Angst vor dem Crash: Warum die Staaten die Banken um jeden Preis retten wollen

Die EU-Staaten und die USA haben die Banken gezwungen, im großen Stil Staatsanleihen zu kaufen. Diese faulen Papiere stellen nun Milliarden-Risiken bei den Banken dar. Geht diese Zeitbombe hoch, drohen mehrere Staatspleiten. Dies erklärt, warum die Politiker so vehement nach dem ESM zur Bankenrettung rufen. Damit jedoch stellt sich die Frage: Kann Deutschland die Haftung für die aufgelaufenen Schulden in Europa übernehmen?

In der Vergangenheit waren Staatanleihen für die Banken das langweiligste Geschäft der Welt: Der Bond Markt war risikolos, daher gab es auch keine Upside. In vielen Banken wurde das Staatsanliehen-Business von einer Art Beamten betrieben. Ein Insider beschreibt den Deutschen Mittelstands Nachrichten, wie das lief: „Die mit dem Kauf beauftragten Mitarbeiter waren harmlose Sachwalter, die fast beamtenhaft vorgingen und ganz gewiss nicht ans Zocken dachten. Die Politik hatte die Anlagevorschriften so gemacht, dass Staatsanleihen gekauft werden mussten. Wenn eine LV dem Versicherten 4 Prozent Verzinsung versprach – das wurde vom Versicherten erwartet – dann war es auch am vernünftigsten, wenn hauptsächlich in Staatsanleihen investiert wurde. So haben es auch die Banken gemacht und ihre Ergebnisse damit etwas aufgebessert.“

Als die Staaten nun vor einigen Jahren erkannten, dass man mit Schulden prima Wahlen gewinnen konnte, änderte sich das Szenario grundsätzlich. Die Zinsen stiegen, weil die Banken nun auf einmal ein Risiko sahen. Sie kauften dennoch weiter, weil sie auch eine Upside erkannten: Den Bailout, wie 2008 mit dem TARP-Programm in den USA erstmals praktiziert.

Doch offenbar haben alle Beteiligten bei dem Spiel die Kontrolle verloren: In einer Analyse für seine Klienten schreibt der Citi-Analyst Hans Lorenzen, dass die Staaten aus Europa sowie die USA in den vergangenen Monaten die Banken ihrer Länder gezwungen haben, massiv Staatsanleihen zu kaufen, damit die Staaten weiter Schulden machen können. Die Banken hätten die Papier zu Zinsen kaufen müssen, zu denen sie solche Papiere normalerweise sofort verkaufen würden.

Lorenzen nennt auch Summen: Allein die US-Banken haben seit 2008 Treasuries im Wert von 700 Milliarden Dollar gekauft. Dies erklärt die niedrigen Zinsen bei den US-Bonds. Italienische Banken haben im Zeitraum von November bis März Papiere für 86 Milliarden Euro gekauft, spanische Institute mussten Bonds für 90 Milliarden Euro kaufen. Sogar Großbritannien ist dieser Praxis gefolgt: Britische Banken halten nun Bonds im Wert vom 100 Milliarden Pfund.

Das Problem liegt vor allem darin, dass die Staaten den Banken erlaubt haben, diese riskanten Papiere nicht in den Bilanzen aufscheinen zu lassen. Auf diese Weise hätten die nationalen Regulierer ihre eigenen, strengen Positionen aufgeweicht – und die Banken ermutigt, die riskanten Papiere zu übernehmen. Damit aber, so Lorenzen, habe es der Markt mit einer gigantischen „explosiven Zeitbombe“ zu tun: Sollten die Staaten die Zeit nicht genutzt haben, um ihre Schuldenlast zu verringern, werde es zu einem Crash von erheblichem Ausmaß kommen. Denn die Banken werden, wenn die Schrottpapiere ans Licht kommen, existentielle Probleme mit dem Eigenkapital bekommen.

