen Eurobonds zu nennen, sagte Merkel nach dem Ostseerat Stralsund, dass die Integration Europas vorangetrieben werden müsse. Zwar sprach Merkel weder ausdrücklich von den Forderungen nach einer Bankenunion, noch dem Thema ESM-Geld für Banken oder den Eurobonds. Doch im Kontext der Debatte um genau diese Themen zeigt ihr Statement doch eine gewisse Offenheit, einen der bisher als undenkbar geltenden Wege zu beschreiten. Merkel sagte: „Es ist natürlich möglich, darüber nachzudenken, wie wir uns in den nächsten fünf bis zehn Jahren weiterentwickeln. Wenn wir uns unentwegt Denkverbote auferlegen, wird das nicht klappen“, sagte Merkel.

Diese Aufhebung des Denkverbots kann sich im Grunde nur gegen Deutschland selbst gwandt haben. Denn gerade Denkfaulheit kann man nun weder den Südeuropäern noch den Banken und schon gar nicht der EU vorwerfen – im Gegenteil: In den vergangenen Wochen wurde ein neuer Gedanken den anderen durch Europa gejagt, wie man die Deutschen dazu bringen könnte, endlich ihre störrische Haltunng zu einer Transferunion aufzugeben. Das Maß der Kreativität beim Denken überstieg deutlich das Mass der Fantasie, wenn es um die konkrete Umsetzung von Sparmaßnahmen ging. So wurde Italiens Premier von der EU gerüffelt, weil er im eigenen Land im Grunde keinerlei signifikante Reformschritte eingeleitet hatte.

Umso kreativer zeigte sich Monti auch am Donnerstag wieder mit einigen philosophischen Betrachtungen in Richtung Deutschland. Er sagte: „Deutschland sollte wirklich gründlich darüber nachdenken, dass sein eigener Exportschlager – die Kultur der Stabilität – untergraben zu werden droht, weil die notwendigen Instrumente gegen eine Ansteckung nicht schnell genug geschaffen werden“, sagte Mario Monti während einer Konferenz, an der er aufgrund der Erdbeben in Italien per Videoschaltung aus Rom teilnahm. Darüber hinaus warf er Deutschland vor, nicht bereit zu sein, sich für eine Lösung der Schuldenkrise einzusetzen. „Es ist klar, dass es früher oder später einen Rückschlag für die Haushaltsdisziplin geben wird“, fügte er hinzu.

In Italien und Frankreich nennt man solche einen Austritt eine Volte. In Deutschland würde man, wenn die Lage nicht so ernst wäre, lieber von Dialektik sprechen. Aber auch Angela Merkel beherrscht die Kunst der dialektischen Botschaft. Beobachter interpretieren ihre Aussage eher als Ausweichmanöver, um Zeit zu gewinnen und die Märkte zu beruhigen. Wer angesichts der eskalierenden Krise den Blick auf den Zehn-Jahres-Horizont richtet, der könnte mit der Realität, wie sie heute herrscht, auch schon abgeschlossen haben.

Kommentare

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  1. Brigitte Breuner sagt:

    Dieser ESM ist der größte Betrug aller Zeiten für das Volk.Merkel hat sich doch wohl dahingehend geäußert,das man kein Anrecht auf ewige Demokratie hat.
    Da müssten doch eigentlich sämtliche Alarmglocken läuten.
    Wir sollen nur Zahlmeister sein und uns auspressen lassen wie die Zitronen.
    Irgendwo muss das Geld doch herkommen und dann wird natürlich zuerst bei den Sozialen-Sicherungssystemen geknappt und wer weiß,vielleicht auch noch drastisch
    bei den Renten.
    Der Tatbestand,das dieser EFSF für alle Ewigkeiten nicht zu kündigen ist,zeigt doch schon an,das da etwas ganz eindeutig nicht stimmen kann.Dann noch Immunität für die
    in Brüssel.Warum,wenn doch alles ganz legal ist?
    Ich hoffe,das Bundesverfassungsgericht wird der Sache einen Riegel vorschieben.
    Unsere Verfassung darf nicht einfach ausgehebelt werden.

