Think Tank: Drachme-Einführung bringt hohe Inflation in Griechenland

Sollte sich Griechenland tatsächlich dazu entschließen, den Euro zu verlassen, käme nach heutigem Stand ein möglicher Finanzierungsbedarf von bis zu 259 Milliarden Euro auf die internationalen Gläubiger zu. Dies umfasst dem Think Tank Open Europe zufolge jedoch lediglich die kurzfristige, unmittelbare Hilfe.

Der Think Tank Open Europe hat sich vor den neuen Parlamentswahlen in Griechenland am 17. Juni damit beschäftigt, welche Gelder der griechische Staat zunächst benötigen würde, sollte er sich für ein Verlassen der Eurozone entscheiden. „Aufgrund eines zu erwartenden Zusammenbruchs der Banken und eines drängendem Bargeldmangels“ würde Griechenland „zwischen 67 und 259 Milliarden Euro externe und unmittelbar, kurzfristige Unterstützung benötigen“, schreibt Open Europe. Dies beinhalte allerdings nicht die langfristige Unterstützung oder Kosten bei einer Ansteckung des „Rests der Eurozone“.

Diese Unterstützung könnte theoretisch zwischen dem IWF, der Eurozone und Nicht-Euro-Länder aufgeteilt werden, so der Think Tank. So würden „die Banken und Pensionsfonds eine Kapitalspritze von 55 Milliarden Euro benötigen“, um einen Bank-Run und große Verluste bei den Pensionsfonds zu verhindern. „Dies könnte Griechenland nur schwer ohne externe Hilfe aufbringen.“ Ende März waren die griechischen Bank stark abhängig von der EZB – sie hatten bei der Europäischen Zentralbank fast 79 Milliarden Euro geliehen, da sie teilweise von Interbankenmarkt abgeschlossen waren.  Zusätzlich dazu hielten sie unter der Notfall-Liquiditäts-Assistenz (Emergency Liquidity Assistance – ELA) über die griechische Zentralbank weitere 49 Milliarden Euro. Wenn Griechenland den Euro verlässt, würden beide Finanzierungswege sofort gestrichen werden, so Open Europe.

Darüber hinaus müsste die „neue griechische Zentralbank auch eine neue Währung in Höhe von 128 Milliarden Euro an Liquidität bereitstellen, um griechischen Banken liquide zu machen“. Dies entspricht rund 63 Prozent des BIP und würde wiederum zu einer hohen Inflation führen. Diese Auffassung teil auch der Chef des weltweit größten Versicherers AIG: Vor allem die Rentner würden bei einer neuen Währung sofort die Inflation zu spüren bekommen. Auch Bezieher von anderen Fixeinkommen würden nicht verschont, sagte Benmosche dem Nachrichtendienst Bloomberg.

Eine Abwertung der neuen griechischen Währung in Höhe von 30 Prozent wäre die Folge. Einerseits würde das zwar die Exporte ankurbeln, allerdings auch die Kosten für Importe deutlich steigen lassen. Zusätzlich dazu kämen beispielsweise auch sofortige Einsparungen auf die griechische Regierung in Höhe von 12 Milliarden Euro zu, um verschiedene Rechnungen begleichen zu können, wie etwa für Krankenhäuser und Sozialausgaben.

Insofern würden zwei Schritte Open Europe zufolge die Aussichten auf einen geregelten Austritt Griechenlands deutlich erhöhen: Zunächst „müsste der Bankensektor rekapitalisiert, verkleinert, konsolidiert und restrukturiert“ werden. Es wäre jedoch auch notwendig, einen „primären Überschuss zu erzielen, damit der Staat seine laufenden Kosten ohne fremde Hilfe“ finanzieren könne.

Open Europe weist jedoch darauf hin, dass es zwar „klare wirtschaftliche Vorteile für Griechenlands bei einem Austritt aus der Eurozone“ gebe, warnt jedoch ausdrücklich vor den Risiken, die langfristig die kurzweiligen Vorteile überwiegen würden.

Kommentare

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  1. skeptiker sagt:

    Das Geld, das Sie für den Austritt benötigen, sollen sie sich doch bitte von GoldmanSachs holen.

  2. Korsar sagt:

    Mittlerweile hat ein jeder Depp, seinen eigenen „Think Tank“. Und, wenn ich mir die Zahlen anschaue, und mir sage, das kann so sein, dann ist es um so wichtiger Griechenland aus dem EURO zu bringen. Ein Land mit 11 Millionen Einwohnern, ist in der Lage, den ESM-Topf, sofern er denn kommt, aufzubrauchen.

    Es ist ein völlig unkalkulierbarer Wahnsinn, wenn Deutschland weiterhin im EURO bleibt.

  3. frame sagt:

    Sollte wohl besser „Thin Tank“ heißen.

    Die Inflation der Drachme ist doch der eigentliche Grund für den Ausstieg.
    Dann können die korrupten griechischen Politiker und Banken ihren Bürgern das Geld
    (die neue Drachme) unterm A… weg-entwerten und sich so der Guthaben entledigen.

