Olympische Spiele in London: Polizei rechnet mit Krawallen

Die britische Polizei befürchtet, bei den Olympischen Spielen könnten es zu schweren Unruhen kommen. Die sozialen Spannungen werden durch die Sparmaßnahmen verschärft, unter denen auch die Sicherheitsbehörden zu leiden haben. Die Polizei glaubt, die Randale könnte noch schlimmer ausfallen als im vergangenen Jahr.

In etwas mehr als drei Wochen finden in London die Olympischen Spiele statt. Ein Event der Superlative, das jedoch unter keinem guten Stern stehen könnte. Da sich die wirtschaftliche Not vieler Briten im Zuge der Schuldenkrise vergrößert hat, erwartet die britische Polizei noch stärkere soziale Unruhen als im vergangenen Jahr. Dies geht aus einer aktuellen Studie des Guardian und der London School of Economics hervor, bei der 130 Polizisten, die 2011 in die Unruhen verstrickt waren, befragt wurden.

Einerseits erwarten die Polizisten eine Wiederholung der Ausschreitungen, so die Studie, und andererseits fürchten sie, nicht die nötigen Ressourcen aufbieten zu können, um im Fall des Falles entsprechendes zu verhindern bzw. zu beruhigen. Die britische Regierung will im Zuge der Sparmaßnahmen rund 20 Prozent des Polizei-Budgets kürzen, die Gehälter der Polizisten sollen teilweise eingefroren und die Rentenbeiträge erhöht werden. „Die Polizisten sagten, das weitere Ausschreitungen wahrscheinlich seien“, so die Studien, „und viele von ihnen machen die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen als Ursache dafür verantwortlich“. Viele der Befragten rechnen damit, dass derartige Unruhen sehr wahrscheinlich seien oder sogar „unmittelbar bevorstehen“.

Dass die Sicherheit zu den Olympischen Spielen unter internationaler Kontrolle ist, kann die Polizisten nicht beruhigen. „Ich denke, wenn in schlechten wirtschaftlichen Zeiten, heißes Wetter und irgendeine Art von Ereignis zusammentreffen, (…) ist meine Antwort: Ja, es könnte sein”, gab ein Polizeipräsident aus Manchester an. „Weil ich nicht glaube, dass sich irgendetwas zwischen den Ereignissen im vergangenen August und dem hier und jetzt verändert hat“, fügt er hinzu. „Das einzige, was anders ist, ist das die involvierten Leute damals bemerkt haben, dass Ausschreitungen lustig sind“.

Die Unruhen im vergangenen Jahr begannen zunächst mit friedlichen Protesten, bis am 4. August ein Mensch von der Polizei getötet wurde. Tausende zornige junge Menschen randalierten daraufhin in den Straßen von London und anderen Großstädten, plünderten Geschäfte und legten Gebäuden in Brand. Bereits damals reagierte die Polizei zu langsam und war unvorbereitet, aber mit der derzeitigen Schwäche der Polizei könnte dies bei neuen sozialen Unruhen zu noch größeren Problemen führen.

Der HMCI, ein unabhängiger Polizei-Watchdog, teilte am Montag mit, dass geplant sei, die Polizeikräfte um 6 Prozent (5.800 Polizisten) zu senken, um Ausgaben zu kürzen. Und die Finanzierungslücke von 302 Millionen Pfund könnte eine weitere Reduktion der Polizeikräfte zur Folge haben, so der Watchdog.

Kommentare

Dieser Artikel hat 15 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Samsara sagt:

    Es gibt ein Interview mit einem investigativen Journalisten, der undercover bei G4S einer für die Sicherheit bei den London Olympics zuständigen Firma gearbeitet hat.
    Er kritisiert Mängel bei Ausbildung und techn Ausstattung und er erzählt auch folgendes „Also there are plans for the evacuation of London, G4S are going to be at the forefront, as well as 100,000 troops coming in via Woolwich barracks made up of regular British Forces, American regular army and European troops. Lee was not told why there would be any need for an evacuation of the whole of London, they just said it was to be a “defining moment in the history of London”.

    Hier der Link zum Interview, falls es jemanden interessiert (2. Stunde, ganz unten, zuerst Einleitung und Musik, dann Interview):

    http://bcfm.org.uk/2012/06/22/17/friday-drivetime-76/18658

    • Samsara sagt:

      Im Interview erzählt der investigative Journalist auch noch folgendes:
      „There is also a shipment of what are being described as casket linings, each casket can hold four or five people and 200,000 casket linings have been delivered we believe from America“

      • Samsara sagt:

        Aus irgendeinem Grund fehlt der erste Teil meines Postings. Daher versuche ich es nocheinmal. Ich will auch keine Angst damit einjagen, sondern denke nur, falls da wirklich was „Grosses“ passieren sollte, hätte das vermutlich starke Verwerfungen im Finanzsektor (denn London DAS Zentrum des Europ. Finanzmarktes ) und in der Wirtschaft zur Folge.

