Griechenland: 500.000 Angestellte im Mittelstand seit 3 Monaten ohne Gehalt

In Griechenland hat die Schuldenkrise dazu geführt, dass niemand mehr seine Rechnungen bezahlt: Weil jede Firma oder Institution einen anderen etwas schuldet und der Staats teilweise seit 6 Monaten keine Rechnungen mehr bezahlt hat, trifft es vor allem die Angestellten im privaten Sektor.

Besonders dramatisch ist die Lage im Gesundheitswesen: Das Wall Street Journal berichtet, dass im Henri Dunant Krankenhaus in Athen die letzten Gehälter, die ausbezahlt wurden, jene vom Dezember 2011 gewesen seien. Ein Sprecher des Krankenhauses sagte, dass der Betrieb nur aufrechterhalten werden können, weil Ärzte und Krankenhauspersonal unentgeltlich weiter arbeiten. Sie fühlen sich ihren Patienten verpflichtet und legen die Arbeit aus moralischen Gründen nicht nieder.

Ähnlich ist die Lage in fast allen privaten Unternehmen: Vor allem der griechische Staat zahlt kaum noch reguläre Rechnungen. Umgekehrt haben fast alle Unternehmen Schulden bei den Banken oder den Lieferanten. Der Domino-Effekt ist durch die verspäteten EU-Hilfsgelder verschärft worden. Weil eine Tranche erst im Dezember statt im September ausgezahlt wurde, hat der griechische Staat seinen ursprünglichen Plan, die im Jahr 2011 aufgelaufenen Schulden an Lieferanten und Institutionen abzubauen, wieder fallengelassen. Statt dessen versucht die Regierung, den Schuldendienst bei den Banken aufrechtzuerhalten. 70 Prozent der EU-Hilfsgelder gehen wieder an die internationalen Banken, die offiziellen Gläubiger und die griechischen Banken.

Die Griechen horten Euros, weil sie der Meinung sind, dass der Euro für sie die beste Sicherheit sei, nach einer Währungsreform Geld zur Verfügung zu haben. Zahlreiche Privatkredite werden nicht mehr bedient, wodurch die Anzahl der faulen Kredite bei den Banken massiv gestiegen sei, berichtet die griechische Zentralbank.

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  1. hugin sagt:

    GRICHENLAND – DESASTER
    Bis zur Einführung der Kunstwährung EURO, hat offenbar in Griechenland alles mehr oder weniger funktioniert. Allen Euro-Ländern, sowie auch Griechenland wurden die Hoffnungen der hochgejubelten Einheitswährung nicht erfüllt, sondern stellt nur eine Belastung dar.

  2. Tommy Rasmussen sagt:

    4. Juni 2012 – Das griechische Parteienbündnis SYRIZA fordert in seinem Wirtschaftsprogramm die Zurückweisung des diktatorischen EU-Memorandums und eine Neuverhandlung der Schulden – einschließlich der Möglichkeit eines Schuldenmoratoriums – sowie eine Mobilisierung der Ressourcen für eine Politik des Wiederaufbaus. Bei einer öffentlichen Veranstaltung am 1.6. erklärte , Vorsitzender von SYRIZA: „Es gibt kein Memorandum, das mehr oder weniger schlecht ist. … Wir werden es abschaffen… Wir werden uns für eine Neuordnung mit dem Ziel einer Schuldenverringerung oder eines Moratoriums einsetzen, sowie für die Aussetzung der Zinszahlungen, bis sich die Wirtschaft wieder stabilisiert und Anzeichen der Erholung zeigt. Die Schuldendienste müssen der Wachstumsrate der griechischen Volkswirtschaft angemessen sein.“

    SYRIZA würde auch die Banken verstaatlichen, die als Teil des EU-IWF-Rettungsprogramms mit Staatsmitteln rekapitalisiert worden waren. Tsipras legte eine Reihe weiterer Maßnahmen dar: Sofortige Rückgängigmachung der 22%igen Reduzierung des Mindestlohns, der dann wieder bei 751 Euro monatlich liegen würde; Ausdehnung der Zahlung des Arbeitslosengeldes auf zwei Jahre statt nur einem Jahr; Widerrufung der jüngsten Reformen des Arbeitsmarkts; Aufhebung aller Sondersteuern; Aussetzung der Einschnitte bei Sozialleistungen, Renten und Löhnen im öffentlichen Sektor, Verringerung der Mehrwertsteuer; Anhebung der öffentlichen Ausgaben über die 36%, die das Memorandum vorschreibt; stärkere Besteuerung großer Einkommen; Verstärkung der Anstrengungen gegen Steuerhinterziehung; Beendigung der Steuerbefreiungen für Schiffseigner.

