Inflation und Immo-Blase: Die Krise kehrt nach Island zurück

Island wird immer gerne genannt, wie sich ein Land durch geschickte Abkoppelung von der Welt aus der Krise befreien kann. Nun zeigt sich: Die Inflation steigt, eine neue Immobilienblase droht - die Krise ist in das Wunderland im Norden zurückgekehrt.

Kaum erholt sich Island von der großen Bankenkrise und wird von europäischer Seite für seine Fortschritte gelobt, entsteht schon das nächste große Problem für den Inselstaat. Die Preise für neue Häuser sind im letzten Quartal immens gestiegen und liegen nun 40,1 Prozent über den Zahlen von Ende 2010. Durchschnittlich sind die Hauspreise seit der Talsohle 2009 um 11,3 Prozent gestiegen. Im Mai kostete eine durchschnittliche Wohnung 28 Millionen Kronen, elf Jahre zuvor 12,4 Millionen Kronen.

Um Island vor einer massiven Kapitalflucht zu schützen, führte die Regierung 2008 Devisenkontrollen ein. Doch genau dies kann nun zu einer Immobilienblase führen. Offshore Investoren halten derzeit rund acht Milliarden Kronen und sind nicht in der Lage, ihr Geld außer Landes zu schaffen, so der Ökonom Thorbjorn Sveinsson von Arion Bank hf. Da diese Einschränkungen, so signalisiert es zumindest die isländische Regierung, bis mindestens 2015 beibehalten werden sollen, flüchten sich die Fonds in weniger langfristige Anlagemöglichkeiten wie Immobilien. „Wenn die Entwicklung so ohne Einmischung weiter geht, wird dies in den nächsten zwei Jahren zu einer Immobilienblase führen”, erklärt Asgeir Jonsson von der Vermögensverwaltung Gamma der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Es besteht ein höheres Risiko einer spekulativen Blase, wenn die Wirtschaft hinter Kapitalverkehrskontrollen abgeschlossen wird.”

Zudem kämpft Island mit einer steigenden Inflation. Die Verbraucherpreise sind im April um 6,4 Prozent gestiegen, so das nationale Statistikbüro. Die isländische Zentralbank hat seit August bereits vier Mal den Leitzins auf derzeit 5,5 Prozent angehoben und hat weitere Maßnahmen angekündigt. Die Inflation birgt zusätzliche Risiken für den Immobilienmarkt, da die meisten Hypotheken an den Verbraucherpreis-Index gebunden sind. Die Schuldenlast der Hypothekennehmer ist gestiegen. 2010 stieg die Verschuldung der privaten Haushalte auf 270 Prozent des verfügbaren Einkommens. Ein Jahr vor dem Zusammenbruch der Banken lag sie bei 217 Prozent, so die Zentralbank.

Mit einem Volumen des Marktes für Hypotheken-Anleihen von einer Milliarde Kronen ist dieser Markt fast doppelt so groß wie die Staatsverschuldung, schätzt Gamma. Viele der ausländischen Investoren umgehen aber den Hypothekenmarkt und kaufen die Immobilien direkt. „Seit einiger Zeit ist zu erwarten, dass die anderen eine Billion Kronen, die aufgrund der Kapitalkontrollen noch für den Markt verschlossen sind, ihren Weg in den Immobilienmarkt finden werden“, warnt Olafur Isleifsson, Wirtschaftsprofessor an der Universität Reykjavik. Die Ausfallversicherungen (Credit Default Swaps ) für Island sind im Mai auf ein Vier-Monats-Hoch gestiegen, das Misstrauen der Investoren wächst. Die Differenz zwischen den Credit Default Swaps von Island und Deutschland weitete sich in der vergangenen Woche um 210 Basispunkte.

