Eterna-Chef: Deutsche werden mehr Geld haben, aber dafür weniger Hemden kaufen können

Mit bügelfreier Kleidung hat sich Eterna einen Namen gemacht. Wie sich ein Deutsches Unternehmen gegen Billigprodukte auf dem heiß umkämpften Textilmarkt behaupten kann und wie sich die Eurokrise auf das Kleidungsverhalten der Menschen auswirkt, erklärt der Geschäftsführer von Eterna im Interview.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Eterna gibt es seit 1863, der Name steht im Lateinischen für „ewig“ und ihre bügelfreien Hemden und Blusen sind zu einem Klassiker am Textilmarkt geworden. An der Produktpalette hat sich in den vergangenen fast 150 Jahren nicht viel verändert. Welche Rolle spielt für Sie Innovation?

Peter Rentsch: Innovation spielt für eterna eine sehr große Rolle. Gerade in der schnelllebigen Bekleidungsbranche könnte ein Unternehmen ohne kontinuierliche Weiterentwicklung niemals auf eine fast 150-jährige Geschichte zurückblicken. Unser Spezialgebiet ist und bleibt die Herstellung bügelfreier Hemden und Blusen. Veränderungen finden aber dennoch stetig statt: Im Laufe der Zeit haben wir unsere Produkte in Material, Schnitt und Design perfektioniert und werden uns auch in Zukunft nicht auf vergangenen Erfolgen ausruhen. Unsere neueste Innovation ist die Weltneuheit Dynamic Cotton, eine 100 %-Baumwoll-Qualität mit bis zu 20 % Querelastizität und auch noch bügelfrei!

Wie hat es Eterna geschafft, sich auf dem Textilmarkt, der von Billigprodukten und Globalisierung geprägt ist, durchzusetzen?

Mit gleichbleibender Qualität, hoher Lieferbereitschaft, der europäischen Prozesskette sowie der höchsten Auszeichnung von OEKO TEX: dem OEKO TEX Standard 100 plus. Diese Zertifizierung bedeutet, dass die Produkte durchgängig schadstoffgeprüft werden und alle an der Herstellung beteiligten Betriebe konsequent umweltverträglich produzieren. Diese Eigenschaften in Kombination mit exklusiven, wertigen Dessins überzeugen den Verbraucher. Billigprodukte sind für den eterna Kunden keine Alternative. Ein Alleinstellungsmerkmal im Textilmarkt hat heute nur eine starke gewachsene Marke.

Worauf wurde bei der Prägung der Marke Eterna besonders geachtet?

Die Erfahrung der vergangenen 150 Jahre mit einer vorausschauenden Unternehmensführung zu verbinden und so unserem Selbstverständnis als verantwortungsbewusstes und zukunftsweisendes Unternehmen gerecht zu werden.

Bügelfreie Produkte gibt es inzwischen auch schon von anderen Herstellern. In wie weit macht die Marke ihren Erfolg aus?

Unsere Hemden sind tatsächlich erwiesenermaßen noch bügelfreier als die anderer Anbieter. Zudem kann niemand sonst den Verbraucher zusätzlich zu dem Komfort der Bügelfreiheit mit einem so guten Gewissen verwöhnen. Es werden viele weiße Hemden angeboten, wir bieten ein Hemd mit einer weißen Weste.

Wie versucht Eterna sich von seinen Mitbewerbern abzugrenzen?

Eterna bietet durch die kurzen Wege vom Stoff bis zum fertigen Hemd unschlagbar schnelle Lieferzeiten und eine einmalige Flexibilität. Artikel unseres NOS-Programmes sind noch am nächsten Tag beim Kunden. Die Fachhändler wissen diesen Service sehr zu schätzen. Am deutlichsten grenzt eterna sich aber durch die fühlbare Perfektion aus, die sich durch alle Stufen des Unternehmens zieht: von den Produktionsbetrieben, in denen die Näherinnen in angenehmen Arbeitsbedingungen Hemden und Blusen herstellen – aus einem Stoff, für den nur die besten 3% der weltweiten Baumwollernte gut genug sind – über zufriedene Mitarbeiter in der Zentrale in Passau, bis hin zum Kunden, der sich, ohne Gewissensbisse, über ein modernes, hochwertiges Markenhemd freuen kann.

