EZB bleibt cool: Bedrohte Banken hoffen nun auf die globale Bazooka

EZB-Chef Mario Draghi sagt, Europa allein sei nicht schuld an der Krise. Nach der konservativen Leitzins-Entscheidung der Europäischen Zentralbank wird nun über eine konzertierte Aktion aller wichtigen Notenbanken spekuliert.

Die EZB senkt den Leitzins nicht, wie von vielen erhofft. Die Entscheidung fiel mehrheitlich, 12 der 15 Direktoriumsmitglieder sollen für die Beibehaltung gestimmt haben. Als Abweichler werden die Spanier gehandelt, weil sie in ihrer aktuellen Banken-Krise jede Erleichterung gebrauchen können. Auch andere Banken werden die Entscheidung mit Sorge verfolgt haben – haben doch viele von ihnen ein Liquiditätsproblem.

Dennoch blieb Draghi stur: Als Grund für die Beibehaltung des Leitzinssatzes gab der EZB-Präsident an, dass es noch keine harten Fakten für ein fundamental verändertes Umfeld gebe. Wohl aber gebe es weiche Faktoren, die auf eine Verschlechterung hinweisen. Daher sprach Draghi von einem „erhöhten Risiko einer Abwärtsentwicklung“. Er sagte, es sei die Aufgabe der Regierungen Europas, den Sparkurs fortzusetzen. Die betroffenen Staaten Irland, Portugal und auch Griecheland hätten erhebliche Fortschritte gemacht. Nun müssten sie den eingeschlagenen Weg zu Ende gehen.

Für die Banken gibt es trotzdem eine gute Nachricht: Die Banken in der Euro-Zone bekommen weiter unbegrenzte Liquidität von der EZB zur Verfügung gestellt. Zu diesem Zweck wird die sogenannte Vollzuteilung bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften (MTRO) der Banken so lange wie nötig verlängert, mindestens jedoch bis Mitte Januar 2013 verlängert. Ursprünglich waren die MTROs bis Mitte Juli befristet. Bemerkenswert ist, dass Draghi die Banken noch einmal aufforderte, zu überprüfen, welche Sicherheiten sie für neue Kredite stellen könnten. Im vergangenen Herbst hatte die EZB ihre Anforderungen für Sicherheit drastisch reduziert. Draghi sieht hier noch Spielraum für die Banken: Sie sollten überprüfen, was im Zug des LTRO erlaubt wurde und entsprechend die Möglichkeiten ausschöpfen.

Draghi hält es nun für an der Zeit, dass die Politik darüber entscheide, ob es eine deutlich vertiefte Integration in Europa geben solle oder nicht. Vergleichbar dem Delors-Plan von 1986 brauche man nun einen Fünf- oder Zehn-Jahres-Plan, wohin sich Europa entwickeln solle. Der ESM könne durchaus ein Banken-Lizenz erhalten – dazu müsste jedoch der ESM-Vertrag geändert werden. Euphorisch ist Draghi über die Idee nicht, weil der ESM dann Shareholder bei den Banken würde. Im übrigen habe die EZB alle Vorkehrungen getroffen, um die EU bei der Errichtung des ESM als Agent zu unterstützen.

Die aktuelle Situation schätzt Draghi jedoch bei weitem nicht so gefährlich ein wie vor der Lehman-Pleite. Das sieht um seine Wiederwahl kämpfende US-Präsident Barack Obama allerdings ganz anders. Er sagte am Wochenende, die Euro-Krise drohe auf die USA überzugreifen. Die Aussagen zeigten, dass der Präsident „sehr nervös“ ist, wie ein Analyst dem Business Insider berichtet (Obama macht die Europäer jetzt schon für die US-Probleme verantwortlich – hier). Draghi widersprach dieser Einschätzung deutlich: Alle hätten ihre eigenen Probleme, auch die Amerikaner. Draghi verfolgt offenkundig die Strategie, die Krise etwas von Europa wegzuschieben und an die kollektive Verantwortung aller Player zu appellieren.

Daher rückt nun auch wieder die Möglichkeit einer gemeinsamen Intervention aller großen Notenbanken in den Blickpunkt. Nach wie vor gibt es massive Befürchtungen, ein System-Crash könne durch den Zusammenbruch einer Bank in Europa ausgelöst werden. Zwar weiß offiziell niemand, welche Bank am meisten bedroht ist. Fest steht jedoch, dass es den Banken immer schwerer fällt, sich mit Liquidität zu versorgen. Die Investoren geben den europäischen Banken kaum noch Geld, der Interbanken-Markt ist wieder zum Erliegen gekommen, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in ihrem aktuellen Bericht dokumentiert.