Und auch die Staaten stehen dann direkt am Abgrund: Wenn sie ihre Schulden nicht mehr bedienen können – wie jetzt Spanien – dann crashen nach den Banken auch die Staaten.

Die Aktion illustriert auch, warum die Staatschefs vor allem in Europa praktisch einstimmig darauf drängen, dass der europäische Rettungsschirm ESM auch zur Bankenrettung verwendet werden soll. Denn offenbar besteht ein Großteil der Schrottpapiere, die den Finanzsektor so massiv unter Druck gebracht haben, aus Staatsanleihen. Damit aber sind die Banken nicht bloß Täter, sondern auch Opfer einer hemmungslosen Schuldenpolitik der Regierungen – die vor allem in den USA schon eine unrühmliche Tradition haben. In diesem Zusammenhang erklärt sich auch, warum sich der Bankenverband so vehement gegen Schuldenschnitte bei den Banken wehrt. Die EU-Kommission hätte darüber gerne, dass die Investoren das volle Risiko übernehmen, um nicht erneut die Steuerzahler zur Kasse zu bitten.

Mit dem ESM bietet sich vor allem für Italien und Spanien die Möglichkeit, dass Deutschland das Problem für sie löst. Diese Lösung bevorzugen auch die Banken: Denn aus ihrer Sicht ist es verständlich, dass sie Europa als einen politischen Raum betrachten. Auch dies ist von den Regierungen oft genug so insuniert worden. In diesem Sinne stehen die europäischen Staaten in der Tat am Scheideweg: Sie müssen eine Lösung für ihre Schulden finden. Die Alternativen sind Staatspleiten oder eine Transferunion, in der die Haftung von aufgelaufenen Schulden von Deutschland mit übernommen wird.

Kommentare

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  1. Franz Rieser sagt:

    „Warum die Staaten die Banken um jeden Preis retten wollen?“ – nicht wollen, sondern müssen. Sie müssen es, weil sie von den Banken regiert werden, nicht umgekehrt. Irgendwie passt folgender aktueller Artikel ganz gut dazu und macht ein wenig nachdenklich:

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/michael-morris/bankrun-2-12-fuer-jeden-von-uns-gibt-es-nur-2-euro-wird-ihnen-das-reichen-.html

    Übrigens. die Banken sind auch Opfer? Ist schon wieder Fasching?

  2. Samsara sagt:

    Was da passiert ist, m.M. nach eine absichtliche Sozialisierung der Schulden, denn wir sind es, die via ESM letzendlich die Dummen sind und zur Kasse gebeten werden.

  3. Michael sagt:

    Wie man das gestaltet sei mal dahingestellt. Aber statt über Banken und Regierungen zu schimpfen, sollte einigen Leuten klar sein, dass die Armen und sozial Abhängigen die sein werden, die im Müll nach Essbarem suchen werden, wenn die Regierungen mit ihren verzweifelten Rettungsversuchen scheitern sollten. Sie waren auch diejenigen, die vom „Staat“ durchgefüttert wurden. Die Eurozone war ein Sonderfall. Die deutschen Sparer haben die Party im Mittelmeerraum bezahlt. Jetzt sollen sie auch noch die Zinsen für allerlei Südländer (keineswege Banken, sondern bei denen verschuldete Bürger) bezahlen. Das finden sie logischerweise nicht lustig. Merkels „Spartortur“ würde einen kleinen Teil der deutschen Ersparnisse retten. Die „Rettung“ dagegen können die Sparer gleich als Kaufkraftverlust von ihrem persönlichen Konto abbuchen. Wir wollen mal nicht hoffen, dass das System implodiert. Es sieht bekannterweise weltweit nicht gut aus. Bisher aber undramatisch. Jetzt ist guter Rat unbezahlbar, dummes Genöle hilft in der Sache nicht weiter.