„Die Eine-Million-Dollar-Frage ist nun, ob die Behörden etwas unternehmen, um auf die Blase zu reagieren“, fügt Olafur Isleifsson hinzu. Asgeir Jonsson von der Vermögensverwaltung Gamma schätzt, dass die Regierung versuchen wird, die Gefahr mittels einer Eindämmung der Kreditvergabe durch die Banken zu reduzieren. Dies würde die Nachfrage aufgrund der höheren Eigenkapitalanforderungen bei den Käufern senken. „Gleichzeitig würden aber die Privatpersonen darunter leiden“ und wohl weniger die ausländischen Investoren, die die Immobilien ohne Hypotheken erwerben.

Kommentare

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  1. OutdoorM65 sagt:

    Wow! Die Preise sind seit dem absoluten Tief um gigantische 11,4% gestiegen? Da fliegt mir ja gleich das Blech weg und sogar um 120% innerhalb von 11 Jahren? Das riecht nach einer gewaltigen Blase! Darf ich dann auch von einer Blase für Schokolade, Autowäschen, Kinoeintrittskarten usw. in Deutschland ausgehen? Da lagen die Steigerungsraten auf gleichem Niveau.
    Mein Professor in BWL hat uns im Jahr 2001 immer davon berichtet, dass es in D spezifische Preisobergrenzen für bestimmte Güter gibt, über denen die Verbraucher nichts mehr kaufen würden. Bei Markenschokolade lag die bei 0,99 DM, was heute so etwa 51 Cent wären…… Warum steht dann aber jetzt mehr als 1,00 € auf dem Tablett? Sehen wir eine Preisblase wie in Island?

    http://www.amazon.de/milka-Schokolade-Lebensmittel-Getr%C3%A4nke/s?ie=UTF8&keywords=Milka&page=1&rh=n%3A358578031%2Ck%3AMilka

  2. G.N. sagt:

    “Auf der Strecke bleiben würden dabei Brüsseler Träume von einer noch stärkeren europäischen Integration als scheinbare Konsequenz der Krisenbekämpfung.”

    Und genau das ist der Grund, warum so schnell wie möglich der absolut rechtswidrige ESM-Vertrag, für den es keinerlei Mandat von uns Bürgern/Wählern gibt, installiert werden soll.
    Da es ein Zurück nach der Ratifizierung nicht gibt, glauben die Politiker, der ESM wäre für alle Zeit gültig.
    Aber Verträge kann man auch zerreißen. Soll schon vorgekommen sein, zumal hier die rechtliche Grundlage zur Ratifizierung dieses Vertrages komplett fehlt.
    Ich hoffe, das Volk wird sich gegen die Plünderung seines Volksvermögens wehren, spätestens, wenn es erkannt hat, was für eine Ungeheuerlichkeit hier mit ihm gegen seinen Willen geschieht!

    • Observer sagt:

      Das Volk wird sich eben nicht wehren, ja… genau aus dem Grunde, weil es gar nichts ahnt von den kriminellen Machenschaften der Politverbrecher!

      Das Schlimmste dabei ist, dass sich dieses Volk gar nicht um Aufklärung bemüht und lieber in der Ahnungslosigkeit dahin döst! Ist ja auch bequemer und Bequemlichkeit haben sie schließlich Jahrzehnte lang gelernt!

    • RicoCoracao sagt:

      ESM: Wenn Rechtsgeschäfte oder Willenserklärungen so schwere Mängel aufweisen, dass das Gesetz ihnen von Anfang an keine Rechtswirkungen zugesteht, sind sie nichtig.

  3. Tommy Rasmussen sagt:

    Droht Athen das Schicksal Islands?