    Offensichtlich handelt es sich bei dieser Meldung um blanke Propaganda.

  4. armer Mann sagt:

    Das wird so oder so kommen müssen, weil die Griechen seit dem Euro im Durchschnitt um 70% über ihren Verhältnissen leben. Es sei denn Deutschland übernimmt die 70%.

    • shobozenzo sagt:

      Ja, GR wird um Jahrzehnte zurück geworfen werden. Das wird so oder
      so passieren. Und es wird bei uns ähnlich passieren, da unsere Voll-
      pfosten-Politiker von Wirtschaft nichts verstehen und naiv gläubig
      Gelder, die sie nicht haben in ein gigantisches Fass ohne Boden
      schütten. Die Rache des Steuerzahlers ist ihnen sicher.

    • nichtvon Bedeutung sagt:

      Entschuldigung,

      aber was soll das sein – „über die Verhältnisse leben“?

      Was wäre den das „richtige Mass“ in einem Finanzsystem, das durch Zinses-Zins und „fractional reserve banking“ (jede Bank hat nur einen Bruchteil des Geldes, das sie als Kredit verleihen darf, momentan zwischen 2 – 8%) das exponentielle Wachstum der Geldmenge unvermeidbar macht, es sei denn man lässt Bankrotte zu.

      Genau diese blieben aber aus, stattdessen wurden Banken gerettet, die jede Menge faule Kredite vergeben haben. Und diese Kredite haben nun mal Menschen im gesamten „Westen“ angenommen, sei´s für´s nächste Auto oder Klamotten aus dem Internethandel – und immer noch werden Kredite für den Konsum von den Banken beworben.

      Gleichzeitig werden Banken von den Regierungen gezwungen, die von ihnen emittierten Anleihen im großen Stil zu „kaufen“, da sonst die Finanzierung aller Staaten sofort „erledigt“ wäre. Schauen Sie sich bitte mal das Verhältnis, Verschuldungsquote/BSP, wobei hier natürlich zwei Komponenten ins Spiel kommen: private und staatliche Verschuldung. Und damit das Spiel weiterläuft, kommen die größten Spenden an die Parteien von den Banken, schließlich lassen sich durch die schieren Umsatzvolumina riesige Boni ausschütten.

      Kurz: der „Reichtum“ des gesamten Westens beruht schon seit langem nicht mehr auf technologischem Vorsprung, sondern nur darauf, dass dieses Ausbeutungssystem der Banken durch IWF, Weltbank,… bisher global zu Gunsten des Westens gearbeitet hat. Das gelingt aber nur solange wie es in den ärmeren Ländern
      1. der Export zu Schleuderpreisen gewinnbrindender Resourcen durch die genannten Institutionen erzungen wurde – die sind dann zynisch genug, das „freie Marktwirtschaft“ zu nennen
      und
      2. keine anderen Marktteilnehmer da sind, die auf dem „freien Markt“ mitbieten können.

      Das Erstarken der BRIICS war sowohl ein wirtschaftliches, als auch ein politisches, was den genannten Institutionen IWF und Welbank und damit dem gesamten „Westen“ genau diese zwei Punkte verhagelt. So bleibt dann nichts anderes, als dass die genannten Institutionen ihren „Segen“ zurück in die Länder bringen, aus denen sie kamen, wobei´s natürlich auch noch den Graben zwischen angelsächsischer Hochfinanz und den restlichen Europäern gibt. Vom 2.Wk bis Ende des kalten Krieges haben die Westmächte nicht in voller Härte gegeneinander spekuliert, das ist jetzt anders, wobei natürlich die USA mit Weltreservewährung/Petrodollar gegenüber dem restlichen Westen in einer ähnlichen Situation sind wie zuvor der gesamte Westen gegenüber der „dritten „Welt“.

      Kurz: der gesamte Westen erntet, was er gesät hat.

      Griechenland ist nur der Vorbote, die Banken – die ja längst die Politik bestimmen, die unsere Staatsschauspieler dann darstellen dürfen – testen gerade aus wie viel Korporatismus die Europäer hinnehmen – siehe ESM völlig undemokratische Transferunion, sowie durch EU-Komission eingesetzte GoldmanSachs-Banker als Staatsoberhäupte (GR, I)-, ohne Revolutionen zu machen – Faschismus war immer schon der Versuch, Besitzverhältnisse durch Gewalteinsatz zu stabilisieren . Da sich aber in Spanien eine ähnliche Situation schon zuspitzt, brennt denen der Hintern, daher in letzter Zeit auch das permanente Hyperventilieren hohler Phrasen wie:

      „der Euro ist sicher“
      „ohne Euro kommt der Krieg“
      „die große Finanz-Bazooka“ (zu Retten?)

      Das Finanzsystem erzeugt Gewalt und eine paranoide Weltsicht, in der die meisten meinen, sie hätten sich ihren „Wohlstand“ „verdient“, ohne auch nur ein Stückchen über historische oder systemische Zusammenhänge oder die Auswirkung des eigenen Handelns nachzudenken.