  2. hugin sagt:

    1+2Cent SOWIE 1+2 EUROMÜNZEN KOMMEN WEG
    Diese Münzen werden aus dem Verkwehr gezogen. 1+2 Cent werden nicht mehr ersetzt, 1+2 Eueromünzen kommen als Papierscheine. Dies offenbar auf Grund der Tatsache, dass der Metallwert der beiden Münzen in Kürze wesentlich höher als der aufgedruckte der Nominalwert ist ! Dann ist Schluss mit Preisen wie € 9,99. Die Inflation lässt grüßen !

  3. carmen bennick sagt:

    ich DENKE das wir aus der EU austreten sollten und diese ganzen Verliererländer sich aus ihrem Mist rausbuddeln sollen.
    Wir wiissen ALLe das die Finanzkrise inszeniert ist um uns die “New World Order” der Bilderberg- Gruppe als einzige Lösung, zu präsentieren.

  4. G.N. sagt:

    “Angela Merkel will gar nichts mehr ausschließen: Zu Eurobonds, ESM-Geld für Banken und europäischer Bankenunion sagte sie am Donnerstag in Stralsund, dass es keine Denkverbote geben dürfe”.

    Ich ergänze sinngemäß: Zum Hochverrat

  5. Agusta sagt:

    Ich bin verzeifelt…und alles satt. Die Ohnmacht mit der man seinen Zeitgenossen, dem übrigen Wahlvieh gegenübersteht, ist kaum noch zu toppen. Einer meiner Patienten hielt den ESM sogar für ein Antiblockiersystem der Mercedes E-Klasse. Die mangelnde intellektuelle Trennschärfe in Sachen Politik ist beängstigend. Bilderberg kannte von Hunderten nur einer ( Politikwissenschaftler). Ich glaube die Krise wird soweit eskalieren, dass man uns anschließend die Vereinigten Staaten von Europa als alternativlos verkauft. Dann kommt die NAU (Nordamerikanische Union) und ein gemeinsame , bargeldlose Währung. Das ist dann die neue Weltordnung unter einer Diktatur der Finanzoligarchie….

    Hat jemand ne andere Idee? :-/

    • guantanamera sagt:

      Ich setze eine – zugegeben nicht allzugrosse – Hoffnung in die Piraten. Immerhin sagen sie dem Lobbyismus den Kampf an.

      Der Lobbyismus ist zwar nicht komplett negativ zu sehen. Doch so wie er die letzten Jahre pervertiert ist, ist er nur noch Instrument der Finanzoligarchien. Wenn es urdemokratische Elemente in den politischen Alltag schaffen und gleichzeitig die Meinungsbildung im Netz und nicht in den Mainstreammedien stattfindet, besteht noch Resthoffnung.

      Eine weitere Möglichkeit ist der vollkommene Zusammenbruch der Währung. In diesem Fall werden die Karten komplett neu gemischt. Aber darin sollte man keine Hoffnung setzen, denn bis zu einer funktionierenden Neuordnung würde es zu viele unschuldige Verlierer geben. Ganz davon abgesehen, dass die Neuordnung nur wieder im Sinne von Wenigen sein wird. Natürlich als gute Lösung im Sinne Vieler “verkauft”.

  6. Grauber sagt:

    Selbstverständlich wird sie zustimmen, leider.

    Deutschland spendiert Europa den “bailout”, wir Bürger können unseren Kindern und Enkeln erzählen, warum sie so mikrige Löhne und gleichzeitig so hohe Abgaben haben werden ?

    Der Euro kann nicht aufgegeben werden, da er weltweit die zweite Reserve-Währung neben dem Dollar ist und auch künftig in Zusammenarbeit mit den BRICS eine Rolle spielen wird.

    Ein Nord-Euro und im Süden die alten Landeswährungen mit Wechselkursen – das brächte Europa die stabilste Währung der Welt.

    • Berwuz sagt:

      einen Nord und Süd- Euro wird es nicht geben, dafür sorgen schon die Nutznieser von Deutschlands Zahlern für Alles. Traurig ist nur, daß wir von unfähigen Politikern regiert werden, die nach Masche des Honecker- Regimes diktieren. Merkel wurde in der Ostzone geprägt und von Honecker erzogen, wie soll die denn Demokratie gelernt haben. Auch von ihrem Vater, dem “Roten Kasner” konnte sie es nicht, der war ja mit der STASI verbandelt. Einzig zu erwarten ist, was auch von einigen “Klardenkern” erkannt wird, daß der Euro den Bach hinunter gehen wird, wenn Finanzversager wie Schäuble und co so weiter agieren.