    12.04.2012 – Island erlässt Hypothekenschulden aller Einwohner – Island erlässt als erstes Land der Erde die Hypothekenschulden aller Einwohner…mit der Begründung: das Volk kann nicht als Verursacher herangezogen werden für die Taten von Bankern und Politikern, die sich auf Abwegen befinden…
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=uyxzg58JkYI
    http://sherriequestioningall.blogspot.de/2012/04/iceland-forgives-mortgage-debt-for.html
    http://www.bilderberger.ch/?p=3529
    http://brd-schwindel.org/island-erlaesst-hypothekenschulden-aller-einwohner/

    03.06.2012 – Dem krisengeplagten Island geht es wieder besser, gerade weil es sich nicht an den Rat von EZB, EU und IWF hielt. Nach dem Zusammenbruch dreier Großbanken hat Island einen wirtschaftlichen Absturz erlebt wie die Euro-Krisenländer Irland und Griechenland. Während diese allerdings immer tiefer in der Krise versinken, ist Island längst wieder auf Erfolgskurs.

    Von „massiven Erschütterungen“ bis zum „unkalkulierbaren Risiko“: So klingen Warnungen vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone üblicherweise. Etwas anders lautet die langfristige Prognose des Chefs des weltgrößten Devisenhandelsunternehmens ICAP, Michael Spencer: „Sobald ein Land austritt und davon profitiert, werden einige andere das auch für vernünftig halten. Die ganze Dürftigkeit des Euro-Experiments wäre dann so klar zu sehen, wie des Kaisers neue Kleider.“ Ein Griechenland, das nach Rückkehr zur Drachme den Weg aus der Krise schafft, könnte in der Tat Nachahmer wie Portugal und Irland finden. Auf der Strecke bleiben würden dabei Brüsseler Träume von einer noch stärkeren europäischen Integration als scheinbare Konsequenz der Krisenbekämpfung.

    Dass Island, das sich nicht an die Rezepte von EU, EZB und Bankenlobby gehalten hat und dabei überaus erfolgreich war, weitgehend aus der Berichterstattung der deutschen Medien verschwunden ist, dürfte kein Zufall sein. Vergleicht man die katastrophale Ausgangslage der Insel im Jahr 2008, dann drängt sich ein Vergleich mit der aktuellen Lage von Griechenland und Irland fast auf. Dem Bankrott dreier isländischer Großbanken im Herbst 2008 folgte ein Kollaps der Wirtschaft. Islands Inflationsraten reichten im Laufe der Krise bis an 19 Prozent heran, während der Wechselkurs der isländischen Krone zu 60 Prozent einbrach. Zwar sank die Wirtschaftsleistung zunächst im zweistelligen Prozentbereich, der unvermeidbar scheinende Staatsbankrott konnte allerdings in letzter Minute noch abgewehrt werden.

    Umso erstaunlicher ist die Lage Islands drei Jahre später: Die Wirtschaft wächst mit rund drei Prozent und somit dreimal schneller als in Irland, das von der EU gern als Vorbild der Krisenbewältigung dargestellt wird. Der irischen Arbeitslosenquote von 14,5 Prozent steht ein Wert von 7,5 Prozent in Island gegenüber.

    Der isländische Erfolg beruht auf dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Anders als Irland hat sich Island geweigert, die horrenden Schulden des privaten Banksektors den Steuerzahlern aufzubürden. Stattdessen wurden die bankrotten Banken einfach fallengelassen. Hätte man das irische Modell übernommen, dann hätten die 320000 Isländer jahrzehntelang die 85 Milliarden Dollar an Schulden zurückgezahlt, die rund 30 größenwahnsinnige Bankmanager innerhalb weniger Jahre angehäuft hatten. Islands Regierung hat lediglich das Inlandsgeschäft der Pleitebanken übernommen, ausländische Gläubiger mussten ihre Verluste alleine tragen. Ebenso wichtig war die Handlungsfreiheit in der Währungspolitik. Durch eine Abwertung der isländischen Krone um 50 Prozent ist die isländische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig geworden.

    Die Abwertung nach außen hat etwas möglich gemacht, wovon die Arbeitnehmer in den Euro-Krisenländern nur träumen können: Lohnerhöhungen, mit denen die Binnenwirtschaft angekurbelt wird. In Tarifverhandlungen wurde ein Anstieg der Löhne von 11,4 Prozent und sogar eine Verdoppelung der Mindestlöhne innerhalb von zwei Jahren vereinbart.