        Ein investigativer Journalist hat lt. einem Sender unter einem Pseudonym ein Interview gegeben. Er gibt im Interview an, Undercover bei einer Security-Firma gearbeitet zu haben, die für London Olympics zuständig ist und er kritisiert Sicherheitsmängel. Ausserdem meint dieser investigative Journalist folgendes „Also there are plans for the evacuation of London, G4S are going to be at the forefront, as well as 100,000 troops coming in via Woolwich barracks made up of regular British Forces, American regular army and European troops. Lee was not told why there would be any need for an evacuation of the whole of London, they just said it was to be a “defining moment in the history of London”.

        Hier der Link zum Interview, falls jemand Interesse haben sollte, es anzuhören: (2. Stunde, nach dem einleitenden Text und der Musik kommt das Interview):

        http://bcfm.org.uk/2012/06/22/17/friday-drivetime-76/18658

  2. Krisenvorsorge sagt:

    Dazu passen die Meldungen, dass die britische Polizei mit 30.000 Sturmgewehren ausgerüstet wird in den kommenden Jahren, eigentlich Gewehre, die eher für Soldaten gedacht sind, aber Polizisten bekommen, weiter unten im Text
    Quelle:
    http://www.survivalscout.de/2012/07/04/euro-demokratie-und-die-zukunft/

  3. Cecylia sagt:

    Wir haben gelernt, wie die Vögel zu fliegen, wie die Fische zu schwimmen; doch wir haben die einfache Kunst verlernt, wie Brüder zu leben.
    Zitat von Martin Luther King

    • Stefan Wehmeier sagt:

      „…wir haben die einfache Kunst verlernt, wie Brüder zu leben.“

      Diese Kunst ist zwar einfach, aber erst im Nachhinein betrachtet; und wir haben sie nicht „verlernt“, sondern wir müssen sie erst noch lernen.

  4. tomorrow sagt:

    Die Möglichkeit auf Anschläge oder ruhige Spiele stehen 50:50.
    Sollte etwas passieren? Ich denke nicht. Andere Völker sind genauso daran interessiert, die Olympischen Sportveranstaltungen als Politik-Freie Zone anzuerkennen, wie diese Botschaft des Friedens und der Fairness es erwartet. In letzter Zeit wurden wir an die Vorgänge bei der Olympiade in München 1972 erinnert. Das wird immer im Hinterkopf bleiben und sollte als die schlechteste aller Möglichkeiten, nie vergessen werden.
    Mögen es ruhige und für alle Beteiligten, erfolgreiche Spiele werden. Andererseits hat die Fußball-EM in Polen und der Ukraine gezeigt, dass der Versuch besteht, politische Position zu beziehen, bis zum Boykott. Das ist falsch. Internationale Differenzen haben in sportlichen Wettkämpfen nichts zu suchen. Brot und Spiele zu vermischen, katapultiert uns geradewegs ins alte Rom zurück. Daran kann kann im Grunde nur despotischen Diktatoren gelegen sein.
    Der persönliche Einsatz der Athleten und der Sieg des Besseren steht auf jeden Fall im Vordergrund. Man kann die Spiele auch als kleine Abwechslung und erfreulich sehen, ohne die bedrückenden Auswirkungen des Tagesgeschäfts aus den Augen zu verlieren.

    • Anaconda77 sagt:

      Das sehe ich vollkommen anders. Die EM hat doch gezeigt, dass Sport mittlerweile ein zu einem Politikum verkommen ist. Hier geht es mindestens so manipulativ und korrupt zu, wie in der großen Politik. Es geht hier mittlerweile um sehr viel Geld. Fußballmannschaften sind mittlerweile Konzerne und die Übertragungsrechte für solche Events, lässt man sich gut bezahlen! Hier geht es nur noch um das große Geld. Ich schaue mir so etwas längst nicht mehr an, verarschen kann ich mich auch selber!

  5. guantanamera sagt:

    Ich denke, dass ein paar Occupy-Demonstranten in der City of London enorm helfen könnten. Da dürften aber die Spenden an die Polizei fliessen. Krawalle interessieren die nicht, aber wenn man wie in New York sich den Schaltzentralen der ökonomischen Macht nähert, dann wird die Spendenbereitschaft an die Polizei gross sein.

    Also, Londoner Polizisten. Animiert mal eure Occupy-Bewegung. Dann gibts auch Geld und keinen Stellenabbau.

    PS: Der Sarkasmus ist beabsichtigt.

  6. Dasein sagt:

    Dann können sie ja ihre neue Überwachung testen. Bietet sich an.

    Sendung Kontraste vom ZDF

    Projekt Indect_ Ein Albtraum wird Wirklichkeit

    http://www.youtube.com/watch?v=fAJYD_OI3EY&feature=relmfu

  7. Fred K'heimer sagt:

    Es wird zwar über Mittelkürzungen bei der Polizei geschrieben, aber kein Buchstabe darüber wieviele Milliarden die Olympiade den Steuerzahlen kosten wird. (Anmerkung: Madrid ist Candidate City für die Olympiade in vier Jahren. Egal, wir zahlen gerne) Gut, der Zusammenhang ist auch nicht sofort zu erkennen, wenn man die Kaffetasse noch vor der Nase hat.