Inwieweit profitieren Sie vom Made-in-Germany-Image?

Produkte aus Deutschland genießen den Ruf, von besonders guter Qualität zu sein und deutsche Unternehmen gelten als sehr zuverlässig. Von diesem Ruf alleine profitieren wir aber nur einmal, jede Folgebestellung verdanken wir unserer tatsächlichen Leistung. Unsere Kunden haben die Erfahrung gemacht, dass ihre Bestellungen bei uns mit der für Deutschland typischen Gründlichkeit bearbeitet werden, dass sie sich auf die Liefertermine verlassen können und die Qualität hält, was sie verspricht.

Wie geht Eterna mit der Konkurrenz durch Billigexporte um?

Billigexporte spielen in der Bekleidungsbranche eine Rolle. Aber ein Kunde, der ein Hemd für 14,95 Euro kauft, ohne darauf zu achten, wo, wie, von wem und mit welchen Substanzen dieses hergestellt wurde, ist kein eterna Kunde. Insofern ist es nicht unser Ziel, mit Billigexporten zu konkurrieren.

Wie hat sich das Kaufverhalten der Menschen in der Krise verändert? Sparen die Europäer sprichwörtlich bis zum letzten Hemd?

Der Konsum ist stimmungsabhängig und reagiert deshalb auf saisonale Schwankungen des Wetters, aber auch auf stimmungsbestimmende öffentliche Diskussionen in den Medien. Europäer sparen mehr als Amerikaner aber weniger als Japaner!

Ein Großteil der Bevölkerung hat weniger Geld um es auszugeben. Trifft das Ihrer Meinung nach auch auf die Zielgruppe von Eterna-Produkten zu?

Der Einkommensanteil für Bekleidung ist in den letzten Jahren rückläufig, weil andere Konsumgüter wie z. B. Elektronik mit hohen Innovationsraten sehr stark zulegen konnten, was grundsätzlich auch einen Teil der eterna Kunden betrifft. Darüber hinaus hat sich das Kaufverhalten verändert. Viele Konsumenten kaufen nur noch Angebote z. B., in Outlets.

Inzwischen wird gefordert, die Sparmaßnahmen in Europa zu lockern um der Bevölkerung mehr Geld für Konsum zu lassen. Wie denken Sie wird sich die Krise in der Eurozone weiterentwickeln und wie wird sich das auf ihr Geschäft auswirken?

Die Krise in Europa bleibt eine Krise Europas und nicht von einzelnen Ländern. Der Euro wird deutlich schwächer werden und an Kaufkraft verlieren, damit die Ungleichgewichte sowie die hohe Verschuldung korrekturfähig werden. Die Bevölkerung wird mehr Geld haben, aber weniger Hemden dafür erhalten.

Kommentare

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  1. Diether sagt:

    Sehr geehrter Herr Rensch, liebes Eterna Team es wird immer Menschen geben die herausragende Innovationen schlecht reden. Ich persönlich bin froh, dass es solche Firmen gibt, die sich durch Alleinstellungsmerkmale von andern unterscheiden. Wer nicht erkannt wird wird übersehen. Weiter so…… Mit freundlichen Grüßen Gerhard Diether

  2. holyowly sagt:

    Bügelfrei oder nicht…. eigentlich ist das nur eine theoretische Frage.
    Wer gepflegt aussehen will, der trägt gebügelte Hemden. Auch das Hemd von Herrn Rentsch dürfte gebügelt sein.

    Die Frage ist, wie man das gewünschte Ergebnis erreicht. Bei Eterna Hemden (…ähh und ähnliche Markenhemden….hmm) bekommt man schnell und leicht das gewünschte Ergebnis. Es flutscht.. wie die Hausfrau so schön sagt.

    Bei Billighemden muss ich den Stoff oft glatt prügeln (nicht bügeln!) und dann hilft dabei sogar die Dampfstation nicht.