Daher könnten die Notenbanken in einer konzertierten Aktion zur Rettung schreiten. Diese soll sich, wie Beobachter mutmaßen, in einem neuen Dollar Swap ausdrücken. In einem solchen Prozess stellt die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) der Europäischen Zentralbank (EZB) Dollars in unbegrenztem Ausmaß zur Verfügung. Die EZB reicht diese dann in Form von Krediten an die notleidenden Banken weitere. Spekulationen über einen solchen Dollar Swap haben sich in den vergangenen Tagen verdichtet.

Die Zentralbanken haben diesen Rettungsring das letzte Mal im November 2011 ausgeworfen. In der allgemeinen Begeisterung über die von der EZB ausgegebenen LTROs ist die Wirkung der Dollar-Finanzspritze aus Amerika, England und Japan etwas untergegangen. Beobachter halten jedoch fest, dass genau diese Maßnahme im vergangenen Jahr maßgeblich dafür verantwortlich war, dass der Crash vermieden werden konnte. EZB Präsident Mario Draghi hatte eingeräumt, dass das Finanzsystem vor Weihachten tatsächlich am Rande des Kollaps gestanden habe.

Ein Dollar Swap würde den Banken helfen, sich wieder mit Liquidität zu versorgen – damit würde der System-Crash verhindert. Langfristig ist diese Maßnahme freilich nicht. Sie reicht vermutlich nicht einmal, um Obama einen ruhigen Herbst zu verschaffen. Die LTRO Mittel der EZB sind bereits aufgebraucht (mehr hier). Das ist nicht erfreulich, denn die großen Finanzierungs-Runden der europäischen Staaten stehen in diesem Jahr noch an. Wenn die Banken keine Liquidität haben, um Staatsanleihen zu kaufen, steigen die Zinssätze – und damit die Gefahr für einzelne Staaten, von den Kapitalmärkten ausgeschlossen zu werden. Aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist Spanien (hier).

Besonders bedenklich ist jedoch, dass die Super-Mega-Bazooka eines Dollar Swaps nun bereits im Halbjahres-Rhythmus ausgepackt werden muss. Eine nachhaltige Konsolidierung in der globalen Schuldenkrise sieht anders aus.

Kommentare

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  1. Nasenmann sagt:

    Das Problem ist, die nächsten Volksbetrüger sitzen hier schon wieder in den Startlöchern. Steinbrück und Trittin sind beim Bilderberg-Treffen schon gebrieft worden und die nächsten nützlichen und willfährigen Idioten für die Pyramiden-Spitze. Lukrative Jobs sind ihnen auch nach ihrer Politiker-Karriere schon in Aussicht gestellt worden. Bedingung war nur das Ausbluten des eigenen Volkes und der Verkauf des eigenen Landes zum Spottpreis. Oma Erna und Opa Rudolph werden die bestimmt wählen, ansonsten werden die Ergebnisse auch einfach mal manipuliert. Presse und Medien werden alles tun, damit diese Vertreter vom verblödeten Wahlplebs, als seriös und kompetent angesehen werden.

  2. Jochen sagt:

    Bazooka, dicke Berta und Thor , demnächst noch den eisernen Gustav, wohl zuviele deutsche Kriegsberichte WKI+II gesehen,
    Ihre Kriegssprache ist der Vorgeschmack dessen was noch kommt. Nichts aus der Geschichte gelernt, dann ist es wohl Zeit für einen Reset. Wir sind eben nur Primaten, vielleicht bringt uns WKIII ja evolutionär weiter.
    Carpe diem

  3. jay twelve sagt:

    Ein tote Eisbär verhält sich „cool“ auf der Eisscholle, bis die Eisscholle im Richtung Süd-Südost geschmolzen ist. Dann ist der tote Bär nur noch Futter für die Fische.

  4. Silverager sagt:

    Mit dem Euro bekam jedes der 17 Euroländer ein Prokrustes-Bett hingestellt. Die einen waren für das Bett zu kurz (die PIIGS-Staaten, sogar Frankreich) und sollen nun auf die Streckfolter, um für das Bett passend gemacht zu werden.

    Deutschland hingegen war für das Bett viel zu lang. In der griechischen Mythologie ließ Prokrustes denen, die für das Bett zu lang waren, die Beine so weit abhacken, bis sie hineinpassten. Dieses Schicksal steht Deutschland bevor.

    PS. In der griechischen Mythologie hat das Prokrustes-Bett leider niemand überlebt…

  5. J.J.Rousseau sagt:

    Fressen und gefressen werden. Man erntet nur was man säht. Nur wer gibt bekommt. Banken nehmen statt geben – exitus.