    Nobelpreisträger Joseph Stiglitz steht mit seiner Einschätzung „Island hat das Richtige getan, während Irland alles falsch gemacht hat“ nicht allein. Danske-Bank-Analyst Lars Christensen sieht für die schnelle Erholung Islands noch einen weiteren entscheidenden Grund: „Die Staaten der Euro-Zone sind den falschen Weg gegangen, indem sie ihre Haushaltspolitik gelockert haben. Island hat dies nicht getan, auch weil seine einzige Möglichkeit die Verschärfung der Haushaltspolitik war. Zwei Jahre später haben sie sich gut aus ihren Problemen herausgearbeitet, während die Griechen tief im Schlamassel stecken.“ Angesichts der aktuellen Diskussion über mehr „Wachstumsimpulse“ in der Euro-Zone scheint die Haushaltspolitik Reykjavíks ebensowenig Nachahmung gefunden zu haben wie die dortige Aufarbeitung der Bankenkrise.

    Erst vor wenigen Tagen wurde etwa der ehemalige Chef der Kaupthing Bank, Sigurður Einarsson, von einem Gericht in Reykjavik dazu verurteilt, umgerechnet 3,4 Millionen Euro an die Bank zurückzuzahlen. Derartige Prozesse sind in der EU ebenso unwahrscheinlich wie das Verfahren, mit dem sich Island eine neue Verfassung geben will. Ein gewählter Verfassungsrat aus Bürgern statt Politikern ist mit der Ausarbeitung eines neuen Entwurfs beauftragt worden, um Ersatz für ein mittlerweile 68-jähriges Provisorium zu schaffen. Mit kleinen Änderungen hatten die Isländer 1944 bei ihrer Unabhängigkeit einfach die dänische Verfassung übernommen. Sollte der neue Entwurf eine parlamentarische Mehrheit und die nötige Stimmenanzahl bei einem Referendum erhalten, wäre Island auch mit diesem bürgernahen Verfahren einer Verfassungsgebung Vorreiter in Europa.

    http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/10158-island-erfolgsgeschichte

    http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/verschwiegene-erfolgsgeschichte.html?cHash=d37ce81a00817eac367fbcde8b2b3603&sword_list%5B0

    • Observer sagt:

      Ich glaube der Dank Vieler Leser hier, für diesen Artikel, ist ihnen gewiss! Doch genau dieser homöopathisch kleine Gruppe ist das alles sehr bewusst, nur diejenigen, die die politischen Entscheidungen treffen sind diametral von dieser Erkenntnis entfernt!

      Wobei ich sicher bin, dass ein Mensch, der fehlerlos auf drei zählen kann, gar nicht so blöd ist, das ganze Dilemma zu erkennen. Deshalb steht mit absoluter Sicherheit fest, dass all die agierenden Politkasper ausschließlich nur ausführende Organe sind, ohne eigene Meinung und skrupellost, wie das ganze System!

  4. WiKa sagt:

    Den letzten beißen die Hunde. Der letzte Absatz des Artikels ist interessant. Diejenigen die auf Wohnraum angewiesen sind, die Bewohner des Landes, bekommen dann am Ende die Kredite dafür nicht mehr, während die wabernden Geldmengen der „Investoren“ sich die Schlacht darum liefern.

    Ausgeplündert werden dann die Menschen über die Mieten, die logischerweise an die Preise der Immobilien angepasst werden. Die absolute Garantie für den Untergang und klassisches Beispiel dafür, was auch hier noch ins Haus steht, bis der Geldberg soweit angewachsen ist, dass er bei seinem Zusammenbruch die Menschen der Nationen im Stück erschlägt. Na da haben wir aber viel gekonnt mit dem Euro … (°!°)

  5. MIKEMT sagt:

    Für die Medien ist es wahrscheinlicher einfacher, die Staaten zu nennen, die noch keine Krise ihr eigen nennen können und nicht von den Bankern beherrscht werden.