    Einziges Manko, das ich bei Eterna Hemden kenne, ist das Kragen und Manschetten relativ schnell verschleissen. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass mein Mann Eternahemden lieber und somit öfter trägt… *g*

  3. Korsar sagt:

    Der Einkommensanteil für Bekleidung ist in den letzten Jahren rückläufig, weil andere Konsumgüter wie z. B. Elektronik mit hohen Innovationsraten sehr stark zulegen konnten, was grundsätzlich auch einen Teil der eterna Kunden betrifft. Darüber hinaus hat sich das Kaufverhalten verändert. Viele Konsumenten kaufen nur noch Angebote z. B., in Outlets.

    Das ist sicher richtig, aber vergessen wird dabei, das auch viele Kunden / Käufer, auch aus diesem Marktsegment einfach weggebrochen oder heraus gefallen sind. Der Kreis der Nachfrager, ist schmäler. Hinzu und nicht zu verachten ist indirekte Konkurrenz, durch den Anstieg von Mieten, Energie, Lebenshaltung, Gesundheits- b.z.w., medizinischen Kosten, Fahrt zum Arbeitsplatz u.s.w. Es gibt keine fixen Schichten mehr, auf deren Kaufkraft man sich verlassen konnte. Im Phoenix konnte gestern der Trigema- Chef seine Sicht der Dinge darstellen, auch sehr interessant.

  4. Vanessa_ sagt:

    “…an Kaufkraft verlieren, damit die Ungleichgewichte sowie die hohe Verschuldung korrekturfähig werden.”

    So korrigiert man Ungleichgewichte?
    Der kleine Mann kriegt immer weniger für sein fast wertloses Papiergeld, kann damit weniger kaufen und büßt bei seinem Lebensstandard immer mehr ein. Ich nenne das Betrug auf ganzer Linie. Sollen die etwas hergeben, die diesen Mist verbockt haben und sich bereichert haben auf Kosten der Allgemeinheit. Hätten wir ehrlichen Lohn für ehrlioche Arbeit, wären Unternehmer und Manager der Großkonzerne nicht innerhalb weniger Jahre zum Millionär/Milliardär aufgestiegen.

  5. frau nachnarin sagt:

    ich habe eigene worte, um die krise auszudrücken.

    werte schwester und werter bruder im land
    liegt es nicht offen auf der hand

    die regierung schafft die verfassung ab
    nicht mal dies bringt uns auf trab

    es wird mit europa ein fiskalpakt geschnürt
    der uns zu mehr schulden führt

    sparmaßnahmen werden uns ausferlegt
    davon man sicher nicht besser lebt

    der arbeitende mensch nur noch “maschine” ist
    er soll funktionieren für jeden mist

    doch rechte zum schutz werden abgeschafft
    habt ihr das jetzt auch gerafft

    eine neue weltordnung soll es richten
    davon profitieren nur die oberschichten

    der kleine mann, die arme sau
    und auch seine kleine frau

    sollen mit ihren steuergeldern alles bezahlen
    wartet ab, es sind bald wahlen

    wir sollten die reichen besteuern
    und die planlose regierung feuern

  6. Raus aus Deutschland sagt:

    Weisser als weiss und

    noch

    bügelfreier als die Anderen.

    Bei den Worten musste ich schmunzeln!

    • Michele sagt:

      Ich verstehe den Artikel so: Blaue Arbeitshemden werden kürzer geschnitten.

    • frau nachbarin sagt:

      jeder, der verkauft “prahlt” sein produkt an.
      ich finde das nicht mehr zum schmunzeln.

    • KClemens sagt:

      Mein Freund hatte auch schon einmal ein bügelfreies Hemd von Eterna. Das “bügelfrei” funktioniert nur richtig gut, wenn man die Schleuderleistung der Maschine etwas herunterdrosselt und die Sachen gut naß aufhängt.

      Hat den Nachteil, daß die anderen Sachen dann teilweise lange zum Trocknen brauchen. Und wie sich “bügelfrei” im Trockner verhält, weiß ich nicht, weil ich keinen habe.

      Sind “bügelfreie” Hemden zu lange geschleudert, gibt es auch da Knitter und Falten und man muß bügeln. Geht aber schneller als bei anderen. Die korrekte Bezeichnung wäre wohl eher “nicht bügelintensiv” oder “bügelarm”….