Hans-Werner Sinn: Haftungsunion würde Bonität Deutschlands gefährden

Eine Vergemeinschaftung der Schulden hätte für Europa katastrophale Folgen, warnt der Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Aber auch eine Bankenunion sieht er skeptisch, die Lasten dürften nicht sozialisiert werden – der Steuerzahler hätte das Nachsehen.

Der Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn unterstütze am Donnerstag den aktuellen Kurs der Kanzlerin. Würden alle Schulden in einen Topf geworfen werden, wäre die Top-Bonität Deutschlands in Gefahr. „Dann würden wir in den Strudel hereingezogen. Der Untergang Europas ist dann ziemlich sicher”, sagte der Ifo-Präsident in München. Solche Anreize zu einer noch höheren Verschuldung, da die Länder im Falle einer Vergemeinschaftung der Schulden nicht mehr für ihre Verbindlichkeiten verantwortlich seien, müssten vermieden werden, ergänzte er.

Zwar solle der Euro gehalten werden, „aber nicht mit allen Ländern“. Angeschlagene Länder wie Griechenland oder womöglich auch Spanien müssten eine Chance zur Gesundung bekommen. Das funktioniere aber nicht innerhalb des gemeinsamen Währungsraumes. Diese Länder müssten temporär ausscheiden. Frei nach dem Motto: „Austreten, abwerten und wieder rein“, so Hans-Werner Sinn.

Ebenso kritisch sieht der Ifo-Präsident die geplante Bankenunion. Da die Verbindlichkeiten der Geldhäuser fast drei Mal so groß seien wie die Staatsschulden in Europa, dürften die Lasten nicht sozialisiert werden. „Das geht letztlich zulasten der Steuerzahler“. Es führe kein Weg daran vorbei, dass die betroffenen Banken im Süden Europas für die faulen Kredite zusammen mit ihren Eigentümern aufkommen und die nötigen Abschreibungen vornehmen. „Das sind Summen, die unsere Fähigkeiten übersteigen“.

Kommentare

Dieser Artikel hat 37 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Korsar sagt:

    Bislang wurde uns eine fehlende „Solidarität mit den Völkern des EURO“, so verkauft, das fehlende monetäre Unterstützung, seitens Deutschlands, zu den „Med- Staaten“, die Bonität Deutschlands sinken ließen.

    Das ganze, lässt sich auch gegenteilig sehen. Eben, mit netten Leuten aus dem „Outback“ gesprochen, die eine ganze Vorbehaltspalette, zu dieser Politik aufwarfen. Unter anderem, das man Finanzdaten aus Deutschland, ganz generell in Zukunft nicht trauen wird, da Deutschland seinen Ruf dadurch verliert, das es zu einem sehr großen Weltschuldner wird. Zu einem „Wackeldackel“. Die so oft verkündete Solidarität mit den Völkern des Südostens, wird zum Boomerang.

  2. Bürger von Dummland sagt:

    Das kann schon am Montag losgehen. Wer kauft denn Bundespapiere zum Microzins, wenn er Spanien- und Italienanleihen mit deutlich höheren Zinsen bekommt und trotzdem die Bonität Deutschlands dafür geradesteht?

  3. Michael sagt:

    Der grundsätzliche Fehler, nicht nur von Prof. Sinn, ist doch der, dass die die Schulden ins Verhältnis zum BIP setzen. Aber dieses BIP ist eine fiktive Zahl, die sich dehnen läßt. Die Realen Schulden bzw. wir wollen ja nicht grausam sein, die Zinsen darauf, sollte man schon ins Verhältnis zu wirklichen Einnahmen setzen. Das sind bei einem Staat die Steuen, nicht das BIP. Wenn man das so sähen, wäre der Schrecken der Krise doch um einiges geringer. Nähme man das Schulden/Steuern-Verhältnis könnten fast alle Finanzminister nur noch sagen: „Aber leider sind wir pleite.“

    BIP ist sehr sehr dehnbar, egal was Herr Professor dazu sagt. Zum Beispiel zählen in den USA Rüstungsausgaben zum BIP, zu den Einnahmen. Auch in Europa werden zivil nutzbare Rüstungsinvestitionen, nämlich dieser ganze Überwachungströdel, zum BIP, als „Wachstum“ dazugezählt, obwohl es offenkundige Ausgaben, zusätzliche Schulden, sind.

    Aber leider sind auch die „grundsoliden Deutschen“ theoretisch schon lange pleite. Insofern ist es ziemlich abartig über andere Völker die Nase zu rümpfen um hier eine Investitionspanik AUF PUMP anzuschieben. Es ist ganz einfach der Unterschied zwischen Zinsen kassieren und Zinsen zahlen. Jeder, der schon mal einen Kredit nehmen mußte, wird das mühelos verstehen.

  4. greentwig sagt:

    Alle reden von „Bankenrettung“. Die sollen Insolvenz beantragen, deren Aktionäre ihr Kapital verlieren. Gerettet werden sollten vielmehr die griechischen Sozialversicherungsträger, welche die Spitäler, Apotheken, Ärzte etc. nicht mehr bezahlen können, weil ihnen durch den Haircut die Rücklagen beschnitten wurden sind.
    Solche Notlagen dürften in Europa 2012 nicht mehr passieren.

  5. HansMeiser sagt:

    Gigantische Niederlagen als Siege hinzustellen, schaffen nicht viele. Politiker, Fußballtrainer und Manager schaffen das allerdings spielend. Ich empfehle den Tagesausblick von Dirk müller auf cashkurs.com

    • Vanessa_ sagt:

      Database Error

      The current username, password or host was not accepted when the connection to the database was attempted to be established!

      Haben Sie einen direkten Link dorthin? http://www.cashkurs.com/ funktioniert, da kommt obige Meldung.