    Gottseidank sind die Briten ja nicht im Euro, nicht daß wir deren Bankrott auch noch zahlen müssen. Aber es ist schon interessant, was sich die Leute dort alles gefallen lassen. Geldverschwendung und Mittelkürzung geht dort wunderbar Hand in Hand.
    Erst letztes Jahr leistete man sich einen kostspieligen Einsatz mit den Frenchies in Lybien, Meilen davon entfernt den break even zu erreichen. Und dann wundert man sich, wenn das Defizit steigt. Egal, wir zahlen gerne.

    Deutschland leistet sich ja auch solche Geldvernichtung, nicht nur in Afghanistan sondern auch in Bosnien. Und vor der syrischen Küste steht die Marine auf verlorenem Posten. Egal, wir zahlen gerne.

    Na ja, die Entscheider im dt. Mittelstand werden die Nachricht richtig deuten: Randale in Britannien verschreckt die Kunden. Und die gilt es dann eben für dt. Produkte zu gewinnen.

    So müssen vermeintliche Schreckensnachrichten in anderen Ländern gedeutet werden: Firmen mit Produktionsstätten in Unruhegebieten oder Gebieten mit Erdbeben, Hochwasser, Feuer oder Stromausfall erleiden dadurch einen Wettbewerbsnachteil nicht nur materiell sondern auch beim Image. Und der clevere Entscheider nutzt den Nachteil der anderen zu seinem Vorteil. Monti hat es jüngst vorgemacht wie das geht. Egal, wir zahlen gerne.

    Zurück nach England: Ich lasse mich mal überraschen, wie sich die Polizei dieses Mal verhält. Letztes Jahr hat sie sich von den Randalierern durch die Straßen treiben lassen. Zudem wurde ein Diskussion gestartet, ob man sich vielleicht doch ein paar Wasserwerfer aus Deutschland ausleihen soll, weil man die selbst gar nicht hat.

    Der Sommer in GB verspricht heiß zu werden. Wer letztes Jahr zu träge war, sich auf die Socken zu machen, hat heuer nochmals die Chance an Plünderungen teilzunehmen. Nee, nee, plündern ist nicht mehr strafbar, wie die jüngste 2/3-Mehrheit über das EU-Ermächtigungsgesetz gezeigt hat. Auch hier gilt es, die Zeichen der Zeit zu deuten und für sich zu nutzen.

    Ich empfehle für die Überfahrt nach UK den Eurotunnel. Das dauert nur 20 Minuten Fahrzeit und von Folkestone geht es auf der M20 nach London. Wer in die Brennpunkte nach Birmingham fahren will, biegt auf die M25 ab und umfährt so London. Wer unterwegs noch das Domicil derer zu Sachsen-Coburg und Battenberg ansehen will, nimmt die Ausfahrt 13 an der M25.

    Also, viel Spaß und Gutes Gelingen! Es ist Zeit, mal den anderen Gelegenheit zum Zahlen zu geben.

    • Anaconda77 sagt:

      Wir zahlen gerne! So wie Ex-Kanzler Schmidt schon bemerkte, man muss sein Herz über die Hürde werfen. Genau das werden wir jetzt auch tun. Was sollen wir auch anderes machen, nachdem das Hirn dort schon seit Jahren einsam und alleine alleine liegt und vor sich hin gammelt. Also nicht kleckern, sondern klotzen – alles muss raus, besser gestern als morgen! Wir zahlen gerne!

  8. Richard sagt:

    Dafür muß man Verständnis aufbringen.

    Schafft doch soziale Kürzung, keine Frage, der Ist-Zustand ist ausufernde „spätrömische Dekadenz“, wieder „Vertrauen der Märkte“ – und wir wissen doch alle, wie wichtig das ist, Madame Lagarde sagt das auch!

    Außerdem schaffen die Kürzungen bei den Polizeilöhnen fast schon einen „Niedriglohnsektor“ und der schafft Arbeitsplätze, Guido Westerwelle sagt das auch!
    Lohnsenkungen sind der Garant für…äh, Aufschwung!

    Finanzminister Schäuble würde diese Maßnahmen sicher als „Stabilisierungspakt Europas“ bezeichnen.

    Zurecht sagt die SPD, wir brauchen mehr Flexibilität bei der Entsendung von Arbeitskräften in andere Länder. Die gleichen dort in diesen Vierteln den demographischen Wandel aus und erarbeiten die Renten der Einheimischen!

    Angesichts des Chors solcher Fachleute können wir Großbritannien zu seinen Maßnahmen nur gratulieren.

    An der neoliberalen Art wird die Welt genesen!

  9. Hulu sagt:

    Was da für ein Tamtam für Sicherheit und Terrorbekämpfung gemacht wird. Ich werde dort jedenfalls nicht hinfahren. Erstens alles viel zu teuer und der Sport geht mittlerweile deutlich unter bei dem ganzen Kommerz und zweitens kommt man sich dort eher vor, als wäre man in einer Hochsicherheitszone! Ohne mich…