      Geld-Gier auf der einen Seite korreliert doch prima mit autistischer, narzistischer Weltsicht auf der anderen, oder?

  5. FDominicus sagt:

    think-tank? 1+ 1 = 3 (erste Näherung)

    Man kann auch sehen in welche Richtungen „gedacht“ wird.
    – Fiat-Drachme (aber klar)
    – Inflation (klar eben wegen Fiat-Drachme)
    – Banken pleite gehen lassen? (das geht absolut und überhaupt nicht)
    – Irgendwer muß eingreifen (aber sicher, damit es „besser“ geht, das mit permanenten Eingreifen erst mal das Chaos beschwört wurde, kein Wort.)

    Kosten wissen Sie auch schon genau 259 Mrd. Also sind wir inzwischen bei mehr als 700 Mrd gelandet bei einer offiziellen Verschuldung von 360 Mrd. Ist schon erstaunlich, mehr als das „Doppelte“ der „zugegebenen“ Schulden.

    Weiß irgendjemand von wem die „(No)think – tanks“ bezahlt werden. Ich tippe bei diesem auf die EU. Man sieht schon den Versuche heldenhaft die bishirgen Aktionen zu verteidigen und die Leute darauf vorzubereiten, daß die Eurokraten mal „wieder“ übermenschliches leisten werden müssen.

    Mit ist nicht mehr nur schlecht, mir ist speiübel.

    • G.N. sagt:

      Weiß irgendjemand von wem die “(No)think – tanks” bezahlt werden

      Die Regierungen
      die City of London
      Goldman&Sachs
      die Wall Street

    • nichtvon Bedeutung sagt:

      „Mit ist nicht mehr nur schlecht, mir ist speiübel.“
      Das war mir schon vor zehn Jahren, als mir klar wurde, wo das Alles so hinsteuert. Und meine Sorgen wurden dann auch noch hämisch als „Verschwörungstheorie“ oder „extremistisch“ angegriffen – kein Selbstmitleid, sondern Erläuterung, wie krankhaft das Ganze ist.

      Wo die „think-tanks“ hinsteuern wollen, sollte doch klar sein: erstmal „Vereinigte Staaten von Europa“, natürlich schön zentralisiert und mir bestenfalls homöopathischer Demokratie

      Das treffende Wort dafür ist wohl: NWO.

      Und immer noch ducken sich die meisten „normalen“ Menschen davor weg, diese Dinge auch nur mal in Betrachtung zu ziehen. Das finde ich mittlerweile schlimmer als die Kriminalität und Gier unserer Politiker, dieses Grunddenken:
      „es kann nicht sein, was nicht sein darf“

      War da mal was mit Kant und Aufklärung?

  6. Otto sagt:

    Da schlagen 2 Herzen in meiner Brust.
    Einerseits habe ich mit den einfachen Griechen schon Mitleid, andererseits kann es nicht sein, dass wir gezwungen werden den Lebensunterhalt für die Griechen zu erarbeiten und unsere Altersvorsorge zu verschenken.
    Wenn das griechische Volk nicht die Kraft hat ein ordentliches Staatswesen aufzubauen, dann müssen sie mit dem zurechtkommen was sie haben.
    Jede Art von Geldtransfer versickert in den korrupten Strukturen und bei den einfachen Griechen kommt sowieso nichts an.
    Warum soll mal wieder unser Steuergeld für die Rekapitalisierung der griechischen Banken herhalten?
    Was ist mit den Goldreserven und den Ölvorkommen Griechenlands?
    Was ist mit den riesigen Vermögen, die aus Griechenland ins Ausland geschafft wurden?
    Wer die Macht hat unser gesamtes Vermögen zu verpfänden, der hat auch die Macht
    diese Gelder einzuziehen.

  7. Alfons sagt:

    Nur weg mit GR; alles andere wird auf Dauer diesen Betrag um ein vielfaches übertreffen.

    Warum allerdings Deutschland (als fast letzter Zahler der sog. „EU“) für das Desaster in GR bei einem Autritt zahlen sollte, erschließt sich mir nicht.

    Für GR sollte der Reset tatsächlich bei Null sein; d.h. ohne jegliche weitere Hilfen.

    Nur so ist es möglich, diese Kleptokratie zu vernichten und einen realistischen Neuanfang auf Basis der Leistungsfähigkeit und des Leistungswillens der dortigen Menschen zu beginnen.
    Grundsätzlich dürfte der Lebensstandard -ohne weitere Alimentation- sich an den Nachbarländern orientieren (Albanien, Bulgarien) bzw. in einigen Jahren annähern.

    • shobozenzo sagt:

      wenn nach dem GR Desaster Spanien und Italien kommen, werden
      wir das Mega-Desaster sehen: Ähnlich korrupte Strukturen und
      Billionenschulden und Billionen Bedarf für „Rettungen“. Mit dem
      verfaulenden Euro gehen wir alle mit unter, dank unseren „Super-
      hirnen“ in Berlin, Brüssel und Straßburg.