    „Die Griechen verlangen kein Geld“, sagte er. „Sie sind keine Bettler. Sie verlangen Arbeit und die Möglichkeit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Wir können garantieren, daß das ohne die scharfen Einschnitte des Memorandums erreicht werden kann“, sagte Tsipras.

    http://bueso.de/node/5726

  3. DK_Jule sagt:

    wenn das nicht so gemacht wird, wird das sowieso eine ewige! Transferunion. Der Hellseher Flassbeck hat das 2005 übrigens genauso vorausgesagt – Haargenau diese Transferunion wegen Ungleichgewichten in der Leistungsbilanz im gemeinsamen Währungsraum — in dem Dokument stand genau das, was wir jetzt alles haben.

    gezahlt werden wird so oder so — das wird in einem gemeinsamen EU-Zonen-Währungsraum genauso wie der Transfer zwischen West und Ost-Deutschland.

    der Süden Europas ist dann der neue Osten — alle wissen, das trotzdem keine blühenden Landschaften bei rauskamen.

    außerdem muss man sich das Geld direkt bei der EZB besorgen für Null % bis maximal 1% Zinsen — die Banken bekommen das ja auch günstig hinterhergeschmissen – diese müssen wegen Gier und Korruption verstaatlicht werden.

  4. DK_Jule sagt:

    wir können die anderen Länder doch nicht kaputt sparen und ganz Europa in jahrzehntelange Deflation führen.

    Deutschland muss raus aus dem Euro — dann können die anderen Länder sich erholen und wir verlieren erstmal ein paar Jobs, Werten unsere Währung auf und die anderen werden wettbewerbsfähiger.

    außerdem müssen in DE die Löhne um 30% angehoben werden — das ist in etwa die Lohndrückerei, die sich die vergangenen Dekade so angestaut hat.

    mittlerweile verdient man in Südeuropa in vielen Branchen mehr als hier. Nur DE und Japan hatten sinkende Realeinkommen.

    • Werner sagt:

      “…kaputt sparen…”

      Ein Phantasie-Wort aus dem sozialistischen Vokabular !
      Man kann sich nicht “kaputtsparen” , aber man kann sich sehr wohl überschulden !

      Lies mal ein Lehrbuch über Makroökonomie !
      Und werfe deine sozialistischen Phrasen weg !

  5. Alexander Greiss sagt:

    Was im Artikel vergessen wurde. Das Haupteinkommen der Ärzte in Griechenland setzt sich aus “Fakelaki”. Die Ärzte arbeiten also keinesfalls unentgeltlich, was ja auch wirtschaftlich kaum möglich wäre.

  6. Fred K'heimer sagt:

    Ja, und?

    Die Griechen haben es doch selbst in der Hand diese Situation zu ändern!

    Sie müssen nur ihre Abgeordneten ins Parlament treiben, damit die in einem letzten Dienst am Volk – bevor sie an die Wand gestellt werden – den Ausstieg aus dem Euro und der EU beschließen.

  7. Liebling sagt:

    Man tut sich schwer, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

    Welchem Pleitier, der vor zwei Jahren noch sein Auskommen hatte, kann man das heutige Chaos, plausibel erklären. Gar nicht.
    Man könnte auf dem Kopf stehen und würde nichts begreifen.
    Das EU-Karussell dreht sich unkontrolliert und viel zu schnell. Es fliegen bereits die Fetzen.

    Den Rest besorgt die Fliehkraft und nach dem Abriss der Ketten, die Gravitation.
    Die Bürger richten sich besser auf eine harte Landung ein, denn für sie gibt es keinen Rettungsschirm.

  8. Walter Schneider sagt:

    Wenn jeder dem anderen etwas schuldet dann müsste man sich nur einfach das Geld wegdenken und ganz normal weiterleben, mit Konsum, mit allem drumherum.