  4. Grauber sagt:

    Nachtrag:

    Man frage sich, wer die Verantwortung für den derzeit „aufgeblasenen“ Edelmetall-Markt trägt –

    Die Menge des gehandelten Goldes stimmt nicht mit der Menge des physischen Goldes überein – Optionsscheine besitzen letztlich KEINEN Wert.
    Hier schlummert nur eine weitere Blase !
    Meines Wissen beträgt das Verhältnis „physisch vorhanden“ zu „tatsächlich verkauft“ 1:10

    Flüchtet der Anleger derzeit aus Aktien und Währungen in Edelmetalle, so könnte er auch hier durch einen „crash“ überrascht werden, nämlich dann, wenn die Menschen ihr Gold selbst vergraben möchten.

    Staatsschulden einerseits – betrügerische Spekulanten auf der anderen Seite.

  5. Selbstdenker sagt:

    Bitte noch ein paar Tage Geduld. Genießen wir alle die Vorfreude auf die kommenden Tage – wenn die BILDERBERGER den Regierungen ihre neuen Befehle erteilt haben.
    Möglicher weise erleben wir dann Dinge, die wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht vorstellen konnten.

  6. Steuerzahler sagt:

    Die Politik hat es vergurkt. Die Bürger werden mit Rauch- und Glühbirnenverboten, Gurkenkrümmungen uns sonstigem Mist bedrängt und reguliert.

    Die Politik hat es aber nicht geschafft, die Banken zu regulieren. Im Gegenteil, der Derivateanteil ist heute höher als bei der Lehmann-Pleite.

    Ich lehne es ab, für das Versagen der Politik und der Banken bezahlen zu müssen.

    Lesen Sie bitte auch mal historisches aus dem Jahr 1998:

    http://www.europarl.europa.eu/euro/country/general/d_de.pdf

    ….und dann vergleiche man mit dem heutigen Ergebnis dieser Währungsunion!

    Mittlerweile ist es wohl schon 5 nach 12!

  7. Dasein sagt:

    Dirk Müller – Neues skandalöses vom ESM,Facebook Debakel etc vom 01.06.2012:

    http://www.youtube.com/watch?v=iZLHQko93pQ

  8. Grauber sagt:

    Die Banken drucken das Geld, das sie zum Kauf von Staatsanleihen verwenden, es handelt sich hier um eine indirekte Inflation.
    Über die Target2-Salden, hat Deutschland diese Entwicklung massiv gefördert.

    Ich vermisse in Ihrem Artikel die Seite der Investment-Verschuldung, Hedge-Fonds und CDS-Swaps.

    Wenn JP Morgan ( Jamie Dimon ) mit dem massenhaften, billigen Zukauf griechischer Staatsanleihen, in einer Zeit des Niedergangs Griechenlands, auf den Bankrott Griechenlands wettet und nun seine Wetterlöse in Form von „bailouts“ oder „Ausfallversicherung“ haben möchte, dann habe ich dafür kein Verständnis.
    Die Zocker müssen an der Lösung des Problems beteiligt werden.

    • shobozenzo sagt:

      JPM hat heute nicht aufgepasst und die Gold und Silber Preisdrückung
      verschlafen oder es ist ihnen die Munition für ihre verbrecherischen
      Manipulationen ausgegangen. Innerhalb 1,5 Std ab 14h30 sind die
      Preise explodiert: Gold z.Zt. +3,46% und Silber +3,58 % !! Das bekommt
      man bei der Bank als Festgeld in 2 Jahren abzüglich 33% Kapital-
      ertragssteuer. Der EM Bug, der sein ganzes Vermögen darin hat,
      hat in 1 Std mehr Geld verdient als Merkel im ganzen Monat und das
      steuerfrei. Bald dürfte das Fenster für EM Käufe sich schließen, weil
      niemand mehr verkauft und die Preise durch die Decke gehen.

    • der goldhamster sagt:

      Nicht die Banken drucken das Geld, sondern die
      ZENTRALBANKEN: